Über sytoroa

ich bin hier

nach Skyros, Andros, Kea, und zurück zum Peloponnes

Einmal nach Mitternacht im Hafen Limenaria kommen streunende Katzen auf das Schiff, Mutzi verteidigt tapfer ihr Heim und geht bei der Katzenrauferei über Bord. Sie schwimmt dann etwa 200 m die die glatte Hafenmauer entlang bis zu einem Sandstrand, von dem aus sie nach einigen Stunden naß und sandig zurückkommt. Da wird sie um vier Uhr früh freudig empfangen, denn wir haben sie schon gesucht und uns große Sorgen gemacht. Dieses Ereignis, und die osteuropäischen Touristenmassen veranlassen uns Thassos zurück in Richtung Süden zu verlassen. Bei recht starkem Nordwind und eineinhalb Meter Welle fahren wir einen Tag und eine Nacht lang durch bis zur Insel Alonisos, wo wir schon waren. Die nächtliche Einfahrt zwischen den Inseln, 200 m breit, unbefeuert, finster, über 20 Knoten Wind und 1,5 m Welle, mit höchstens 8 qm Segelfläche, ist ziemlich aufregend. Der alte Ankerplatz ist bei dem Wind zu ungemütlich, daher ankern wir diesmal auf der Nachbarinsel Peristera in einer gut geschützten Südbucht. Hier stehen nur 3 kleine Häuschen und nur eines ist bewohnt. Auch haben kaum mehr als 3 Boote Platz zum Ankern. Es ist ein ruhiger Ort zum Ausschlafen, Baden und Genießen. Auch Mutzi hat einen Olivenhain für sich allein zum Spielen, nur selten kommen ein paar Ziegen vorbei. Hier ist der Hafenstress bald vergessen.
Die nächste Etappe teilen wir auf, am ersten Tag nach Skantzoura, am zweiten Tag nach Skyros. Es bläst Meltemi mit 25 Knoten, der wäre an sich fein zum Segeln, aber zwei Meter Wellen machen die Sache sehr anstrengend. Dann legen wir in Linara auf Skyros im kleinen Hafen an.
Der Liegeplatz kostet zwar 21 Euro je Nacht, aber das ist er unbedingt Wert. Es gibt Murings, Trinkwasser, Strom, Tankstelle, Internet, Computer mit Drucker zur freien Verwendung, Mülltrennung, sogar eine Müllpresse, saubere Toiletten und funktionierende Duschen, sowie freundliche und hilfsbereite Marinamitarbeiter. Eine kleine Marina auf einem Top-Niveau, wie wir es in Griechenland sonst noch nirgends gesehen haben. Die Versorgung ist etwas begrenzt, es gibt nur einige Mini-Märkte, relativ teuer mit geringer Auswahl. Die Hauptstadt liegt 10 km entfernt, daher mieten wir uns wieder ein Moped und fahren die ganze Inselrunde ab, das sind etwa 70 km. Die nette Hauptstadt liegt auf einem steilen Berg, hat enge Gassen, steile Wege und weiße Häuser, schon sehr in der Art der Kykladen gestaltet. Obwohl die Insel eher trocken ist, gibt es ein paar Gräben und Täler mit Wald, sogar einige Quellen mit Trinkwasser. Drei Tage bleiben wir im Hafen, einen weiteren am Ankerplatz, dann soll das Wetter wieder zur Weiterfahrt nach Andros passen.
Laut Vorhersage sollen es 15-18Knoten Nordwestwind und 0,4m Welle sein. Das wäre fein, mit Raumschotkurs zu fahren. In Echt hat es dann anfangs 30 Knoten reinen Nord, schnell bauen sich 2m Welle auf. Dann geht der Wind für 5 Stunden auf 9-12Knoten zürück, die Welle bleibt. Es ist auf Vorwindkurs unmöglich vernünftig zu segeln. In der Kafireas Straße steigt der Wind dann auf bis zu 38 Knoten und bleibt so bis zum Ankerplatz. Griechenland, Ägäis ist absolut das beschissenste Segelrevier, das ich je befahren habe.
Andros ist eine nackerte, felsige Wüsteninsel mit ein paar weißen Häusern und einem miesen, typisch griechischen Stadthafen. Der einzige Souvlaki-Grill-Laden ist geschlossen. Nicht einmal Fischrestaurants, wie sonst überall, gibt es hier. Aber da könnte bei Windstärke 8 im Hafen sowieso niemand sitzen. Toller Ort. Ich bin überglücklich, das gesehen haben zu dürfen. Bei den Wetterverhältnissen reicht uns das als Beispiel für die Kykladen, dort wird es auch nicht besser. Am übernächsten Tag sollte der Wind vormittags gut für eine Weiterfahrt sein. Zehn Minuten vor dem Ablegen geht die blöde Katze von Bord und taucht mehr als drei Stunden nicht mehr auf. Dann kommt sie doch wieder daher, wir fahren mit vier Stunden Verspätung ab, dafür dürfen wir die letzten zwei Stunden bis Kea motoren. Die Katze hat ab sofort absolutes Ausgehverbot in Häfen. Kea ist noch kahler, und die kleine Ankerbucht bei Voukari ist am Wochenende voll mit Athener Motoryachten. Es gibt ein paar Tavernen und Bars, am Samstag viel Wirbel, am Sonntag ist es ruhiger, es sind auch viel weniger Boote da. Die Bucht ist gut geschützt, leider sind die Ankermöglichkeiten wegen unzähliger wild ausgelegter Bojen begrenzt, der Grund ist voller Bojenblöcke und alten Ketten. Montags ist es dann recht ruhig dort, aber mangels Einkaufsmöglichkeiten müssen wir weiter. Erst einmal fahren wir nach Kap Sounion. Dort sind wir schon mehrmals vorbeigefahren, diesmal steuern wir den Ankerplatz an. Da draußen ununterbrochen Frachter und riesige Motoryachten vorbeifahren ist der Ankerplatz sehr unruhig, wir werden hier bloß eine Nacht bleiben.
Der nächste Tag, die Überfahrt nach Poros, gestaltet sich wie in Griechenland üblich. 10 Knoten Wind in der Früh bei Anker auf, Segel rauf, angenehmes Am-Wind-Fahren, denken wir. Nach 10 Minuten sind wir aus der Bucht draußen – Windstille, Motor an. Das bleibt sechseinhalb Stunden so, bis wir kurz vor der Einfahrt nach Poros plötzlich wieder 15 Knoten haben. Der Wind bleibt dann am Ankerplatz den ganzen Abend weiter bestehen. Baden im Meer ist nicht lustig. Poros ist eigentlich ein recht schöner Platz, um die Zeit jetzt ist er aber völlig motoryachtverseucht. Der eigentlich gut geschützte Ankerbereich ist sehr unruhig von den ständig ein und ausfahrenden Schnellfähren und Megayachten. Die wenigen schönen Plätze in Griechenland sind in der Hauptsaison leider unerträglich. Wir warten hier einen Sturmtag ab, der Nordsturm richtet auf Chalkidike einige Schäden an, es gibt sogar Todesopfer durch umstürzende Bäume und umgeworfene Wohnmobile auf Campingplätzen. Nach zwei Tagen in Poros fahren wir bei Leichtwind weiter nach Ermioni.
Dort ist das Liegen wegen ständig fahrender Fähren und Taxiboote wieder einmal ungemütlich, obwohl es von Natur aus eine gute Schutzbucht wäre. Der bewaldete Naturschutzgebiet-Park, der ein besonderer Lieblingsspielplatz von Mutzi ist, wird dieses Mal von einer Gruppe Pfadfindern bewohnt. Die Jugendlichen sind aber recht ruhig und angenehme Nachbarn. Nach zwei Liegetagen fahren wir bei drehendem, unbrauchbarem Leichtwind unter Maschine nach Porto Cheli. Aber es ist für heute auch kein Wind angekündigt. „Unser“ Ankerplatz in der Fischerhafenbucht ist erst einmal besetzt, es sind überhaupt extrem viele Boote unterwegs, aber wir finden einen Platz nahe dem Buchteingang. Kurz nach Mittag, als wir gerade eine halbe Stunde ankern, fängt dann der Südostwind mit 12-15 Knoten an zu blasen und hört bis zum Abend nicht mehr auf. Der Wind wäre absolut optimal zum Hersegeln gewesen, jetzt vermiest er uns nur den Spaß am Baden. Am nächsten Tag können wir uns weiter in die Bucht hinein verlegen, wo kaum noch Wellen von vorbeifahrenden Schiffen hinkommen. Der Bau der Marina in Porto Cheli ist kaum fortgeschritten, die Stadt ist gammelig und dreckig wie immer, kaum einen Besuch wert. Nur die dicht bewaldete Halbinsel neben unserem Ankerplatz ist gut für die Katze geeignet, unbewohnt, keine anderen Katzen oder Hunde, fein zum entspannt spielen. Wir warten hier einen Frontendurchzug ab, wobei die Gewitter und der Regen einen Tag früher kommen als angesagt, und der angekündigte darauf folgende Starkwind darauf gar nicht stattfindet. Tolle Wettervorhersagen in diesem tollen Segelrevier.
Nach drei Tagen in Porto Cheli segeln wir bei gutem Halbwind nach Leonidion am Peloponnes zurück. Eigentlich hätte es ja windstill sein sollen und Motorfahrt war geplant, aber – siehe Absatz zuvor. Dieses Mal war es aber ein Glück für uns. Obwohl der Wind abends aufhört ist es im Hafen sehr schwellig und unruhig.
Am nächsten Tag geht es mit Maschine weiter nach Monemvasia. Es gibt sechseinhalb Stunden lang kein Lüftchen. Wir ankern in einer nach Nord geschützten Bucht, weil Nordwind kommen sollte. Ab dem Fallen des Ankers begint stärkerer Südost zu blasen, die Bucht ist natürlich nach Südost offen, sofort entsteht Schwell. Wieder ein typischer Tag in diesem öden Segelrevier. Tipp: Wenn sich’s vermeiden läßt, fahrt niemals mit einem Segelboot in dieses Land!
Die Fahrt von Monemvasia nach Süden um den Finger herum ist besonders widerlich. Wind mit 3 Knoten (also nichts!) aber Wellen von fast ein Meter von der Seite, von irgendeinem hunderte Kilometer entfernten Sturm in der Ägäis. Und irgendwo geht immer ein Sturm in diesem Scheiß-Meer. Und die Wellen breiten sich dann übers gesamte Meer aus und sind immer da. Als wir unten ums Eck fahren beginnt der angesagte Nordwind zu blasen. Nach 10 Meilen, bei Elafonisos ist plötzlich der 20 Knoten Wind aus. Wir bergen die Segel und starten die Maschine. Nach etwa 100m Fahrt setzt plötzlich 20 Knoten Süd ein und bläst uns nach Plytra. Zum Hinsegeln gut für uns, aber die Zielbucht wäre eigentlich als Schutz vor Nordwind gedacht gewesen. Jetzt bringt der Südwind wieder jede Menge Schwell für eine unruhige Nacht. Der starke Süd hält bis zum späten Abend an, die Wellen natürlich noch viel länger. Später dreht der Wind wieder auf Nordost, und das soll mindestens die nächsten 10 Tage anhalten. Der starke Meltemi in der Ägäis streut jetzt bis über die Osthälfte vom Peloponnes herein. Wir halten vier Tage in der Gegend um Plytra durch, weil wir hier Freunde treffen. Dann werden uns die 20-30 Knoten Dauerwind am Ankerplatz zu blöd, man kann nicht baden, man kann gar nichts tun. Wir fahren weiter nach Mani, dort sollten wir vom Meltemi verschont bleiben.

Sidonia, Athos und Insel Thassos

42 Meilen Überfahrt zum mittleren Finger von Chalkidike. Wieder sind für Nachmittag Gewitter angesagt. Wieder fahren wir beim schwachen Wind mit Motorunterstützung, weil wir dann mit sechs Knoten statt mit zweieinhalb fahren können und Zeit sparen. Wieder einmal kommen die angekündigten Gewitter natürlich nicht. Da hätten wir auch segeln können.
Der „Hafen“ in Koufo liegt westseitig in einer sehr gut geschützten tiefen Bucht, die Hafenanlagen sind bis auf eine Mole für Segler unbrauchbar, weil viel zu seicht. Wir ankern. Es gibt sieben Tavernen mit aufdringlichen Keilern am Eingang, jeder quatscht uns an wie toll sein Restaurant ist, obwohl wir ganz offensichtlich kein Interesse zeigen. Ein Mini-Markt für die Grundversorgung ist vorhanden.
Wir können an der Mole unsere Wassertanks auffüllen. Am näschsten Tag geht es rund um den Südspitz von Sidonia. Wir fahren erst Süd- dann weiter Ost- und dann Nord- und auch noch Nordwestkurs, alles mit Butterfly-Stellung, den sehr schwachen Wind immer von hinten. Der dreht – wie in Griechenland üblich – einmal pro Tag mindestens komplett alle Richtungen durch. Wir benötigen für die 14 Meilen fast 5 Stunden, aber wenigstens kein Motor! Es gibt recht schöne Strände hier zu Ankern, leider alles sehr offen, nur für ruhiges Wetter geeignet. Es gibt kaum Supermärkte hier, und wenn, dann weit im Land drinnen. Ohne Fahrzeug unerreichbar. Für die vielen Camper hier ist das kein Problem, für uns schon.
Am nächsten Tag sollte es windstill sein, wir bringen die Fahrräder an Land und machen eine Einkaufsrunde. Größere Supermärkte gibt es nicht, aber weit verstreut liegen Bäcker, Fleischer und Minimärkte. Die „Windstille“ dauert den ganzen Tag an mit konstanten 10 Knoten Ostwind, der wäre ideal zum Weiterfahren gewesen – leider verpasst. Dafür beginnt der nächste Tag mit 15 Knoten Nordwind – zwar weniger günstig, aber zum Aufkreuzen ist genug Zeit. Natürlich hört der Wind nach zwei Stunden komplett auf, absolut spiegelglattes Meer. Wieder einmal stundenlanges Motoren. Wir kommen am Nordwestende von Sidonia an. Dort liegt vor Agios Nikolaos das Inselchen Diaporos und viele kleine unbewohnte Inseln. Dazwischen gibt es ein hervorragend geschütztes Gebiet mit schönen Ständen und einigen guten Ankerplätzen. Auf Diaporos gibt es einige Luxus-Ferienappartments, die meist in riesigen, schön angelegten Parkgrundstücken liegen. Die meisten Anwesen sind aber privat, wie uns die freundliche Besitzerin, ein ältere Dame aus Deutschland, erklärt. Viel Grün, große Bäume, schattige Plätze. Tagsüber wuseln die kleinen Ausleihboote um die Insel, abends sind wir aber ziemlich allein, und es ist ruhig. Es gibt derzeit kaum Wind, fast täglich ziehen Gewitter nördlich vorbei, aber keines erreicht uns hier wirklich. Es ist ein sehr schöner Ort hier, gar nicht so touristenüberlaufen, wie wir es von Chalkidike erwartet hätten. Hier bleiben wir ein paar Tage an verschiedenen Ankerplätzen. Auch Mutzi hat hier ihren Spaß an den Stränden und Wiesen, abgesehen von einer etwas unheimlichen Begegnung mit einem kleinen Fuchs, den sie erst verjagt, der dann aber zurückkommt und wenig Scheu zeigt. Könnte an Menschen dort gewöhnt sein, oder auch Tollwut haben. So genau wollten wir es dann nicht wissen. Da läßt Mutzi sich dann doch gerne ins Beiboot heben und in Sicherheit bringen. Die Ecke dort ist dehr schön, das Wetter ist ruhig, da könnten wir es schon eine Zeit lang aushalten. Wir wollen aber weiter. Rund um Athos mit seinen Klöstern soll es gehen, nach Thassos. Das ist ein ziemlich langer Weg, denn rund um Athos darf man nicht ankern. Wegen des ruhigen Wetters werden wir wohl nicht segeln können, aber 14 Stunden motoren ist auch keine schöne Aussicht. Der nächste Tag bringt trotz angesagter Windstille einen stundenlang konstanten mittleren Wind. In der Hoffnung, dass es auch tags darauf so sein könnte, fahren wir um Mitternacht los. Tatsächlich bläst ganz brauchbarer Segelwind, es ist Vollmond, eine gute Nachtfahrt. Ganz nach Plan sind wir dann bei Sonnenaufgang an der Ostseite von Athos und können ein paar Klöster im Vorbeifahren anschauen, dann segeln wir einen großen Teil der 60 Meilen zur Insel Thassos weiter.
Auf Thassos steuern wir zunächst den Hafen Kallirachi an. Der Ort liegt 3 km vom Hafen entfernt am Berghang. Wir radeln eine gute dreiviertel Stunde bergauf bei 29 Grad. Der Ort ist nett mit vielen verwinkelten Gassen, schönen schattigen Vorgärten, aber auch mit jeder Menge Ruinen und verfallenden Häusern. Die Rückfahrt, ausschließlich bergab, gestaltet sich angenehmer. Wir bleiben drei Tage dort, lernen deutsch-griechische Leute kennen, mit denen wir einen netten Abend verbringen. Nach zwei Tagen wechseln wir in die Hauptstadt Thassos im Norden der Insel. Hier brummt der Tousismus, kaum Deutsche, dafür lauter Rumänen und Bulgaren, ein paar Serben. Die Stadt hat einen netten alten Kern, natürlich voller Lokale und Souvenierläden. Der große Hafen ist nur spärlich gefüllt und völlig vergammelt. Der Steg bröckelt, rostige Baueisen stehen überall vor, die verbliebenen Kanaldeckel sind völlig verrostet, Wasser und Stromkästen sind völlig verrottet und tot, die ehemaligen Laternenpfähle stehen in einem Meter Höhe abgerostet mit scharfen Kanten herum, natürlich keine Beleuchtung mehr, keine Mülltonnen – nix. In ganz Resteuropa würde sowas vermutlich abgesperrt, betreten verboten, Ruine. Hier ist das der Haupthafen der Hauptstadt.
In der Stadt gibt es eine Menge antiker Stätten, behauene Steine und Säulenteile liegen kaum sichtbar im ungemähten Gras herum. Am Berg gibt es noch ein Amphitheater, das im zehn Jahre alten Segelreiseführer als „gerade in Restaurierung“ beschrieben wird. Als wir hinkommen steht immer noch ein Kran herum, restauriert ist da gar nichts, aber ein paar Kloanlagen für zukünftige Besucher sind gebaut worden. Und es gibt eine Baustellenbewachung, damit niemand über die inzwische niedergetretenen Zäune steigt. Die EU-geförderte Restaurierung wird wohl noch ein paar Jahrzehnte dauern.
Wir umrunden die Insel weiter im Uhrzeigersinn, immer gleich hart am Wind, weil der dreht genau anders rum um die Insel. Er ist aber schwach, mit wenig Welle, so macht auch das Kreuzen spaß. Der nächste Halt ist die berühmte Aliki-Bucht. Das ist eine Badebucht mit ein paar Appartements, zehn Fischtavernen und 250 Sonnenschirmen auf 60 Meter Strand. Zum Ankern und Baden ist es ganz nett, die wenigen Charterbootfahrer, die hier nächtigen kommen allerdings bedenklich nahe. Die meisten hängen gleich von vornherein die Fender raus und rechnen sowieso mit Kollisionen bei Winddrehungen. Hinter der Badebucht gibt es eine Ausgrabungstätte mit Tempelresten, und antike Marmorsteinbrüche. Bevor die ganzen Ausflugsboote am Nächsten Tag fahren wir weiter nach Limenaria im Süden. Dort gibt es eine angefangene Marina mit fertiger Mole, Wasser vorhanden, Strom installiert aber noch nicht angeschaltet. Man liegt noch kostenlos hier. Der Ort ist leider sehr touristisch und nachts sehr unangenehm laut, Bars mit „Musik“ bis vier Uhr früh, auch wenn niemand mehr da ist. Am Berg steht eine alte Villa der Industriellenfamilie Krupp, dahinter ein paar Reste von Erzverarbeitungsanlagen. Obwohl offiziell „in Restaurierung“ verfällt alles hier in typisch griechischer Art. Hier mieten wir uns ein recht billiges Motorrad zu Inselrundfahrt. Wir fahren durch einen urwaldähnlichen Graben ins Bergdorf Maries, von dort weiter über eine „Dust Road“ nach Castro. Gestaubt hat es gar nicht so viel, auf der „Strasse“ liegt kaum Staub, viel mehr gröbstes Geröll, fast unbefahrbar, eigentlich mehr ein Eselsweg. Das dritte Bergdorf ist dann Theologos, mit einer alten Wassermühle am Ortsrand, frisches, klares Trinkwasser sprudelt hier aus dem Boden. Die Insel ist sehr grün und bewaldet. allerdings sind große Teile Waldbränden zum Opfer gefallen, riesige Flächen mit verkohlten schwarzen Baumstämmen.

entlang von Euböa und nördliche Sporaden

Das dreimal so teure Original-Motorlager ist natürlich nicht mehr aufzutreiben. Die authorisierte VolvoPenta Werkstätte in Lavrion findet es aber nicht der Mühe wert, uns das mitzuteilen, sondern läßt uns einmal zehn Tage warten ohne dass irgendwas passiert. Am elften Tag wird es mir zu blöd, ich baue das Lager selber aus, und hoffe wenigstens ein entsprechendes funktionsfähiges Nicht-Originallager zu finden. Ich stelle fest, dass das alte Lager durch Austausch einer M12 gegen eine M16 Schraube reparierbar ist. Den Gewindebolzen kriege ich in der authorisierten Werkstatt, gebraucht natürlich, und die müssen mir noch eine Bohrung am Motorflansch aufbohren. Weil sie grade keinen passenden Bohrer haben, schicken sie einen Mitarbeiter zum Bohrerkauf los. Nach 20 Minuten ist das reparierte Lager wieder eingebaut. Die authorisierte VolvoPenta Werkstätte gedenkt mir dafür 100€ abzunehmen. Natürlich ohne Rechnung. Da wär‘ sogar der neue Bohrer mit drin, verwunderlich, denn eine authorisierte Motorenwerkstatt könnte doch wohl einen 16,5mm- Bohrer brauchen. Ich lache den Typ herzlich aus und gebe ihm 50€, und behalte den Bohrer natürlich auch. Ist ja bezahlt. Meine Empfehlung: einen großen Bogen um die „authorisierte VolvoPenta Werkstatt Lavrio Marine LTD“ machen! Morgen fahren wir endlich weiter. Damit endet das sehr unerfreuliche Kapitel Lavrion Stadthafen und Lavrion Marine LTD.
Die Weiterfahrt nach Norden entlang von Euböa beginnt mit einer zweistündigen Motofahrt, dann setzt Südwind ein, recht kräftig sogar, und wir können zügig Vorwind, meist Butterfly , nach Norden segeln. Weil es so gut geht, stecken wir das Tagesziel gleich um 15 Meilen weiter, nach Vouphalo. Der nächste Tag soll zur Fahrt nach Eretria genutzt werden, bloß 18 Meilen, aber der gute nördliche Halbwind hält keine Stunde an, dann dreht er nach West, kommt genau von dagegen und wir motoren öde dahin, wobei die für den schwachen Wind viel zu hohe Welle bremst. Die Freude an den guten Bedingungen vom Vortag ist dahin, es herrschen wieder typische griechische Windverhältnisse, zum Segeln ungeeignet, und vor Allem völlig anders als in den Vorhersagen.
Eretria kennen wir, da gibt es eine Insel mit einer liebevoll angelegten Ferienanlage, die wegen Behördenidiotie nie in Betrieb gegangen ist. Die Appartments verfallen, alle brauchbaren Teile wurden inzwischen geklaut, alles was dort bleibt wurde von irgendwelchen Vollidionen zerstört, alle Scheiben eingeschlagen, alle Mülleimer und Feuerlöscheinrichtungen umgetreten und zertrümmert. Sinnlos. Wald und Strand dienen jetzt als „Erholungsgebiet“ für die Einheimischen, die dort jedoch nach griechischer Art ihren ganzen Müll hinterlassen, um beim nächsten Mal im eigenen Dreck zu sitzen. Habe kein Verständnis für diese Menschen.
Die Weiterfahrt nach West und dann Nordwest scheitert vorerst am Wind. Der angekündigte Südwind findet nicht statt, ist am Vormittag ein starker West, also voll dagegen. Dann eine kurze Windpause, die wir für das erste Bad im Meer nutzen (mein kurzer Tauchgang in Porto Rafti nicht mitgerechnet). Am späten Nachmittag setzt dann starker Ostwind ein, der toll zum Segeln wäre, aber zu spät kommt. Nichts von dem Ganzen war vorhergesagt. Die Windprognosen hier sind für’n A…..
Es ist jetzt Ende Mai, zwei Mal waren wir schon im Wasser, es ist aber mehr Überwindung als Vergnügen. Griechenland ist kalt. Wir sehen immer wieder den Berg Dirfyss auf Euböa, nur 1745m hoch, aber bis halber Höhe mit großen Schneefeldern bedeckt. Kein Wunder, dass der Wind hier immer empfindlich kalt ist.
Nach einer Motorfahrt gegen schwachen Westwind kommen wir in Chalkis an. Das ist die Engstelle zwischen Euböa und dem Festland, mit einer Schiebebrücke über den Kanal. Die Brücke wird nur etwa um Mitternacht einmal kurz geöffnet, um den wichtigen Autoverkehr nicht zu behindern und kostet 35€. Am Wochenende wird ein Zuschlag von 70% berechnet. Da wir am Samstag ankommen, aber natürlich keinen unverschämten Aufpreis zahlen wollen, warten wir vor Chalkis am Ankerplatz bis Montag. Wir erkunden die nähere Umgebung und finden nur vollkommen vermüllte Strände. Fremdenverkehr gibt es hier wohl nicht, und die ausschließlich griechischen Gäste, meist Athener Ausflügler, stört es nicht zwischen tausenden Plastikflaschen und Säckchen und Gerümpel zu sitzen. Müll am Ufer, Müll neben der Straße, Müll überhaupt überall. Sehr häßliche Stadt. Griechenland ist ein unglaublich dreckiges Land, aber es stört keinen. Und die relative Nähe zu Athen hat noch weitere üble Auswirkungen: während bei Lidl Kalamata die Security als Kunde getarnt gemütlich im Jogginanzug herumsteigt, steht bei Lidl Chalkis einer ganz martialisch mit Militärstiefeln und Schutzweste an Eingang. Das macht die Stadt gleich viel symphatischer…. Gut,dass wir heute nacht durch den Kanal können und von hier weg kommen. Die Kanalfahrt ist etwas hektisch, etwa um 11Uhr nachts, bei starker Gegenströmung von 2,5Knoten, aber nur auf ein kurzes Stück von etwa 100m. dann sind wir durch, übernachten in der nächsten Bucht, und fahren am nächsten Morgen zur Hälfte durch den nördlichen Golf von Euböa, leider 7 Stunden motoren. Die nächsten Abschnitte in die Bucht von Achilleion und in den kleinen Ort Platania verlaufen ebenso mühsam, Segeln ist kaum möglich, gerade mal ein halbe Stunde lang, dann hört der Wind wieder auf oder dreht. Am letzten Maitag regnet es einige Stunden während der öden Motorfahrt. Dann sind wir aus dem Golf von Euböa draussen in der nördlichen Ägäis.
Erstes Ziel ist Skiathos. Es bläst viel mehr Wind als angekündigt, ist aber noch halbwegs segelbar. Skiathos ist völlig touristenverseucht, nur Restaurants und Souveniergeschäfte, aber ein ganz netter Altstadtbereich mit engen Gassen. Wir ankern direkt in er Einflugschneise zum Flughafen, der unmittelbar am Strand beginnt. Am nächsten Tag wechseln wir 25 Meilen nach Alonisos. Eigentlich ginge ganz passabler Segelwind. Da aber für den Nachmittag Gewitter vorhergesagt sind, fahren wir anfangs mit Motorunterstützung damit wir keine Zeit verlieren. Im nachhinein gesehen war’s umsonst, weil die Gewitter dann natürlich nicht gekommen sind. Der nächste Tag führt uns zur Insel Kyra Panagia, ein unbewohntes Naturschutzgebiet für Mönchsrobben. In der sehr gut geschützten nördlichen Bucht gibts kein Internet, nicht einmal Telefon. Nur ein Ziegenstall. Dafür hat die große Ankerbucht eine Einfahrt von nur 50m Breite, da kommt sicher kein Schwell herein, äußerst selten für Griechenland. Die riesige Lagune ist an keiner Stelle tiefer als 15 Meter, und man kann rundum bis auf 20 Meter ans Ufer heranfahren. Gut haltender Sandgrund, ein sicherer Platz bei allen Winden. Genügend Platz, dass alle frei ankern könnten.Leider teilen wir ihn mit etwa 15 Charterbooten, die alle unbedingt mit Landleine ankern wollen. Die Ankermanöver dieser Idioten dauern oft bis zu 2 Stunden(!). Dort kurven fast lauter völlig unfähige Ahnugslose herum, die machen die Bucht dann doch wieder gefährlich. So schön es hier auch ist, an Land gibt es leider kaum Wege, wenig Bäume, nur dorniges Buschwerk, und keinen Strand, daher wird es dann auch bald fad. Nach zwei Tagen geht es 40 Meilen nach Norden, wir steuern den mittleren Finger von Chalkidike an, Sidonia.

Es spießt sich

Nach Navplion folgt ein Kurzaufenthalt in Porto Cheli. Der Ort scheint immer mehr auszusterben. Die Bauarbeiten an der neuen Marina sind kaum weiter gegangen, es sind bloß ein paar Schwimmstege mehr ausgelegt worden, aber alles nur halb fertig. Die dortige Werft „Franks Yachtstation“ existiert wohl nicht mehr, in der jetzt hohen Wiese mit bunten Frühlingsblumen liegen nur noch die Reste einiger Boote herum.
Wir ankern hinter der Stadt in der engen und seichten Fischerhafenbucht, es sind da nur wenige Ankermöglichkeiten, aber recht idyllisch. Und hier passiert es: ich will von der Steuersitzbank auf den Cockpitboden steigen, steige jedoch ins Steuerrad, welches sich natürlich unter mir wegdreht und mir den Fuß wegzieht. Ein verzweifelter Festhalteversuch scheitert, weil ich mich im Schreck am Steuerrad oben festhalte. Das ganze Rad verdreht sich mit mir drauf um 90 Grad, bis ich sehr unsanft mit den Rippen seitlich aufs Cockpitsüll knalle. Ein paar Minuten krieg ich kaum Luft, dann geht es wieder, tut sehr weh, aber es scheint keine Rippe gebrochen zu sein. Die nächsten Tage wird es keinen Schlaf geben, und wenn, dann nur aufrecht sitzend, unter großen Schmerzen. Am nächsten Tag fahren wir nach Poros/Galatas, dort gibt es eine medizinische Station. Das Röntgen zeigt keinen Rippenbruch. Die starke Prellung verursacht aber schon sehr große Schmerzen, jeden Tag tut’s wo anders richtig weh, und ich bin ziemlich bewegungsunfähig. Eine Nacht hängen wir in Poros. Dort hat der Charterwahnsinn schon voll begonnen: ein Katamaran mit Ukrainern frißt beim Anlegen neben uns seine eigene Muring mit dem Propeller. Nach einer Stunde im kalten Wasser kann einer von ihnen die Leine freischneiden, sie stückeln sogar wieder ein Ersatzstück dran. Am nächsten Morgen wird abgelegt. Natürlich macht das einer allein, sind ja alles Profis. Prompt dreht er sich quer und hängt jetzt in unserer Muring fest. Nachdem jetzt alle an Deck sind, darf wieder einer ins Wasser und stellt fest, dass die Muring nur zwischen seiner Schraube und dem Ruder hängt, aber nicht umgewickelt ist. Ich kann ihn daher durch Absenken meiner Muring befreien. Weil es in Poros zu stressig ist, legen wir uns ins gegenüber liegende Galatas um und werden zur Erholung jetzt einmal übers griechische Osterwochenende dort am Stadtkai hängen bleiben. Währenddessen beißt sich Karoline eine Zahnfüllung aus. Diese kann von der örtlichen Zahnärztin als Provisorium wieder repariert werden.
Erst ist die Katze unpäßlich, dann meine Rippenprellung, und jetzt ein kaputter Zahn. Wir sind schon öfter auf der Suche nach Ärzten als nach Supermärkten. Der Fortgang der Reise spießt sich im Moment ein bißchen.
Angenehm ist, dass wir von 5 Liegetagen in Galatas nur einen bezahlen müssen, die übrigen sind Feiertage, da hat die Kassiererin frei. Den letzten Tag in Poros verbringen wir am Anker vor der kleinen Hochzeitsfotoinsel Daskaleio, wo wir auch voriges Jahr länger gelegen sind. Mutzi bekommt einen ausgiebigen Freigangs-Tag. Die anschließende Überfahrt nach Kap Sounion ist recht angenehm, es sind sogar ein paar Segelstunden drin.
Nach einer Übernachtung in einer namenlosen Bucht nahe Kap Sounion fahren wir nach Lavrion. Der Hafen ist bummvoll mit Charterbooten, viele Plätze sind zwei- bis dreifach belegt. Wir finden zufällig einen freien Platz, da ist wohl kurz zuvor einer hinausgefahren. Wir liegen neben einer Charterbootleiche, die, weil kein Segel in der Mastrollanlage ist, einen Höllenlärm macht, wenn das Boot auch nur ein bisschen schaukelt. Vielleicht war der Platz auch deshalb frei. Die Mole ist sehr hoch, allerdings unter Wasser nur 1 Meter tief. Wir können mit unserem tiefgehenden Ruder nur bis etwa 3 Meter heranfahren und müssen über das Nachbarboot aussteigen. Wir erledigen die dringensten Einkäufe und füllen Diesel nach. Am nächsten Tag ist starker Südwind, der baut im großen Hafen einen Schwell auf, der am Ende schon gefährlich wird, weil die Boote wild gegeneinander schlagen. Dabei wird unser Windgenerator beschädigt, er kollidiert mit dem Radar vom Nachbarboot. Die Flügel bleiben heil, die Nase hat einen Sprung, der Schaden ist reparabel. Wir sind knapp davor, trotz des Sturmes den Hafen zu verlassen, aber es gibt keine Liegealternative in der Nähe. Wieder einmal ein typischer griechischer Hafen, bei bestimmten Windlagen völlig inakzeptabel und unsicher. Es gibt offenbar keinen dauerhaft sicheren öffentlichen Hafen in Griechenland. Am nächsten Tag wollen wir weiter nach Norden, nach 3 Meilen kriegen wir einen Schlag auf den Saildrive. Wahrscheinlich ein größeres Stück Treibholz oder einer der beliebten treibenden griechischen Riesenplastiksäcke im Propeller. Wegen starker Vibrationen stellen wir den Motor ab. Wir segeln, anfangs sehr mühsam weil fast gar kein Wind, später geht es dann besser, in die nächste geschützte Bucht von Porto Rafti. Dort wollen wir herausfinden, was in der Schraube hängt. Wassertemperatur leider gerade mal 16 Grad. Der grausame Tauchgang bringt außer einem Kälteschock kein Ergebnis, der Propeller ist frei. Was immer da drin war hat sich wohl durch die Eigendrehung beim Segeln wieder gelöst. Der Schlag, den wir gehört haben hat jedoch das hintere Motorlager beschädigt. Das haben wir vor einigen Jahren schon einmal erlebt. So was müssen wir jetzt einmal aufteiben. Der Fortgang der Reise spießt sich immer noch.
Die Bootssteuer, die nach letzten Informationen ab heute den 9. Mai wirksam sein sollte, wird erst einmal auf 20. Mai verschoben. Recht so.
Weil ein Mechaniker erst in fünf Tagen nach Porto Rafti kommen kann um sich das Motorlager anzusehen, wir aber nicht so lange warten wollen, fahren wir zurück nach Lavrion. Drei Stunden mit ziemlichem Lärm und heftigen Vibrationen. Dafür kommt der Mechaniker aber auch noch am selben Tag zu uns und checkt alles Notwendige für die Reparatur. Es stellt sich heraus, dass das kaputte Motorlager kein Originalteil mehr war, und auch unterdimensioniert, daher der mehrmalige Bruch. Irgenwann muß es getauscht worden sein bevor wir das Boot hatten. Das richtige Teil ist natürlich obsolet, dreimal so teurer wie der bisher eingebaute „Ersatz“, und es wird leider gut eine Woche dauern, bis es eintrifft.
Lavrion ist nicht gerade eine berauschende Stadt für einen längeren Aufenthalt. Hier treiben sich zahlreiche Schwerstgestörte in getunten Autos mit ungeheuerlichen Subwoofern herum, und Mopeds ohne Auspuff aber mit Vollgas, und jede Menge anderer lärmender Spinner. Hauptsächlich nachts. Einer davon, gelber Seat Ibiza mit rundum saucool schwarz getönten Scheiben (inklusive Frontscheibe und Scheinwerfern!) fährt offensichtlich hauptberuflich Tag und Nacht kreuz und quer durch die Stadt (der kriegt wahrscheinlich den Sprit gratis von der Sozialhilfe) und gibt immerfort eine Geräuschkulisse ab wie ein nahes Gewitter. Der Idiot hält das wahrscheinlich für Musik. Vibrationen, sodass lose Teile am Boot zu scheppern beginnen. Bei uns wär so einer wohl schon längst in der Psychiatrie verwahrt. Wenigstens haben wir mit viel Glück einen der maximal zehn guten und geschützten Liegeplätze hier erwischt. Trotzdem wollen wir hier schnellstmöglich weg. Bitte!!! Wir möchten bald wieder ein paar normale und ruhige Menschen sehen. Aber noch spießt sich’s.

Start in die Saison 2019

Am 7.April in aller Früh legen wir wie geplant in Kalamata Marina ab. Am Abend zuvor haben wir uns noch von den meisten der neu gewonnen Freunde verabschiedet, alle haben wir leider nicht angetroffen. Es bietet sich heute ein Wetterfenster zur Fahrt nach Porto Kagio auf Mani, leider eine etwas öde 11-Stunden-Fahrt unter Maschine bei relativ starkem Seegang und doch mehr Gegenwind als angekündigt. Die erste Maschinenfahrt nach längerer Stehzeit ist immer spannend, man hört besonders auf alle Unregelmäßigkeiten und Geräusche. In Porto Kagio sitzen wir zwei Tage mit starkem Regen, Gewitter und böigen Winden aus. Wir sind das einzige Boot. Dann sollten günstige Bedingungen kommen, um in Richtung Monemvassia zu starten.
Der Tag beginnt mit Westwind, 35Kt. Es baut sich eine Welle von 2,5m auf, dann flaut der Wind auf 12Kt ab, die Welle bleibt. Kurz vor Ankunft in Elafonisos steigt der Wind wieder auf 30Kt an. Wie immer. Trotz der günstigen Windrichtung ist dieser Segeltag wieder einer der unangenehmen Sorte, aber wenigstens segelbar. Wir übernachten in der östlichen Sandbucht von Elafonisos, geschützt gegen den starken Westschwell.
Am nächsten Tag deht es mit einigermaßen gutem Segelwind nach Monemvasia. Wir liegen im kleinen Stadthafen, noch ein paar Fischerboote, und abends kommt noch ein zweiter Segler. Der Molenkopf mit dem Leuchtfeuer ist von den Winterstürmen zerstört, zuerst trauen wir uns gar nicht hineinzufahren, weil wir nicht wissen, ob die Schäden sich auch innen fortsetzen, und die Leere im Hafen ist auch verdächtig. Wir tasten uns vorsichtig hinein und liegen dann aber gut und sicher, und vor Allem kostenlos, Wasser gibt es auch. Am ersten Tag besteigen wir den Berg und besichtigen die Reste der Oberstadt. Weil es jetzt noch nicht heiß ist, kann man ohne Probleme den ganzen Berg abwandern. Das tun wir auch und sind gute 3 Stunden unterwegs. Der Berg bietet sich ungewohnt grün, voll mit vielen blühenden Pflanzen. Bis jetzt war ich nur im Sommer dort, da ist alles braun, nur dürres Gestrüpp. Am zweiten Tag Wandern wir durch die engen Gassen der Unterstadt. Wir sind wieder rund drei Stunden unterwegs und gehen dabei so ziemlich alle Wege und Stiegen ab, die es gibt. Die Häuser in der Unterstadt sind großteils gut renoviert und meist zu Hotels und Appartements ausgebaut.
Nach drei Nächten in Monemvasia fahren wir in Richtung Norden, erst einmal nach Leonidion. Beim Ankerauf gehen am nächsten Tag bleiben wir irgendwie in der Kette vom Nachbarboot hängen, obwohl wir nach ihm geankert haben. Eine Stunde lang probieren wir frei zu kommen, aber unsere Kette hängt fest und rührt sich keinen Zentimeter mehr. Dann versucht der Nachbar seinen Anker hoch zu ziehen und das geht ohne Problem, obwohl der eigentlich unter unserem liegen müsste. Nachdem er weg ist machen wir noch einen Versuch, bevor wir einen Taucher organisieren müssten. Jetzt geht unser Anker ohne Widerstand ganz leicht hoch. Habe keine Vorstellung, wo der vorher fest war. Der Tag fängt jedenfalls schon toll an. Es folgt eine 4-Stunden Motorfahrt bei schönstem Wetter, dass kein Wind sein würde war vorhergesagt. Zwei Stunden vor Ankunft in Nafplion baut sich hinter uns ein gewaltiges Gewitter auf und kommt auf uns zu. Wir sind wieder einmal auf der Flucht vor dem Scheißwetter. Es geht sich ganz knapp aus, dass wir vor Beginn des Gewitters in Nafplion anlegen können, wo es dann zu regnen beginnt und der Wind dann so dreht, dass die Wellen in den offenen Hafen kommen und wir wieder einmal besonders ungeschützt in einem der miesen griechischen Häfen liegen. Spaß am Bootfahren sieht ganz anders aus. Nach einer Woche unterwegs sein in Griechenland haben wir eigentlich schon wieder mehr als genug vom Fahren. Am nächsten Tag kommen zwei Beamte von der Hafenbehörde um die Anmeldung vorzunehmen. Bei der Gelegenheit mache ich den groben Fehler, nach etwaigen Neuigkeiten zur Einführung der Bootssteuer „TEPAI“ zu fragen (Start sollte nach meinen vorläufigen Informationen am 9. Mai sein). Die Beiden sind davon völlig überfordert, einerseits weil sie nicht besonders gut Englisch sprechen, aber hauptsächlich, weil sie den Begriff „TEPAI“ noch nie gehört haben, und auch absolut nichts von einer zukünftigen Bootssteuer wissen. Der Eine fängt dann an herumzutelefonieren, und nach 10 Minuten bestätigt er mir, dass es so eine Steuer geben könnte, und ich sollte mich dann, wenn sie eingeführt wurde, darum kümmern. Jetzt wär es dazu viel zu früh, und keiner wüßte Bescheid.
Wegen eines Tierarztermins für Mutzi bleiben wir fünf Tage hier. Wir steigen natürlich wieder die lange, steile Burgtreppe hinauf, und gehen dieses Mal auch ins Burgareal hinein. Heute ist zufällig freier Eintritt. Es lohnt sich, der ganze Berg ist mit insgsamt 8(!) Festungen bedeckt, wofür wir gut 4 Stunden unterwegs sind. Kurz nach der Rückkehr zum Schiff zieht wieder eine Gewitterfront mit Sturmböen und Hagel drüber. Überhaupt regnet es jeden Tag mehrmals, nur ganz kurze sonnige Abschnitte, und es ist viel zu kalt, bloß um die 17 Grad. Auch bei Sonne braucht man wegen des eisigen Windes eine Jacke. Furchtbares Wetter!