nach Skyros, Andros, Kea, und zurück zum Peloponnes

Einmal nach Mitternacht im Hafen Limenaria kommen streunende Katzen auf das Schiff, Mutzi verteidigt tapfer ihr Heim und geht bei der Katzenrauferei über Bord. Sie schwimmt dann etwa 200 m die die glatte Hafenmauer entlang bis zu einem Sandstrand, von dem aus sie nach einigen Stunden naß und sandig zurückkommt. Da wird sie um vier Uhr früh freudig empfangen, denn wir haben sie schon gesucht und uns große Sorgen gemacht. Dieses Ereignis, und die osteuropäischen Touristenmassen veranlassen uns Thassos zurück in Richtung Süden zu verlassen. Bei recht starkem Nordwind und eineinhalb Meter Welle fahren wir einen Tag und eine Nacht lang durch bis zur Insel Alonisos, wo wir schon waren. Die nächtliche Einfahrt zwischen den Inseln, 200 m breit, unbefeuert, finster, über 20 Knoten Wind und 1,5 m Welle, mit höchstens 8 qm Segelfläche, ist ziemlich aufregend. Der alte Ankerplatz ist bei dem Wind zu ungemütlich, daher ankern wir diesmal auf der Nachbarinsel Peristera in einer gut geschützten Südbucht. Hier stehen nur 3 kleine Häuschen und nur eines ist bewohnt. Auch haben kaum mehr als 3 Boote Platz zum Ankern. Es ist ein ruhiger Ort zum Ausschlafen, Baden und Genießen. Auch Mutzi hat einen Olivenhain für sich allein zum Spielen, nur selten kommen ein paar Ziegen vorbei. Hier ist der Hafenstress bald vergessen.
Die nächste Etappe teilen wir auf, am ersten Tag nach Skantzoura, am zweiten Tag nach Skyros. Es bläst Meltemi mit 25 Knoten, der wäre an sich fein zum Segeln, aber zwei Meter Wellen machen die Sache sehr anstrengend. Dann legen wir in Linara auf Skyros im kleinen Hafen an.
Der Liegeplatz kostet zwar 21 Euro je Nacht, aber das ist er unbedingt Wert. Es gibt Murings, Trinkwasser, Strom, Tankstelle, Internet, Computer mit Drucker zur freien Verwendung, Mülltrennung, sogar eine Müllpresse, saubere Toiletten und funktionierende Duschen, sowie freundliche und hilfsbereite Marinamitarbeiter. Eine kleine Marina auf einem Top-Niveau, wie wir es in Griechenland sonst noch nirgends gesehen haben. Die Versorgung ist etwas begrenzt, es gibt nur einige Mini-Märkte, relativ teuer mit geringer Auswahl. Die Hauptstadt liegt 10 km entfernt, daher mieten wir uns wieder ein Moped und fahren die ganze Inselrunde ab, das sind etwa 70 km. Die nette Hauptstadt liegt auf einem steilen Berg, hat enge Gassen, steile Wege und weiße Häuser, schon sehr in der Art der Kykladen gestaltet. Obwohl die Insel eher trocken ist, gibt es ein paar Gräben und Täler mit Wald, sogar einige Quellen mit Trinkwasser. Drei Tage bleiben wir im Hafen, einen weiteren am Ankerplatz, dann soll das Wetter wieder zur Weiterfahrt nach Andros passen.
Laut Vorhersage sollen es 15-18Knoten Nordwestwind und 0,4m Welle sein. Das wäre fein, mit Raumschotkurs zu fahren. In Echt hat es dann anfangs 30 Knoten reinen Nord, schnell bauen sich 2m Welle auf. Dann geht der Wind für 5 Stunden auf 9-12Knoten zürück, die Welle bleibt. Es ist auf Vorwindkurs unmöglich vernünftig zu segeln. In der Kafireas Straße steigt der Wind dann auf bis zu 38 Knoten und bleibt so bis zum Ankerplatz. Griechenland, Ägäis ist absolut das beschissenste Segelrevier, das ich je befahren habe.
Andros ist eine nackerte, felsige Wüsteninsel mit ein paar weißen Häusern und einem miesen, typisch griechischen Stadthafen. Der einzige Souvlaki-Grill-Laden ist geschlossen. Nicht einmal Fischrestaurants, wie sonst überall, gibt es hier. Aber da könnte bei Windstärke 8 im Hafen sowieso niemand sitzen. Toller Ort. Ich bin überglücklich, das gesehen haben zu dürfen. Bei den Wetterverhältnissen reicht uns das als Beispiel für die Kykladen, dort wird es auch nicht besser. Am übernächsten Tag sollte der Wind vormittags gut für eine Weiterfahrt sein. Zehn Minuten vor dem Ablegen geht die blöde Katze von Bord und taucht mehr als drei Stunden nicht mehr auf. Dann kommt sie doch wieder daher, wir fahren mit vier Stunden Verspätung ab, dafür dürfen wir die letzten zwei Stunden bis Kea motoren. Die Katze hat ab sofort absolutes Ausgehverbot in Häfen. Kea ist noch kahler, und die kleine Ankerbucht bei Voukari ist am Wochenende voll mit Athener Motoryachten. Es gibt ein paar Tavernen und Bars, am Samstag viel Wirbel, am Sonntag ist es ruhiger, es sind auch viel weniger Boote da. Die Bucht ist gut geschützt, leider sind die Ankermöglichkeiten wegen unzähliger wild ausgelegter Bojen begrenzt, der Grund ist voller Bojenblöcke und alten Ketten. Montags ist es dann recht ruhig dort, aber mangels Einkaufsmöglichkeiten müssen wir weiter. Erst einmal fahren wir nach Kap Sounion. Dort sind wir schon mehrmals vorbeigefahren, diesmal steuern wir den Ankerplatz an. Da draußen ununterbrochen Frachter und riesige Motoryachten vorbeifahren ist der Ankerplatz sehr unruhig, wir werden hier bloß eine Nacht bleiben.
Der nächste Tag, die Überfahrt nach Poros, gestaltet sich wie in Griechenland üblich. 10 Knoten Wind in der Früh bei Anker auf, Segel rauf, angenehmes Am-Wind-Fahren, denken wir. Nach 10 Minuten sind wir aus der Bucht draußen – Windstille, Motor an. Das bleibt sechseinhalb Stunden so, bis wir kurz vor der Einfahrt nach Poros plötzlich wieder 15 Knoten haben. Der Wind bleibt dann am Ankerplatz den ganzen Abend weiter bestehen. Baden im Meer ist nicht lustig. Poros ist eigentlich ein recht schöner Platz, um die Zeit jetzt ist er aber völlig motoryachtverseucht. Der eigentlich gut geschützte Ankerbereich ist sehr unruhig von den ständig ein und ausfahrenden Schnellfähren und Megayachten. Die wenigen schönen Plätze in Griechenland sind in der Hauptsaison leider unerträglich. Wir warten hier einen Sturmtag ab, der Nordsturm richtet auf Chalkidike einige Schäden an, es gibt sogar Todesopfer durch umstürzende Bäume und umgeworfene Wohnmobile auf Campingplätzen. Nach zwei Tagen in Poros fahren wir bei Leichtwind weiter nach Ermioni.
Dort ist das Liegen wegen ständig fahrender Fähren und Taxiboote wieder einmal ungemütlich, obwohl es von Natur aus eine gute Schutzbucht wäre. Der bewaldete Naturschutzgebiet-Park, der ein besonderer Lieblingsspielplatz von Mutzi ist, wird dieses Mal von einer Gruppe Pfadfindern bewohnt. Die Jugendlichen sind aber recht ruhig und angenehme Nachbarn. Nach zwei Liegetagen fahren wir bei drehendem, unbrauchbarem Leichtwind unter Maschine nach Porto Cheli. Aber es ist für heute auch kein Wind angekündigt. „Unser“ Ankerplatz in der Fischerhafenbucht ist erst einmal besetzt, es sind überhaupt extrem viele Boote unterwegs, aber wir finden einen Platz nahe dem Buchteingang. Kurz nach Mittag, als wir gerade eine halbe Stunde ankern, fängt dann der Südostwind mit 12-15 Knoten an zu blasen und hört bis zum Abend nicht mehr auf. Der Wind wäre absolut optimal zum Hersegeln gewesen, jetzt vermiest er uns nur den Spaß am Baden. Am nächsten Tag können wir uns weiter in die Bucht hinein verlegen, wo kaum noch Wellen von vorbeifahrenden Schiffen hinkommen. Der Bau der Marina in Porto Cheli ist kaum fortgeschritten, die Stadt ist gammelig und dreckig wie immer, kaum einen Besuch wert. Nur die dicht bewaldete Halbinsel neben unserem Ankerplatz ist gut für die Katze geeignet, unbewohnt, keine anderen Katzen oder Hunde, fein zum entspannt spielen. Wir warten hier einen Frontendurchzug ab, wobei die Gewitter und der Regen einen Tag früher kommen als angesagt, und der angekündigte darauf folgende Starkwind darauf gar nicht stattfindet. Tolle Wettervorhersagen in diesem tollen Segelrevier.
Nach drei Tagen in Porto Cheli segeln wir bei gutem Halbwind nach Leonidion am Peloponnes zurück. Eigentlich hätte es ja windstill sein sollen und Motorfahrt war geplant, aber – siehe Absatz zuvor. Dieses Mal war es aber ein Glück für uns. Obwohl der Wind abends aufhört ist es im Hafen sehr schwellig und unruhig.
Am nächsten Tag geht es mit Maschine weiter nach Monemvasia. Es gibt sechseinhalb Stunden lang kein Lüftchen. Wir ankern in einer nach Nord geschützten Bucht, weil Nordwind kommen sollte. Ab dem Fallen des Ankers begint stärkerer Südost zu blasen, die Bucht ist natürlich nach Südost offen, sofort entsteht Schwell. Wieder ein typischer Tag in diesem öden Segelrevier. Tipp: Wenn sich’s vermeiden läßt, fahrt niemals mit einem Segelboot in dieses Land!
Die Fahrt von Monemvasia nach Süden um den Finger herum ist besonders widerlich. Wind mit 3 Knoten (also nichts!) aber Wellen von fast ein Meter von der Seite, von irgendeinem hunderte Kilometer entfernten Sturm in der Ägäis. Und irgendwo geht immer ein Sturm in diesem Scheiß-Meer. Und die Wellen breiten sich dann übers gesamte Meer aus und sind immer da. Als wir unten ums Eck fahren beginnt der angesagte Nordwind zu blasen. Nach 10 Meilen, bei Elafonisos ist plötzlich der 20 Knoten Wind aus. Wir bergen die Segel und starten die Maschine. Nach etwa 100m Fahrt setzt plötzlich 20 Knoten Süd ein und bläst uns nach Plytra. Zum Hinsegeln gut für uns, aber die Zielbucht wäre eigentlich als Schutz vor Nordwind gedacht gewesen. Jetzt bringt der Südwind wieder jede Menge Schwell für eine unruhige Nacht. Der starke Süd hält bis zum späten Abend an, die Wellen natürlich noch viel länger. Später dreht der Wind wieder auf Nordost, und das soll mindestens die nächsten 10 Tage anhalten. Der starke Meltemi in der Ägäis streut jetzt bis über die Osthälfte vom Peloponnes herein. Wir halten vier Tage in der Gegend um Plytra durch, weil wir hier Freunde treffen. Dann werden uns die 20-30 Knoten Dauerwind am Ankerplatz zu blöd, man kann nicht baden, man kann gar nichts tun. Wir fahren weiter nach Mani, dort sollten wir vom Meltemi verschont bleiben.