die letzten Wochen der Reise

Es ist Anfang September, die letzten knapp drei Wochen unserer Reise haben begonnen. Wir wechseln auf die andere Seite von Vonitsa hinter die Insel Koukouvitsa. Dort glauben wir vom vorherrschenden Nordwestwind am Besten geschützt zu sein. Glauben wir. Ab dem Tag unserer Ankunft dreht der Wind dort erst von Nord langsam über Ost und Süd nach West, genau dem Sonnenstand folgend, so dass der Schatten des Windgenerators genau mittig aufs Solarpanel fällt. Und das mit höchster Präzision den ganzen Tag über. Effekt nach drei Tagen: trotz strahlendem Sonnenwetter keine Ladung, Batterien leer. So was ist uns in fünf Jahren zuvor nicht einmal annähernd passiert. Griechenland ist eben anders.
Weil wir keine besonderen Ziele mehr haben, gammeln wir hier nun in der Bucht herum, lassen die Zeit vergehen und warten den Krantermin in der Werft ab. Die Katze hat ein tolles Auslauf-Revier auf der Insel, ansonsten ist die Umgebung eher fade. Man kann ganz gut Einkaufen in Vonitsa, zum Baden ist der Ambrakische Golf nicht so toll, weil trübes grünliches Brackwasser. Die unspektakuläre Umgebung wird uns den Abschied vom Seglerleben leichter machen. Wenigstens ist es hier halbwegs ruhig und geschützt, obwohl schon täglich unnötig Wind mit 20 Knoten und mehr bläst. Aber der widerliche Schwell von draußen tritt hier im abgeschlossenen kleinräumigen Seegebiet nicht auf. Zehn Tage vor Reiseende schaue ich mir am Kartenplotter ein paar andere Ankermöglichkeiten an, das funktioniert noch, aber kurz vor dem Abschalten beginnt er zu piepsen, es riecht verbrannt und das Display flackert und zeigt nur noch Streifen. Große Freude stellt sich ein, wieder ein Defekt, der mindestens 500€ kostet.
Nach einer Woche Ankern wechseln wir in den Ort Vonitsa. Neben uns legt die „Salacia Star“ mit den Australiern Rick und Lou an. Die haben vor zwei Monaten ein Boot in Griechenland gekauft und werden in den nächsten drei Jahren damit nach Australien reisen. Da gibt es eine Menge zu erzählen, Tipps und Erfahrungsaustausch. Vonitsa ist sehr ruhig, es liegen hier fast nur Eignerboote, die wie wir den Krantermin abwarten, oder sich überhaupt schon für die Überwinterung dort einrichten.
Einen Tag vor dem Krantermin fahren wir nach Preveza, liegen dort vor der Stadt vor Anker. Die Katze braucht noch eine Flugtauglichkeitsbescheinigung, die sie beim uns bekannten Tierarzt kriegt. Der hat sie schon vor zwei Jahren behandelt, als sie zu uns kam. Wir bereiten das Boot schon für die Lagerung vor, was wir halt so im Wasser schon tun können: Putzen, Segel abnehmen und verstauen, Metallteile fetten, Batterien aus alle Geräten entfernen usw.
Das Kranen geht dann rasch und unkompliziert vor sich. Dann folgen zwei Tage intensiver Arbeit, Abbau aller Stoffabdeckungen, danach gibt es am Boot keinen Schatten mehr. Anker und Kette weden versorgt, Tanks und Leitungen entleert, alles wird gereinigt. Kochen können wir noch am Boot, die Toilette ist aber natürlich ausserhalb des  Wassers nicht mehr benutzbar.
Am Heimreisetag fahren wir mit dem Taxi zum nur zwei Kilometer entfernten Flughafen. Die Mutzi verhält sich erstaunlich ruhig, erst beim Einsteigen in den Flieger, und dann bei Start und Essensausgabe ist sie unzufrieden und maunzt ziemlich verärgert. Trotzdem überstehen wir den knapp zweistündigen Flug gut, und werden in Wien von meiner Schwester mit dem Auto abgeholt. Zwei Stunden später kommen wir zu Hause an, die Wohnung ist ungewohnt groß im Vergleich zum Wohnraum der letzten fünf Jahre. Die Katze nimmt die neue Heimat problemlos an und fühlt sich nach kurzer neugieriger Inspektion gleich wohl.
Damit endet unsere Reise erst einmal, wir werden sehen, ob es uns wieder einmal hinauszieht. Vorerst sind wir froh, wieder zu Hause zu sein, und das ganze Abenteuer gesund und ohne Probleme hinter uns gebracht zu haben. Wir haben jede Menge Fotos und schöne Erinnerungen mitgenommen.

südliche Umrundung des Peloponnes bis Ionische Inseln

Nach gestriger Vorhersage sollte der Nordostwind heute etwas schwächer sein. In Wahrheit ist Südwind, man hat das in der neuen Vorhersage von heute früh auch sogar schon bemerkt. Allerdings hätten wir es heute früh eh selber gesehen, wozu brauch ich dann überhaupt eine Vorhersage? Uns jedenfalls ist es recht, da wir genau nach Westen wollen ist es uns dabei Wurscht, ob Nord- oder Südwind. Der Wind bleibt gleichmäßig, und wir können einmal komplett durchsegeln. Ein äußerst seltenes Ereignis für Griechenland. Wir ankern in einem Seitenteil der Skoutari Bucht auf Mani, mit kleinem Strand und ein paar Badegästen, aber keine weiteren Boote. Das Wasser dort ist sehr ruhig und klar, es gibt zwei angenehme Badetage für uns. Um den starken Westwind, der die nächsten Tage ums Südkap von Mani blasen soll, abzuwarten, fahren wir noch ins nahe gelegene Githeon. Und auch um einzukaufen, die Vorräte werden knapp. Githeon ist an sich ein hübsches Städtchen am Berghang mir vorgelagerter Halbinsel. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass ab der zweiten Häuserreihe mindestens jedes dritte Haus des Altstadtteiles leer steht, oder überhaupt nur mehr die dachlosen Außenmauern stehen, teilweise eingestürzt. Die vordere Häuserzeile ist voller Tavernen und Bars, dahinter vergammelt leider alles. Der Hafen besteht aus einer riesigen, hohen Mole mit Platz für zwei Kreuzfahrtschiffe, die aber wahrscheinlich dort nie anlegen. Für Segelboote ist die Mole zu hoch, die Festmacher zu riesig. Dafür ist der kleine Innenteil des Hafens, der geeignet wäre, mehr als zur Hälfte vollgelegt mit sechs vergammelnden, beschädigten Segelboot-Wracks und zwei dahinrostenden Frachtern. Bleiben noch fünf benutzbare Plätze für Tagesgäste. Sehr einladend ist der Hafen nicht, da wollen wir nicht liegen. Daher ankern wir zwischen Stadt und Halbinsel Kranai. Dort liegen wir auch ruhig, und wir haben keinen Autoverkehr direkt hinterm Boot vorbei. Später erfahren wir von einem Coast Guard Beamten, dass die Gammelboote im Hafen allesamt beschlagnahmte Schlepperboote sind. In Githeon treffen wir Franz und Andrea, Musikerfreunde, die dort mit dem Campingbus unterwegs sind, und besprechen Alles bei ein paar Bieren.
Die Weiterfahrt nach Porto Kagio am Südende von Mani ist eher fad, kein Wind, Motorgebrumme. Erst in der Buchteinfahrt von Porto Kagio bläst plötzlich der Westwind mit 25 Knoten heraus, das ist dort immer so. Ganz drinnen in der Bucht liegt man dann aber recht ruhig, bis auf ein paar harte Böen am späten Nachmittag. Bei der Weiterfahrt ums Südkp von Mani Ist es windstill, aber vom Ionischen Meer her (dort ist natürlich NW-Sturm) kommt die Dünung mit bis zu 2m Höhe daher. Segeln unmöglich, nicht einmal Stützsegel ist sinnvoll, weil es nur hin und her schlägt. So motoren wir wieder einmal 6 Stunden bis zur Diros-Bucht dahin. Dort liegen wir mit Heckanker zum Stabilisieren in 1m Dünung sehr unruhig, aber auf der Westseite von Mani gibt es überhaupt keinen Schutzort gegen westliche Wellen. Griechenland ist zum Bootfahren absolut zum Vergessen!
Wir wechseln über auf den Westfinger nach Koroni. Der übliche Ablauf: die ersten 4 Stunden motoren ohne Wind, 15 Minuten vor Einfahrt in den Hafen Südwind mit 15 Knoten, ideal zum Segeln, aber zu spät. Dann im Hafen Nord bis West damit man auch schön unruhig liegt.
Nach zwei Tagen Koroni fahren wir nach Petalidi bei völliger Windstille. Der Wind beginnt erst dann, und zwar recht stark, nachdem der Anker gefallen ist.
Die Katze hat neuerdings ein Problem mit Hunden. Anstatt auf einen Baum oder eine Mauer zu klettern und auszuweichen rennt sie zu den Kötern hin und knurrt sie an, was die Straßenhunde natürlich nicht beeindruckt. Vorläufig gilt Ausgangssperre für Mutzi. Auch ansonsten läuft es gerade richtig toll. Eine Stufe der Badeplattform ist gebrochen, das elende Geschwappere wegen des starken Windes läßt kein Baden im Meer zu, und das Email-Konto funktioniert nicht mehr, wir können keine Anfragen für Liegeplätze machen. Gerade macht das Bootfahren wieder einmal ganz besonders Spaß.
Gerade holen wir an einem Fischersteg Frischwasser und beobachten dabei eine halbe Stunde lang die Fischer beim Netzreinigen. Brauchbaren Fisch sehen wir keinen, dafür schmeißen sie rund 30 Stück Beifang, der zu klein ist, tot ins Meer zurück. Tolle nachhaltige Methoden haben sie da. Wenigstens die Mutzi hat Freude an ein paar kleinen Fischlein, die wir ihr mitbringen.
Für eine Übernachtung fahren wir nach Kalamata zum Tierarzt um die Mutzi impfen zu lassen. Wir besuchen alte Bekannte in der Kalamata Marina, Gerhard und Heidi von der „Claude Martial“, und auch Herbert und Heidi von der „Albatros“. Es gibt eine Menge zu erzählen von der vergangenen Saison. In Kalamata treffen wir auch Charly, einen alten Schulfreund von mir, der dort mit seinem Kumpel Billy ein paar Urlaubstage verbringt. Wir gehen essen und machen zwei Tage später auch eine kurze Segelausfahrt mit den Beiden.
Wir treffen jetzt auch endgültige die Entscheidung für den Bootswerftplatz, es wird die Marina Aktio in Preveza werden. Von dort gibt es auch recht gute Flugverbindungen nach Wien. Damit steht der Termin für das Ende unserer Bootsreise fest. Das ist einerseits erfreulich, weil wir uns schon auf zu Hause freuen, andererseits ein bischen bedrückend, weil das Abenteuer dann vorbei ist.
Zurück in Petalidi treffen wir noch einmal mit meiner Schwester zusammen. Sie kriegt einiges an Winterkleidung mit, die sie mit dem Auto mitnehmen kann.
Nächste Station ist Methoni. Dort warten wir das Ende des starken Nordwest im Ionischen Meer ab. Im Moment kommt er uns genau entgegen, und riesige Wellen ebenso. In Methoni treffen wir Thomas und Petra von der „Azzurra“ wieder, die haben wir schon mehrmals getroffen, und die Azzurra war eines unserer Nachbarschiffe im letzten Winter in Kalamata.
Nächster Aufenthalt ist Kiparissia, wo wir im Vorjahr den Hurrikan gut überstenden haben. Es ist ziemlich voll, deshalb liegen wir diesmal mit dem Heck an der Mole. Am Abend kommt der deutsche Katamaran „Meerkatze“ unter Segel in den Hafen gefahren und ankert provisorisch vor uns. Der Skipper Gerhard ruft uns zu, daß seine Maschine wegen der Dieselpest nicht läuft. Während die umliegenden Crews sehr interessiert, aber tatenlos blöde zusehen machen wir unser Dingi klar und können den kleinen Kat mit dem Beiboot an den Platz neben uns bugsieren. Weil sein Anker jetzt irgendwo wirkungslos quer rumliegt wird er sich über Nacht an uns dranhängen. Tags darauf reinigen sie dann ihren Tank. Beim Filtertausch und der Entlüftung der Dieselanlage haben sie erst Probleme, das ganze Zeug wieder dicht zu kriegen. Weil ich das Problem auch schon hatte, kann ich ihnen mit ein paar Tips weiterhelfen und die Maschine wieder in Gang bringen. Zwei Stunden schweißtreibende Arbeit im Motorraum und dieselstinkende Hände werden dann aber mit einer freundlichen Einladung zum Abendessen beglichen.
Nach zwei Tagen fahren wir dreißig Meilen nach Katakolon. Obwohl eigentlich Windstille angesagt wäre haben wir 16 Knoten Halbwind und können die halbe Strecke ganz gut segeln. Der Ort bietet nichts Sehenswertes, das wissen wir schon, daher bleiben wir nur eine Nacht über am Anker, ohne Stadtbesuch.
Am nächsten Morgen wollen wir nördlich nach Killini fahren. Starker Nordostwind macht es unmöglich, daher fahren wir westlicher nach Zakynthos. Es ist wieder einmal eine widerliche Überfahrt, hart am Wind mit hoher Welle gegenan. In Zakynthos Stadt ankern wir seitlich im Hafenbecken, weil die Mole kennen wir als total unsicher. Das Wasser im Hafen ist von den Fähren aufgewirbelt, graugrünlich, Sichttiefe etwa 20 cm. Es bläst den ganzen Rest vom Tag mit über 20 Knoten weiter. Wieder einmal ein Griechischer Segeltag zum Abgewöhnen. Am nächsten Morgen werden wir von der Coast Guard vertrieben. Obwohl wir in der hintersten Ecke des Kleinboothafen liegen und wirklich niemanden behindern, erklären uns die Idioten, dass man nur außerhalb des riesigen, leeren Hafenbeckens ankern darf. Oder eben an der Mole, mit großen Steinen am Grund, dem gammeligsten WC, das wir jemals gesehen haben, und das um nur 15€ pro Tag. Außen gibt es natürlich keinen Schutz vorm Schwell, da kann man nicht liegen. Wir fahren weiter nach Agios Nikolaos, natürlich mit Maschine, natürlich mit 20 Knoten Gegenwind, und natürlich mit 1m Gegenwelle. 2,5Knoten Fahrt für 12 Meilen macht mehr als 5 tolle Erlebnisstunden an Bord. In Agios Nikolaos hat es dann 25 Knoten, da sehen wir wenigstens gleich, ob der Anker hält. Wieder ein Ankerplatz, wie er beschissener nicht sein könnte. Der Sturm wird noch mindestens 2 Tage anhalten. Bald merken wir, warum der Platz noch frei war: Die Glasbodenboote zur Blauen Grotte rasen in 5-Minuten-Takt wenige Meter an uns vorbei. Verlegen längsseits an die nahe Mole bringt nichts, dort ist der Schwell so stark, wie er es voriges Jahr beim Hurrikan auch kaum schlimmer war. Zuletzt gehen wir mit dem Heck und Buganker an den Wirtshaussteg, da ist der Schwell gerade noch erträglich, knapp an der Grenze zu gefährlich. Agios Nikolaos ist, außer bei absoluter Windstille, bei jedem Wind unbrauchbar. Dafür gibt es hier den Touristennepp in Reinkultur. Alles ist hier um die Hälfte teuer als sonstwo, ein Gyros mit Pita kostet z.B. 3,50€, sonst im griechischen Durchschnitt 2,40-2,70€, der günstigste in Githeon kostete 2€. Zakynthos ist sicher eines der miesesten Gebiete zum Bootfahren in Griechenland. Hier bleiben wir nur, weil wir einen Riß in unserem Hauptsegel nähen wollen, dazu müssen wir Windstille abwarten.
Nach der Reparatur machen wir eine Motorfahrt nach Poros auf Kefalonia. Es ist übervoll, alle Stunden kommt eine Fähre, worauf hin hundert Fahrzeuge hinter dem Boot vorbeidonnern. Es ist keine Sekunde ruhig. Hinter uns ist auch der Ticketverkauf. Alle paar Minuten steht ein PKW oder LKW wenige Meter hinterm Boot um Tickets zu kaufen. Natürlich mit laufendem Motor, man braucht ja schließlich die Klimaanlage. Auch dieser Hafen ist, wie alle Orte in Griechenland, zu Hauptsaison unerträglich. Der Plan zur Inselrundfahrt per Mietfahrzeug erübrigt sich, alle Mietauros oder Motorräder sind ausgebucht. Wir wollen schnell nach Ithaki weiterfahren. Beim Losfahren geht scheinbar guter Segelwind, wir freuen uns, setzen die Segel, und räumen sie nach zehn Minuten wieder weg weil der Wind plötzlich wieder völlig aufhört. Ein typisches Griechenland-Phenomen. Bei der Einfahrt nach Vathi auf Ithaki kommen uns etwa 10 Yachten gleichzeitig entgegen, Verkehr wie auf der Südosttangente. Trotzdem ist unser anvisierter Ankerplatz frei. Da waren wir voriges Jahr schon. Er liegt etwas abseits der Stadt, aber genau das wollen wir. Wir liegen am Anker mit 2 Landleinen, 10m vom Ufer entfernt. Abends setzt immer starker Seitenwind ein, dann kommen noch ein paar Boote, die in der Stadt keinen Platz mehr finden, und wollen sich neben uns legen. Der seitliche Wind sorgt immer wieder für unterhaltsame Szenen, es gibt offensichtlich nur sehr wenige, die mit einem Boot fahren können, die Meisten haben größte Probleme beim Festmachen. Einer benötigt dafür volle 3 Stunden! Der Platz ist toll für die Mutzi, es ist ein kleines Waldstück, keine anderen Katzen oder Hunde sind da, wenige Badegäste und kaum Verkehr, wil die Straße nach 100 Metern aufhört. Das Wetter ist gerade sehr ruhig, wir können jeden Tag baden. Das ist die erste Woche in 2 Jahren Griechenland, die halbwegs so verläuft, wie wir uns das vorstellen.
Nach 4 Tagen in Ithaki fahren wir weiter nach Lefkas in die Bucht von Sivota. Unterwegs treffen wir auf das schwedische Boot „Forgiveness“ mit Gunnar und Annika, die wir aus Kalamata im Winter kennen. Kurze Begrüßung, „wie gehts euch?“, „wohin fahrt ihr?“, dann trennen sich unsere Kurse wieder, sie haben ein anderes Ziel. Sivota ist überfüllt mit Charterbooten und sehr stressig. Wir bleiben nur eine Nacht und fahren zu Insel Meganisi. Die ist beliebt wegen der vielen Ankermöglichkeiten im Norden. Wir finden eine eher unscheinbare, bewaldetete Bucht gleich am Nordwest-Spitz, offenbar nicht sehr gefragt bei Charterfahrern. Sie ist recht seicht und es gibt keine Seekarten dafür. Man muß vorsichtig reinfahren und die Tiefe loten. Sie hat nur Platz für gerade einmal 3 Yachten, tagsüber sind viele Leihboote zum Baden da, nachts sind wir aber immer allein. Es ist sehr ruhig hier, keine Häuser, und das Wetter spielt auch gerade mit. Sehr wenig Wind tagsüber, in der Nacht windstill. So angenehme Bedingungen haben wir das ganze vergangene Jahr nie gehabt. Weil es so schön ist bleiben wir hier mehrere Tage liegen, baden und entspannen.
Nächster Halt ist vor der Einfahrt zum Lefkas-Kanal an einem kleinen unscheinbaren Strand. Plötzlich tauchen dort 2 Ausflugsboote mit 150 Leuten auf, Sonnenschirme werden aufgestellt, totaler Wirbel. Der geht aber nach ein paar Stunden vorbei. Viel schlimmer ist, dass abends dann ein kleines Motorboot kommt, und sie errichten am Strand eine Art Bar und stellen Feuertonnen auf. Im Internet finden wir dann Videos von der „Wild Beach Party“. Partyschiff, Scheiß-Musik, Feuerwerk, besoffene Schwachköpfe. Totale Katastrophe! Obwohl es schon dunkel ist gehen wir Anker auf und flüchten vor dem sich bereits nähernden blinkenden und dröhnenden Idiotentransporter in eine der Nachbarbuchten, was in der Dunkelheit zwar knifflig ist, aber wir finden einen guten ruhigen Platz für die Nacht.
Am nächsten Morgen fahren wir nach Lefkas-Stadt zum Einkaufen und ankern für eine Nacht im Stadthafen. Im dortigen Marine Shop können wir unser originales VolvoPenta Motorlager problemlos bestellen, was ja in der authorisierten Werkstatt in Lavrion vollkommen unmöglich war.
Tags darauf geht es vorbei an Preveza in den Ambrakischen Golf, und wir ankern dort in einer recht einsamen Bucht nahe Vonitsa.

Sidonia, Athos und Insel Thassos

42 Meilen Überfahrt zum mittleren Finger von Chalkidike. Wieder sind für Nachmittag Gewitter angesagt. Wieder fahren wir beim schwachen Wind mit Motorunterstützung, weil wir dann mit sechs Knoten statt mit zweieinhalb fahren können und Zeit sparen. Wieder einmal kommen die angekündigten Gewitter natürlich nicht. Da hätten wir auch segeln können.
Der „Hafen“ in Koufo liegt westseitig in einer sehr gut geschützten tiefen Bucht, die Hafenanlagen sind bis auf eine Mole für Segler unbrauchbar, weil viel zu seicht. Wir ankern. Es gibt sieben Tavernen mit aufdringlichen Keilern am Eingang, jeder quatscht uns an wie toll sein Restaurant ist, obwohl wir ganz offensichtlich kein Interesse zeigen. Ein Mini-Markt für die Grundversorgung ist vorhanden.
Wir können an der Mole unsere Wassertanks auffüllen. Am näschsten Tag geht es rund um den Südspitz von Sidonia. Wir fahren erst Süd- dann weiter Ost- und dann Nord- und auch noch Nordwestkurs, alles mit Butterfly-Stellung, den sehr schwachen Wind immer von hinten. Der dreht – wie in Griechenland üblich – einmal pro Tag mindestens komplett alle Richtungen durch. Wir benötigen für die 14 Meilen fast 5 Stunden, aber wenigstens kein Motor! Es gibt recht schöne Strände hier zu Ankern, leider alles sehr offen, nur für ruhiges Wetter geeignet. Es gibt kaum Supermärkte hier, und wenn, dann weit im Land drinnen. Ohne Fahrzeug unerreichbar. Für die vielen Camper hier ist das kein Problem, für uns schon.
Am nächsten Tag sollte es windstill sein, wir bringen die Fahrräder an Land und machen eine Einkaufsrunde. Größere Supermärkte gibt es nicht, aber weit verstreut liegen Bäcker, Fleischer und Minimärkte. Die „Windstille“ dauert den ganzen Tag an mit konstanten 10 Knoten Ostwind, der wäre ideal zum Weiterfahren gewesen – leider verpasst. Dafür beginnt der nächste Tag mit 15 Knoten Nordwind – zwar weniger günstig, aber zum Aufkreuzen ist genug Zeit. Natürlich hört der Wind nach zwei Stunden komplett auf, absolut spiegelglattes Meer. Wieder einmal stundenlanges Motoren. Wir kommen am Nordwestende von Sidonia an. Dort liegt vor Agios Nikolaos das Inselchen Diaporos und viele kleine unbewohnte Inseln. Dazwischen gibt es ein hervorragend geschütztes Gebiet mit schönen Ständen und einigen guten Ankerplätzen. Auf Diaporos gibt es einige Luxus-Ferienappartments, die meist in riesigen, schön angelegten Parkgrundstücken liegen. Die meisten Anwesen sind aber privat, wie uns die freundliche Besitzerin, ein ältere Dame aus Deutschland, erklärt. Viel Grün, große Bäume, schattige Plätze. Tagsüber wuseln die kleinen Ausleihboote um die Insel, abends sind wir aber ziemlich allein, und es ist ruhig. Es gibt derzeit kaum Wind, fast täglich ziehen Gewitter nördlich vorbei, aber keines erreicht uns hier wirklich. Es ist ein sehr schöner Ort hier, gar nicht so touristenüberlaufen, wie wir es von Chalkidike erwartet hätten. Hier bleiben wir ein paar Tage an verschiedenen Ankerplätzen. Auch Mutzi hat hier ihren Spaß an den Stränden und Wiesen, abgesehen von einer etwas unheimlichen Begegnung mit einem kleinen Fuchs, den sie erst verjagt, der dann aber zurückkommt und wenig Scheu zeigt. Könnte an Menschen dort gewöhnt sein, oder auch Tollwut haben. So genau wollten wir es dann nicht wissen. Da läßt Mutzi sich dann doch gerne ins Beiboot heben und in Sicherheit bringen. Die Ecke dort ist dehr schön, das Wetter ist ruhig, da könnten wir es schon eine Zeit lang aushalten. Wir wollen aber weiter. Rund um Athos mit seinen Klöstern soll es gehen, nach Thassos. Das ist ein ziemlich langer Weg, denn rund um Athos darf man nicht ankern. Wegen des ruhigen Wetters werden wir wohl nicht segeln können, aber 14 Stunden motoren ist auch keine schöne Aussicht. Der nächste Tag bringt trotz angesagter Windstille einen stundenlang konstanten mittleren Wind. In der Hoffnung, dass es auch tags darauf so sein könnte, fahren wir um Mitternacht los. Tatsächlich bläst ganz brauchbarer Segelwind, es ist Vollmond, eine gute Nachtfahrt. Ganz nach Plan sind wir dann bei Sonnenaufgang an der Ostseite von Athos und können ein paar Klöster im Vorbeifahren anschauen, dann segeln wir einen großen Teil der 60 Meilen zur Insel Thassos weiter.
Auf Thassos steuern wir zunächst den Hafen Kallirachi an. Der Ort liegt 3 km vom Hafen entfernt am Berghang. Wir radeln eine gute dreiviertel Stunde bergauf bei 29 Grad. Der Ort ist nett mit vielen verwinkelten Gassen, schönen schattigen Vorgärten, aber auch mit jeder Menge Ruinen und verfallenden Häusern. Die Rückfahrt, ausschließlich bergab, gestaltet sich angenehmer. Wir bleiben drei Tage dort, lernen deutsch-griechische Leute kennen, mit denen wir einen netten Abend verbringen. Nach zwei Tagen wechseln wir in die Hauptstadt Thassos im Norden der Insel. Hier brummt der Tousismus, kaum Deutsche, dafür lauter Rumänen und Bulgaren, ein paar Serben. Die Stadt hat einen netten alten Kern, natürlich voller Lokale und Souvenierläden. Der große Hafen ist nur spärlich gefüllt und völlig vergammelt. Der Steg bröckelt, rostige Baueisen stehen überall vor, die verbliebenen Kanaldeckel sind völlig verrostet, Wasser und Stromkästen sind völlig verrottet und tot, die ehemaligen Laternenpfähle stehen in einem Meter Höhe abgerostet mit scharfen Kanten herum, natürlich keine Beleuchtung mehr, keine Mülltonnen – nix. In ganz Resteuropa würde sowas vermutlich abgesperrt, betreten verboten, Ruine. Hier ist das der Haupthafen der Hauptstadt.
In der Stadt gibt es eine Menge antiker Stätten, behauene Steine und Säulenteile liegen kaum sichtbar im ungemähten Gras herum. Am Berg gibt es noch ein Amphitheater, das im zehn Jahre alten Segelreiseführer als „gerade in Restaurierung“ beschrieben wird. Als wir hinkommen steht immer noch ein Kran herum, restauriert ist da gar nichts, aber ein paar Kloanlagen für zukünftige Besucher sind gebaut worden. Und es gibt eine Baustellenbewachung, damit niemand über die inzwische niedergetretenen Zäune steigt. Die EU-geförderte Restaurierung wird wohl noch ein paar Jahrzehnte dauern.
Wir umrunden die Insel weiter im Uhrzeigersinn, immer gleich hart am Wind, weil der dreht genau anders rum um die Insel. Er ist aber schwach, mit wenig Welle, so macht auch das Kreuzen spaß. Der nächste Halt ist die berühmte Aliki-Bucht. Das ist eine Badebucht mit ein paar Appartements, zehn Fischtavernen und 250 Sonnenschirmen auf 60 Meter Strand. Zum Ankern und Baden ist es ganz nett, die wenigen Charterbootfahrer, die hier nächtigen kommen allerdings bedenklich nahe. Die meisten hängen gleich von vornherein die Fender raus und rechnen sowieso mit Kollisionen bei Winddrehungen. Hinter der Badebucht gibt es eine Ausgrabungstätte mit Tempelresten, und antike Marmorsteinbrüche. Bevor die ganzen Ausflugsboote am Nächsten Tag fahren wir weiter nach Limenaria im Süden. Dort gibt es eine angefangene Marina mit fertiger Mole, Wasser vorhanden, Strom installiert aber noch nicht angeschaltet. Man liegt noch kostenlos hier. Der Ort ist leider sehr touristisch und nachts sehr unangenehm laut, Bars mit „Musik“ bis vier Uhr früh, auch wenn niemand mehr da ist. Am Berg steht eine alte Villa der Industriellenfamilie Krupp, dahinter ein paar Reste von Erzverarbeitungsanlagen. Obwohl offiziell „in Restaurierung“ verfällt alles hier in typisch griechischer Art. Hier mieten wir uns ein recht billiges Motorrad zu Inselrundfahrt. Wir fahren durch einen urwaldähnlichen Graben ins Bergdorf Maries, von dort weiter über eine „Dust Road“ nach Castro. Gestaubt hat es gar nicht so viel, auf der „Strasse“ liegt kaum Staub, viel mehr gröbstes Geröll, fast unbefahrbar, eigentlich mehr ein Eselsweg. Das dritte Bergdorf ist dann Theologos, mit einer alten Wassermühle am Ortsrand, frisches, klares Trinkwasser sprudelt hier aus dem Boden. Die Insel ist sehr grün und bewaldet. allerdings sind große Teile Waldbränden zum Opfer gefallen, riesige Flächen mit verkohlten schwarzen Baumstämmen.

entlang von Euböa und nördliche Sporaden

Das dreimal so teure Original-Motorlager ist natürlich nicht mehr aufzutreiben. Die authorisierte VolvoPenta Werkstätte in Lavrion findet es aber nicht der Mühe wert, uns das mitzuteilen, sondern läßt uns einmal zehn Tage warten ohne dass irgendwas passiert. Am elften Tag wird es mir zu blöd, ich baue das Lager selber aus, und hoffe wenigstens ein entsprechendes funktionsfähiges Nicht-Originallager zu finden. Ich stelle fest, dass das alte Lager durch Austausch einer M12 gegen eine M16 Schraube reparierbar ist. Den Gewindebolzen kriege ich in der authorisierten Werkstatt, gebraucht natürlich, und die müssen mir noch eine Bohrung am Motorflansch aufbohren. Weil sie grade keinen passenden Bohrer haben, schicken sie einen Mitarbeiter zum Bohrerkauf los. Nach 20 Minuten ist das reparierte Lager wieder eingebaut. Die authorisierte VolvoPenta Werkstätte gedenkt mir dafür 100€ abzunehmen. Natürlich ohne Rechnung. Da wär‘ sogar der neue Bohrer mit drin, verwunderlich, denn eine authorisierte Motorenwerkstatt könnte doch wohl einen 16,5mm- Bohrer brauchen. Ich lache den Typ herzlich aus und gebe ihm 50€, und behalte den Bohrer natürlich auch. Ist ja bezahlt. Meine Empfehlung: einen großen Bogen um die „authorisierte VolvoPenta Werkstatt Lavrio Marine LTD“ machen! Morgen fahren wir endlich weiter. Damit endet das sehr unerfreuliche Kapitel Lavrion Stadthafen und Lavrion Marine LTD.
Die Weiterfahrt nach Norden entlang von Euböa beginnt mit einer zweistündigen Motofahrt, dann setzt Südwind ein, recht kräftig sogar, und wir können zügig Vorwind, meist Butterfly , nach Norden segeln. Weil es so gut geht, stecken wir das Tagesziel gleich um 15 Meilen weiter, nach Vouphalo. Der nächste Tag soll zur Fahrt nach Eretria genutzt werden, bloß 18 Meilen, aber der gute nördliche Halbwind hält keine Stunde an, dann dreht er nach West, kommt genau von dagegen und wir motoren öde dahin, wobei die für den schwachen Wind viel zu hohe Welle bremst. Die Freude an den guten Bedingungen vom Vortag ist dahin, es herrschen wieder typische griechische Windverhältnisse, zum Segeln ungeeignet, und vor Allem völlig anders als in den Vorhersagen.
Eretria kennen wir, da gibt es eine Insel mit einer liebevoll angelegten Ferienanlage, die wegen Behördenidiotie nie in Betrieb gegangen ist. Die Appartments verfallen, alle brauchbaren Teile wurden inzwischen geklaut, alles was dort bleibt wurde von irgendwelchen Vollidionen zerstört, alle Scheiben eingeschlagen, alle Mülleimer und Feuerlöscheinrichtungen umgetreten und zertrümmert. Sinnlos. Wald und Strand dienen jetzt als „Erholungsgebiet“ für die Einheimischen, die dort jedoch nach griechischer Art ihren ganzen Müll hinterlassen, um beim nächsten Mal im eigenen Dreck zu sitzen. Habe kein Verständnis für diese Menschen.
Die Weiterfahrt nach West und dann Nordwest scheitert vorerst am Wind. Der angekündigte Südwind findet nicht statt, ist am Vormittag ein starker West, also voll dagegen. Dann eine kurze Windpause, die wir für das erste Bad im Meer nutzen (mein kurzer Tauchgang in Porto Rafti nicht mitgerechnet). Am späten Nachmittag setzt dann starker Ostwind ein, der toll zum Segeln wäre, aber zu spät kommt. Nichts von dem Ganzen war vorhergesagt. Die Windprognosen hier sind für’n A…..
Es ist jetzt Ende Mai, zwei Mal waren wir schon im Wasser, es ist aber mehr Überwindung als Vergnügen. Griechenland ist kalt. Wir sehen immer wieder den Berg Dirfyss auf Euböa, nur 1745m hoch, aber bis halber Höhe mit großen Schneefeldern bedeckt. Kein Wunder, dass der Wind hier immer empfindlich kalt ist.
Nach einer Motorfahrt gegen schwachen Westwind kommen wir in Chalkis an. Das ist die Engstelle zwischen Euböa und dem Festland, mit einer Schiebebrücke über den Kanal. Die Brücke wird nur etwa um Mitternacht einmal kurz geöffnet, um den wichtigen Autoverkehr nicht zu behindern und kostet 35€. Am Wochenende wird ein Zuschlag von 70% berechnet. Da wir am Samstag ankommen, aber natürlich keinen unverschämten Aufpreis zahlen wollen, warten wir vor Chalkis am Ankerplatz bis Montag. Wir erkunden die nähere Umgebung und finden nur vollkommen vermüllte Strände. Fremdenverkehr gibt es hier wohl nicht, und die ausschließlich griechischen Gäste, meist Athener Ausflügler, stört es nicht zwischen tausenden Plastikflaschen und Säckchen und Gerümpel zu sitzen. Müll am Ufer, Müll neben der Straße, Müll überhaupt überall. Sehr häßliche Stadt. Griechenland ist ein unglaublich dreckiges Land, aber es stört keinen. Und die relative Nähe zu Athen hat noch weitere üble Auswirkungen: während bei Lidl Kalamata die Security als Kunde getarnt gemütlich im Jogginanzug herumsteigt, steht bei Lidl Chalkis einer ganz martialisch mit Militärstiefeln und Schutzweste an Eingang. Das macht die Stadt gleich viel symphatischer…. Gut,dass wir heute nacht durch den Kanal können und von hier weg kommen. Die Kanalfahrt ist etwas hektisch, etwa um 11Uhr nachts, bei starker Gegenströmung von 2,5Knoten, aber nur auf ein kurzes Stück von etwa 100m. dann sind wir durch, übernachten in der nächsten Bucht, und fahren am nächsten Morgen zur Hälfte durch den nördlichen Golf von Euböa, leider 7 Stunden motoren. Die nächsten Abschnitte in die Bucht von Achilleion und in den kleinen Ort Platania verlaufen ebenso mühsam, Segeln ist kaum möglich, gerade mal ein halbe Stunde lang, dann hört der Wind wieder auf oder dreht. Am letzten Maitag regnet es einige Stunden während der öden Motorfahrt. Dann sind wir aus dem Golf von Euböa draussen in der nördlichen Ägäis.
Erstes Ziel ist Skiathos. Es bläst viel mehr Wind als angekündigt, ist aber noch halbwegs segelbar. Skiathos ist völlig touristenverseucht, nur Restaurants und Souveniergeschäfte, aber ein ganz netter Altstadtbereich mit engen Gassen. Wir ankern direkt in er Einflugschneise zum Flughafen, der unmittelbar am Strand beginnt. Am nächsten Tag wechseln wir 25 Meilen nach Alonisos. Eigentlich ginge ganz passabler Segelwind. Da aber für den Nachmittag Gewitter vorhergesagt sind, fahren wir anfangs mit Motorunterstützung damit wir keine Zeit verlieren. Im nachhinein gesehen war’s umsonst, weil die Gewitter dann natürlich nicht gekommen sind. Der nächste Tag führt uns zur Insel Kyra Panagia, ein unbewohntes Naturschutzgebiet für Mönchsrobben. In der sehr gut geschützten nördlichen Bucht gibts kein Internet, nicht einmal Telefon. Nur ein Ziegenstall. Dafür hat die große Ankerbucht eine Einfahrt von nur 50m Breite, da kommt sicher kein Schwell herein, äußerst selten für Griechenland. Die riesige Lagune ist an keiner Stelle tiefer als 15 Meter, und man kann rundum bis auf 20 Meter ans Ufer heranfahren. Gut haltender Sandgrund, ein sicherer Platz bei allen Winden. Genügend Platz, dass alle frei ankern könnten.Leider teilen wir ihn mit etwa 15 Charterbooten, die alle unbedingt mit Landleine ankern wollen. Die Ankermanöver dieser Idioten dauern oft bis zu 2 Stunden(!). Dort kurven fast lauter völlig unfähige Ahnugslose herum, die machen die Bucht dann doch wieder gefährlich. So schön es hier auch ist, an Land gibt es leider kaum Wege, wenig Bäume, nur dorniges Buschwerk, und keinen Strand, daher wird es dann auch bald fad. Nach zwei Tagen geht es 40 Meilen nach Norden, wir steuern den mittleren Finger von Chalkidike an, Sidonia.

Es spießt sich

Nach Navplion folgt ein Kurzaufenthalt in Porto Cheli. Der Ort scheint immer mehr auszusterben. Die Bauarbeiten an der neuen Marina sind kaum weiter gegangen, es sind bloß ein paar Schwimmstege mehr ausgelegt worden, aber alles nur halb fertig. Die dortige Werft „Franks Yachtstation“ existiert wohl nicht mehr, in der jetzt hohen Wiese mit bunten Frühlingsblumen liegen nur noch die Reste einiger Boote herum.
Wir ankern hinter der Stadt in der engen und seichten Fischerhafenbucht, es sind da nur wenige Ankermöglichkeiten, aber recht idyllisch. Und hier passiert es: ich will von der Steuersitzbank auf den Cockpitboden steigen, steige jedoch ins Steuerrad, welches sich natürlich unter mir wegdreht und mir den Fuß wegzieht. Ein verzweifelter Festhalteversuch scheitert, weil ich mich im Schreck am Steuerrad oben festhalte. Das ganze Rad verdreht sich mit mir drauf um 90 Grad, bis ich sehr unsanft mit den Rippen seitlich aufs Cockpitsüll knalle. Ein paar Minuten krieg ich kaum Luft, dann geht es wieder, tut sehr weh, aber es scheint keine Rippe gebrochen zu sein. Die nächsten Tage wird es keinen Schlaf geben, und wenn, dann nur aufrecht sitzend, unter großen Schmerzen. Am nächsten Tag fahren wir nach Poros/Galatas, dort gibt es eine medizinische Station. Das Röntgen zeigt keinen Rippenbruch. Die starke Prellung verursacht aber schon sehr große Schmerzen, jeden Tag tut’s wo anders richtig weh, und ich bin ziemlich bewegungsunfähig. Eine Nacht hängen wir in Poros. Dort hat der Charterwahnsinn schon voll begonnen: ein Katamaran mit Ukrainern frißt beim Anlegen neben uns seine eigene Muring mit dem Propeller. Nach einer Stunde im kalten Wasser kann einer von ihnen die Leine freischneiden, sie stückeln sogar wieder ein Ersatzstück dran. Am nächsten Morgen wird abgelegt. Natürlich macht das einer allein, sind ja alles Profis. Prompt dreht er sich quer und hängt jetzt in unserer Muring fest. Nachdem jetzt alle an Deck sind, darf wieder einer ins Wasser und stellt fest, dass die Muring nur zwischen seiner Schraube und dem Ruder hängt, aber nicht umgewickelt ist. Ich kann ihn daher durch Absenken meiner Muring befreien. Weil es in Poros zu stressig ist, legen wir uns ins gegenüber liegende Galatas um und werden zur Erholung jetzt einmal übers griechische Osterwochenende dort am Stadtkai hängen bleiben. Währenddessen beißt sich Karoline eine Zahnfüllung aus. Diese kann von der örtlichen Zahnärztin als Provisorium wieder repariert werden.
Erst ist die Katze unpäßlich, dann meine Rippenprellung, und jetzt ein kaputter Zahn. Wir sind schon öfter auf der Suche nach Ärzten als nach Supermärkten. Der Fortgang der Reise spießt sich im Moment ein bißchen.
Angenehm ist, dass wir von 5 Liegetagen in Galatas nur einen bezahlen müssen, die übrigen sind Feiertage, da hat die Kassiererin frei. Den letzten Tag in Poros verbringen wir am Anker vor der kleinen Hochzeitsfotoinsel Daskaleio, wo wir auch voriges Jahr länger gelegen sind. Mutzi bekommt einen ausgiebigen Freigangs-Tag. Die anschließende Überfahrt nach Kap Sounion ist recht angenehm, es sind sogar ein paar Segelstunden drin.
Nach einer Übernachtung in einer namenlosen Bucht nahe Kap Sounion fahren wir nach Lavrion. Der Hafen ist bummvoll mit Charterbooten, viele Plätze sind zwei- bis dreifach belegt. Wir finden zufällig einen freien Platz, da ist wohl kurz zuvor einer hinausgefahren. Wir liegen neben einer Charterbootleiche, die, weil kein Segel in der Mastrollanlage ist, einen Höllenlärm macht, wenn das Boot auch nur ein bisschen schaukelt. Vielleicht war der Platz auch deshalb frei. Die Mole ist sehr hoch, allerdings unter Wasser nur 1 Meter tief. Wir können mit unserem tiefgehenden Ruder nur bis etwa 3 Meter heranfahren und müssen über das Nachbarboot aussteigen. Wir erledigen die dringensten Einkäufe und füllen Diesel nach. Am nächsten Tag ist starker Südwind, der baut im großen Hafen einen Schwell auf, der am Ende schon gefährlich wird, weil die Boote wild gegeneinander schlagen. Dabei wird unser Windgenerator beschädigt, er kollidiert mit dem Radar vom Nachbarboot. Die Flügel bleiben heil, die Nase hat einen Sprung, der Schaden ist reparabel. Wir sind knapp davor, trotz des Sturmes den Hafen zu verlassen, aber es gibt keine Liegealternative in der Nähe. Wieder einmal ein typischer griechischer Hafen, bei bestimmten Windlagen völlig inakzeptabel und unsicher. Es gibt offenbar keinen dauerhaft sicheren öffentlichen Hafen in Griechenland. Am nächsten Tag wollen wir weiter nach Norden, nach 3 Meilen kriegen wir einen Schlag auf den Saildrive. Wahrscheinlich ein größeres Stück Treibholz oder einer der beliebten treibenden griechischen Riesenplastiksäcke im Propeller. Wegen starker Vibrationen stellen wir den Motor ab. Wir segeln, anfangs sehr mühsam weil fast gar kein Wind, später geht es dann besser, in die nächste geschützte Bucht von Porto Rafti. Dort wollen wir herausfinden, was in der Schraube hängt. Wassertemperatur leider gerade mal 16 Grad. Der grausame Tauchgang bringt außer einem Kälteschock kein Ergebnis, der Propeller ist frei. Was immer da drin war hat sich wohl durch die Eigendrehung beim Segeln wieder gelöst. Der Schlag, den wir gehört haben hat jedoch das hintere Motorlager beschädigt. Das haben wir vor einigen Jahren schon einmal erlebt. So was müssen wir jetzt einmal aufteiben. Der Fortgang der Reise spießt sich immer noch.
Die Bootssteuer, die nach letzten Informationen ab heute den 9. Mai wirksam sein sollte, wird erst einmal auf 20. Mai verschoben. Recht so.
Weil ein Mechaniker erst in fünf Tagen nach Porto Rafti kommen kann um sich das Motorlager anzusehen, wir aber nicht so lange warten wollen, fahren wir zurück nach Lavrion. Drei Stunden mit ziemlichem Lärm und heftigen Vibrationen. Dafür kommt der Mechaniker aber auch noch am selben Tag zu uns und checkt alles Notwendige für die Reparatur. Es stellt sich heraus, dass das kaputte Motorlager kein Originalteil mehr war, und auch unterdimensioniert, daher der mehrmalige Bruch. Irgenwann muß es getauscht worden sein bevor wir das Boot hatten. Das richtige Teil ist natürlich obsolet, dreimal so teurer wie der bisher eingebaute „Ersatz“, und es wird leider gut eine Woche dauern, bis es eintrifft.
Lavrion ist nicht gerade eine berauschende Stadt für einen längeren Aufenthalt. Hier treiben sich zahlreiche Schwerstgestörte in getunten Autos mit ungeheuerlichen Subwoofern herum, und Mopeds ohne Auspuff aber mit Vollgas, und jede Menge anderer lärmender Spinner. Hauptsächlich nachts. Einer davon, gelber Seat Ibiza mit rundum saucool schwarz getönten Scheiben (inklusive Frontscheibe und Scheinwerfern!) fährt offensichtlich hauptberuflich Tag und Nacht kreuz und quer durch die Stadt (der kriegt wahrscheinlich den Sprit gratis von der Sozialhilfe) und gibt immerfort eine Geräuschkulisse ab wie ein nahes Gewitter. Der Idiot hält das wahrscheinlich für Musik. Vibrationen, sodass lose Teile am Boot zu scheppern beginnen. Bei uns wär so einer wohl schon längst in der Psychiatrie verwahrt. Wenigstens haben wir mit viel Glück einen der maximal zehn guten und geschützten Liegeplätze hier erwischt. Trotzdem wollen wir hier schnellstmöglich weg. Bitte!!! Wir möchten bald wieder ein paar normale und ruhige Menschen sehen. Aber noch spießt sich’s.