Die letzten Wochen vor dem Winter

Nach Methoni fahren wir nur mal kurz ums Eck zur Insel Sapientza. Dort gibt es eine Ankerbucht, die gut geschützt sein soll. Müssen wir uns anschauen. Die enge Einfahrt in die Bucht verspricht wirklich guten Schutz. Drinnen gammeln dann die Reste einer Fischfarm vor sich hin und nehmen viel Ankerplatz weg. Zudem ist der Grund mit Muringsteinen und Ketten verunreinigt, wir müssen den Anker sehr sorgfältig werfen um nicht irgendwo einzuhängen. Eigentlich sei die ganze unbewohnte Insel ein Naturschutzgebiet, wie uns verrostete und umgefallene Tafeln am Strand erklären. Der Strand im Naturschutzgebiet präsentiert sich uns als absolute Müllhalde mit angeschwemmtem Müll und den Resten einer abgerissenen Hütte. Typisch griechisch eben. Eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt entdecken wir einen sehr schön gebauten alten Leuchtturm. Von der Nähe aus ist er dann doch wieder original griechisch verfallen und gammelig. Die Ruhe in der Bucht ist zwar angenehm, der Müllhaufen läd jedoch nicht zum längeren Verweilen. Daher geht es als nächstes zum Badeort Finikounda. Der bietet außer vielen Lokalen und drei Campingplätzen an einem schönen Sandstrand nicht besonders viel. Die Campingplätze sind trotz Mitte Oktober noch sehr gut gefüllt. Am Ortsstrand liegt halb unter Sand begraben das bisher schlimmste Opfer des Wirbelsturmes, ein Katamaran, beide Rümpfe zerbrochen, ein Totalschaden. Ein Foto davon war bereits im vorigen Bericht zu sehen.
Leider ist der anhaltende südliche Schwell in den offenen Buchten am südlichen Peloponnes derzeit so schlimm, dass man nachts kein Auge zumacht, weil es extrem schaukelt. Eigentlich wollten wir hier die letzten zwei Wochen bis zum Winterlager verbringen. Nach zwei sehr unruhigen Nächten geben wir auf und fahren um das Kap in den Messinischen Golf ein, zuerst einmal nach Koroni. Dort passiert das, was dort immer passiert. Nachts bläst Nordwind, der natürlich nie angekündigt wird, und baut gefährlich hohe Wellen mit Reflexionen im Hafen auf. Also flüchten wir wieder einmal von dort, und fahren über den Golf nach Kardamyli auf Mani. Dort schaut es ganz anders aus. Gleich hinter dem Dorf steigen zweieinhalb Tausend Meter hohe Berge auf, es gibt wenig Strände, nur begrenzte Ankermöglichkeiten. Hierher kommen weniger Badetouristen, man kann hier aber ganz hervorragend wandern. Das Dorf ist sauber hergerichtet, viele alte Mani-Wehrtürme wurden restauriert, Neubauten werden oft in diesem Stil errichtet. Da es jetzt ungewöhnlich ruhig ist, ankern wir für mehrere Tage etwas abseits des Ortes in einer schönen Sandbucht mit glasklarem Wasser, und machen einige Ausflüge zu Fuß in der Umgebung, wegen der steilen hohen Berge immer mit toller Aussicht. Nach einigen Tagen wollen wir nach Petalidi fahren. Angekündigter Ostwind soll uns rüberschieben. In Wirklichkeit eiert der Wind dann mit 0 bis 12 Knoten erst von West, dann Nordwest, dann Nord, dann Südwest und Süd. Ost fehlt völlig. Aber es ist normal, dass das Wetter in Griechenland nichts mit den Vorhersagen zu tun hat. Segeln mit einem Ziel ist in diesem Land so gut wie ausgeschlossen. Wir motoren wieder einmal 3 Stunden lang öde dahin. In Petalidi hat der Wirbelsturm den Hafenseitigen Parkplatz mitsamt der Mauer vollkommen abmontiert. Die Mauer war aber eh nur für Wellenreflexionen gut, und der Parkplatz unnötig. Wenn sie schlau sind, dann räumen sie die Betonreste weg und bauen das Ganze als Strand zurück. Solche Weitsicht von griechischer Seite wage ich jedoch erfahrungsbedingt zu bezweifeln. Wahrscheinlich passiert gar nichts, und die Mauerreste bleiben einfach liegen. Drei Tage bleiben wir in Petalidi. Es regnet fast dauernd, und das soll auch so bleiben. Wir nutzen den einen schönen Tag dazwischen, um in das Winterlager in der Marina Kalamata zu fahren. Die Überfahrt erfolgt ausnahmsweise einmal fast ganz unter Segel, angenehmes Gleiten bei leichtem Nordwestwind und ruhigem Meer. Ein seltenes Ereignis in Griechenland. Wir sind jetzt eine Woche früher als geplant hier, aber die Wetterlage macht einen weiteren Aufenthalt in der ungeschützten Ankerplätzen der Umgebung zu unangenehm.
Die Marina Kalamata ist gut gefüllt, zumindest der besser geschützte Westteil ist fast voll mit Überwinterern. Da sind Österreicher, Deutsche, Schweden, Belgier, Italiener und Franzosen. Etwa 8 Schiffe werden den ganzen Winter bewohnt sein, die Crews der restlichen Boote fahren zumindest für einige Wochen heim. Die verbleibenden Besatzungen haben gleich einmal am letzten Oktoberwochenende einen gemeinsamen Grillnachmittag abgehalten, zum Kennenlernen der neuen Nachbarn. Wir liegen weitab der Straße, es ist sehr ruhig in der Nacht. Im Hafen gibt es mindestens 7 streunende Katzen, wenig zur Freude von Mutzi. Die verteidigt tapfer ihr Revier, das Schiff, aber draußen am Steg kommen die Anderen natürlich vorbei, und da gibt es einiges an Gefauche und Drohgebärden. Rauferei gab es zum Glück noch keine. Sehr interessiert ist sie am kleinen Ententrupp, der ein- bis zweimal am Tag vorbeikommt, um Fressbares zu finden. Wir machen das Schiff langsam winterklar, was gar nicht soviel Arbeit ist, wenn man an Bord bleibt. In den nächsten Wochen werden wir kleinere Instandsetzungen machen, hauptsächlich innen. Die Innenverkleidung muss teilweise erneuert, teilweise neu verklebt werden, einige Sitzpolsterbezüge sind zerrissen, viele Holzteile haben Kratzer oder Schrammen und müssen neu lackiert werden.
Kalamata ist eine erstaunlich sympathische Stadt, mit Radwegen, einem großen Park quer durch die Mitte, gute Geschäfte und Lokale. Hier lässt es sich einige Zeit ganz gut aushalten, denken wir. Bei starken Winterstürmen soll es über die 5 Meter hohe Hafenmole drüberspritzen, sagt man uns, aber das passiert nur selten. Das Wetter soll meist eher warm sein im Winter. Man wird sehen. Und tatsächlich, nachdem der grobe Südsturm über Italien aufhört, wird das Wasser im Hafen ruhig, es geht kein Wind mehr, und es hat am 1. November tagsüber 28 Grad. Wir denken noch dran, zum Strand zu gehen, der ist bloß 5 Minuten entfernt. Baden ist noch möglich.

Nachsaison mit Wirbelsturm

Einsetzender starker Nordwestwind zwingt uns, den Lieblingsplatz aufzugeben. Wir verlegen in die Stadtbucht von Vathi, die bei jeder Windrichtung sicher ist. Sicher schon, aber die rund umlaufende Hafenmauer wirft schon bei leichtem Wind die entstehenden Windwellen als Reflexionen in alle Richtungen zurück. Am Ankerplatz entsteht so selbst bei Leichtwind eine unglaubliche kabbelige See, kein Schaukeln, es rüttelt chaotisch am Boot, und es klatscht von unten an den Hecküberhang des Rumpfes, was sich innerhalb des Bootes wie eine Kollision anhört. Etwa jede Sekunde. Kein Schlaf in dieser Nacht. Am nächsten Morgen wechseln wir schnell auf einen frei gewordenen Platz auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht, 500 Meter entfernt, wo nur etwa 8 Boote Platz haben. Dort ist das Ufer unverbaut, die Wellen laufen aus und sind kaum zu spüren. Auch zum Baden ist es viel besser, weil klares tieferes Wasser dort ist. Nur bis in den Ort muss man etwa 20 Minuten zu Fuß gehen, aber das ist der ruhigere Platz auf jeden Fall wert. Die nächsten Tage ist das Wetter immer gleich: nachts und vormittags ruhig, am Nachmittag bis in den späten Abend starker Westwind. Der trifft uns am Ankerplatz immer von der Seite, und das ist recht unangenehm. Hier bleiben wir acht Tage lang hängen, es ist recht gut zum Baden, und die Katz hat am Ufer ein kleines Wäldchen für sich, das gefällt ihr, sie ist viel draußen unterwegs.
Irgendwann ist aber genug Idylle, wir umfahren Ithaki im Süden, und auf der gegenüber liegenden Seite wechseln wir nach Evfimia auf Kefalinia über. Der kleine Ort besteht nur aus Tavernen und einem Supermarkt ohne jede Preisauszeichnung. Gar nix. Wahrscheinlich gelten Spezialtagestouristensonderpreise je nach Befindlichkeit des Betreibers. Wir haben nicht gefragt. Der Ort ist eher fad, dar Liegeplatz im Hafen zu eng, es quietschen die Fender der Nachbarboote ganz erbärmlich. Wenig Schlaf. Da werden wir nicht lang bleiben. Die Liegegebühr wird erst am nächsten Tag ab Neun Uhr kassiert, wir fahren schon um halb Acht hinaus und sparen uns so wenigstens die Kosten für den Liegeplatz. Die Fahrt geht weiter nach Poros, da waren wir auch schon öfter. Unterwegs geht so gut wie kein Wind, trotzdem ist die kabbelige Welle fast ein Meter hoch, wir werden ziemlich arg durchgeschüttelt. Poros ist wegen seiner Enge immer gut für Ankerkino mit den Charterbooten, diesmal ist es eine Kollision mit der Hafenmole (witzig) und eine Fast-Kollision mit uns (nicht witzig), und dafür ein paar nette, aufmunternde Worte von mir an den Charterskipper, der nicht in der Lage ist, auch nur ein paar Meter geradeaus rückwärts zu fahren.
Von Poros aus fahren wir nach zwei Tagen nach Zakynthos, ans Südende nach Keri. Dort ist ein „Naturschutzgebiet“ für Caretta Caretta Schildkröten, was aber nicht heißt, dass nicht -zig Leihboote und Ausflugsboote kreuz und quer durch die Bucht fahren. Es besteht aber Ankerverbot in großen Teilen. Und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 6 Knoten. Lautlos ankernde Segelboot stören die Schildkröten wohl mehr als herumrasende Motorboote, von denen kein einziges die 6 Knoten auch nur annähernd einhält. Oder ist es vielleicht doch nur eine Frage des Umsatzes? Jedenfalls können wir hier ein paar ruhige Tage zum Baden verbringen, wenn auch die weite Bucht bei nordöstlichen Winden offen ist und unruhig wird. Trotz Ende der Hauptsaison sind noch viele Touristen da, die Anzahl der Bootfahrer hat aber deutlich abgenommen.
Weil eine stürmische Wetterphase angekündigt ist mit Winden aus alle Richtungen verlassen wir den offenen Ankerplatz und fahren nach Kiparissia am Westpeloponnes. Dort gibt es einen relativ gut geschützten Hafen, Liegen ist gratis, es gibt freie Wasseranschlüsse. Heißwasserdusche – wenn die Sonne auf die schwarze, lange frei liegende Zuleitung scheint. Die Stadt liegt etwas entfernt, steil den Hügel hinauf, und ist daher ein wenig mühsam zu erreichen. Die Mühe lohnt sich aber, oben gibt es große Supermärkte, sogar einen Lidl. Dort werden wir die unsichere Wetterlage aussitzen. Es gibt sonst am westlichen Peloponnes keine sicheren Fluchtplätze, außer vielleicht Pylos, aber dort ist die Infrastruktur schlechter.
Wir unternehmen trotz der steilen Lage des Ortes viele kleine Radausflüge, einen davon auf die Burgruine. Das Hafenwasser ist eher grindig und riecht öfters stark, aber nur 5 Radminuten entfernt gibts einen recht schönen Strand mit Süßwasserduschen, da fahren wir fast täglich einmal hin.
Nach 4 Tagen Ruhe setzt dann der Starkwind aus Osten ein, dessentwegen wir eigentlich hier her geflüchtet sind. In den Nachrichten berichten sie vom Wirbelsturm der Kategorie 1, „Zorbas“, der anschließend zwischen Peloponnes und Kreta durchziehen soll. Die Vorhersagen schwanken zwischen 30 und 70 Knoten im Hafen. Wir bauen alle Stoffabdeckungen vom Schiff ab und räumen das Deck frei, damit wir dem Sturm wenig Angriffsfläche bieten. Alle verfügbaren Festmacher werden verspannt. Der Bootsrumpf ist halbwegs hinter der Hafenmauer versteckt, aber der frei stehende Mast reicht aus, um das Schiff bei Böen in eine arge Schräglage zu versetzen. Der Schwell im Hafen hält sich zum Glück in Grenzen. Die ersten beiden Tage und Nächte bläst es durchgehend mit 30 bis 40 Knoten aus Ost. Am Dritten Tag vormittags sind es dann 40 bis 50 Knoten. Der Radarreflektor, der im Mast mit Kabelbindern befestigt war, fliegt davon und verschwindet irgendwo im Hafenbecken. Zu Mittag hört der Wind plötzlich fast völlig auf und es beginnt zu regnen. Ein paar Blitze und Donnergrollen sind dabei. Nach 2 Stunden fängt der Wind wieder an, bleibt aber den ganzen Tag mäßig stark. Am vierten Tag regnet es sehr stark, und der Wind legt wieder ordentlich zu. Das Auge des Wirbelsturms zieht heute ziemlich über uns drüber. Nachdem es vorbei ist setzt starker NW-Sturm ein, wieder mit 50 Knoten, also so um die 100 km/h, die Wellen donnern mit 2-3 Meter Höhe von NW heran. Im Hafenbecken, das nach NW die Einfahrt hat, entsteht Schwell von fast 1 Meter. Das Boot reißt an allen Leinen, die Fender werden manchmal über die Molenkante hinausgehoben. Wir fürchten von den Wellen gegen die Mauer geschleudert zu werden. Die Vertäuung ist aber ausreichend, sodass nichts Derartiges passiert. Das Reißen an den Leinen und die heftigen Bootsbewegungen sind aber Angst einflößend. Die Holländer neben uns kriegen das Festmachen nicht so recht in den Griff und flüchten zum Ankern ins Hafenbecken hinaus, dem türkischen Paar Batur und Emine helfen wir eine Stunde lang im strömenden Regen ihr Boot halbwegs sicher fest zu kriegen. Am Abend lässt der extrem starke Wind etwas nach, der böse Schwell bleibt aber Stunden danach noch erhalten. Die Nachrichten berichten von größeren Schäden am Peloponnes, hier haben alle den Spuk ohne Verluste überstanden.
Weil der Wind in nächster Zeit immer von Süden kommen soll, bleiben wir auch nach dem Sturm noch ein paar Tage da. Mittlerweile kennen wir alle seltsamen Leute, die da den ganzen Tag im Hafen herumlungern und angeln. Davon hält sie keine störende Arbeit ab. Fehlen tut es aber trotzdem an nichts, weil alle kommen mit Autos oder Motorrädern daher und fahren zig Mal sinnlos hin und her, obwohl der Sprit hier knapp 2 Euro kostet. Nachts fahren dann Jugendliche die Mole auf und ab, die kriegen wahrscheinlich auch alle gratis Benzin.
Nach 16 Tagen Kiparissia fahren wir endlich weiter nach Pylos. Dort hat sich der Hurrikan deutlich schlimmer ausgewirkt. Hinter uns liegt ein Pole mit einem Alu-Schiff, dem es beim Sturm an der Hafenmole 3 Meter seiner Seitenwand aufgerissen hat, weil er im geschützten „Marina“-Hafen keinen Platz mehr gefunden hat. Dort sammeln sich inzwischen immer mehr Dauerlieger und vergammelnde Schiffsleichen an. Überall liegt Müll herum. Die paar bewohnten Dauerlieger haben fast den ganzen Tag die kleinen Benzingeneratoren laufen. Pylos wird immer grauslicher, wir wollen nicht allzu lange bleiben. Die Stadt ist ja ganz nett, wir machen einen ausgiebigen Spaziergang rundherum, ein Teil des Waldes rund um die Festung ist im Sommer abgebrannt. An den frei gewordenen Stellen wachsen jetzt Zyklamen in hoher Dichte.
Nach 2 Tagen fahren wir die kurze Strecke nach Methoni am Südspitz des westlichen Fingers. Am Strand liegen 3 vom Wirbelsturm hinausgeschwemmte Boote, sie scheinen aber nicht schwer beschädigt zu sein. Kiparissia als Unterschlupf für den Wirbelsturm war anscheinend ein Glückstreffer, überall sonst gab es mehr Schäden als dort. Wir sind jetzt allein am Ankerplatz, nur mehr einheimische Fischerboote hängen da. Am ersten Tag in Methoni gibt es ein Gewitter mit Hagel und Starkregen, wie wir ihn noch nie erlebt haben, dann wird es endlich ruhig, und so sollte es laut Vorhersage auch wenigstens eine Woche bleiben.

 

Spätsommer in den Ionischen Inseln

Die Spätsommer Wetterlage ist zur Zeit stabil. Nachts und vormittags nur leichter drehender Wind, zum Segeln zu wenig, nachmittags mittlerer Nord bis Nordwest, genau gegenan zur Route. Die führt jetzt in die Ionischen Inseln, vorbei an Methoni, wo wir zwei Tage ankern und Unmengen an frischen Kaktusfrüchten sammeln. Danach folgt Pylos, der unfertige Hafen, der sich immer mehr mit Schiffsleichen füllt. Es sind nur noch wenige Liegeplätze für Durchreisende frei. Der Rest ist voll mit kleinen einheimischen Motorbooten und Leichen. Die Katze hat dort freien Ausgang und ist auch die ganze Nacht unterwegs, kommt aber immer wieder aufs Boot zurück, um es vor anderen Katzen zu verteidigen. Der nächste Stopp ist in Kyparissia. Da können wir ganz gut einkaufen, es gibt einen Lidl-Markt, der gar nicht so weit weg wäre, wenn man von Anfang an die richtige Straße nimmt. Auch hier ist Mutzi die ganze Nacht aktiv, einmal kommt sie komplett durchnässt zurück: beim Krabbenfangen ins Wasser gefallen.
Die wenigen Hafenplätze am westlichen Peloponnes liegen so 5 bis 6 Stunden Fahrzeit auseinander. Aufgrund der Wetterlage fahren wir meist sehr früh los, bei Sonnenaufgang, und sind kurz nach Mittag am nächsten Ort. Leider ist es viel Motorfahrerei, aber anders geht es zur Zeit nicht.
Eine Übernachtung in Katakolon am Anker verläuft ohne besondere Ereignisse. Am nächsten Tag geht es weiter nach Zakynthos. 7 Stunden Motorfahrt bei maximal 3 Knoten Wind. 1 Meile vor der Einfahrt nach Agios Nikolaos dann innerhalb von 5 Minuten sind es 15 Knoten Wind. Der hält dann bis spät am Abend an und erzeugt zusätzlich zu den Ausflugsbooten im Hafen gefährlichen Schwell. Zusammen mit der hohen, scharfkantigen Hafenmauer einer der schlechtesten Liegeplätze bisher. Aber alle griechischen Häfen waren bis jetzt absolut Mist.
Von Zakynthos setzen wir nach Kephalinia über. Beim Start in aller Frühe blitzt und rumpelt es hinter uns. Eine Zeit lang sieht es so aus als würden wir mitten ins Gewitter hinein fahren. Es ziehen dann aber nur zwei Gewitterzellen beiderseits an uns vorbei, keine erwischt uns wirklich. Nur ein bisschen Regen kriegen wir ab. Dann laufen wir in Poros auf Kephalinia ein. Den kleinen netten Hafen kennen wir auch schon und bleiben dort für drei Nächte. Für die Katz ist er neu, es gibt viel zu erforschen. Da Poros jedoch Fährhafen ist, und direkt hinterm Schiff die Ticketbude steht, ist dort mehrmals am Tag ein Riesenwirbel beim Ticketverkauf. Das bremst ihren Ausgehdrang ein wenig.
Nach Poros wollen wir nach Ithaki übersetzen. Leichter Gegenwind, daher Motorfahrt. Unterwegs fangen wir uns einen riesigen treibenden Plastiksack mit der Schraube ein. Durch mehrmaliges Vor und Zurück gelingt es, ihn abzuschütteln ohne tauchen zu müssen. Es ist Sonntag, Hauptsaison, und alle Buchten, die wir von Ithaki bisher nur leer kannten, sind bummvoll mit Booten. Die ankern dort in Reih und Glied mit Landleinen, fast so eng wie im Hafen. Erstmal fahren wir in die Stadt Vathi zum Einkaufen. Dort ist Platz frei, aber das Wasser ist zum Baden zum Vergessen. In den nächsten Tagen wollen wir eine Bucht finden, in der keine Monster-Motoryachten mit ihrer ganzen Jetski-Scheiße herumhängen. Das wird schwierig. Wir fahren auf gut Glück in unsere Lieblingsbucht auf Ithaki, und gerade als wir dort ankommen fährt von unserem bevorzugtem Ankerplatz ein Boot weg. So ein Glück! Wir hängen uns ganz in die kleine Einbuchtung mit dem Wald dahinter hinein und bringen zwei Landleinen aus. Leider ist Hauptsaison, und die Idioten mit den riesigen Motoryachten hängen sich rücksichtslos in wenigen Metern Abstand daneben hin. Die Generatoren und Klimaanlagen laufen Tag und Nacht auf Hochtouren, die Vollscheiße-Mucke dröhnt den ganzen Tag, und von den bis zu drei hochmotorisierten Begleitbooten (z.B. 12m Schlauchboot mit 1200PS), und Jetskis sind immer mindestens zwei in Betrieb. Laufend. Die fahren wenigstens stündlich in den Hauptort zum Tschik kaufen oder Kaffee trinken oder einfach nur zum Schauen. Hauptsache irgendwer fährt immerfort mit heulenden Motoren – und natürlich superlauter Mucke – sinnlos herum. Häufig auch nur im Kreis. Einfach nur Vollidioten. Alle. Ausnahmslos. Wenn einer dieser Schwachsinnigen dann endlich einmal wegfährt, hoffen wir immer auf ein Segelboot, das die nahe liegenden Plätze besetzen könnte. Selbst Charterboote sind höchst willkommen, Hauptsache kein Motorboot-Arsch. Genau ein solcher schmeißt seinen Anker genau auf unseren drauf, und holt ihn gleich wieder hoch, weil er erst jetzt merkt, das der Platz für ihn zu schmal ist. Dabei reißt er unseren Anker mit aus. Wir müssen ihn neu ausbringen, diesmal gleich mit etwas mehr Kette. Das erweist sich als gute Wahl, denn am nächsten Tag gibt es ein Gewitter mit starken Böen von schräg seitlich. Am Höhepunkt der Sturms entlasten wir den Anker mit laufender Maschine unter geringer Drehzahl. Der Italiener neben uns will es uns gleich tun, er tut das allerdings mit Vollgas, woraufhin sich seine beiden Landleinen spannen wie Gitarrensaiten und dann fast zugleich mit einem Knall zerreißen. Er, immer noch mit Vollgas, schießt aus der Bucht hinaus, und bleibt dann am Anker von seinem Nachbarn hängen. Das britische Motorboot hat seine Kette nämlich zuvor ganz fein über den Italiener gelegt. Dafür muss er jetzt auch seine Landleinen loswerfen, rausfahren, und anschließen knüpfeln beide eine halbe Stunde lang ihre verwickelten Ketten auseinander. Wir sind umgeben von lauter Idioten. Trotzdem ist die Ankerbucht so schön, sicherlich mit Abstand die schönste, die wir in Griechenland gesehen haben, dass wir zwei Wochen hier aushalten, und sogar mehrmals die halbstündige Einkaufsfahrt mit dem Dinghi in Kauf nehmen, nur um diesen einzigartigen Ankerplatz nicht aufgeben zu müssen.

mit Gästen von Nafplion nach Kalamata

Unsere Gäste Anna und Christoph kommen wie geplant am Freitag Abend mit dem Bus aus Athen an. Nach dem Verstauen des Gepäcks bummeln wir dann noch durch die Altstadt, gehen Gyros essen und genießen den Abend. Am nächsten Morgen werden die beiden noch die Burg erklimmen, dann fahren wir raus in die Badebucht. Nach Sonnenuntergang fahren wir los nach Süden, in Richtung Monemvasia. Nachts deshalb, weil hier tagsüber immer starker Südost weht und wir uns das Aufkreuzen über 50 Meilen ersparen wollen. So wird es zwar eine fade Motor-Nachtfahrt, aber wenigstens ruhig. In Monemvasia sehen wir uns die Altstadt und auch die ganz alte Stadt am Berg an. Dort oben wurden seit meinem letzten Besuch vor etwa 25 Jahren einige der verfallenen Gebäude wieder aufgebaut. Die Aussicht von oben ist grandios, das Bummeln in der Unterstadt macht trotz der Hitze Spaß, die Gebäude und Gassen sind sauber hergerichtet und gepflegt, natürlich besteht der Ort nur aus Restaurants und Souvenierläden, aber alles ganz nett zum Durchgehen. Die Ankerplätze zu beiden Seiten des Dammes sind beide schlecht und steinig, wir finden mit Glück eine Sandstelle, die super hält. Das ist auch notwendig, denn die ganze Nacht und den folgenden Tag bläst es mit 25 bis 30 Knoten von Nordwest. Danach dreht der Wind von Nord bis Südost, mehrmals täglich, und geht dabei immer wieder auf 25 Knoten. Egal auf welcher Seite man liegt, mehrmals am Tag ist es jedenfalls die falsche. Wir müssen hier trotzdem zwei Tage ausharren, starker Westwind verhindert im Moment die Rundung des Südkaps an Kithira vorbei.
Die Katze ist anfangs etwas skeptisch mit den neuen Bewohnern, immerhin besetzen die ihre Bugkabine, die normalerweise ihr Spielzimmer ist. Nach ein paar Tagen hat sie sich aber dran gewöhnt.
Nach zwei Tagen gibt es ein Fenster mit etwas schwächerem Westwind, wir runden das Kap und steueren die Insel Elafonisos an. Wegen des anhaltenenden Westwindlage ankern wir in einer Ostbucht, die nicht so schönen Sandstrand hat wie die Westbucht. Hier sind wir zwar vom Westwind geschützt, aber abends zieht ein Gewitter vorbei, der kurze Gewittersturm bringt wieder Schwell in die Ostbucht. Die Nacht ist dann aber halbwegs ruhig. Am nächsten Tag verlegen in die schönere Westbucht. Zum länger Liegen ist dort viel zu viel Schwell, aber ein kurzer Badeaufenthalt und ein Landgang mit der Katze in die Dünen ist drin.
Anschließend segeln wir nach Norden und treffen in Archangelos, wo gerade Freunde aus der Heimat urlauben, zum Abendessen. Der Ankerplatz dort ist aber bekanntermaßen schlecht und nach West offen. Daher verlegen wir für die zweite Nacht ins nahe liegende Plytra, wo es aber bei der augenblicklichen Westwetterlage auch nur wenig ruhiger ist. Tags darauf wechseln wir auf den mittleren Finger Mani, in die Bucht Porto Kagio. Die ist bei West gut vor Schwell geschützt, wenn auch der Wind sehr böig von den hohen Bergen kommt. Hier warten wir noch einen Tag, bis der starke Wind aus Nordwest aufhören soll, damit wir Mani im Süden runden können. Anna und Christoph laufen inzwischen zu Fuß den ganzen Südzipfel von Mani ab, was bei den Griechen dort für einiges Kopfschütteln sorgt.
Ein defektes Seeventil hat zur Folge, dass beim Abpumpen der vorderen Toilette ein Schlauch abgeht, und Christoph knöcheltief im „Abwasser“ steht. Nach ausgiebiger Reinigung des Nassraumes wird das Klo vorläufig stillgelegt.
Rund ums Mani Südkap geht es noch ganz gut, dann beginnt wieder starker Nordwest bis Westwind, wir müssen den ganzen Tag dagegen aufkreuzen, es ist recht mühsam. Wir erreichen abends Koroni, wo unsere Gäste die Burg besichtigen. Am nächsten Tag wechseln wir zum Baden in die schönere Südbucht. Einen Tag später segeln wir noch nach Petalidi. Dort urlaubt zur Zeit meine Schwester Helga, die unsere Gäste mit dem Auto zum Flughafen bringt. In den knapp zwei Wochen mit Anna und Christoph, in denen wir den Peloponnes von Ost nach West gerundet haben, hatten wir konstant starken Westwind, also immer dagegen an. Am letzten Tag, nachdem wir unser Ziel erreicht haben, hört auch der Westwind auf, und wird von den normalen drehenden Tageswinden abgelöst. Tolles Timing!
Jetzt fahren wir noch für einen Tag die etwa 10 Meilen nach Kalamata. Wir müssen zur Hafenpolizei, um unsere Fahrgenehmigung für Griechenland (D.E.K.P.A), für ein Jahr zu verlängern. Andere Skipper haben mir von großer Kompliziertheit der Behörden dabei berichtet. Bei mir funktioniert das schnell und problemlos, und es kostet nix. Allerdings will die freundliche Beamtin außer den Schiffspapieren auch meine Skipperlizenz kopieren. Das ist das erste Mal überhaupt seit Beginn unserer Reise, dass irgend jemand meinen Schiffsführerschein sehen will. Natürlich hab ich den nicht dabei und muss 15 Minuten Fußweg zurück zum Schiff, bei 40 Grad, um ihn zu holen.
Tags danach fahren wir zurück nach Petalidi, wo am Nachmittag ein fürchterliches Gewitter niedergeht, dass sich das Wasser in der Ankerbucht in eine braune Brühe verwandelt.

Peloponnes Ostküste bis Navplion

Weil wir im Juli Gäste in Navplion aufnehmen werden, und mit ihnen gleich bis Monemvasia durchfahren wollen, müssen wir diesen Küstenabschnitt jetzt vorab für uns erkunden. Nächstes Ziel nach Portocheli ist daher Leonidion an der steilen Peloponnesküste. Den Hafen erkennt man erst hundert Meter bevor man da ist, weil er hinter einem Badestrand versteckt liegt. Es stehen auch nur wenige Gebäude dort, denn die Stadt dazu liegt 4km landeinwärts in einer Schlucht zwischen eindrucksvollen senkrechten roten Felswänden. Wir besuchen sie vormittags per Rad, und sind rechtzeitig am Nachmittag zurück, bevor mehrere Gewitterfronten mit starkem Regen drüberziehen. Der Regen hält, mit kurzen Pausen, bis zum nächsten Tag an. Im Hafen, an dessen Innenseite auch ein Badestrand liegt, stinkt es ständig nach Klo. Wir denken erst, dass hier eben der Kanal der umliegenden Häuser endet, bis wir im Gespräch mit unseren britischen Charterbootnachbarn draufkommen, dass es deren Bordtoiletten sind, die den feinen Geruch verströmen. Beide Fäkaltanks seien verstopft und laufen an den Entlüftungen über. Feine Sache. Die Briten fahren zum Glück nach einem Tag weiter.
Am Nachmittag wollen wir der Katze in einer Regenpause Ausgang gewähren. Dazu lasse ich die Gangway runter, die wegen der elenden Wackelei hochgeklappt war. Die Katze stürmt natürlich sofort los, ohne Wenn und Aber, während das Brett noch lange nicht seine stabile Endlage erreicht hat. Es macht einen Schlenker und die Katze liegt im Wasser, schwimmt zur Mole – zu glatt und zu hoch. Schwimmt zurück zum Boot, wo sie sich unter kräftigem Einsatz der Krallen an meinem Bein hocharbeitet – und ist wieder am Boot, verängstigt, nass, zitternd, nur noch halb so groß, aber es ist nichts passiert! Zwei wichtige Erkenntnisse ergeben sich daraus:
1. die Katze kann sehr gut schwimmen, auch wenn sie es nie freiwillig tun würde.
2. nasse Katze riecht ähnlich wie nasser Hund.
Dass sich ihr ungestümes Verhalten aufgrund dieses Vorfalles ändern wird schließen wir aus.
Der nächste Aufenthalt ist in Kyparissi. Die kleine Mole liegt weit ab vom Ort. Es gibt dort ein kleines Kirchlein, aber kaum Häuser oder Tavernen. Ein guter Platz für die Katz, die den ganzen Tag draussen frei herumlaufen kann. In regelmäßigen Abständen kommt sie immer wieder aufs Schiff zurück.
Der Liegeplatz ist gut, aber recht schwellig, daher fahren wir vor den angedrohten Gewittern weiter nach Süden, nach Gerakas. Sie Fahrt wird spannend, kein Wind, dafür starker Regen, 1 Meter hohe Wellen und rundum ziehen schwere Gewitter vorbei. Zum Glück keines, das uns direkt erwischt. Gerakas Port liegt in einer schmalen Bucht mit einer seichten Lagune innen. In der schmalen Ankerbucht sind wir gut vor Schwell geschützt, der starke Gewitterwind kommt jedoch in Böen abwechselnd von vorne und hinten. Das Schiff dreht alle paar Minuten komplett um. Keine guten Bedingungen für den Anker, aber er hält. Der Ort besteht nur aus drei Tavernen und ein paar Häusern, kein Markt, kein Bäcker, gar nichts. Am Berg sind die Reste der antiken Festung zu bestaunen, viel sieht man nicht mehr, ein paar Mauern. Der Blick herum ist aber lohnend. Nach Durchzug einiger Gewitterfronten mit Unmengen an Regen fahren wir nach zwei Tagen Versteck wieder nach Norden zurück. Ziel ist noch einmal der Raum um Portocheli. Die siebenstündige Fahrt findet bei Wind von 2-28 Knoten statt, wechselnd in Viertelstunden Rhythmus. Das bedeutet ständig Segel anpassen, Reffen, Rauslassen, Motor und wieder von vorne. Wenigstens die Richtung bleibt West. Zurück in Portocheli bläst es dann bis in die Nacht hinein mit 25 Knoten weiter, dar Ankerplatz ist aber groß mit gut haltendem Grund, und es gibt kaum Wellen.
Am Samstag findet sich eine Gelegenheit den Besuch von Hydra nachzuholen. Eine Tagesfahrt mit einem Ausflugsboot nach Hydra und Spetses um 20 Euro klingt vernünftig. In Hydra ist der Hafen tatsächlich sehr klein, und obwohl sogar noch Platz gewesen wäre, sind wir froh, nicht selber hingefahren zu sein. Die Taxiboote, Schnellfähren und Ausflugsboote fahren dort in Minutenabstand ein und aus, und machen dabei einen Höllenkrach. Es ist keine Sekunde lang still, immerfort dröhnt irgend ein Schiffsmotor. Die Stadt am Berghang ist hübsch, keine Autos oder Mopeds, weil keine Straßen, nur enge Wege und alle paar Meter Stiegen, auf und ab, Fahren ist dort sowieso unmöglich. Die meisten Häuser sind schön hergerichtet, wenn auch sehr viele offenbar unbewohnt, im Hafen gibt es nur Tavernen und Souveniergeschäfte, die ganze Stadt ist voll auf Tourismus ausgelegt, aber recht nett. Länger als einen Tag hält man es dort aber nicht aus. Das zweite Ziel, die Insel Spetses liegt gleich gegenüber von Portocheli. Der Badeort ist auch ganz nett, weniger aufregend, dafür ein bisschen echter, mit Lebensmittelgeschäften und Menschen die dort wohnen, nicht nur Kellner und Souvenierverkäufer.
Wir verlegen vom großen Ankerplatz in die kleine, seichte Seitenbucht mit dem Fischerhafen, dort finden nur 3 Boote Platz zum Ankern, es ist viel gemütlicher. Westlich davon liegt eine bewaldete Landspitze, die ist unbewohnt, nur ein schlossartiges Gebäude ganz oben, mit rundem Türmchen, schaut aus wie der Wohnsitz vom Gargamel. Die Katz liebt solche Waldstücke, dort kann sie frei herumlaufen, ohne Störung durch andere Katzen oder Hunde. Meist trottet sie aber bei unseren Spaziergängen mit, während sie alles beschnüffelt, und Allem nachspringt, was sich bewegt. Weil sie sich kaum von uns entfernt, braucht sie sich auch nicht um die Orientierung und den Rückweg kümmern. Am Ende steigt sie wieder freiwillig ins Dinghi ein und fährt zurück zum Schiff.
An einem Tag wird die große Ankerbucht von einer Charterflottille heimgesucht, bestehend aus 27 Schiffen, die ankern alle nebeneinander Seite an Seite und bilden so eine gut 200 Meter lange Linie. Schaut komisch aus, ist aber Platz sparend. Und der Wirbel, den sie machen bleibt örtlich begrenzt.
Wir bleiben noch einige Tage in den Buchten rund um Portocheli, dort ist das Wasser zum Baden klar, und fahren nur zum Einkauf alle paar Tage kurz in die Hauptbucht. Das Meer ist sehr ruhig zur Zeit, kaum Wind, einzig die Taxiboote, Schnellfähren und Motorboote verursachen immer wieder unangenehmen Schwell, wenn sie draußen vor der Bucht vorbeidonnern. Ein paar weitere Tage liegen wir in einer großen Bucht nördlich der Stadt. Hier ist ein großer Sandstrandbereich hinter einer Lagune. Erstaunlicher Weise ist hier gar nichts los, ein paar leerstehende Hotelleichen in der Lagune, wenige Badegäste am langen Sandstrand, noch weniger Bootsverkehr, obwohl der Ankerbereich sehr an karibische Größenordnungen heranreicht. Der Hauptunterschied liegt in der Verschmutzung des Ankergrunds. Da liegt alles Mögliche an Gerümpel am Grund herum, und jede Menge Autoreifen, einen davon fischen wir prompt beim Ankerlichten heraus. Dafür ist es paradiesisch ruhig.
Die folgenden drei Tage ankern wir in Vivari, einem kleinen Badeort in einer schmalen, tiefen Bucht mit sehr gutem Schutz. Hier ist wenig los, es gibt ein paar Tavernen und ein kleines Kaufhaus. Der Strand mit der tollen Mucke gegenüber, weit weg, so dass man kaum was hört. Durch die Länge der Bucht entsteht beim täglichen Südostwind mit 15 Knoten leider eine unangenehme Windwelle, die beim Baden stört. Abends, nachts und vormittags ist es aber ruhig.
Letzter Halt vor Navplion ist eine Badebucht kurz vor der Stadt. Der Ankerplatz ist fein, Sandgrund, 4 Meter tief, gut geschützt. Eigentlich ein guter Platz, auch zum Baden. Denken wir. Aber: Vier Strandbars, drei davon mit Musik in voller Dröhnung rütteln gleichzeitig am Nervensystem, und da reden wir von mehreren Tausend Watt Lautsprecherleistung an jedem Strand. Und zur Abrundung des Vergnügens liegen genau südöstlich davon mehrere riesige Mülldeponien. Die sind zwar zugeschüttet, aber der andauernde Südostwind tagsüber trägt den feinen Duft von brennender Mülltonne zu uns. Die Strandbesucher stört es offensichtlich nicht so, die liegen zu Tausenden nebeneinander in der Sonne. Wir werden hier aber kaum mehr als einen Nachmittag verbringen.
In Navplion liegen wir im Hafen. Es ist ein wenig schwierig mit der Katze, weil sie natürlich leicht an Land kann, oder auf die benachbarten Boote überspringt. Nachts müssen wir sie daher an die Leine legen. Hier gibt es auch einen Tierarzt, und Mutzi kriegt ihre Tollwutimpfung.
Navplion ist eine komplett untypische Stadt für Griechenland, zumindest der Altstadtbereich ist eher wie wir es aus Italien oder Spanien kennen. Und es ist sehr sauber. Über der Stadt thronen gleich zwei Burganlagen, und auf einer vorgelagerten Insel eine dritte. Die große Burg besteigen wir per Treppenaufgang. Etwa 900 Stufen führen in einer steilen Felswand nach oben. Das Ganze geht natürlich nur in der Früh, da liegt die Stiege im Schatten. Nachmittags wäre der Aufstieg undenkbar. Von oben gute Aussicht über die Stadt und auch die darunter liegende kleine Burganlage, auf der mitten drin eine grausliche Betonhotelleiche herumsteht. Warum sie die nicht längst abgerissen haben? Ist eben Griechenland. Wahrscheinlich ist das Geld knapp….
Der Hafen ist nichts Besonderes, Wasser und Diesel vom Tankwagen, mit ungeheuerlichen Aufschlägen – kommt ja gar nicht in Frage! Diesel holen wir per Kanister in einem Zehn-Minuten-Fußmarsch mit dem Einkaufstrolli – zum Normalpreis. Brauchwasser haben wir vorsorglich schon früher befüllt, ein Hafenpolizist zeigt mir freundlicherweise einen frei zugänglichen Wasserhahn, an dem wir wenigstens die Kleinmengen für die Trinkwasserkanister gratis beziehen können. Die Wasserfreigabe direkt am Schiff kostet einmalig 12Euro Mindestpreis! Ein Wucher, wie sonst noch nirgens erlebt. Kein Schnäppchen, wenn man bloß 20 Liter braucht. Strom gibt es nicht, deshalb läuft am nebenliegenden Charterboot den ganzen Vormittag der Generator. Obwohl das Schiff eine Fotovoltaikanlage drauf hätte, erklärt mit der deutsche Charterkapitän, dass er nicht so genau wüsste, ob und wie die funktioniert, und er keine Ahnung hätte, wie geladen seine Batterien sind. Deshalb Generator. Sicherheitshalber. Nach 4 Stunden Generator-Laden fahren die Idioten dann mit Maschine und wahrscheinlich bereits überladenen Batterien aus dem Hafen raus.
Wir tätigen einige Vorratseinkäufe, die Versorgungsmöglichkeiten sind sehr gut, während wir auf unsere Gäste Anna und Christoph warten, die am Freitag hier eintreffen sollen.