Die letzten Wochen vor dem Winter

Nach Methoni fahren wir nur mal kurz ums Eck zur Insel Sapientza. Dort gibt es eine Ankerbucht, die gut geschützt sein soll. Müssen wir uns anschauen. Die enge Einfahrt in die Bucht verspricht wirklich guten Schutz. Drinnen gammeln dann die Reste einer Fischfarm vor sich hin und nehmen viel Ankerplatz weg. Zudem ist der Grund mit Muringsteinen und Ketten verunreinigt, wir müssen den Anker sehr sorgfältig werfen um nicht irgendwo einzuhängen. Eigentlich sei die ganze unbewohnte Insel ein Naturschutzgebiet, wie uns verrostete und umgefallene Tafeln am Strand erklären. Der Strand im Naturschutzgebiet präsentiert sich uns als absolute Müllhalde mit angeschwemmtem Müll und den Resten einer abgerissenen Hütte. Typisch griechisch eben. Eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt entdecken wir einen sehr schön gebauten alten Leuchtturm. Von der Nähe aus ist er dann doch wieder original griechisch verfallen und gammelig. Die Ruhe in der Bucht ist zwar angenehm, der Müllhaufen läd jedoch nicht zum längeren Verweilen. Daher geht es als nächstes zum Badeort Finikounda. Der bietet außer vielen Lokalen und drei Campingplätzen an einem schönen Sandstrand nicht besonders viel. Die Campingplätze sind trotz Mitte Oktober noch sehr gut gefüllt. Am Ortsstrand liegt halb unter Sand begraben das bisher schlimmste Opfer des Wirbelsturmes, ein Katamaran, beide Rümpfe zerbrochen, ein Totalschaden. Ein Foto davon war bereits im vorigen Bericht zu sehen.
Leider ist der anhaltende südliche Schwell in den offenen Buchten am südlichen Peloponnes derzeit so schlimm, dass man nachts kein Auge zumacht, weil es extrem schaukelt. Eigentlich wollten wir hier die letzten zwei Wochen bis zum Winterlager verbringen. Nach zwei sehr unruhigen Nächten geben wir auf und fahren um das Kap in den Messinischen Golf ein, zuerst einmal nach Koroni. Dort passiert das, was dort immer passiert. Nachts bläst Nordwind, der natürlich nie angekündigt wird, und baut gefährlich hohe Wellen mit Reflexionen im Hafen auf. Also flüchten wir wieder einmal von dort, und fahren über den Golf nach Kardamyli auf Mani. Dort schaut es ganz anders aus. Gleich hinter dem Dorf steigen zweieinhalb Tausend Meter hohe Berge auf, es gibt wenig Strände, nur begrenzte Ankermöglichkeiten. Hierher kommen weniger Badetouristen, man kann hier aber ganz hervorragend wandern. Das Dorf ist sauber hergerichtet, viele alte Mani-Wehrtürme wurden restauriert, Neubauten werden oft in diesem Stil errichtet. Da es jetzt ungewöhnlich ruhig ist, ankern wir für mehrere Tage etwas abseits des Ortes in einer schönen Sandbucht mit glasklarem Wasser, und machen einige Ausflüge zu Fuß in der Umgebung, wegen der steilen hohen Berge immer mit toller Aussicht. Nach einigen Tagen wollen wir nach Petalidi fahren. Angekündigter Ostwind soll uns rüberschieben. In Wirklichkeit eiert der Wind dann mit 0 bis 12 Knoten erst von West, dann Nordwest, dann Nord, dann Südwest und Süd. Ost fehlt völlig. Aber es ist normal, dass das Wetter in Griechenland nichts mit den Vorhersagen zu tun hat. Segeln mit einem Ziel ist in diesem Land so gut wie ausgeschlossen. Wir motoren wieder einmal 3 Stunden lang öde dahin. In Petalidi hat der Wirbelsturm den Hafenseitigen Parkplatz mitsamt der Mauer vollkommen abmontiert. Die Mauer war aber eh nur für Wellenreflexionen gut, und der Parkplatz unnötig. Wenn sie schlau sind, dann räumen sie die Betonreste weg und bauen das Ganze als Strand zurück. Solche Weitsicht von griechischer Seite wage ich jedoch erfahrungsbedingt zu bezweifeln. Wahrscheinlich passiert gar nichts, und die Mauerreste bleiben einfach liegen. Drei Tage bleiben wir in Petalidi. Es regnet fast dauernd, und das soll auch so bleiben. Wir nutzen den einen schönen Tag dazwischen, um in das Winterlager in der Marina Kalamata zu fahren. Die Überfahrt erfolgt ausnahmsweise einmal fast ganz unter Segel, angenehmes Gleiten bei leichtem Nordwestwind und ruhigem Meer. Ein seltenes Ereignis in Griechenland. Wir sind jetzt eine Woche früher als geplant hier, aber die Wetterlage macht einen weiteren Aufenthalt in der ungeschützten Ankerplätzen der Umgebung zu unangenehm.
Die Marina Kalamata ist gut gefüllt, zumindest der besser geschützte Westteil ist fast voll mit Überwinterern. Da sind Österreicher, Deutsche, Schweden, Belgier, Italiener und Franzosen. Etwa 8 Schiffe werden den ganzen Winter bewohnt sein, die Crews der restlichen Boote fahren zumindest für einige Wochen heim. Die verbleibenden Besatzungen haben gleich einmal am letzten Oktoberwochenende einen gemeinsamen Grillnachmittag abgehalten, zum Kennenlernen der neuen Nachbarn. Wir liegen weitab der Straße, es ist sehr ruhig in der Nacht. Im Hafen gibt es mindestens 7 streunende Katzen, wenig zur Freude von Mutzi. Die verteidigt tapfer ihr Revier, das Schiff, aber draußen am Steg kommen die Anderen natürlich vorbei, und da gibt es einiges an Gefauche und Drohgebärden. Rauferei gab es zum Glück noch keine. Sehr interessiert ist sie am kleinen Ententrupp, der ein- bis zweimal am Tag vorbeikommt, um Fressbares zu finden. Wir machen das Schiff langsam winterklar, was gar nicht soviel Arbeit ist, wenn man an Bord bleibt. In den nächsten Wochen werden wir kleinere Instandsetzungen machen, hauptsächlich innen. Die Innenverkleidung muss teilweise erneuert, teilweise neu verklebt werden, einige Sitzpolsterbezüge sind zerrissen, viele Holzteile haben Kratzer oder Schrammen und müssen neu lackiert werden.
Kalamata ist eine erstaunlich sympathische Stadt, mit Radwegen, einem großen Park quer durch die Mitte, gute Geschäfte und Lokale. Hier lässt es sich einige Zeit ganz gut aushalten, denken wir. Bei starken Winterstürmen soll es über die 5 Meter hohe Hafenmole drüberspritzen, sagt man uns, aber das passiert nur selten. Das Wetter soll meist eher warm sein im Winter. Man wird sehen. Und tatsächlich, nachdem der grobe Südsturm über Italien aufhört, wird das Wasser im Hafen ruhig, es geht kein Wind mehr, und es hat am 1. November tagsüber 28 Grad. Wir denken noch dran, zum Strand zu gehen, der ist bloß 5 Minuten entfernt. Baden ist noch möglich.