Winterlager, Teil 2

Beitrag wird während des Winters laufend fortgesetzt, letzte Aktualisierung am 24.Feber

13.12.2018 – 8.1.2019: Als der Südsturm dann kommt, ist es im Hafen gar nicht so unruhig wie befürchtet, es war schon einmal schlimmer. Aber die etwa 2 Meter hohen Wellen knallen draußen auf die Steinschüttung der Mole, Fontänen steigen etwa 6-7 Meter hoch auf, und werden vom Sturm dann über die Hafenmauer drübergeblasen. alle paar Minuten kommt eine gewaltige Ladung Salzwasser über. Wenn man das Boot verlassen will muß man schnell sein und zwischen 2 Riesenwellen den Steg verlassen haben. Die Mutzi erwischt es einmal ordentlich, woraufhin sie das Boot an diesem Tag nicht mehr verlässt. Ich kriege auch eine Ladung Salzwasser ab, als ich wohl ein wenig zu cool und entspannt den Steg verlassen will. Aber wenigstens ist es an dem Tag schön warm, nicht so schlimm, wenn man nassgespritzt wird. Der Spuk dauert genau einen Tag und die halbe Nacht, dann wird es wieder ruhig.
Wenn es schwellig wird im Hafen, dann zerren die Boote stark an ihren Leinen, die dann gerne einmal durchscheuern und reissen. Drei neben uns liegende, unbewohnte Boote musste ich schon neu befestigen, weil Leinen gerissen oder stark beschädigt waren. Die „Security“ der Marina macht zwar täglich zwei Kontrollfahrten mit dem Moped. Die dauern maximal 5 Minuten, und dabei hat der Typ noch keine einzige kaputte Leine gesehen. Der merkt höchstens, wenn ein neues Schiff angekommen wäre. Außerdem hat er die Kapuze wegen der klirrenden Kälte tief ins Gesicht gezogen, schließlich ist Winter, und sieht deshalb sowieso kaum was raus. Also, die Kontrollen sind absolut für nix. Besser selber machen.
Vor Weihnachten wird es wieder schön und warm. Man kann gemütlich im Cockpit in der Morgensonne frühstücken. Wir machen einen größeren Radausflug nach Messini, das ist etwas mehr als eine Stunde Fahrt. Die warmen Tage werden auch endlich wieder für Sinnvolles genutzt, am Vorweihnachtstag wird mit etwa 25 Leuten gegrillt, zu Mittag des Christtages gibt es einen Drink im Marinalokal. Fast alle Überwinterer sind anwesend.
Die Nacht von 26. auf 27.Dezember ist eher ungemütlich, wir haben beide Durchfall und kotzen uns die Seele aus dem Leib. Erst nehmen wir an, dass irgendein Lebensmittel schlecht war – wir hatten nur Selbstgekochtes gegessen – dann stellt sich heraus, dass auch andere den gleichen Spaß hatten, also wahrscheinlich ist irgendein Darmvirus unterwegs. Tags darauf geht es uns wieder gut.
Am 28. Dezember abends gibt es ein Konzert der „Dimotiki Philarmoniki Kalamatas“, also der örtlichen Blasmusik, zusammen mit der Band „Planet Caravan“, man spielt das gesamte Pink Floyd Album „The Wall“. Klingt zumindest interessant, und kann für 2 Euro(!) Eintritt nix verhaut sein. Wir gehen zusammen mit Claudio & Conny von der „Sasikala“ sowie Gunnar & Annika von der „Forgiveness“ hin. Im Sportzelt gibt es dann vor etwa 1000 Zuhörern ein wirklich sehr gut gemachtes, detailgetreues Konzert, mit bestem Sound und hervorragenden Musikern – wir sind äußerst positiv überrascht.
Zum Silvestermenü treffen wir uns mit den anderen Überwinterern in einem Lokal in der Nähe. Das Essen ist hervorragend, reichlichst und nicht teuer. Leider müssen ein paar Rücksichtslose im Lokal rauchen – trotz Rauchverbot. Den ursprünglichen Plan, zum Jahreswechsel nach dem Essen ins Stadtzentrum zum Feuerwerk zu spazieren, lassen wir lieber sein, denn es regnet in Strömen. Am Neujahrstag scheint wieder die Sonne, aber es bläst ziemlich kalter Nordost-Sturm, und der Gebirgszug um den Profitis Illias ist mit Schnee bedeckt. Der ist aber auch 2400m hoch. Im Windschutz des Bootsverdecks geht sich trotzdem ein gemütliches Neujahrsfrüstück im Freien aus. Die weiteren Tage im neuen Jahr werden dann immer kälter, nachts hat es oft nur mehr 3 Grad, tagsüber nicht über 10. Die Schneefallgrenze sinkt schon bedrohlich nahe zur Stadt herunter, liegen bleibt er aber natürlich nur weiter oben.
Langweilig wird es nie an Bord, es gibt immer was zum Rumbasteln, und wenn gerade nicht, dann kommen die Nachbarn mit ihren Elektroproblemen. Günther kriegt endlich sein AIS mit dem Kartenplotter vernetzt, Ian bekommt eine komplette Neueinstellung seiner Lade- und Überwachungsgeräte der Batterien, Pit klagt über eine nicht funktionierende Einstiegstreppe am Wohnmobil, und Uschi’s Wohnmobil-Steuereinheit reagiert auf nichts mehr und muß initialisiert und neu eingerichtet werden. Es spricht sich langsam herum, dass man hier Elektronik-Hilfe bekommt. Aber es freut mich, wenn ich helfen kann.

9.1.-24.1.2019: Am 9.Jänner zieht ein mächtiges Tief von Italien kommend nördlich über den Peloponnes. Es gibt Südsturm mit über 40 Knoten, Regengüsse wie aus Eimern, die Wellen spritzen wieder einmal heftig über die Hafenmole, und der sonst wasserlose Fluß schwillt an und bringt eine braune Brühe mit Müll und riesigen Baumstämmen von den Bergen mit. Viele davon sammeln sich auch in der Marina und rumpeln die ganze Nacht lang gegen das Boot. Da wir Beschädigungen befürchten ziehen wir morgens einige heraus auf den Steg, und wir sind gespannt, wann, oder ob überhaupt das Marinapersonal die Trümmer entfernen wird. Wir glauben eigentlich nicht daran. Die kommen ja nicht einmal auf die Idee, einen vom Wind umgeworfenen leeren Müllcontainer wieder aufzustellen, obwohl der mitten in der Durchfahrt liegt. Schließlich kann man ja gerade noch seitlich knapp daran vorbeifahren, also wozu die Mühe? Nach 2 Tagen wird die Tonne von einem der Camper aufgestellt. Marinapersonal ist weiterhin nicht in Sicht. Selbst die tägliche Moped-Kontrollfahrt findet nur mehr bis zur ersten Steghälfte statt, weil die äußere Hälfte durch die herumliegenden Baumstämme nur erschwert befahrbar ist. Und zu Fuß? Undenkbar! Nach 5 Tagen kommt einer vom Marinapersonal mit dem eigenen Pickup und holt in privater Mission die größeren Teile ab, die als Brennholz verwendbar sind, das Kleinzeug, das dafür nicht brauchbar ist, bleibt über den gesamten Steg versteut liegen. Erst weitere 4 Tage später läßt sich einer von der „Security“ herab und entfernt mit Besen und Schaufel der gröbsten Dreck. Es ist der erste recht warme Tag im neuen Jahr, wahrscheinlich war es davor bei unter 10 Grad einfach zu gefährlich für diese Arbeit. Die folgenden Tage sind eher sehr regnerisch, immer wieder Gewitter und auch Hagelschauer, aber insgesamt nicht mehr allzu kalt. Es folgt genau 1 sonniger, warmer Tag, dann nistet sich ein gewaltiges Tief über dem Ionischen Meer ein, die nächste Woche wird furchtbar. Dauerregen, Hagel, Sturm, Gewitter, 3m Wellen kommen über die Hafenmauer und spritzen über Steg und Boote. Überhaupt ist das gesamte Mittelmeer von Frankreich bis in die Türkei momentan voller Sturmtiefs. Baumstämme und Müll treiben wieder durch das Hafenbecken, vorzugsweise zu unserem Schiff, Mülltonnen liegen wieder umgeworfen vom Sturm in der Marina herum. Die Stege sind voll mit Treibholztrümmern, von Brechern über die Hafenmole geschleudert. Am Nachbarsteg wird ein Stromanschlußkasten von der Nässe zerstört, elektrische Überschläge sind zu hören, es riecht nach Ozon. Der Kasten wird vom Marinaelektriker entfernt und vor die Werkstatt gestellt, wo schon ein weiterer seit Monaten geduldig auf seine Reparatur wartet. Ansonsten zeigt sich das Marinapersonal unbeeindruckt von dem Chaos, bzw. es zeigt sich gar nicht mehr. Zuviel Regen, zuviel Spritzwasser, und überhaupt zuviel Arbeit.

25.01. – 24.02.2019: Nach ein paar Tagen taucht dann einer vom Marinapersonal auf und beginnt den ganzen Dreck auf den Pickup zu schaufeln. Es ist immer der Gleiche, der das macht. Offensichtlich kann nur ein Einziger von denen eine Schaufel und einen Besen halten. Die übrigen Vier sind dafür vermutlich überqualifiziert. Nach zwei Tagen ist der Steg wieder halbwegs sauber. Es bleibt fast 3 Tage lang schön, es wird deutlich wärmer, beinah windstill, und alle sind sich einig, dass so eigentlich der ganze Winter in Kalamata aussehen sollte. Aber zu früh gefreut, denn bald kommt wieder Sturm aus Ost und bringt tagelangen Starkregen mit. Die komplette Ägäis ist unbefahrbar, die Sturmwarnungen bis Stärke 9 für alle Seegebiete kommen im 3-Stunden-Takt übers Navtex herein. Zum Glück kriegen wir im Hafen deutlich weniger Wind ab, da sind wir ganz gut von der hohen Hafenmauer geschützt, aber der Seegang von 2 Metern direkt vorm Hafen sorgt drinnen für widerliches Gerupfe und Geschaukel, die Festmacherleinen knirschen unter der Last, nachts ist unter Deck ein Höllenkrach, nur wenig Schlaf. Immer wieder sehen wir beim Spazieren durch den Hafen abgerissene Festmacher oder gebrochene Ruckdämpferfedern an den Booten. Dann wird es wieder etwas schöner, es bleibt aber viel zu kalt, mit 14 Grad Tageshöchsttemperatur.
Zwischendurch basteln wir immer wieder am Boot herum. Vom dreckigen Hafenwasser sind sämtliche Waschbecken-Abflußrohre verstopft, lassen sich aber durch Ausblasen mit dem Blasebalg wieder freilegen. Schlimmer ist es mit dem Klo, die Ventile der Seewasserspülung sind von der Hafenpampe völlig außer Funktion und müssen komplett zerlegt und gereinigt werden, und das sogar zwei Mal. Die Abwasserventile sind zum Glück nicht betroffen, die sind es dafür gebaut mit größeren Teilen umzugehen, da passt es auch ein wenig dicker durch….
Weiters können wir endlich eine Undichtheit an einer Druckwasserleitung beseitigen. Das Leck war zu gering, dass sich die Leitung an irgendeiner Stelle nass angefühlt hätte, aber groß genug, dass sich über einige Tage doch ein viertel Liter Wasser in der Bilge gesammelt hat. Dieses Leck haben wir schon seit 2 Jahren gesucht!
Es ist maximal 2 Tage schön, wenn auch zu kalt, dann kommt regelmäßig von irgendwo eine neue Katastrophenfront daher. Diesmal weht es aus der Adria und aus dem Bosporus zugleich heraus. Kalamata liegt ja einigermaßen geschüzt im tiefen Golf, aber draußen, rund um Kithira gibt es wieder einmal Sturmwarnungen für Stärke 10. Die Temperaturen sind viel zu niedrig, so um 12 Grad, mit dem Sturm gefühlte 5 Grad. Am Taygetosgebirge – in Sichtweite vom Schiff – liegt immer noch Schnee.
Während es bei Lidl-Österreich – wie wir aus dem Internet erfahren – Griechische Spezialitäten wie Tsatsiki und Feta usw. gibt, haben sie hier in den griechischen Filialen zur Zeit österreichisch-bayrische Angebote, wie Steirerkäse, Leberkäse, Weißwurscht, Apfelstrudel und Ähnliches. Wir haben zwar noch keine deutlichen Entzugserscheinungen in Bezug auf heimische Nahrung, aber eine kleine Leberkäsparty bei Uschi im Wohnwagen gibt es dann doch.
Wir bekommen einen Riesenschreck, als eines Morgens im Motorraum am Saildrive-Durchlass Wasser steht. Alarm! Wenn diese große Dichtung defekt wird, wäre das eine Katastrophe, es entsteht ein riesiges Leck unter der Wasserlinie. Zum Tausch muß das Boot aus dem Wasser, Motor vom Saildrive trennen und wegkippen, und dann erst kommt man leidlich an die große Gummidichtung ran. Nach längerer Untersuchung finden wir dann aber den wahren Grund: Über dem Motor hängt der Wasserboiler, dessen Anschlüsse alle dicht sind. Jedoch ein gut verstecktes Sicherheitsventil, das nur hin und wieder aufmacht, tropft genau in die Sicke der Dichtung, wo dann das Wasser stehen bleibt. Gott sei Dank kein Dichtungsschaden, wie zuerst befürchtet!
Ab Mitte Februar ist es eine ganze Woche lang schön, Sonnenschein, kaum Wolken, und fast kein Wind. Der leichte Nordost, der ab und zu weht ist jedoch sehr kalt. Tageshöchsttemperaturen um 15 Grad sind ohne Wind ganz angenehm, mit Wind jedoch sehr frisch. Trotzdem geht sich wieder einmal ein Grilltag mit den Boots-Überwinterern und den Wohnmobilisten aus. Wenigstens bleibt das Bier kalt.
In der letzten Februarwoche endet das halbwegs erträgliche Wetter wieder, zu beiden Seiten des Peloponnes bläst eisiger Nordsturm mit Stärke 10 herunter, das Navtex-Display ist wieder voller Sturmwarnungen, die Berge hinter Kalamata sind wieder schneebedeckt, es hat nur ein paar Grad über Null. Kein Frühling in Sicht.

 

Winterlager Kalamata, Teil 1

Jetzt sind wir seit zwei Wochen da, und am Sonntag Nachmittag gibt es schon die dritte Grillerei. Das ist immer recht lustig, alle bringen ihr Grillfleisch und Getränke selber mit, die Salate werden gesammelt aufgestellt, jeder kann nehmen was er will. Solange das Wetter so schön warm bleibt, ist das eine ganz angenehme Sache. Wir können sogar noch im Meer baden, am 10.November ist das Wasser noch 23 Grad warm. Die Arbeiten am Schiff gehen voran, die Neuverkleidung der Bugkabine ist fast fertig. Der Windgenerator wird vom Mast genommen und bekommt einen neuen Anstrich.
Mitte November endet das schöne, warme Wetter vorerst. Es regnet ein paar Tage lang, dann zieht noch eine Sturmfront drüber. Nach 3 schönen Tagen kommt die nächste Regenwoche mit laufendem Durchzug von Fronten. Die Sonne zeigt sich eine Woche lang nicht mehr.
Die Marina füllt sich inzwischen mit immer mehr Wohnmobilen, für die dort ein Stellplatz mit Wasser und Stromanschluß geboten wird. Einige sind dauernd unterwegs, auch im Winter, und bleiben nur ein paar Tage. Andere kommen jetzt erst an, verbringen den ganzen Winter im mobilen Zweitwohnsitz und fahren im Frühjahr wieder heim. Die wöchentliche Grillerei hört jetzt auf, weil viele Bootsbewohner über Weihnachten heim fahren. So müssen wir eben unseren kleinen Sputnik-Grill ein paar mal bemühen.
Bei der routinemäßigen Inbetriebnahme aller Pumpen entdecken wir eine festgefressene Fäkaltankpumpe. Kein großes Problem, denken wir, die Pumpe ist zwar schwer zugänglich eingebaut, aber ich habe sie schon einmal wieder gängig gemacht. Im Sommer hatten wir das Klo mit dem Fäkaltank stillgelegt, weil das Seeventil dazu defekt ist. Beim Ausbauen der Pumpe stellt sich heraus, dass der 50-Liter-Tank leider noch immer bummvoll ist, mit Diesem und Jenem. Jedenfalls rinnt es gemütlich und stinkend in die Bilge, bis ich das Zeug im Blumentopf auffangen kann und dann in kleinen Mengen raus trage und ins Meer schütte. Die ganze Aktion, inklusive Pumpenreparatur, dauert etwa 5 Stunden, aber sonst haben wir an dem Tag eh nichts vor gehabt. Ein Scheiss-Tag, im wörtlichen Sinne.
Nach einer langen regnerischen Woche wird es endlich wieder schön, wenig Wind, viel Sonne. In der Nacht wird es trotzdem ganz schön kalt, nur 4-5 Grad. Tagsüber bei Sonnenschein kann man aber immer mit kurzer Hose und Leiberl unterwegs sein. Alle paar Tage machen wir eine Radausfahrt in den nahe gelegenen Orangenhain. Die Areale sind eingezäunt, aber entlang des Weges hängen so viele Äste drüber, dass wir unseren Bedarf an frischen Orangen und Mandarinen locker decken können. Bei einer Ausfahrt finden wir auch einen Zaun mit wilden Christophenen. Die haben wir auf den Kanaren und der Karibik sehr geschätzt, hier in Griechenland hatten wir sie bisher noch nicht gesehen.
Die schönen Tage nutzen wir um ein paar Lackierarbeiten im Bootsinneren durchzuführen. Das Lösungsmittel vom Lack stinkt dermaßen, dass wir das Boot zur Belüftung auch über Nacht offen lassen müssen. Da ist es dann ganz schön frisch in der Früh, nach kurzer Zeit mit Sonnenschein ist es aber wieder angenehm.
Mutzi hat sich inzwischen gut eingelebt in der Marina, der Steg im Bootsbereich gehört ihr inzwischen ganz allein, streunende Katzen werden von dort sofort verjagt. Im Moment liegt an unserem Steg neben uns nur mehr ein weiteres bewohntes Boot, Paul und Carol. Bald werden aber Herbert und Heidi vom Landplatz hier her wechseln. Die haben auch eine Katze an Bord, wir werden sehen, wie die miteinander auskommen.
Nach ein paar schönen, ruhigen, aber recht kühlen Tagen beginnt es Mitte Dezember wieder stark und dauerhaft zu regnen. Einmal ist sogar ein kurzer Hagelschauer dabei. In nächster Zeit soll einige Male starker Südwind blasen, da wird es im Hafen von Kalamata wieder ziemlich unruhig sein.

Die letzten Wochen vor dem Winter

Nach Methoni fahren wir nur mal kurz ums Eck zur Insel Sapientza. Dort gibt es eine Ankerbucht, die gut geschützt sein soll. Müssen wir uns anschauen. Die enge Einfahrt in die Bucht verspricht wirklich guten Schutz. Drinnen gammeln dann die Reste einer Fischfarm vor sich hin und nehmen viel Ankerplatz weg. Zudem ist der Grund mit Muringsteinen und Ketten verunreinigt, wir müssen den Anker sehr sorgfältig werfen um nicht irgendwo einzuhängen. Eigentlich sei die ganze unbewohnte Insel ein Naturschutzgebiet, wie uns verrostete und umgefallene Tafeln am Strand erklären. Der Strand im Naturschutzgebiet präsentiert sich uns als absolute Müllhalde mit angeschwemmtem Müll und den Resten einer abgerissenen Hütte. Typisch griechisch eben. Eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt entdecken wir einen sehr schön gebauten alten Leuchtturm. Von der Nähe aus ist er dann doch wieder original griechisch verfallen und gammelig. Die Ruhe in der Bucht ist zwar angenehm, der Müllhaufen läd jedoch nicht zum längeren Verweilen. Daher geht es als nächstes zum Badeort Finikounda. Der bietet außer vielen Lokalen und drei Campingplätzen an einem schönen Sandstrand nicht besonders viel. Die Campingplätze sind trotz Mitte Oktober noch sehr gut gefüllt. Am Ortsstrand liegt halb unter Sand begraben das bisher schlimmste Opfer des Wirbelsturmes, ein Katamaran, beide Rümpfe zerbrochen, ein Totalschaden. Ein Foto davon war bereits im vorigen Bericht zu sehen.
Leider ist der anhaltende südliche Schwell in den offenen Buchten am südlichen Peloponnes derzeit so schlimm, dass man nachts kein Auge zumacht, weil es extrem schaukelt. Eigentlich wollten wir hier die letzten zwei Wochen bis zum Winterlager verbringen. Nach zwei sehr unruhigen Nächten geben wir auf und fahren um das Kap in den Messinischen Golf ein, zuerst einmal nach Koroni. Dort passiert das, was dort immer passiert. Nachts bläst Nordwind, der natürlich nie angekündigt wird, und baut gefährlich hohe Wellen mit Reflexionen im Hafen auf. Also flüchten wir wieder einmal von dort, und fahren über den Golf nach Kardamyli auf Mani. Dort schaut es ganz anders aus. Gleich hinter dem Dorf steigen zweieinhalb Tausend Meter hohe Berge auf, es gibt wenig Strände, nur begrenzte Ankermöglichkeiten. Hierher kommen weniger Badetouristen, man kann hier aber ganz hervorragend wandern. Das Dorf ist sauber hergerichtet, viele alte Mani-Wehrtürme wurden restauriert, Neubauten werden oft in diesem Stil errichtet. Da es jetzt ungewöhnlich ruhig ist, ankern wir für mehrere Tage etwas abseits des Ortes in einer schönen Sandbucht mit glasklarem Wasser, und machen einige Ausflüge zu Fuß in der Umgebung, wegen der steilen hohen Berge immer mit toller Aussicht. Nach einigen Tagen wollen wir nach Petalidi fahren. Angekündigter Ostwind soll uns rüberschieben. In Wirklichkeit eiert der Wind dann mit 0 bis 12 Knoten erst von West, dann Nordwest, dann Nord, dann Südwest und Süd. Ost fehlt völlig. Aber es ist normal, dass das Wetter in Griechenland nichts mit den Vorhersagen zu tun hat. Segeln mit einem Ziel ist in diesem Land so gut wie ausgeschlossen. Wir motoren wieder einmal 3 Stunden lang öde dahin. In Petalidi hat der Wirbelsturm den Hafenseitigen Parkplatz mitsamt der Mauer vollkommen abmontiert. Die Mauer war aber eh nur für Wellenreflexionen gut, und der Parkplatz unnötig. Wenn sie schlau sind, dann räumen sie die Betonreste weg und bauen das Ganze als Strand zurück. Solche Weitsicht von griechischer Seite wage ich jedoch erfahrungsbedingt zu bezweifeln. Wahrscheinlich passiert gar nichts, und die Mauerreste bleiben einfach liegen. Drei Tage bleiben wir in Petalidi. Es regnet fast dauernd, und das soll auch so bleiben. Wir nutzen den einen schönen Tag dazwischen, um in das Winterlager in der Marina Kalamata zu fahren. Die Überfahrt erfolgt ausnahmsweise einmal fast ganz unter Segel, angenehmes Gleiten bei leichtem Nordwestwind und ruhigem Meer. Ein seltenes Ereignis in Griechenland. Wir sind jetzt eine Woche früher als geplant hier, aber die Wetterlage macht einen weiteren Aufenthalt in der ungeschützten Ankerplätzen der Umgebung zu unangenehm.
Die Marina Kalamata ist gut gefüllt, zumindest der besser geschützte Westteil ist fast voll mit Überwinterern. Da sind Österreicher, Deutsche, Schweden, Belgier, Italiener und Franzosen. Etwa 8 Schiffe werden den ganzen Winter bewohnt sein, die Crews der restlichen Boote fahren zumindest für einige Wochen heim. Die verbleibenden Besatzungen haben gleich einmal am letzten Oktoberwochenende einen gemeinsamen Grillnachmittag abgehalten, zum Kennenlernen der neuen Nachbarn. Wir liegen weitab der Straße, es ist sehr ruhig in der Nacht. Im Hafen gibt es mindestens 7 streunende Katzen, wenig zur Freude von Mutzi. Die verteidigt tapfer ihr Revier, das Schiff, aber draußen am Steg kommen die Anderen natürlich vorbei, und da gibt es einiges an Gefauche und Drohgebärden. Rauferei gab es zum Glück noch keine. Sehr interessiert ist sie am kleinen Ententrupp, der ein- bis zweimal am Tag vorbeikommt, um Fressbares zu finden. Wir machen das Schiff langsam winterklar, was gar nicht soviel Arbeit ist, wenn man an Bord bleibt. In den nächsten Wochen werden wir kleinere Instandsetzungen machen, hauptsächlich innen. Die Innenverkleidung muss teilweise erneuert, teilweise neu verklebt werden, einige Sitzpolsterbezüge sind zerrissen, viele Holzteile haben Kratzer oder Schrammen und müssen neu lackiert werden.
Kalamata ist eine erstaunlich sympathische Stadt, mit Radwegen, einem großen Park quer durch die Mitte, gute Geschäfte und Lokale. Hier lässt es sich einige Zeit ganz gut aushalten, denken wir. Bei starken Winterstürmen soll es über die 5 Meter hohe Hafenmole drüberspritzen, sagt man uns, aber das passiert nur selten. Das Wetter soll meist eher warm sein im Winter. Man wird sehen. Und tatsächlich, nachdem der grobe Südsturm über Italien aufhört, wird das Wasser im Hafen ruhig, es geht kein Wind mehr, und es hat am 1. November tagsüber 28 Grad. Wir denken noch dran, zum Strand zu gehen, der ist bloß 5 Minuten entfernt. Baden ist noch möglich.

Nachsaison mit Wirbelsturm

Einsetzender starker Nordwestwind zwingt uns, den Lieblingsplatz aufzugeben. Wir verlegen in die Stadtbucht von Vathi, die bei jeder Windrichtung sicher ist. Sicher schon, aber die rund umlaufende Hafenmauer wirft schon bei leichtem Wind die entstehenden Windwellen als Reflexionen in alle Richtungen zurück. Am Ankerplatz entsteht so selbst bei Leichtwind eine unglaubliche kabbelige See, kein Schaukeln, es rüttelt chaotisch am Boot, und es klatscht von unten an den Hecküberhang des Rumpfes, was sich innerhalb des Bootes wie eine Kollision anhört. Etwa jede Sekunde. Kein Schlaf in dieser Nacht. Am nächsten Morgen wechseln wir schnell auf einen frei gewordenen Platz auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht, 500 Meter entfernt, wo nur etwa 8 Boote Platz haben. Dort ist das Ufer unverbaut, die Wellen laufen aus und sind kaum zu spüren. Auch zum Baden ist es viel besser, weil klares tieferes Wasser dort ist. Nur bis in den Ort muss man etwa 20 Minuten zu Fuß gehen, aber das ist der ruhigere Platz auf jeden Fall wert. Die nächsten Tage ist das Wetter immer gleich: nachts und vormittags ruhig, am Nachmittag bis in den späten Abend starker Westwind. Der trifft uns am Ankerplatz immer von der Seite, und das ist recht unangenehm. Hier bleiben wir acht Tage lang hängen, es ist recht gut zum Baden, und die Katz hat am Ufer ein kleines Wäldchen für sich, das gefällt ihr, sie ist viel draußen unterwegs.
Irgendwann ist aber genug Idylle, wir umfahren Ithaki im Süden, und auf der gegenüber liegenden Seite wechseln wir nach Evfimia auf Kefalinia über. Der kleine Ort besteht nur aus Tavernen und einem Supermarkt ohne jede Preisauszeichnung. Gar nix. Wahrscheinlich gelten Spezialtagestouristensonderpreise je nach Befindlichkeit des Betreibers. Wir haben nicht gefragt. Der Ort ist eher fad, dar Liegeplatz im Hafen zu eng, es quietschen die Fender der Nachbarboote ganz erbärmlich. Wenig Schlaf. Da werden wir nicht lang bleiben. Die Liegegebühr wird erst am nächsten Tag ab Neun Uhr kassiert, wir fahren schon um halb Acht hinaus und sparen uns so wenigstens die Kosten für den Liegeplatz. Die Fahrt geht weiter nach Poros, da waren wir auch schon öfter. Unterwegs geht so gut wie kein Wind, trotzdem ist die kabbelige Welle fast ein Meter hoch, wir werden ziemlich arg durchgeschüttelt. Poros ist wegen seiner Enge immer gut für Ankerkino mit den Charterbooten, diesmal ist es eine Kollision mit der Hafenmole (witzig) und eine Fast-Kollision mit uns (nicht witzig), und dafür ein paar nette, aufmunternde Worte von mir an den Charterskipper, der nicht in der Lage ist, auch nur ein paar Meter geradeaus rückwärts zu fahren.
Von Poros aus fahren wir nach zwei Tagen nach Zakynthos, ans Südende nach Keri. Dort ist ein „Naturschutzgebiet“ für Caretta Caretta Schildkröten, was aber nicht heißt, dass nicht -zig Leihboote und Ausflugsboote kreuz und quer durch die Bucht fahren. Es besteht aber Ankerverbot in großen Teilen. Und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 6 Knoten. Lautlos ankernde Segelboot stören die Schildkröten wohl mehr als herumrasende Motorboote, von denen kein einziges die 6 Knoten auch nur annähernd einhält. Oder ist es vielleicht doch nur eine Frage des Umsatzes? Jedenfalls können wir hier ein paar ruhige Tage zum Baden verbringen, wenn auch die weite Bucht bei nordöstlichen Winden offen ist und unruhig wird. Trotz Ende der Hauptsaison sind noch viele Touristen da, die Anzahl der Bootfahrer hat aber deutlich abgenommen.
Weil eine stürmische Wetterphase angekündigt ist mit Winden aus alle Richtungen verlassen wir den offenen Ankerplatz und fahren nach Kiparissia am Westpeloponnes. Dort gibt es einen relativ gut geschützten Hafen, Liegen ist gratis, es gibt freie Wasseranschlüsse. Heißwasserdusche – wenn die Sonne auf die schwarze, lange frei liegende Zuleitung scheint. Die Stadt liegt etwas entfernt, steil den Hügel hinauf, und ist daher ein wenig mühsam zu erreichen. Die Mühe lohnt sich aber, oben gibt es große Supermärkte, sogar einen Lidl. Dort werden wir die unsichere Wetterlage aussitzen. Es gibt sonst am westlichen Peloponnes keine sicheren Fluchtplätze, außer vielleicht Pylos, aber dort ist die Infrastruktur schlechter.
Wir unternehmen trotz der steilen Lage des Ortes viele kleine Radausflüge, einen davon auf die Burgruine. Das Hafenwasser ist eher grindig und riecht öfters stark, aber nur 5 Radminuten entfernt gibts einen recht schönen Strand mit Süßwasserduschen, da fahren wir fast täglich einmal hin.
Nach 4 Tagen Ruhe setzt dann der Starkwind aus Osten ein, dessentwegen wir eigentlich hier her geflüchtet sind. In den Nachrichten berichten sie vom Wirbelsturm der Kategorie 1, „Zorbas“, der anschließend zwischen Peloponnes und Kreta durchziehen soll. Die Vorhersagen schwanken zwischen 30 und 70 Knoten im Hafen. Wir bauen alle Stoffabdeckungen vom Schiff ab und räumen das Deck frei, damit wir dem Sturm wenig Angriffsfläche bieten. Alle verfügbaren Festmacher werden verspannt. Der Bootsrumpf ist halbwegs hinter der Hafenmauer versteckt, aber der frei stehende Mast reicht aus, um das Schiff bei Böen in eine arge Schräglage zu versetzen. Der Schwell im Hafen hält sich zum Glück in Grenzen. Die ersten beiden Tage und Nächte bläst es durchgehend mit 30 bis 40 Knoten aus Ost. Am Dritten Tag vormittags sind es dann 40 bis 50 Knoten. Der Radarreflektor, der im Mast mit Kabelbindern befestigt war, fliegt davon und verschwindet irgendwo im Hafenbecken. Zu Mittag hört der Wind plötzlich fast völlig auf und es beginnt zu regnen. Ein paar Blitze und Donnergrollen sind dabei. Nach 2 Stunden fängt der Wind wieder an, bleibt aber den ganzen Tag mäßig stark. Am vierten Tag regnet es sehr stark, und der Wind legt wieder ordentlich zu. Das Auge des Wirbelsturms zieht heute ziemlich über uns drüber. Nachdem es vorbei ist setzt starker NW-Sturm ein, wieder mit 50 Knoten, also so um die 100 km/h, die Wellen donnern mit 2-3 Meter Höhe von NW heran. Im Hafenbecken, das nach NW die Einfahrt hat, entsteht Schwell von fast 1 Meter. Das Boot reißt an allen Leinen, die Fender werden manchmal über die Molenkante hinausgehoben. Wir fürchten von den Wellen gegen die Mauer geschleudert zu werden. Die Vertäuung ist aber ausreichend, sodass nichts Derartiges passiert. Das Reißen an den Leinen und die heftigen Bootsbewegungen sind aber Angst einflößend. Die Holländer neben uns kriegen das Festmachen nicht so recht in den Griff und flüchten zum Ankern ins Hafenbecken hinaus, dem türkischen Paar Batur und Emine helfen wir eine Stunde lang im strömenden Regen ihr Boot halbwegs sicher fest zu kriegen. Am Abend lässt der extrem starke Wind etwas nach, der böse Schwell bleibt aber Stunden danach noch erhalten. Die Nachrichten berichten von größeren Schäden am Peloponnes, hier haben alle den Spuk ohne Verluste überstanden.
Weil der Wind in nächster Zeit immer von Süden kommen soll, bleiben wir auch nach dem Sturm noch ein paar Tage da. Mittlerweile kennen wir alle seltsamen Leute, die da den ganzen Tag im Hafen herumlungern und angeln. Davon hält sie keine störende Arbeit ab. Fehlen tut es aber trotzdem an nichts, weil alle kommen mit Autos oder Motorrädern daher und fahren zig Mal sinnlos hin und her, obwohl der Sprit hier knapp 2 Euro kostet. Nachts fahren dann Jugendliche die Mole auf und ab, die kriegen wahrscheinlich auch alle gratis Benzin.
Nach 16 Tagen Kiparissia fahren wir endlich weiter nach Pylos. Dort hat sich der Hurrikan deutlich schlimmer ausgewirkt. Hinter uns liegt ein Pole mit einem Alu-Schiff, dem es beim Sturm an der Hafenmole 3 Meter seiner Seitenwand aufgerissen hat, weil er im geschützten „Marina“-Hafen keinen Platz mehr gefunden hat. Dort sammeln sich inzwischen immer mehr Dauerlieger und vergammelnde Schiffsleichen an. Überall liegt Müll herum. Die paar bewohnten Dauerlieger haben fast den ganzen Tag die kleinen Benzingeneratoren laufen. Pylos wird immer grauslicher, wir wollen nicht allzu lange bleiben. Die Stadt ist ja ganz nett, wir machen einen ausgiebigen Spaziergang rundherum, ein Teil des Waldes rund um die Festung ist im Sommer abgebrannt. An den frei gewordenen Stellen wachsen jetzt Zyklamen in hoher Dichte.
Nach 2 Tagen fahren wir die kurze Strecke nach Methoni am Südspitz des westlichen Fingers. Am Strand liegen 3 vom Wirbelsturm hinausgeschwemmte Boote, sie scheinen aber nicht schwer beschädigt zu sein. Kiparissia als Unterschlupf für den Wirbelsturm war anscheinend ein Glückstreffer, überall sonst gab es mehr Schäden als dort. Wir sind jetzt allein am Ankerplatz, nur mehr einheimische Fischerboote hängen da. Am ersten Tag in Methoni gibt es ein Gewitter mit Hagel und Starkregen, wie wir ihn noch nie erlebt haben, dann wird es endlich ruhig, und so sollte es laut Vorhersage auch wenigstens eine Woche bleiben.