rund um Argolien

Am Montag verlegen wir in den Stadthafen Poros, dort erwarten wir weniger Schwell. Das stimmt auch, aber leider liegen wir vor den Bars „Malibu“ und „Pueblo“. Direkt nebeneinander spielen beide Musik. Gleichzeitig. Sehr laut. Und sehr ähnlich. Man kann nicht sagen, wer gerade was spielt, komplettes Lärmchaos. Zum Glück hat Pueblo nicht jeden Tag auf, aber Malibu allein ist auch nervtötend genug, von 9 Uhr abends bis mindestens 4 Uhr in der Früh – egal ob Gäste da sind oder nicht.
Wegen des Bar-Terrors verlegen wir am Mittwoch in eine Ankerbucht nahe der Stadt. Hinter der Insel Daskaleio liegen wir ganz ruhig und sicher. Die 50 Meter große Insel hat ein Kirchlein und einige Bäume drauf und ist ein beliebter Ort für Trauungen. Zwei davon und einen Hochteitsfototermin erleben wir in den vier Tagen die wir dort liegen. Dazwischen, und vor allem abends ist die Insel ruhig und ein idealer Spielplatz für die Mutzi. Die kann dort stundenlang Insekten fangen, und auch jede Menge Krabben, und alles wird natürlich verspeist. Nach kurzer Zeit sind wir schon recht bekannt im Ankerfeld, mit der Katze fällt man auf – vor allem, wenn sie beim Beibootfahren stolz am Bug vom Dinghi steht. Wir werden oft drauf angesprochen, oder auch im Vorbeifahren eingeladen, wie von den Briten Sue und Martin, bei denen wir ein paar Drinks nehmen. Mit Katze.
Am Samstag kommen dann die Yachten aus Athen zum Wochenende her. Im 10-Minuten Takt fahren die Mega-Motorschüsseln in den Paros-Kanal ein. Wenigstens 30 Stück kommen, von 20 bis 70 Meter Länge, einige sicher an die 100 Millionen teuer, alle griechisch, oder britische Flagge mit griechischen Eignern. Steuerparadies Guernsey-Island! Da sieht man, dass die EU-Rettungsmittel für das „arme“ Griechenland gut angelegt sind. So viel Geld in einer Bucht haben wir bisher nur auf der Nobelinsel St. Barth in der Karibik gesehen.
Einmal werden wir von unserem Lieblingsankerplatz neben der kleinen Insel vertrieben, es findet eine Lauf- und Schwimmveranstaltung statt, und unsere Ankerposition liegt genau auf der Schwimmstrecke. Am nächsten Tag kehrt wieder Ruhe ein, zumindest unter der Woche.
Etwa alle vier Tage fahren wir für eine Nacht in den Hafen, Einkaufen, und in der Früh wieder raus. Insgesamt liegen wir vier Nächte im Hafen, bezahlen mußten wir nur ein Mal. Einkaufen ist relativ teuer, ist halt ein Bootstouristenspot. Gegenüber am Festland gibt es auch Geschäfte im Ort Galata, nicht so schön, nicht so touristisch, aber dafür billiger. Auch der Dieseltank wird aufgefüllt, der Sprit ist sauteuer, 1,42 Euro je Liter, da können wir froh sein nur eineinhalb Liter je Stunde zu verbrauchen, und nicht wie die fetten Yachten ein paar Hundert.
Nach 18 Tagen Bade- und Nichtstunaufenthalt in und um Poros raffen wir uns auf, ein Stück weiter zu fahren. Wir runden den Landspitz und ankern hinter einer kleinen Insel, rundum gut geschützt, auf 4m Sandgrund, wie in einem Pool. Tagsüber kommt etwa ein Duzend Boote hier zum Badeaufenthalt an, die fahren abends wieder, es ist hier sonst NICHTS. Keine Taverne, keine Bar, kein Mobilnetz, kein Internet. Das ist kein Ort für Chartertouristen, dafür aber gut für uns, und ganz wenige andere Langfahrer. Ein kleines Stück weiter liegt dann Hydra. Dort spielt es sich dann wieder ab. Wir werden sehen.
Hydra ist bekannt für den viel zu kleinen Hafen mit viel zu vielen Booten. Alle müssen dort hin, es ist so eine Art griechisches Disneyland-Schaudorf. Dort liegen sie fast übereinander in mehreren Reihen (siehe Google-Satellitenfoto), mit Ankersalat und Geschubse und Gerempel. Das wollen wir unserem Schiff ersparen. Wir ankern daher in der Nachbarbucht Mandraki und wollen am nächsten Tag zu Fuß in die Stadt wandern. Die Bucht ist nach Nordwest offen und sollte guten Schutz gegen den angekündigten Starkwind aus Süd bieten. Der Südwind kommt dann aus Südwest, wird entlang der Insel abgelenkt und dreht dann mit voller Stärke und 1m Schwell von Nordwest in die Bucht. Null Schutz. Nach Mitternacht wird es uns zu blöd, und wir fahren die 10 Meilen nach Ermioni. Das dauert fast vier Stunden weil Gegenwind und hohe, steile Wellen das Boot immer wieder völlig abstoppen. Aber am Ende lohnt sich die Mühe, das große Naturhafenbecken mit riesigem 4m Ankerbereich ist windgeschützt und auch ohne Schwell. Hydra wird vorerst zurückgestellt, vielleicht passt es ein anderes Mal wettertechnisch besser.
Ermioni ist eine kleine Stadt auf dem Schmalstück zu einem bewaldetem Landzipfel. Es hat demzufolge auf jeder Seite einen Hafen, wir liegen im östlichen Haupteil, im Westteil liegt eine Charterbasis. Es gibt ganz gute Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten, Tavernen, und Geschäfte. Der Ort wird zwar von Charterbooten angefahren, aber mäßig, es ist nie überlaufen. Der bewaldete Landzipfel neben unserem Ankerplatz enthält die Reste der antiken Stadt, sogar Tempelgrundmauern und Mauerreste sind da. Am Hügel sind nur Wanderwege, keine Häuser, keine Autos, keine Strassenbeleuchtung, nur Wald und Wiese. Ein guter Platz für allabendliche Spaziergänge mit der Katz, die mehr als eine Stunde lang brav mit uns mittrottet wie ein Hund, und sich nie mehr als 50m von uns entfernt. Dabei jagt sie Insekten und Krähen nach und ist bestimmt schon auf jeden der tausend Bäume dort hinaufgeklettert. Das gefällt ihr, am späten Nachmittag steigt sie sogar selber ins Beiboot um uns zum Landgang aufzufordern.
Das Wetter zur Zeit ist eher Kacke, die Windvorhersage lautet „variabel, 3-4Bf“ was so viel heißt wie: „weiß nicht, Wind eben“. Außerdem gibt es fast täglich ein Gewitter oder auch nur Regenschauer. Da hat man nicht viele Planungsmöglichkeiten, wo man weiter hin fahren könnte. So bleiben wir eben da, hier liegen wir sicher, auch wenn etwas unangenehmer Schwell manchmal bei östlichen Winden hereinsteht. Gerade ist Sommerbeginn, also die längsten Tage des Jahres, das tolle Sommerbeginnwetter hier bringt jedoch so viele Wolken, dass uns sogar der Strom knapp wird mangels ausreichender Solarladung.
Nach sechs Tagen Ermioni haben wir genug davon und fahren nach Portocheli weiter. Der Kurs ist: erst Südost, Süd, Südwest, dann West, und zuletzt Nordwest. Diesmal ist richtiger Nordwind angekündigt, nicht nur „weiß nicht“, aber als wir dann unterwegs sind haben wir auf allen Kursen den (wenigstens schwachen) Wind immer genau von gegenan. Windvorhersage auf griechische Art eben – stimmt nie, nicht einmal annähernd, daher erst gar keine Planung machen sondern einfach losfahren.
In Portocheli ist der Ankerplatz ziemlich voll, wir finden eine Stelle zwischen Bojen, da kann sich wenigstens kein anderer mehr zu nahe hinhängen. Der Hafen ist eine gerade Mauer ohne Wasser und Strom. Es liegen fast nur Motoryachten da und ein paar Ausflugsboote. Die Schnellfähre legt mehrmals täglich an. Dahinter liegt eine durchgehende Reihe von Tavernen, und in der zweiten Häuserreihe ein paar aufgelassene Geschäfte. In den weiteren Reihen sind noch ein paar leer stehende Appartments, eher schäbig. Gegenüber der Hafenbucht stehen drei große, hässliche Hotelklötze. Außer einem AB-Supermarkt hat der Ort für uns nichts zu bieten. Dort hatten wir für den vorigen Winter einen Liegeplatz angefragt – zum Glück ist daraus nichts geworden, der Ort ist für einen längeren Aufenthalt wenig einladend.