Das Wetter hier im nördlichen Teil der kleinen Antillen ist so schlecht, dass mir niemand einreden kann, das sei normal. Es ist keine Regenzeit, trotzdem regnet es jeden Tag mehrmals, auch in der Nacht immer wieder, sodass man keine Fenster offen lassen kann. Mindestens jede Stunde zieht ein Regenschauer mit starken Windböen drüber, es ist fast immer zu 3/4 oder mehr bedeckt, die Sonne kommt nur dazwischen kurz einmal ein paar Minuten zum Vorschein. Es ist warm, schwül, aber eigentlich nie richtig ruhig und schön.
Karoline ist ein bisschen angeschlagen, Schnupfen, Husten, Halsschmerzen. Sie schläft sich ein paar Tage lang aus, aber man könnte bei dem wechselhaften Wetter eh nichts Besonderes unternehmen. Wir sind außerplanmäßig von Dominica noch einmal nach Guadeloupe raufgefahren. Eigentlich wollten wir schon weiter nach Süden. Der Grund: Julian, Gast auf der „Seven Seas“ hat versehentlich das Smartphone mit einem Getränk ersäuft, und es hat daraufhin seine Funktionen eingestellt. Seine Versicherung wird den Schaden ersetzen, und das neu bestellte Gerät wird Anfang nächster Woche von einem Besucher der „Seven Seas“ nach Guadeloupe mitgebracht. Darum sind wir jetzt auch wieder da, und warten auf unser neues Internet-Dingsi. Jedesmal den Laptop an Land mitzunehmen, um WiFi-Internetverbindung zu bekommen, ist doch recht mühsam.
Die Übergabe klappt am vereinbarten Tag. Während die „Seven Seas“ mit ihren 4 Gästen nach Les Saints weiterfährt, wollen wir nach Marie Galante. Die Insel ist nicht ganz einfach zu erreichen, da sie östlich liegt, d.h. gegen den Wind anzufahren. Erstmals passt der tatsächliche Wind sowohl in Richtung als auch in Stärke mit der Vorhersage zusammen, und wir können hart am Wind einen Anliegerkurs fahren. 15 Knoten Wind, nur kleine Wellen und einmal kein Regen(!) bereiten uns sogar einen recht angenehmen Segeltag, das hatten wir hier bisher nur selten.
Marie Galante ist klein, ungewohnt flach, kein Vulkan. Die Ankerbucht vor Saint Louis ist riesig, seicht, nur wenige Boote liegen hier. Der erste Tag ist ruhig und sonnig. Wir machen einen langen Spaziergang in die Anse Moustique, ein toller, langer, unverbauter Sandstrand. Auch der Strand um die Stadt ist mehrere Kilometer lang und sehr karibisch. Ein bisschen Müll liegt herum, aber man hat den Strand fast für sich allein. Wahrscheinlich kommen erst am Wochenende die Ausflügler vom nahe liegenden Guadeloupe hier her. Wir finden Mangos, zwar klein, aber selbst geerntet. Das schöne, ruhige Wetter veranlasst uns, am nächsten Tag mit dem Bus eine Inselrundfahrt nach Grand-Bourg zu starten. Allerdings ist’s mit dem Schönwetter dann auch gleich wieder vorbei. Es ist regnerisch, wie gewohnt, Sonne nur kurz zwischendurch, der Wind dreht mit jedem Regenschauer einen Vollkreis. Die ankernden Boote liegen dann zu nah, weil mit solch gestörten Windverhältnissen hier keiner rechnet. Die Vorhersage lautet, wie immer, auf Ost 15Ktn. Wir haben heute von West über Nord, zwischendurch auch einmal Süd alles dabei, nur Ostwind eigentlich gar nicht.
Nach einigen ruhigen Tagen starten wir zurück nach Martinique. 80sm sollten in 16Stunden zu schaffen sein, Die Windvorhersage ist günstig, 15-20ktn Ost. Wir wollen Dominica auf der Atlantikseite passieren, um der Windabdeckung hinter den Insel zu entgehen. Wieder einmal hält sich das Wetter nicht an die Vorhersage, Wind von 7 bis 25Ktn, von Südost. Wir fahren so hart am Wind wie nur möglich, müssen uns aber doch mit Motorhilfe an einem Kap vorbeischwindeln, um uns einmal Kreuzen zu ersparen. Danach geht es dann aber ganz gut weiter, in der Nacht regnet es alle halben Stunden mit Böen, und in der Abdeckung von Martinique hört der Wind ganz auf. Wir brauchen dann doch 20 Stunden bis zum Ziel.
Wir bleiben zum Einkaufen eine Nacht in Fort De France, treffen dort wieder einmal auf die „Rebell“, und fahren dann langsam von Bucht zu Bucht an Martinique entlang nach Süden. In Le Marin wollen wir uns noch ordentlich verproviantieren und die Tanks füllen, bevor wir nach St.Lucia übersetzen werden.
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5.4. Dominica
Der Abschied von Les Saints fällt uns leicht. Nach einer schwelligen Nacht in der nunmehrigen Bojenbucht wollen wir dort nur schnell weg. Der angesagte Wind von 15Knoten hat dann zwar 25, aber die Richtung passt wenigstens ganz gut zum Segeln. Dominica ist in der schwarzen Regenwolke kaum zu sehen. Etwa 5 Meilen vor dem Ziel hört der Wind auf und es beginnt zu schütten. Eine Meile vor dem Ziel sehen wir die Insel nicht mehr. Der extreme Starkregen hört bis zum Abend nicht mehr auf. Als der Anker fällt sind wir nass bis auf die Knochen, trotz Regenkleidung. Das Wasser der Ankerbucht ist trübe und braun, viele Kokosnüsse, Äste und Müll treiben herum. Die vier Flüsschen, die in die Bucht münden, haben mit dem Hochwasser eine ganze Menge Zeug mitgebracht. Am zweiten Tag ist es in der Früh trocken, ab 9 schüttet es aber wieder den ganzen Tag. Völlig windstill. 90% Luftfeuchtigkeit. Am dritten Tag ist es ein bisschen sonnig, es regnet nicht mehr, dafür bläst der Wind wieder mit 15-20 Knoten über den Ankerplatz. Am vierten Tag regnet es nur wenig, dafür Wind mit deutlich über 20 Knoten. Angenehm oder gemütlich ist es hier wohl nie. Wir überlegen schon, hier bald wieder wegzufahren. So schlecht war das Wetter ja noch nirgends. Nichts von dem Ganzen in den grossräumigen Wettervorhersagen. Das Inselwetter ist durch die hohen Berge ein ganz eigenes Thema.
Die Boatboys von Dominica kommen immer wieder vorbei und wollen einem alles Mögliche verkaufen, von Obst über Sightseeingtouren bis zur Erledigung von Zollformalitäten. Allerdings sind sie nicht aufdringlich und lassen einen bald in Ruhe, sobald man einmal ablehnt.
Der blöde Laderegler vom Windgenerator gibt endgültig den Geist auf. Er bilded sich ein, auch im Stillstand 800 Watt zu laden, und bremst sich sofort ein. Ein Regentag lang wird herumgelötet und umverdrahtet. Durch Deaktivierung der Ladestrommessung kann ich den Prozessor überlisten, die Bremse wieder loszulassen. So gibt es immer wieder Spass mit Equipment an Bord, das zwar sauteuer war, aber deshalb nicht funktionieren muss.
Ausflug in die Hauptstadt Roseau. 20km entfernt, mit dem Bus. Kleinbusse mit 14 Sitzplätzen fahren nicht nach festen Fahrplänen, wenn sie fast voll sind, fahren sie los. Keine Haltestellen, man hält sie durch Winken an und steigt wieder aus, wo man grade will. Kostet nicht viel, ist unbequem und unzuverlässig, aber man kommt irgendwann an. Schlechte Strassen, aber sie fahren als gäb’s kein Morgen. Noch dazu links, und man erschrickt immer wieder, wenn ein Auto auf der „falschen“ Seite entgegenkommt. Unterwegs sind 4 Notbrücken zu passieren, die richtigen wurden beim Wirbelsturm Erika im Vorjahr weggespült. Die Stadt selber ist dann nichts Besonderes, laut und hektisch. Die Häuser sind deutlich einfacher als in der französischen Karibik. Wenigstens machen die hier kein Staatsgeheimnis aus Internetzugängen wie die Franzosen. WiFi ist in beinahe jedem Lokal zu kriegen.
Inzwischen ist auch die „Seven Seas“ mit Veronika, Robert und Julian hier eingetroffen und ankert neben uns. Sofort werden Pläne für gemeinsame Unternehmungen geschmiedet. Ein Ausflug in den Indian River bringt uns in einen schönen Mangrovenurwald, vorbei an einem Drehort zu Fluch der Karibik, die Hütte der Calypso. Am Abend gibt es ein Grillfest der Boatboys-Vereinigung PAYS. Die Einladung für 15Euro lautet: All you can eat, all you can drink. Das ist ein bisschen übertrieben gewesen, wir sind aber satt geworden. Rumpunsch gab es genug.
Am nächsten Abend Grill mit frisch gefangenem Fisch auf der Seven Seas, wie immer ein kulinarisches Fest. Dann nehmen wir uns zusammen ein Leihauto für 2 Tage und fahren die Insel ab. Immer noch Linksverkehr. Sehr gewöhnungsbedürftig. Selber fahren ist noch viel spannender als Busfahren. Wenn man beim Losfahren oder Abbiegen ein ganz ungutes Gefühl hat fährt man hier auf der richtigen Seite. Die Durchquerung eines Kreisverkehrs links und im Uhrzeigersinn empfinde ich als besonders seltsam. Aber man gewöhnt sich sogar daran. Zum Glück befahren wir mit der Allrad-Mietkiste meist kleinste Nebenstrassen in furchtbarem Zustand, da ist wenigstens kaum Verkehr und die Strasse so schmal, dass man sowieso in der Mitte fährt. Bei jeder Fahrzeugbegegnug muss man aber ein bisschen nachdenken.
Wir besuchen ein Schaudorf der Kalinago, karibische Indianer, Urbewohner, von denen es hier etwa 3000 gibt. Sie leben in einem Reservat, und können als Einnahmequelle ihre Lebensart und Geschichte wie in einem Museum den Touristen zugänglich machen. Weiters besuchen wir mehrere Wasserfälle, die in den vulkanischen Schluchten einige zig Meter in türkisfarbene Pools fallen, und das mitten im dichtesten Regenwald. Sehr nass, sehr schwül, aber auch sehr schön. Überhaupt ist ein Grossteil der Insel mit Urwald bedeckt, dazwischen gibt es auch immer wieder bewirtschaftete Flecken, alles wuchert, blüht und gedeiht. Wir finden eine Menge Früchte, Kokosnüsse, Brotfrucht, Kakao. Am zweiten Tag befahren wir ein paar tiefe Schluchten, wieder mit tollen Wasserfällen. In den Pools unter den Fällen kann man wunderbar baden, Massage und Sprudelbecken inklusive, und es ist für einen Fluss nicht einmal kalt.
In der Ankerbucht treffen wir auch Christian, Burgenländer, der allein auf seiner fast 50 Jahre alten „Rodeo“ unterwegs ist. Er hat ein paar Probleme mit der Elektrik am alten Schiff. Robert und ich können ihm ein paar Dinge wieder in Gang setzen, was ihn sehr freut, da er im Frühjahr über den Atlantik zurück nach Europa fahren will.
5.3. Guadeloupe
Die Überfahrt von Martinique nach Guadeloupe ist voller Abwechslung. Bis Dominica 25 Knoten Halbwind. Sobald wir ins Lee von Dominica geraten, plötzlich 8 Knoten Gegenwind. Hinter Dominica ist Segeln unmöglich, alle Boote motoren hier herum. Nördlich der Insel kommt plötzlich wieder Halbwind mit bis zu 32 Knoten. Trotz sehr verkleinertem Segel fahren wir mit über 8 Knoten dahin. Eigentlich zu viel für unser Boot. Es läuft schon sehr unruhig. Gegen Nachmittag erreichen wir Les Saints. Die kleine Inselgruppe vor Guadeloupe gefällt uns sehr gut. Inmitten der drei kleinen Inseln ankern wir gut geschützt in vollkommen klaren Wasser vor einem kleinen Hotelstrand mit höchstens 20 Gästen. Es ist gut zum Schnorcheln, abends sehr ruhig. Wir besuchen die Festung Fort Napoleon mit toller Aussicht über die Inseln und frei herumlaufenden, oder besser herumliegenden Iguanas, etwa einen halben Meter lang. Hier treffen wir auch wieder einmal das deutsche Boot „Rebell“ mit Birgit und Bernd, die wir letztes Mal auf den Kanaren gesehen haben. Wir bleiben dort vorest nur 2 Tage, weil wir vor einem angekündigtem Wetterwechsel noch nach Guadeloupe rauf fahren wollen. Wir werden aber auf jeden Fall beim Runterfahren hier wieder Halt machen.
Der angekündigte Wetterwechsel findet natürlich verspätet statt. Daher haben wir auf den letzten 20 Meilen nach Guadeloupe keinen Wind und müssen motoren. Der Ankerplatz dort ist dann nicht so toll wie erhofft. Schlecht haltender Schlammgrund, wir müssen uns zwei Mal umhängen, weil der Anker rutscht. Wir liegen weit weg von der Stadt, Supermärkte sind rar und weit weg, dafür gibt es Gelsen. Die Stadt Pointe-a-Pitre ist uninteressant und gammelig. Die Internetverbindung ist äusserst mäßig. Es ist meist nur schwacher Empfang, die 10 Euro Aufbuchung auf der Prepaid-Karte sind am Abend wieder spurlos verschwunden, ohne was davon verbraucht zu haben. WiFi-Zugänge in den Lokalen sind selten, niemals frei, und von schlechter Qualität. Das Internet haben sie nicht gerade erfunden, die westindischen Departementsfranzosen. Die Neueinträge im Blog sind daher derzeit etwas sparsam gehalten, weil wir selber kaum rein kommen. Der angedrohte Wind kommt dann doch noch, Regenwetter auch, daher warten wir erst einmal ab, bevor wir das Schiff allein lassen können und Landausflüge machen.
Eine Inselrundfahrt mit einem Mietauto führt uns um die Basse Terre, die bergige Hauptinsel. Die ist voll mit tropischem Urwald, Flüssen und Wasserfällen. Der große Vulkan Soufriere ist nie zu sehen, versteckt sich immer in dichtesten Wolken. Es regnet jede halbe Stunde, und zwar nicht gerade wenig, sondern es schüttet wie aus Kübeln. Es gibt ein paar Wanderrouten, aber bei dem Wetter ist Wandern nicht gefragt. Einige Routen sind bei Regenwetter sogar als gefährlich eingestuft. Also begnügen wir uns mit ein paar sehenswerten Punkten, die mit dem Auto und kurzen Fußmärschen erreichbar sind.
Nach einer Woche fahren wir wieder zurück nach Les Saints. Ausnahmsweise einmal guter Segelwind aus vernünftiger Richtung und gerade noch erträgliche Wellen. Der Ankerplatz, wo wir vor einer Woche mit etwa 20 Schiffe lagen, existiert nicht mehr. Dort hängen jetzt 8 Bojen, Benutzung natürlich nur gegen Bezahlung, aber ohnehin alle besetzt. Ansonsten ist dort jetzt Ankerverbot. Ganz toll. Der einzig mögliche Ankerplatz in der Nähe ist eher offen, öde und nach Nord gegen Schwell ungeschützt. Große Enttäuschung. Wir werden uns hier daher nicht mehr lange aufhalten, und in den nächsten Tagen nach Dominica übersetzen.
5.2. Martinique
Die 100-Meilen-Überfahrt von Barbados nach Martinique geht viel schneller als gedacht. 25 Knoten raumer Wind lassen die Geschwindigkeit nie unter 7 Knoten abfallen. Wir kommen daher vier Stunden vor Plan, noch bei Dunkelheit an, und ankern weit draussen vor der Stadt Le Marin, weil die Einfahrt ein bisschen heikel ist. Am nächsten Morgen fahren wir in die riesige, seichte Stadtbucht ein. Hier ankern bestimmt an die 1000 Boote. Einklariern ist einfach, man gibt seine Daten selber am Computer ein und kriegt einen Ausdruck dafür. Wir sind wieder in der EU – Frankreich. Die Menschen hier sind, obwohl genauso dunkelhäutig wie in Barbados, viel europäischer. In Barbados waren sie um einiges entspannter und lockerer drauf. Die Stadt Le Marin bietet extrem gut ausgestattete Schiffsausrüster und Reparaturdienste. Wir lassen eine lose Schiene am Grossbaum neu montieren. Das wäre an sich zum Selbermachen kein Problem gewesen, aber die seit 20 Jahren festsitzenden Schrauben waren ohne Spezialwerkzeuge nicht zum Bewegen zu bewegen. Bei der Gelegenheit lassen wir auch noch einen Riggcheck von den dortigen Spezialisten machen – Aufatmen, alles OK. Ich bekomme wertvolle Tipps zum Selbereinstellen der Wanten und des Riggs.
Wir finden einen ruhigen (endlich keine Wellen mehr!!!) Ankerplatz in einer von Mangroven gesäumten, unbewohnten Bucht nahe der Stadt. Das Waaser dort ist etwas trübe vom schlammigen Grund in den Mangroven, wie ein Waldteich zuhause. Dort liegen viele offenbar fahruntüchtige, bewachsene, rostige Schiffe vor Anker. Wir halten viele davon zunächst für Wracks, die dort friedlich ihrem Ende entgegengammeln. Abends brennen aber doch in beinahe allen Lichtlein, und sie sind bewohnt von Aussteigern, die dort wohnen, aber wohl nirgends mehr damit hinfahren werden.
Wir verbringen die Tage von Weihnachten bis Neujahr ruhig, mit Baden, Entspannen, und öfter Mal Grillen. Ein paar Mal treffen wir uns mit Hannes, Lydia und Robin von der Blue Lilly, einem weiteren österreichischen Boot. Im Mangrovenwald entdecken wir einen kilometerlangen, schmalen, befahrbaren Kanal. Das ist schon sehr fremdartig für uns. Mit dem Schlauchboot im Wald rumfahren. Es ist heiß, ein bisschen windig, und es regnet mehrmals am Tag für ein paar Minuten, obwohl die Regenzeit eigentlich schon vorbei sein sollte. Dann scheint wieder die Sonne. Es läßt sich aushalten. Wir bekommen mehrmals täglich Besuch von einem kleinen, spatzenähnlichen Vogel, der die Brösel im Cockpit aufpickt. Er wird dabei immer zutraulicher und wagt sich bis auf schon bis auf wenige Zentimenter an uns heran, wenn wir ruhig sitzen.
Nach einigen Tagen wechseln wir den Ankerplatz wieder vor die Stadtbucht. Dort ist es zwar nicht ganz so ruhig wie drinnen, dafür ist das Wasser dort klar mit Sandgrund. Die nächsten Tage verbringen wir ohne besondere Aktivitäten mit kurzen Fahrten zu verschiedenen Ankerplätzen. Wir Baden und Schnorcheln in allen erreichbaren Riffbereichen. In den Riffen wimmelt es von bunten Fischen, Korallen, Schwämmen und Menschen. Die Meeresbereiche abseits der Riffe sind fast leer und unbelebt. Einmal schnorcheln wir in einem Schwarm von tausenden kleinen Fischchen. So viele, dass man den Grund darunter nicht mehr sehen kann. Der Besuch einer Rumdestillerie gibt uns interressante Einblicke in die Rumerzeugung heute und vor 100 Jahren. Gratis Verkostung inklusive. Neben der Rumdestillerie gibt es in Saint Pierre noch Ruinen der Stadt zu sehen, die 1902 beim letzten Ausbruch des nebenliegenden Vulkans zerstört wurde. In Saint Pierre treffen wir die Blue Lilly wieder. Die Möglichkeiten sind doch begrenzt, es kreuzen sich immer wieder die Wege. Zwei Tage vor Vollmond gibt es eine Langusteninvasion. Milliarden winziger Langusten mit etwa 5mm Größe schwimmen rund ums Boot, werden durch die WC-Spülung herein, und auch wieder hinaus gespült. Wir trauen uns nicht einmal ins Wasser zu gehen, die Viecherln würden zu hunderten in den Haaren hängenbleiben. Nach ein paar Stunden ist der Spuk vorbei, die Krabbenwolke hat sich zerstreut. In den folgenden Tagen tauchen sie immer wieder auf, werden grösser und hängen in den Haaren und in der Badehose.
Wir bekommen Besuch von Anna und Helga, die bleiben für zwei Wochen. Wir segeln mit ihnen die Küste entlang und schauen uns den Jardin de Balata an, einen riesigen Garten voller blühender heimischer und fremder Pflanzen, und dazwischen schwirren Kolibris herum, meist an den angelegten Futterstellen. Ein weiterer Ausflug geht an den Canal de Beauregard. Das ist eine künstliche Wasserrinne entlang eines tiefen Grabens. Auf etwa 6 km Länge ist entlang des steilen Grabenabhanges eine gemauerte Wasserrinne errichtet, die früher den Rumbrennereien als Frischwasserversorgung diente. Jetzt ist es ein Wanderweg durch eine Urwaldlandschaft. Man geht auf der ca. 50cm breiten Grabenaussenmauer, daneben geht es stellenweise 20Meter und mehr fast senkrecht hinunter. Kein Geländer, keine Möglichkeit zum Festhalten. Zeitweise ziemlich mulmiges Gefühl beim Gehen. Trotzdem ist der Wanderweg als leicht eingstuft. Wäre bei uns unvorstellbar. Beim Schnorcheln in verschiedenen Buchten und Riffen haben wir bis jetzt schon die komplette Besetzung von „Findet Nemo“ gesehen. Nur Nemo selber noch nicht.
Besonderer Ankerspaß in einer beliebten, aber engen Bucht: ein höchst erfahren-kompetenter deutschsprachiger Katamaran-Kapitän, der mich an meiner rotweissroten Fahne als Österreicher erkennen müsste, spricht mich bei der Einfahrt in die Bucht in englisch an und meint, es sei „a little difficult here, and no place“, und alle nebenliegenden Boote wären schon fast mit ihm zusammengestossen, und ich könnte da nicht ankern und solle doch besser überhaupt woandershin fahren. Stolz erklärt er mir unwissenden Naivling, dass er 40m Ankerkette draussen hat und dass das gut so wäre, je mehr umso besser. Die Bucht ist 5m tief und 80m breit. Er kapiert leider nicht, dass ER an seiner elendslangen Kette durch die ganze Bucht treibt und alle andern belästigt. Wir tauschen ein paar Nettigkeiten aus, ignorieren ihn forthin und ankern trotzdem daneben. Gottseidank schleicht er sich am nächsten Morgen und nervt jetzt anderswo die Leute mit seiner Blödheit.
In einer Bucht beim Schnorcheln bemerken wir die starke Gezeitenströmung erst, als wir schon aus der Bucht hinausgetrieben werden. Wir schaffen es gerade mit Flossen die Position zu halten, weiter hinein kommen wir nicht mehr. Wir schwimmen Richtung Ufer um dort abzuwarten. Zum Glück kommt ein einheimischer Ankerlieger, der uns beobachtet hat und die Gegebenheiten dort kennt, mit seinem Dinghi entgegen und bringt uns zum Schiff zurück. Die Strömungen werden wir in Zukunft wohl besser beobachten, das war ein bisschen leichtsinnig und hätte auch gefährlich werden können.
Die Faschingstage in Fort de France sind ziemlich gewöhnungsbedürftig. Vor jedem Laden fette Lautsprecher, mehrere Live-Bands gleichzeitig, dazu Umzüge mit Trommlern, Wahnsinnige mit buntbemalten Autoleichen ohne Auspuff, dafür Vollgas. Es ist ein Lärm wie bei einem achtstündigen Flugzeugstart. Man kann den Lärm sogar spüren. Die Leute sind nicht verkleidet, sondern bunt dekoriert mit allerhand schrillem und geschmacklosem Zeug. Besonderes Highlight: dicke Frauen mit knallengen Netzstrümpfen und Shirts. Wie Selchroller! Sehr hübsch.Eine Hälfte ist bekifft, die andere betrunken, auf jeden Fall grölen alle und machen soviel Krach wie nur möglich. Das ist das Wichtigste. Fasching ist einfach lustig. Auch gesehen: einige Weihnachtsmänner. Die Mehrfachverwendung des Kostümes beweist ökonomischen Weitblick.
Das Wetter wird immer feiner. Statt fünf Mal täglich Regen, regnet es jetzt nur mehr ein Mal: von 8 bis 17 Uhr durchgehend. Ein paar Tage lang. El Nino? Oder ist es hier tatsächlich immer so besch…..? In der Nähe von Fort de France treffen wir wieder einmal unsere Freunde von der „Seven Seas“, die wir auf den Kanaren das letzte Mal gesehen haben. Es gibt viel auszutauschen über die Erlebnisse in der Zwischenzeit. Eigentlich wollten wir nach dem Fasching weiterfahren nach Guardeloupe und Dominica. Eine defekte Batterie sowie der Ausfall des Motorbetriebsstundenzählers zwingen uns wieder in den Süden der Insel nach Le Marin zu den Schiffsausstattern zu fahren. Natürlich gegen den Wind. Wie immer. Hier können wir die kaputten Teile für einen Haufen Bares ersetzen. Nach dem Batteriewechsel spinnt auch noch der Windgenerator-Laderegler. Große Freude kommt auf. Wieder mal alles gleichzeitig hin. Der Laderegler erholt sich jedoch nach einem Tag ohne Stromversorgung. Die Software hat nach dem Totalreset über Nacht wieder zu sich gefunden. Jetzt kann es endlich weitergehen.
Zuvor noch Ankern wir noch einmal in der Anse Mitan, wo wir die Seven Seas und die Blue Lilly treffen. Drei österreichische Boote nebeneinander am Ankerplatz! Tagsüber machen wir einen gemeinsamen Ausflug an die Ostküste mit einem Leihauto. Die Küste ist nicht so berauschend, offen zum Atlantik, aber von einem Riff gegen Wellen halbwegs geschützt. Ganz nett zum Anschauen, aber mit dem Boot möchte ich dort nicht unbedingt hin. Die Berglandschaft im Inselinneren ist ganz schön, üppigst bewachsen, Plantagen und Urwald, Dörfer und lose Besiedelung. Abends gibt es Treffen auf der Seven Seas, zu dem alle Teile des Abedessens mitbringen. Dort wird gegrillt.
karibische Weihnacht
Wir wünschen allen unseren treuen Bloglesern
Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr 2016
Bleibt auch in Zukunft über den Blog mit uns verbunden, nehmt gratis an der Reise Teil, lest die spannenden Berichte, und genießt die Bilder von euren bequemen Sofas aus, während wir uns in Stürmen, Schauern, tosender See und moskitoverseuchten Ankerplätzen den Arsch aufreissen, um diese tollen Fotos für euch zu schiessen….
Alles Gute!
5.1. Barbados
Wir sehen Barbados erst sehr spät, da wir uns bei Tagesanbruch annähern. Die Insel ist sehr niedrig, nicht vulkanischen Ursprungs. Erster Anlaufpunkt ist die Hauptstadt Bridgetown. Dort wollen wir einklarieren. Die Anlegestellen im Hafen sind eigentlich für riesige Kreuzfahrtschiffe gedacht. Die Mole ist viel zu hoch für uns, wir kommen fast nicht aus dem Boot hinaus. Vor dem Immigration Office spricht mich ein französischer Segler an, und rät mir, zum Einklarieren in die nächste Stadt zu fahren, da es dort viel unkomplizierter sei. Das tun wir dann auch, und fahren die 10nm nach Port Saint Charles, wo das tatsächlich schnell und völlig problemlos abläuft. Wir ankern dann vor der Stadt. Der Strand ist wunderschön, weisser Korallensand, immer wieder ein paar Steine, Palmen und Laubbäume bis direkt an den Strand. Dazwischen stehen unaufdringliche Hotels im Stil englischer Herrschaftshäuser mit sehr gepflegten Parks rundum. Dann wieder einfache karibische Wellblech-Holzhütten, sehr liebevoll bunt bemalt. Die Menschen sind äusserst freundlich, viele sprechen uns einfach an, und wollen wissen wo wir herkommen. Fast alle grüssen durch ganz lässiges Handheben im Vorbeigehen. Das Segeln auf der Leeseite der Insel ist traumhaft. 15 Kn Halbwind, absolut ruhiges Wasser. Nur das Anlanden mit dem Beiboot ist schwierig. Die langen, leichten Wellen brechen vor dem flachen Strand, was uns zwei Mal beim Aussteigen ein Vollbad beschert. Aber das Wasser ist 25°C warm, Die Luft hat tagsüber 30°C, nachts etwa 24.
Nach ein paar Tagen fahren wir zurück nach Bridgetown, um das gerissene Genuafall reparieren zu lassen. Am Ankerplatz dort treffen wir die Kanadier Al und Irene von der Darvin Sound wieder, die bei der Abfahrt von Gomera unsere Liegeplatznachbarn waren. Die beiden sind seit 1980 unterwegs und haben bereits 250.000nm hinter sich. Mit ein paar Bierchen feiern wir die erfolgreiche Überfahrt beider. Al hilft mir dann noch beim Einziehen des Genuafalls in den Mast, wobei Karoline wieder mal rauf darf. Sie ist halt die Leichteste zum Hochziehen.
Die Strände um Bridgetown sind voller lauter Touristen, Standdiscos und Jetski-Wahnsinnigen. Daher fahren wir nach der Reparatur schnell wieder in den ruhigen schönen Norden zurück, Ankern vor der Stadt Speightstown, baden, Schnorcheln über dem Korallenriff, grillen Truthahn (wegen Weihnachten), und lassen es uns gut gehen. Lokales Bier gibt es, und es ist gut. Das Rumangebot ist auch groß, haben wir aber nicht probiert.
Ausklarieren ist der selbe Papierkrieg wie schon bei der Einreise, die Beamten sind aber so freundlich, dass man ihnen nicht böse sein kann. Anschließend wollen wir unsere letzten 12 Barbados-$ in der Yachtclub-Bar anbringen. Bier, sagt uns der Barkeeper, ginge sich nicht aus, weil eines würde schon 8 BB$ kosten. So trinken wir zwei große Gläser frisch gepressten Orangensaft, vorzüglich. Beim Bezahlen stellt er uns dann plötzlich noch zwei große, frisch gezapfte Bier hin. „Because it’s Christmas“, lacht er uns als Erklärung an. Sehr gelungener Ausklang unseres Besuches in Barbados mit seinen freundlichen Menschen.
4.1. Atlantiküberquerung Kanaren-Karibik
Die Zählung der Tage erfolgt immer von Mittag bis Mittag des Folgetages.
Tag01, Donnerstag, 19.11.2015, 11Uhr30. Wir verlassen La Gomera. Vor dem Hafen setzen wir Segel. Der Wind kommt – wie könnte es anders sein – genau von vorne, Südwest. So hab ich mir das gedacht: übern Atlantik auf der Kreuz! Natürlich ist das jetzt nur der abgelenkte Wind zwischen den Inseln. Hoffentlich. Nach einigen Stunden kommt ein komplettes Windloch. Windstille. Abdeckung von Teneriffa. Leider wird nur der Wind abgedeckt. Die Wellen kommen ungehindert in voller Höhe daher. Nach zwei Stunden motoren haben wir die Abdeckung passiert. Der Wind kommt jetzt wie er soll, nämlich von Nordost mit 30 Knoten und 4m Welle. Die ganze Nacht hindurch. Das Frühstück wird zur Herausforderung. Die Brote rutschen vom Teller und die Wurst rutscht von den Broten. Wenigstens der leere Teller bleibt stehen, dank Antirutschmatte. Man braucht eine Hand zum Essen und eine zum Festhalten des restlichen Essens, dann noch eine für die Kaffeetasse und eine zum sich selber Festhalten. Müssen wir noch üben. In der ersten Nacht sehen wir noch zwei weitere Schiffe, dann sind wir allein.
Tag02(FR) verläuft ohne besondere Ereignisse, Wind und Welle gleichbleibend. Wir kommen gut voran, nur das extreme Geschaukel ist anstrengend. Wir schaffen ein Etmal von 140sm.
Tag03(SA): der frisch gekochte Frühstückskaffe verschwindet nach einer Welle hinterm Herd. Nachts begleitet uns eine Gruppe Delfine.
Tag04(SO): Der Spibaumschlitten verbiegt sich beim Bergemanöver wieder. War doch kein Missgeschick von uns beim ersten Mal: das Ding ist einfach so blöde konstruiert, dass es sich bei der Bewegung des Baumes verkeilen muss, und dann vom Baum ausgehebelt wird. Also nicht unser Fehler, aber leider im Moment nicht reparabel, daher haben keine ausgebaumte Genua mehr. Es regnet zwei Mal, die Windstärke variiert von max 35Kn bis min 8Kn. Es ist den ganzen Tag dick bewölkt, die Batterieladung schrumpft ohne Sonne. Wir bekommen die este Windvorhersage übers Satellitentelefon von Andreas geschickt, und die verpricht gleichbleibende Lage. Der abgesprochene Wetterinfodienst funktioniert gut.
Tag05(MO): tagsüber wenig Wind, aber auch weniger Welle, und Sonnenschein! Ein recht gemütlicher Tag, er wird für die Reparatur des Spibaumes genutzt. Die Höhenverstellung wird deaktiviert, damit ist ein Verdrehen und Verkeilen nicht mehr möglich, und der Baum wird um 50cm gekürzt, damit er auch ohne Höhenverstellung nutzbar bleibt. Eine Notlösung, aber wir brauchen den Baum dringend bei Schwachwind mit Welle am Vorwindkurs. Abends und Nachts erfreuen uns noch mehrere Squalls (Starkregenzellen mit Sturmböen), die innerhalb von 20 Minuten auftauchen, aber auch ebenso schnell wieder vorüber sind.
Tag06(DI): der Wind ist stärker, aber wechselnd, dazwischen überholen uns 5 Regenschauer. Ansonsten ist nicht viel los. Die Schaukelei macht jede Tätigkeit sehr anstrengend. Wir haben uns inzwischen soweit an den Rythmus der Wachen gewöhnt, dass wir trotz Geschaukel und Geknarre halbwegs schlafen können.
Tag07(MI): verläuft ohne besondere Vorkommnisse, starker Wind, 5m hohe unangenehme Wellen. Kreuzsee. Am Ende des Tages haben wir erstmals Sichtkontakt zu einem anderen Segelschiff in etwa 2sm Entfernung. Nach ein paar Stunden verlieren wir es wieder aus den Augen.
Tag08(DO): Wind und Welle werden weniger und ermöglichen uns einige Tests mit dem adaptierten Spibaum. Der wird jetzt mit 3 Leinen fixiert gefahren. Setzen und Bergen funktionieren ganz gut, die Genua steht jetzt auch bei schwächerem Wind von Achtern zufiedenstellend. Nur bei allzu viel Welle fällt sie ein und ploppt wieder auf.
Tag09(FR): Schwachwind meist unter 15Kn und zuviel Welle für den Butterfly-Kurs, daher kreuzen wir vorm Wind. Die Frischobst-Reserven gehen langsam zur Neige. Viel länger hätten die Sachen aber eh nicht gehalten. Frisches Gemüse ist aber noch reichlich vorhanden.
Tag10(SA): Wind wird noch schwächer, und die Bootsbewegung durch die Welle lassen die Segel immer wieder einfallen, um dann mit lautem Knall und Durchrütteln des ganzen Bootes wieder aufzuploppen. Wir tüfteln stundenlang an der Idealeinstellung herum. Die gibt es aber nicht. Das nervt schon ziemlich. Die Batterieladung läßt auch zu wünschen übrig. Die Tage sind hier jetzt im Winter nur 11 Stunden lang hell. Die ersten beiden Stunden versteckt sich die Sonne hinter der Passatwolkenlinie. Mit zunehmendem Sonnenstand werden auch die Wolken höher, und bedecken etwa die Hälfte des Himmels. Oft nur kleine Wölckchen wandern mit der Sonne mit und verdecken sie gleich einmal für eine halbe Stunde. Nachmittags fahren wir gegen West in die Sonne und beschatten mit unseren Segeln die Solarpanele. Abends verschwindet die Sonne, ähnlich wie am Morgen für 2 Stunden in der Dunstschichte, bevor sie unbemerkt untergeht. Zum Batterieladen ist das in Summe knapp zu wenig. Und der Windgenerator fühlt sich beim jetzigen Schwachwind auch nicht mehr zum Stromerzeugen berufen. Etwa alle 3 Tage läuft die Maschine für eine Stunde um das Energiedefizit auszugleichen. Aber wenigstens sind jetzt auch die Wellen kleiner geworden. Gegen Ende des Tages sehen wir ein weiteres Segelboot, das einige Stunden parallel zu uns in ca. 1sm fährt.
Tag11(SO): ein ereignisloser Tag, der Wind ist viel zu schwach, oft unter 10Kn, um Vorwind aufs Ziel zuzufahren. Daher kreuzen wir vorm Wind, was die zurückgelegte Strecke natürlich deutlich verlängert. Und das bei geringer Fahrt. Das gestrige Etmal war gerade einmal 100sm. Etwas deprimierend.
Tag12(MO): der schwache Rückenwind und die kurze chaotische Welle lassen kein angenehmes Segeln zu. Die Stimmung an Bord ist ein bisschen angespannt, wir sind beide etwas gereizt. Im Augenblick macht es uns keinen Spass. Wir fragen uns warum wir uns das antun. Noch einmal? Niemals! In der Nacht steigt die Windstärke dann doch wieder etwas an, sodass man einigermaßen vernünftig fahren kann.
Tag13(DI): Wind ist gut und Welle erträglich, man kann jetzt halbwegs Vorwind fahren. In der Nacht eine der seltenen Begegnungen mit einem anderen Schiff. Selten, aber dafür sehr nah: der Frachter zieht in der Gegenrichtung mit 1/4 Seemeile Abstand vorbei.
Tag14(MI): Wind mit 22 Knoten treibt uns ganz gut vorwärts. Sonniges Wetter läd zu einem Badestopp. Trotz Einholen aller Segel schiebt die Welle Toroa mit fast 3 Knoten weiter. Gut festhalten an der Badeleiter! Man fühlt sich ein bisschen wie ein Angelköder, so an der Badeleiter hängend. Wir sind aber natürlich auch mit einem Gurt gesichert. Das Bad ist erfrischend und angenehm, die Stimmung an Bord hat sich wieder deutlich gebessert.
Tag15(DO): Wind mäßig, Himmel bedeckt, Wellen viel zu hoch, Kreuzsee, das Geschaukel ist widerlich, die Nacht mondlos und stockfinster. Am frühen Morgen beginnt es zu regnen. Zu allem Übel bricht das Genuafall im Masttopp. Das Segel ist mit 2-3 Windungen aufgerollt und rutscht deshalb nur ein kleines Stück herunter. Es bleibt auf Vorwindkurs ein bisschen faltig, aber halbwegs funktionsfähig stehen, solange wir es nicht gröber verändern müssen. Der Tag war für nix.
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Für besseres Verständnis zum Thema „komfortables Segeln am Atlantik“, und weil grad Zeit ist, folgender kleiner Exkurs in eine der täglichen routinemäßigen Verrichtungen an Bord:
Die Bedingungen:
Der Wind kommt mit 12 Knoten von 150Grad Steuerbord, also etwas rechts hinten.
Die Hauptdünung kommt ungefähr aus der gleichen Richtung und ist etwa 4m hoch, und 25m lang. Darüber lagert sich eine wechselnde Kreuzsee mit etwa 1m Höhe, vollkommen chaotisch. Das Boot fährt etwa eine Minute mit 6 Knoten halbwegs geradeaus, und wird dann von einer Dünungswelle 40 Grad nach Steuerbord verdreht, bleibt beinahe stehen, pendelt auf Kurs zurück, Segel fallen ein, Ploppen wieder auf, das Boot beschleunigt wieder langsam. Währenddessen schaukelt es im 3 Sekunden Takt jeweils 30Grad nach links und 30Grad nach rechts. Die Schiffsbewegung entspricht exakt der eines mechanischen Rodeobullen vom Jahrmarkt, nur etwas langsamer. Dafür immerfort. Tag und Nacht. 3 Wochen lang. Ohne Pause. Ein tolles Erlebnis.
Die Aufgabe:
Ein Becher mit Fruchtsaft soll gefüllt und ausgetrunken werden.
Man bewegt sich, nicht ohne sich immer mit mindestens einer Hand irgendwo krampfhaft festzuhalten, auf den Kühlschrank zu. Dort verklemmt man sich mit Füssen, Arsch und Kopf zwischen Küchenzeile und Sitzbank, um wenigstens für Sekunden zwei Hände frei zu haben. Man öffnet den Kühlschrankdeckel und greift hinein. Inzwischen fällt der Deckel wieder zu. Man nimmt trotzdem das Saftpackerl heraus und stellt es vor sich auf die Antirutschmatte. Der freigewordene Platz im Kühlschrank wird sofort durch Nachrutschen und Umfallen des restlichen Inhalts aufgefüllt. Man öffnet mit einer Hand den Drehverschluss, der anschliessend hinunterfällt und unterm Tisch verschwindet. Egal. Die Becher sind daneben in einer Halterung vorbereitet. Natürlich ohne was zu verschütten (haha), schenkt man maximal einen halben Becher voll. Nicht mehr, sonst schwappt es bei der nächsten Welle in 3 Sekunden sicher über. Jetzt brauchen wir den Verschluss wieder. Das Saftpackerl kann natürlich nicht alleine stehenbleiben, also mit dem offenen Packerl in der Hand niederknien und auf allen Vieren (eigentlich Dreien) am Boden nach dem Deckel suchen. Mit etwas Glück findet er sich und lässt sich zuschrauben. Beim Aufstehen wird man von einer Bootsschwingung (man erinnert sich: alle 3 Sekunden) auf die andere Seite geschleudert und rennt gegen irgendeine Ecke. Dann zurück zum Kühlschrank, wie zu Beginn, Deckel auf, reingreifen, und so weiter. Der hat seinen Inhalt inzwischen völlig neu umsortiert. Man benötigt jetzt die zweite Hand (Festhaltehand) um den Kühlschrankinhalt so zu verschieben, dass das Packerl wieder reinpasst. Wer so wie wir die Packerlsäfte gerne mit ein wenig Flaschenwasser verdünnt, hat jetzt das ganze Theater mit dem Wasser noch einmal. Jetzt kann man gemütlich eingekeilt stehend den Becherinhalt austrinken und hoffen, dass man sich nicht anschüttet. Was für ein Spass, wie konnte ich bisher nur ohne ihn leben?
Segeln ist die teuerste und unbequemste Art zu reisen und dabei äusserst langsam nirgends hinzukommen.
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Tag16(FR): nach genauer Untersuchung des Genuaproblems wird beschlossen, mit der etwas faltigen Genua weiterzufahren, solange es geht. Sollten wir sie zwischendurch doch bergen müssen, werden wir sie danach ersatzweise mit dem Spifall neu hochziehen – so der Plan.
Tag17(SA): Karoline hat ein neues Menue erfunden: Chayotencouscouscurry mit Ananasstückchen. Ganz fein! Ansonsten passiert nichts Aufregendes. Schwacher Wind, zuviel Welle, öde Schüttelei.
Tag18(SO): leider haben wir vergessen, für den 6.Dez. Schokoladenikoläuse mitzunehmen. Daher gibt es an diesem Tag keine süße Überraschung. Auch sonst nichts Neues, alles wie immer: schwacher Wind, zuviel Welle. Nachmittags jede Stunde ein Regenschauer. Segeln ist schön.
Tag19(MO): Wir kreuzen wieder vorm Wind. Das erhöht die Fahrgeschwindigkeit, auch wenn es den Weg verlängert. Die Schrägfahrt zur Welle macht diese ein bisschen weniger ekelhaft weil die Seitenstabilität des Bootes steigt.
Tag20(DI): am Morgen kreuzt der chinesische Frachter „Weihai“ in einer Entfernung von etwa 1sm unseren Kurs. Sonst passiert nichts mehr an diesem Tag. Wind nur um die 12Kn, aber auch weniger unangenehme Welle. Wir kreuzen weiterhin vorm Wind.
Tag21(MI): schon wieder ein Schiff! Der maltesische Frachter „Cielo di Valparaiso“ passiert uns in 5sm Abstand. Von den rund 250 Segelbooten der ARC und der Atlantic Odyssey, die etwa zur gleichen Zeit wie wir fahren, sehen wir aber gar nichts. Anfangs ganz guter Wind mit wenig welle, wandelt es sich nach kurzer Zeit zum normalen Schwachwind mit viel Welle, aufgelockert von stündlichen Regenschauern mit Böen. Nachts ein Squall mit über 33Knoten Wind lässt diesen Tag zu einem Favoriten für einen Spitzenplatz in der Rangliste der unnötigsten Tage werden. Die beinahe überwundene Unlust am Atlantiksegeln kehrt wieder zurück.
Tag22(DO): in der Früh wieder eine Schiffssichtung, ein Frachter aus Hongkong kommt uns in 6sm Abstand entgegen. Der Rest des Tages verläuft ruhig. Vor der Morgendämmerung sehen wir erstmals Lichter von Barbados. Nach 22 Tagen und knapp 4 Stunden Fahrzeit kommen wir im Hafen von Bridgetown an. Da Bridgetown für kleine Boote ein sehr ungeeigneter Hafen ist fahren wir zum Einklarieren 10Meilen weiter in die nächste Stadt, Port St.Charles.
3.13. La Gomera & Abschied von Europa
Die Insel La Gomera südlich von Teneriffa ist unser letztes Ziel in den Kanaren. Die Marina in San Sebastian ist jener in Santa Cruz sehr ähnlich: gleicher Preis, gleiche Brummfähren mit Schwell, Baustelle, kleine Stadt mit steilen Straßen. Trotzdem ist sie bummvoll, während Santa Cruz nur zur Hälfte gefüllt war. Keine Ahnung warum. Hier liegen viele Karibikfahrer und warten auf den günstigen Absprung, so wie wir. Alle treffen letzte Vorbereitungen an den Booten. Wir haben bei einem ungeschickten Manöver den Mastschlitten vom Spinnakerbaum verbogen. Ein widerspenstiges, fieses kleines Edelstahldings. Zum Glück finden wir Andi, den Bootsmechaniker aus Bayern, der es in seiner kleinen Werkstatt wieder halbwegs geradebiegen kann. Die Optik hat zwar ein bisschen drunter gelitten, aber es funktioniert wieder.
Wir machen eine Inselrundfahrt mit dem Bus. Sehr ähnlich wie La Palma: Die Straßen keine 20m geradeaus oder gar eben, durch 1000 Gräben, an 100 Schluchtwänden entlang, immer am Abgrund. Von Busfahren auf Vulkaninseln hab ich jetzt einmal eine Zeit lang genug. Der Bewuchs ist etwas spärlicher als auf La Palma. Valle Gran Rey im Südwesten der Insel befindet sich fest in deutscher Hand – Auswanderer und Touristen. Man hört hier weit mehr Deutsch als Spanisch…
Jetzt bleiben uns noch 2 Tage hier, wir werden Lebensmittel einkaufen, frische Sachen, Obst, Gemüse. Mit haltbaren Dingen haben wir uns bereits ausreichend eingedeckt. Schon Kolumbus hat hier seine Wasservorräte aufgefüllt, werden wir auch tun, und eventuell noch ein oder zwei Bier einkaufen. Am Donnerstag, den 19.Oktober werden wir zur etwa dreiwöchigen Überquerung nach Barbados starten. Wir sind zwar so gut wie möglich vorbereitet, aber ein bisschen aufgeregt sind wir doch. Wir nehmen noch Kontakt mit einigen Bootsbekanntschaften auf, die jetzt auch bald losfahren werden. Hoffentlich treffen wir den Einen oder Anderen in der Karibik wieder.
WEGEN UMZUGS GESCHLOSSEN – nächster Blogeintrag erst wieder vor Weihnachten…
3.12.2. La Palma, Teil 2
Endlich einmal ein durchgehend schöner Tag, sofort nützen wir ihn für einen Wandertag durch die Schlucht Cubo de La Galga. Vier Stunden Fußmarsch durch eine Urwaldschlucht mit Lorbeerbäumen, riesigen Kastanien, Farnen und bemoosten Felsen. Es ist eine beeindruckende Wanderung unter einem dunkelgrünen Laubdach zwischen senkrechten Felswänden. Die Schlucht ist an einigen Stellen höchstens 20 Meter breit. Der Wanderweg ist, oder besser war, eigentlich eine befahrbare Forststrasse. Dort wo sich Strasse und Bachlauf kreuzen, ist der Bach nach den vergangenen starken Regenfällen auf die bequemere Strasse abgebogen und hat diese auf mehrere hundert Meter vollständig abmontiert. Strasse und Bachlauf schauen jetzt gleich aus, und sind an den Kreuzungsstellen nicht immer eindeutig zu unterscheiden. Der als leicht beschriebene Weg ist jetzt zeitweise eine mühsame Kletterpartie über meterhohes Geröll. Das letzte Stück führt über einen schmalen Pfad an der Felswand entlang steil nach oben. Gleich daneben geht es genau so steil nach unten, und zwar ziemlich tief. Der Rückweg führt oberhalb der Schlucht durch landwirtschaftliches Gebiet. Die Beute des Tages: einige Kilo Kastanien, Kaktusfeigen, Avocados, Chayote (Christophene oder Gemüsebirne), Tamarillo (Baumtomate) und Cherimoya (Cremeapfel). Ein weiterer Wandertag folgt ein paar Tage später. Ein sanft ansteigender Weg führt zu einem großen Wasserspeicher, der nur halb voll ist und eher unspektakulär wirkt, auf der anderen Seite geht es über eine ca. 5km lange „Strasse“, eher eine Hauszufahrt, am kürzest möglichen Weg wieder ins Tal. Steil, schnurstracks, ohne Kehren. Ich schätze 35% Gefälle. Sowas gibt’s zuhause nirgends. Kaum zu glauben, dass die da fahren! Wir tun uns schon beim Gehen schwer. Das letzte Stück Fußweg verläuft nicht mehr gerade, sondern in Kehren am Steilhang entlang. Viel bequemer zu gehen, wenn da nicht der Bach wäre, der den gleichen bequemen Weg nimmt, statt gerade hinunter zu fließen. Daher waten wir durchs 10 cm tiefe Wasser, und kommen unten mit schlammgefüllten nassen Schuhen an. Trotzdem, oder vielleicht auch deswegen ist La Palma die für uns landschaftlich reizvollste Insel der Kanaren. Der dritte Wandertag führt uns in den Süden der Insel zu einem Vulkan, der 1971 zum letzten Mal ausgebrochen ist. Die Landschaft ist vollkommen anders, Lavageröll, schwarzer Vulkansand, kaum Bewuchs, trocken. Das einzig Vertraute und Gewohnte sind die Wege, die wie auch im Norden immer gerade auf die Berge führen, und auf der anderen Seite wieder gerade runter, egal wie steil es auch ist. Wir nutzen die Tage hier auch, um unsere Vorräte an Lebensmitteln für die Überfahrt aufzufüllen. Am Boot werden noch ein paar kleine Reparaturen und Wartungen durchgeführt. Das Beiboot, das schon seit Längerem Auflösungserscheinungen zeigt, gibt nun endgültig den Geist auf: der Gummiboden löst sich grossflächig von der Schwimmkammer ab, es entsteht ein fast 1m langer Riss. Schwimmt zwar noch, ist aber nach wenigen Minuten voller Wasser. Ein Reparaturversuch vom Fachmann hier wird wegen Undurchführbarkeit abgebrochen. Wir müssen ein neues Beiboot kaufen. Die Auswahl hier auf La Palma ist sehr gering. Wir finden aber ein sehr kleines, dafür halbwegs billiges Böötchen.
3.12.1. La Palma, Teil 1
Die kleine Stadtmarina von La Palma ist erstaunlicherweise fast leer. Hier werden wir die nächsten 4 Wochen bleiben. Die Hauptstadt der Insel ist Santa Cruz. Die putzige kleine Stadt liegt in einem halben Vulkankrater, extrem eng und steil. Hier sind viele alte, aber gepflegte Häuser, kaum etwas verfallen oder gammelig. Alle paar Tage legt ein Kreuzfahrtschiff an und täglich eine Fähre. Der blöde Kahn hat die halbe Nacht den Generator laufen, und der macht Krach wie ein Hubschrauber. Auch hier gibt es eine Baustelle vor dem Hafen, aber insgesamt ist es hier bedeutend ruhiger als auf Teneriffa. Allerdings gibt es hier im Hafen häufig Schwell, und da wird man manchmal ganz schön durchgeschüttelt. Das Internet hier ist mehr als bescheiden, funktioniert nur selten, und dann langsam.
Nach 2 Tagen treffen auch Veronika und Robert von der Seven Seas hier ein. Die beiden haben wir schon in Gibraltar getroffen. Auch Bernd und Birgit, die deutschen Bekannten aus Teneriffa kommen nach ein paar Tagen hier an. Der Besuch von Tochter Anna fällt wettermäßig in eine ungünstige Zeit: ein fettes Sturmtief über Madeira schickt uns Starkwind, kurzzeitig sogar mit 50 Knoten, und in den Pausen Starkregen, mehrmals täglich abwechselnd. Da ist weder Segeln noch Wandern extra lustig. Zwischendurch ist es dann wieder für einige Stunden sonnig und heiß. Wir machen ein paar Busrundfahrten durch die Insel. Die Strasse ist teilweise so schmal und steil, dass für einen Abschnitt vom großen in einen kleineren Bus umgestiegen werden muß, und selbst der muss bei manchen Kurven zurücksetzen, damit er herumkommt. Sie führt durch duzende tiefe Gräben und Schluchten mit senkrechten Wänden. Die enge und kurvige Strasse hoch über dem Abgrund ist für meine Liebe zur Höhe manchmal eine kleine Herausfoderung. Überall ist dichter Bewuchs, entweder Wald oder Bananenplantagen auf aufwendigen Terassen. Es wirkt alles sehr tropisch, dazu immer wieder Regen, jedoch recht warm. Jeden Tag mindestens ein schöner Regenbogen. Ein Halbtag kann sogar für einen Strandausflug genutzt werden. Der Stadtstrand ist künstlich angeschüttet mit schwarzem Vulkansand. Das Meer ist auch Mitte Oktober noch zum Baden warm genug. Gleich nach dem Baden kommen aber wieder die nächsten Regengüsse. Einer davon so stark, dass das Wasser in mehreren Kaskaden von den steilen Vulkanflanken herunterschiesst, auch über die Strassen im Steilhang hinweg. Es reisst eine Menge Erde mit sich. Das sonst sehr klare Hafenwasser färbt sich rotbraun. Man liegt hier jetzt wie im Amazonas zur Regenzeit.
Am Ende der zweiten Woche wird es wieder ruhig. Anna fliegt wieder ins kalte Österreich zurück, und Veronika und Robert fahren weiter nach Teneriffa. Hoffentlich treffen wir die beiden wieder irgendwo, wenn sich unsere Wege wieder kreuzen.
3.11. Teneriffa
Von den vier Tagen im Süden Gran Canarias, wo fast immer die Sonne scheint, wie uns die Tourismusprospekte erklären, sind drei dicht bewölkt, aber wenigstens warm, auch zum Baden. Die Überfahrt nach Teneriffa gestaltet sich dann ein bisschen ruppig. Halbwind mit 20 Knoten und eineinhalb Meter Wellen beglücken uns in regelmäßigen Abständen mit Salzwasserduschen am Steuerstand. Das ist nicht gerade gemütliches Segeln, aber dafür gibt es fast immer 7 bis 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit als Entschädigung. Nach Ankunft in Santa Cruz haben wir reichlich Wasser in der Vorschiffsbilge. Die undichte Stelle, vermutlich am Wassertankeinfüllstutzen am Bug wird in den nächsten Tagen abzudichten sein.
Die Stadtmarina von Santa Cruz wird in den Reiseführern als zu teuer beschrieben. Nach Preisanfragen per Email ist sie aber die günstigste im Umkreis, daher fahren wir dorthin. Der Hafen ist nur halb voll, rund ums Hafengelände befindet sich eine Großbaustelle. Der gesamte Uferbereich wird gerade umgebaut. Das stört uns wenig, durch die Baustellenabzäunungen kommen wenigstens keine Spaziergänger herein und es ist erfreulich ruhig. Zumindest am Wochenende. Montags fangen die Bagger und Presslufthämmer wieder an zu arbeiten, da muss man sich erst dran gewöhnen. Aber wir haben schon weit schlimmere Häfen gesehen. Neben uns am Ufer steht irgendein Amtsgebäude mit Glockenturm. Darin befindet sich das schaurigste Glockenspiel, das wir je gehört haben. Klingt, wie wenn man mit einem Eisenrohr auf ein Metallgeländer schlägt.
Die Stadt ist eher klein und wenig auf Touristmus ausgerichtet. Allerdings kommt etwa jeden zweiten Tag ein Kreuzfahtschiff herein, dessen bleiche und wohlgenährte Gästeschaft dann für ein paar Stunden in die Stadt quillt. Im Altstadtbereich sehen wir viele schöne Häuser. Auf allen größeren Strassen sind die Gehsteige breit, und unter grossen, schattenspendenden Baumreihen versteckt. Auch sehr viele Plätze in der Stadt sind dicht mit riesigen Bäumen bewachsen, und überall sind Cafes und schattige Lokale darunter zu finden. Eine gemütliche Wohnstadt. Da kann man es eine Zeit lang aushalten. Nur das Leitungswasser ist so stark chloriert, dass man damit nicht einmal kochen kann.
Am Obstmarkt kaufen wir günstig Mangos ein und verarbeiten sie zu Marmelade. Schmeckt hervorragend. Eine testweise gekaufte Drachenfrucht schaut zwar toll aus, ist aber sauteuer und schmeckt eher nach gar nix.
Ein Ausflug mit der Straßenbahn führt uns in den Nachbarort La Laguna. Dort gibt es eine Universität, und entsprechend belebt sind die Fußgängerzonen und Lokale im Ausgehviertel mit jungen Leuten.
Einen gemütlichen Abend bei ein paar Bierchen verbringen wir mit den deutschen Seglern Bernd und Birgit. Die liegen drei Plätze neben uns und sind seit fünf Jahren unterwegs. Endlich eimal wieder deutschsprachige Unterhaltung statt englisch.
Wir nehmen ein billiges Leihauto und kriegen ersatzweise ein feines Cabrio zum Preis der Billigkiste, weil die am Übergabezeitpunkt nicht verfügbar ist. Damit fahren wir auf den Teide, einen 3700m hohen Vulkan. Da kann man bis auf 2700m mit dem Auto hin, und man fährt dabei durch tolle Landschaften. Dann geht es per Seilbahn bis auf 3500m hinauf. Das Letzte Stück zum Gipfel darf man nur Sondergenehmigung und Führung. Die Seilbahn hätten wir uns ersparen sollen: 27Euro/Person(!) und 2 Stunden Anstellen. Die Aussicht von oben ist dann allerdings gar nicht wesentlich besser als von unten. Der Anblick des Berges von der Zufahrtsstrasse aus über einen schmalen Grat war beeindruckender. Schad ums Geld und die Zeit.
Der Aufbruch von Teneriffa erfolgt kurz entschlossen einen Tag früher als urschprünglich geplant. Der Wind soll in den nächsten Tagen aufhören. Wir wollen den letzten Windtag zur Überfahrt nutzen und haben Glück. Nach ein paar Stunden Aufkreuzen können wir mit Halbwind eine ganze Nacht ohne Segeländerung durchsegeln und erreichen bei Sonnenaufgang La Palma.
3.10. Gran Canaria
Nächstes Ziel ist Gran Canaria. Fuerteventura wär zwar näher, dort scheint es aber für uns kaum geeignete Plätze und nur wenig Sehenswertes zu geben, außer Stränden. Das werden wir auslassen. Auf der recht schwachwindigen Fahrt von Arrecife zum Südende von Lanzarote können wir ganz gut den neuen Spinakerbaum einsetzen und die passenden Segeleinstellungen dafür ausprobieren. Die Überfahrt verzögert sich dann ein paar Tage. Der Wind, der bis jetzt seit 3 Wochen ohne Pause sehr stark geblasen hat, hört plötzlich ganz auf. Im Süden der Insel bleiben wir noch zwei Tage an einem geschützten Strandabschnitt. Dort sehen wir eine große Wasserschildkröte am Boot vorbeischwimmen. Anschließend einen Tag in der Marina Rubicon, die als Werbeangebot eine Nacht gratis anlegen läßt. Sehr nette Marina mit Pool, das darf man nicht auslassen, wenns zudem nix kostet.Am Sonntag starten wir dann die Überfahrt bei Leichtwind. Kann länger dauern als erhofft, aber wir haben ja Zeit. Unterwegs gesichtet: mindestens 1 Wal und mehrmals Delfine, einmal nachts, wo sie beim Vorbeischwimmen in der Dunkelheit eine grünlich schimmernde Spur von angeregten Leuchtalgen hinterlassen. In der Früh liegt ein Kalmar auf dem Vordeck. Mit fliegenden Fischen ist mir das schon passiert, aber wie ein Tintenfisch da heraufkommt ist mit rätselhaft. Zum Abschluss kommt uns beim Einlaufen in das riesige Handelshafenbecken von Las Palmas eine Gruppe von Delfinen entgegengeschwommen.
In der Stadtmarina kriegen wir keinen Liegeplatz für eine ganze Woche, immer nur ein, zwei Tage Verlängerung. Viele Plätze sind für die ARC (Atlantic Race of Cruisers) reserviert und müssen bei Bedarf kurzfristig verfügbar sein. Überhaupt sind hier alle irgendwie am Bootherrichten und Aufrüsten für die Überfahrt, und das zwei Monate bevor das überhaupt möglich ist. Aber der Hafen verlockt mit einem Preis von unter 10 Euro am Tag auch zum länger bleiben.
Die Stadt ist ziemlich gross, modern und hektisch. Es gibt aber einen netten Altstadtkern, mit Geschäften, Lokalen und einer riesigen Fußgängerzone. Der Rest der Stadt ist aber sehr autofreundlich, mit vielspurigen Straßen und riesigen Kreuzungen und für Radfahrer eher gefährlich. Man muß fast immer auf Gehsteige ausweichen und das ist mühsam wegen der Bordsteinkanten. Ein Ausflug per Bus geht in den nahen Botanischen Garten, den grössten Spaniens. Sehr beeindruckend in einer Schlucht gelegen, bietet er schöne Möglichkeiten zur Wanderung auf schattigen Wegen.
Für einen Tag gönnen wir uns wieder ein Mietauto und fahren wir die nördliche Hälfte der Insel ab. Sehr beeindruckend ist der höchste Berg im Zentrum mit 1950m. Von da aus überblickt man die gesamte Insel.
Ein Viertel der Insel im Norden ist oft mit Wolken bedeckt, die sich dort an den hohen Bergen stauen. Man schaut wie vom Flieger aus darauf hinunter. Der Norden ist üppig bewachsen. Wir fahren durch zig Schluchten und Gräben in der vulkanischen Landschaft. Die ist dort im Gegensatz zu Lanzarote feucht und grün. Wir sehen Kiefernwald mit lustigen Flechten dran, Schilf und riesige Kastanienbäume.
Nach 8 Tagen in Las Palmas kriegen wir keine Verlängerung mehr, der Liegeplatz ist reserviert. Wir brechen in den Süden der Insel auf, wo wir Ankerplätze suchen wollen.
3.9. Lanzarote
Auf Lanzarote geht immer starker Wind. Tag und Nacht, jeden Tag, immer gleich. Zum Ankern gibt es hier wenig Möglichkeiten, daher bleiben wir in der Marina und machen von hier aus Landausflüge. Die Insel ist voller Vulkankegel, sehr trocken und karg, mit schwarzen Steinen, und fast nur Kakteen als Bewuchs. Weingärten befinden sich in Gruben in der Vulkanasche, hinter halbrunden Mauern vom Wind geschützt. Etwas ungewohnt und neu für uns sind die Gezeiten hier. Der Tidenhub beträgt 3m, das kleine idyllische Hafenbecken ist da bei Niedrigwasser plötzlich leer und die Boote liegen traurig am Grund herum. Am Schwimmsteg in der Marina merkt man davon zum Glück nichts.
Eine Radausfahrt geht nach Teguise, 13 km leicht bergauf gegen den Wind. Sehr mühsam. Heim geht’s dafür immer bergab und mit Rückenwind. Viel besser! Immer sonntags gibt es hier einen riesigen Markt über die halbe Stadt verteilt. Und mit riesig meine ich wirklich riesig, mit einigen hundert Ständen, und tausenden Besuchern. Sehr volksfestmäßig.
Wir unternehmen weitere Radausflüge in die Badeorte Costa Teguise und Puerto del Carmen. Es zeigt sich, wie wenige Strände und Bademöglichkeiten Lanzarote eigentlich bietet. Ausserdem lassen immerfort starker Wind und Wellengang kaum ein gemütliches Baden zu. Der große Tidenhub bewirkt zudem, dass Strände bei Hochwasser im Meer vesinken, und bei Niedrigwasser wieder völlig trocken liegen.
Per Mietauto machen wir eine Inselrundfahrt mit Besuch eines sehenswerten Kaktusgartens. Anschliessend durchwandern wir eine Höhle, die der Lavastrom beim Erkalten zurückgelassen hat. Sie führt von einem Vulkankegel 7km weit bis ins Meer. Ein Teil davon ist begehbar und für Besucher offen. Zuletzt besuchen wir den Vulkan Timanfaya, dessen umliegendes riesiges Lavafeld seit dem letzen Ausbruch vor 300 Jahren ziemlich unverändert blieb. Dieser Vulkan ist noch lauwarm, auf seiner Flanke steht ein Restaurant mit einem riesigen Griller über einem Felsschacht, aus dem Luft mit 250 Grad aufsteigt. Bei einer Rundfahrt über eine winkelige steile Strasse werden die Besucher eine Stunde lang mit Bussen durch das gesamte Lavafeld, durch Ascheberge und über die Vulkankegel transportiert, Blick in den Krater inklusive.
Am Sonntag hat sich die bekannte „Dagmar Aaen“, das Expeditionsschiff von Arved Fuchs neben uns gelegt. Obwohl schon weltweit gereist, Nordostpassage, Nordwestpassage und viele andere unwirtliche Gegenden, hat das Schiff keinen passenden Stromanschlußadapter dabei. Im Eismeer brauchte sie wohl keinen. Wir können ihnen mit einem Verbindungsstück aus unserem reichhaltigen Elektrosortiment aushelfen und bekommen dafür eine ausgiebige Führung durch das 80 Jahre alte Schiff Jetzt fährt sie weiter über Kap Verden nach Südamerika, ganz Süd, wo es wieder kalt ist.
Am Donnerstag treffen wir hier unsere Freunde Lisa & Andi, die schon vor einem Jahr eine Kanarenkreuzfahrt auf der Aida gebucht haben. Dass wir eben jetzt auch gerade hier sind, haben sie in diesem Blog gelesen. Wir nehmen ein Bierchen am Abend, oder waren’s zwei – weiß nicht mehr – und haben viel zu erzählen.
Die Dauer unseres Aufenthaltes hier wird wie schon öfters durch die Lieferzeit diverser Schiffsteile bestimmt. Diesmal ist es ein Spinakerbaum, der aus Gran Canaria angeliefert wird. Der angebotene Preis ist OK, auch nicht teurer als beim Bestellen im Internet. Wir brauchen ihn unbedingt zum Ausbaumen der Genua bei Vorwindkurs und Wellen. Ohne den geht es nicht, wie wir bei der Überfahrt auf die Kanaren festgestellt haben.
3.8. Großer Teich
Um gegen den ständigen Strom durch die Strasse von Gibraltar hinaus zu fahren, sollte nicht auch noch Gegenwind aus West wehen. Das tut er derzeit aber recht stark, daher warten wir zusammen mit mehreren Booten hier in La Linea bei Gibraltar auf Ostwind. Zudem erwarten wir auch eine Paketlieferung aus einer Internetbestellung. Der etwas längere Aufenthalt bietet Gelegenheit, ein paar Dinge nachzuholen. Ölwechsel an der Maschine, eine Kompassreparatur, und wir kaufen in einem grossen Einkaufszentrum der Stadt neue Fahrräder im Abverkauf um die Hälfte reduziert. Diesmal mit noch dickeren Fahrradschlössern. Wir nutzen die neue Mobilität gleich zu einer kompletten Umrundung des Gibraltar-Felsens auf einer abenteuerlichen Strasse durch Tunnels und am Abgrund entlang, und am Ende direkt am Fuße der 400m hohen senkrechten Felswand vorbei. Jetzt sind tägliche Einkäufe in den weitläufigen spanischen Küstenstädten wieder einfach möglich. Ein Ausflug mit dem Autobus geht ins 40km entfernte Tarifa, einem Touristenort und Surfspot außerhalb, und einer ganz netten Altstadt innerhalb der alten Stadtmauer. Auf den Leuchtschriften der Busse steht übrigens nicht, wo sie hinfahren, sondern wo sie herkommen! Sehr interessant. Die Logik dahinter bleibt uns leider verborgen, aber wir finden durch Fragen dann doch den richtigen Bus.
Die beiden Pakete kommen termingerecht an, und zwei Tage später dreht der Wind auf Ost, sodass wir die Durchfahrt machen können. Während der Tidenstrom den Grundstrom von West abschwächt, fahren wir die 25 Meilen vorwind bei 25 bis kurzzeitig 35 Knoten unter Genua ziemlich zügig durch. Die Durchfahrt erweist sich als unproblematischer als befürchtet. Wetterglück. Wir sind jetzt im Atlantik.
Für die Überfahrt auf die Kanaren haben wir uns Jausenwürste besorgt. Nun sind die meisten spanischen Wurstarten relativ weich, daher hängen wir sie im Salon auf. Sie sollen ein, zwei Wochen Zeit zum Reifen und Trocknen haben. Die in der Marina Barbate wohnhaften Katzen sehen das anders, schleichen sich nachts auf das Boot, und fressen die beiden Würscht bis auf wenige Zentimeter weg. Wir bemerken nichts davon, erst in der Früh sehen wir die abgefressenen Wurstzipfel.
Überfahrt Gibraltar zu den Kanarischen Inseln:
die ersten beiden Tage gestalten sich anstrengend. Am ersten Tag vorerst fast kein Wind, dann von gegenan. Wir müssen hart am Wind fahren und einen Umweg machen. In der Nacht , während es dann wieder sehr ruhig ist, schwimmen neben uns ein paar Delfine mit, die wir im Dunkel nicht sehen können, aber wir hören ganz nah ihre Ausblasgeräusche. Das Fauchen aus dem Dunkeln klingt ein bisschen gespenstisch. Die nächsten 2 Tage quälen uns mit Leichtwind so um 12 Knoten von genau achtern, dazu sehr hohe Welle um die 3 Meter. Das Boot rollt und geigt, da bleibt kein Segel stehen. Wir müssen vor dem Wind kreuzen, um Fahrt zu machen. Leider verlängert das den Weg zum Ziel deutlich, aber man fährt wenigstens vernünftig. Alle Tätigkeiten, Wie Kochen, Essen, Anziehen oder Klogehen erweisen sich als höchst schwierig. Sitzen und mit zwei Händen Festhalten geht gerade noch. Ab dem dritten Tag sehen wir keine anderen Schiffe mehr im Umkreis von 20 Meilen. Nach fünfeinhalb Tagen durchgehender Fahrt kommen wir in Arrecife auf Lanzarote an. Das war mit 630 Meilen am Stück unsere bisher längste Überfahrt. Im Nachhinein betrachtet sind die fünf Tage eigentlich schnell vergangen.
3.7. Festlandküste bis Gibraltar
Die spanische Festlandküste entlang des Alboranmeeres bietet jetzt absolut keine Verbesserung bezüglich Schönheit oder Interessantheit. Ganz im Gegenteil. Strände mit endlosen Hotelblockreihen, dazwischen kahle Felsabschnitte, das Meer verseucht mit Müll und Motorbooten. Hier wurde alles dem Billig-Massentourismus geopfert. Ödeste Umgebung. Auf einer Skala von 1(grauslich) bis 10(fantastisch) eine glatte minus 3. Wir beschließen, die etwa 350 Meilen bis Gibraltar zügigst durchzuziehen. Es ist extrem schwül, sehr dunstig, nur wenige Meilen Sicht. Wir sind an der Costa del Sol(!) und sehen die Sonne vier Tage lang nicht. Eine fette Hochnebel-Dunstschicht verdunkelt zeitweise den Tag, im grauen Streulicht gibt es keinen Schatten. Wind 0 bis 7 Knoten, und wenn 7, dann wenigstens genau von vorne. Völlig unbrauchbar zum Segeln, daher stundenlanges nerviges Motorgebrumme. Ankermöglichkeiten gibt es nur wenige, aber das Meer ist ziemlich ruhig, und die Marinas in der Gegend sind teilweise sehr billig, auch in der Hauptsaison. In einer davon, Almerimar, lassen wir die Lattentaschen im Hauptsegel erneuern und verstärken. Das wollte ich schon seit einem halben Jahr machen lassen. Kostet zwar 300 Euro, aber dafür steht das Segel jetzt wieder wie `ne Eins. Der Vorbesitzer hatte die Lattentaschen zugeklebt und die Latten wohl über Bord geschmissen. Dass das Hauptsegel am Wind absolut kein Profil bildete, hat ihn wohl nicht so gestört. Hier liegen wir neben Robin und Marisa, er Neuseeländer, sie Spanierin, die seit vielen Jahren in der Welt herumschippern, und die uns an einem gemütlichen Abend viele Tipps und Tricks aus ihrer reichen Erfahrung verraten.
Bei der Ankunft in Gibraltar stellen wir fest, dass alle britischen Marinas überfüllt sind, man muss dort reservieren. Die nebenliegende spanische Marina ist gleich teuer, doppelt so groß und nicht einmal halb voll. Wenn man in die Stadt will, muss man von dort halt über die Grenze nach England einreisen, mit Passkontrolle und Zoll, trotz EU, und mit britischen Pfund. Die Straße quert gleich nach der Grenze die Flughafenlandebahn und wird bei Starts oder Landungen gesperrt. Ein zweistündiger Fußmarsch über extrem steile Straßen und Wege bringt uns auf den berühmten Felsen. Es gibt zwar auch eine Seilbahn hinauf, die ist aber unverhälnismäßig teuer. Von oben gibt es einen grandiosen Rundblick, und die dort freilebenden Berberäffchen springen zwischen den Touristen herum, klauen ihnen Smartphones und lose Gegenstände, und haben einen Mordsspaß damit. Der Rest der Stadt ist very british, mit typischen Telefonzellen und englischen Abfalltonnen. Wenigstens fahren sie dort auf der richtigen Seite, nicht wie in England. Hier bleiben wir ca. eine Woche um ein Paar Dinge für das Boot einzukaufen und zoll- und steuerfrei zu tanken (50ct/ltr), und um einen günstigen Wettermoment für die Passage durch die Strasse von Gibraltar in den Atlantik abzuwarten. Neben unserem Liegeplatz liegt ein weiteres österreichisches Boot mit Robert und Veronika. Die haben etwa die gleichen Routenpläne wie wir.
3.6. Party, Party!
Ibiza erwartet uns. Zwar nicht gerade ungeduldig, weil für die knapp 50 Meilen Überfahrt brauchen wir 28 Stunden. Das deshalb, weil ich beschlossen hatte, ohne Motor, nur unter Segel zu fahren. Und 16 Stunden lang war dann halt gar kein Wind, dafür elendigliches Wellengeschaukel. Kleine Geduldsprobe. Aber wir haben ja schliesslich keine Eile, und sind letztendlich doch noch angekommen. Und gleich vorweg: es geht noch tiefer, viel tiefer!
Ibiza! Die Partyinsel! Clubs ohne Ende und immerfort die Superüberdrübermuke zum Abtanzen. Hier sind die angesagtesten Dietscheis am Schrauben und setzen neueste sogenannte Musiktrends, bzw. entwickeln nervige Klingeltongeräusche, wie ich es nennen würde. Das ist genau mein Fall, dafür bin ich hergefahren, da muss man doch dabeisein. Aber im Ernst: eigentlich liegt Ibiza halt gerade auf unserem Weg herum, und die Partykacke spielt sich sehr konzentriert in den grösseren Bade/Hotelbuchten ab. Abseits davon gibt es wenige vom Land aus schwer zugängliche Buchten. Dort kann man auch Ibiza kurz aushalten. Die Buchten sind leider allesamt nach Süden bis Osten offen. Zum Glück ist gerade ungewöhnlich ruhiges Wetter, zwar immer Südostwind, aber sehr schwach, sodass wir auch in ungeschützten Buchten übernachten können. So schön wie Mallorca oder gar Menorca ist die Küste hier aber bei Weitem nicht.
Ibiza Stadt. Das Zentrum der gruseligen Club- und Partywelt. Wenn da nicht die Altstadt wär, die UNESCO-Weltkulturerbe ist, hätten wir einen großen Bogen herum gemacht. Die wollen wir uns aber anschauen. Die Altstadt ist ganz nett, aber der ablolute Weltkulturwahnsinn isses dann auch nicht. Der Rest der Stadt: dreckig, drei sauteure Marinas im Hafen, Ankerverbot im Vorhafen, Ankern geht nur in einer Nachbarbucht mit Motorboot-im-Kreis-Fahrern, Jetski-im-Kreis-Fahrern und allem Weiteren, was Lärm macht und nach Benzin stinkt. Wassersport für Sportliche halt. Von da aus sind es 5km zu Altstadt, man geht durch eine eigene Hotel-Stadt. Dazwischen vierspurige Strassen. Kein Strand, kein Supermarkt, nicht einmal Souvenier- oder Fetzenläden – nur Hotels für zigtausende Gäste. Trotzdem sind die wenigen Strandabschnitte hier recht leer, die Hotelpools, die man einsehen kann ebenso. Wo sind die Massen, die mit den Fliegern im 2-Minutentakt über uns hereindonnern? Die fahren alle, und zwar tausende täglich, mit den Schnellfähren nach Formentura, die Sandstrandinsel südlich von Ibiza. Wir wollen uns das anschauen, drehen aber ein paar Meilen vorher ab, denn der Fährverkehr hier ist unerträglich. Wir sind umzingelt von 30-40 rasenden Motorbooten. Das hier ist der schlimmste Ort, den wir bisher besucht haben. Mir ist völlig unverständlich, dass da jemand freiwillig herkommt, um Urlaub zu machen. Gegen das hier war Mallorca erfreulichst angenehm, viel besser als ursprünglich erwartet. Wir verschwinden hier wieder nach bereits 4 Tagen in Richtung Festland. Auf der windlosen Überfahrt begleiten uns 5 Delfine eine Zeit lang.
3.5. zwei Wochen Badewetter
Während der Wartezeit hatten wir eigentlich geplant, alle Buchten auf der Südostseite abzufahren. Wir finden dann aber bald die Cala Mitjana und bleiben dort 5 Tage hängen. Die schmale Bucht ist tief in die Felsen eingeschnitten, rundum geschützt, mit Sandgrund, gleichmäßig 6m tief bis zum Rand, und hat am Ende einen kleinen Sandstrand. Es gibt kein Hotel, keine Siedlung in der Nähe. Die wenigen Badegäste müssen zu Fuß etwa 1 Stunde gehen um hier her zu kommen. Daher ist relativ wenig los, nur am Wochenende kommen tagsüber sehr viele Badegäste mit kleinen Motorbooten. Die meisten davon Leihboote, deren Fahrer völlig unbelastet von jeglichem bootsfahrerischem Verständnis wirr herumkurven und ihre Ankerleinen irgendwie nach einem undurchschaubaren höheren Plan in der Bucht verteilen. So ein kleines Motorboot hat ein Lenkrad wie ein Auto, verhält sich aber in jeder Hinsicht komplett anders, steuert hinten, und das erst unter Fahrt, und bleibt nicht einfach stehen, sondern dreht sich und wird von Wind und Strömung abgetrieben. Das haben die Wochenend-Kapitäne allesamt nicht kapiert. Trotzdem fahren die Verrückten hier mit 150 PS und mehr herum. Ganz bestimmt alles stolze Bootsführerschenbesitzer mit fundierter Ausbildung! Kleinere Kollisionen, ratlose Gesichter, sehr unterhaltsam für die anderen. Wir nennen es „Ankerfernsehen“ – zehn Mal besser als jedes Reality-TV. Der Wahnsinn hier ist echt.
Außen wird die gesamte Bucht von einem einzigen, mindestens 1 Quadratkilometer großen Privatanwesen umschlossen. Es ist ein großes Haus mit Pool und eine riesige, gepflegte Parkanlage. Ständig sprühen hunderte Rasensprenkler, 4 Gärtner kehren, jäten und schneiden ständig den Park, mindestens 10 weitere Hausangestellte wuseln im Gelände herum. Wer der Besitzer ist, konnten wir nicht herausfinden. Jedenfalls ist das mit Abstand die feinste und ruhigste Anker- und Badebucht, die wir bisher gefunden haben. Und das mitten in einem paradiesischen Garten.
Der sehnlich erwartete Wassermacher-Ersatzteil wird wie geplant pünktlich an die Gelateria Cucurucho am Hafen angeliefert und wird von uns abgeholt. Der Einbau ist unkompliziert und verläuft problemlos, das Ding funktioniert auf Anhieb. Endlich haben wir wieder jederzeit Trinkwasser in fast unbegrenzer Menge, ohne Flaschenschleppen vom Supermarkt.
Die weitere Route wählen wir entlang der Nordküste. Dort erhoffen wir uns mehr Ruhe als im extrem touristischen Süden. Die Wettervorhersage verspricht umlaufenden Schwachwind, Stärke 1 bis 2. Nach der Ausfahrt aus der Bucht bläst es böig mit 5 bis 6 Windstärken daher. Wir raufen ein wenig mit der Segeleinstellung herum. Bis alles passt und wir fein segeln könnten, ist der Spuk aber auch schon wieder vorbei, und wir motoren nach Sóller, dem einzigen Hafen an der Nordseite Mallorcas. Wir bleiben ein paar Tage und machen mit der historischen Bummelbahn von dort aus einen Tagesausflug ins 30km entfernte Palma. Die einstündige Fahrt geht durchs Gebirge, in Tunnels und über Brücken und zeigt uns ein bisschen vom Inneren Mallorcas. Der dreistündige Aufenthalt in Palma reicht aus, um den schönen Altstadtkern zu durchwandern. Die Hafen- und Strandbereiche der Stadt sind dagegen völlig uninteressant.
Bevor wir in Richtung Ibiza weiterfahren, wollen wir günstigen Wind abwarten, im Moment ist gar keiner. Wir Ankern in der Bucht vor Santa Ponsa auf der Westseite Mallorcas. Auf der Suche nach einem Supermarkt finden wir hier das „Cafe Katzenberger“ und das „Jürgen Drews Kultbistro“. Ein Traum! Wir sind endlich im Mittelpunkt des internationalen Jet-Set mit allen seinen Superpromis. Tiefer geht’s nicht mehr. Oder doch?
3.4. im Zentrum des deutschen Tourismus
Die Überfahrt nach Mallorca gestaltet sich recht ruhig. Ein angenehmer Segelwind bläst uns mühelos die 25 Meilen dorthin. Umso größer ist der Kulturschock. Waren in Menorca eher beschauliche Orte mit meist britischen, ruhigen Touristen die Regel, so sind wir hier mitten im Ballermann-Katastrophengebiet angekommen. Dabei ist hier das von Palma weitest entfernte, gegenüberliegende Ende der Insel! Viele, viele deutsche Touristen auf der Suche nach lautem Spasss, alle Geschäfte zuerst in Deutsch beschriftet, Lokale wie „Bierbrunnen“, „Roberts Treff“, „Heidis Schnitzelhütte“ usw. Die einheimischen Betreiber sprechen oft besseres Deutsch als viele der meist nicht mehr ganz nüchternen Gäste. Soll nicht heissen, dass alle Deutschen etwas komisch sind, aber alle komischen Deutschen sind auf jeden Fall hier. Ununterbrochen sind irgendwelche Ausflugsboote („Piratentour“ oder „Party Boat“, Getränke inbegriffen) mit ihrem grölenden und lallenden Frachtgut mit Vollgas entlang der Küste unterwegs. Fernab davon wollen wir trotzdem ein paar schöne und ruhigere Buchten finden. Die Touristenorte wollen wir nur zwangsläufig anfahren, wenn wir einmal was einkaufen müssen.
Es ist der 13.Juni, Geburtstag meiner Tochter Anna, und zugleich der erste Jahrestag unserer Reise. Wir werden daraufhin abends wohl ein Fläschchen Sangria umfüllen.
Heute zeigt der Dingi-Außenborder unterwegs plötzlich Leistungsabfall und dann völlige Dienstverweigerung. Als wir ihn nach dem Zurückpaddeln ins Schiff heben, tropft unten aus dem Kühlauslass ölige schwarze Pampe heraus und versaut das ganze Cockpit. Ich denke zuerst an austretendes Getriebeöl, das ist aber einwandfrei sauber und das Getriebe ist voll. Ein paar Stunden später, nach ausgiebiger Reinigung der Cockpitsauerei schau ich mir den Murl noch einmal genau an, und er funktioniert wieder problemlos und ohne Ölpampenspritzerei. Hatte wohl eine Qualle oder ein Nylonsackerl gefressen und daraufhin Verstopfung oder Blähungen oder sowas.
Unterwegs an der Ostküste erwischt uns ein Gewitter, wie wir es noch nicht erlebt haben. Wir sind Kleidungsmäßig auf ein 20min Sommergewitter eingestellt. Es schüttet dann aber 2 volle Stunden wie aus kübeln, dazwischen ein 20miütiger Hagelsturm vom Feinsten, sodass im Cockpit 3cm hoch Hagelkörner liegen. Wir sind nass bis auf die Haut und haben eiskalte Füße vom Stehen im Hagel. Zum Glück sind die Sturmböen nicht so schlimm, und der Blitz hat uns diesmal auch nicht gefunden.
Die nächste Woche müssen wir wohl hier im Raum rund um Porto Colom bleiben, obwohl die Möglichkeiten hier doch recht begrenzt sind, weil wir auf die Lieferung eines Ersatzteiles für den Wassermacher warten. In der Zwischenzeit liegen wir in verschiedenen Buchten oder schauen uns eine Tropfsteinhöhle an.
3.3 Endlich Ruhe nach dem Sturm
Draußen in der Ankerbucht vor Mahon lernen wir Edwin und Sybille aus der Schweiz kennen. Die beiden bieten Luxuskojencharter auf ihrem Katamaran KOCO an. Da sie im Moment keine Gäste haben, verbringen wir zwei Abende bei ihnen an Bord. Ein toller 52 Fuß Katamaran mit allen erdenklichen Luxusausstattungen, da wird den Gästen schon einiges geboten.
Der Dienstag-Sturm hält sich ziemlich an die Vorhersage und dauert wirklich nur einen Tag. Das reicht aber aus, dass die „Edelstahl“-Abstützungen des Generatormasts entgültig zerbröseln, und der Generator beinahe ins Meer kippt. Zum Glück bleibt er am heckseitig befestigten Beiboot hängen und wir können neue improvisierte Masthalterungen basteln, die wahrscheinlich länger halten werden als die Originalteile. Die gebrochenen Teile stammen aus dem teuren Original-Montagesatz, waren aber offensichtlich ein ziemlich wertloses Zeugs.
Am nächsten Morgen dann neue Aufregung: ein französisches Boot ist nahe unserem Ankerplatz auf Grund gelaufen und im schlammigen Sand stecken geblieben. Indem die „leichtgewichtigen“ Männer der umliegend ankernden Boote gemeinsam auf dessen Baum sitzend das Boot krängen, können wir es aber nach einigen Minuten frei bekommen.
Die folgenden Tage sind ruhig, warm und schwach windig, so können wir unseren Plan, Menorca im Norden zu umrunden, endlich umsetzen. Wir segeln täglich ein paar Stunden bis zur nächsten mehr oder weniger einsamen Ankerbucht und übernachten dort. Wir treffen jetzt auch öfter auf Boote, die wir schon kennen und die wohl die gleiche Route fahren wie wir. Endlich einmal kein Wetterstress, kurze Fahrtstrecken und entspannende Aufenthalte. So macht’s dann auch wieder richtig Spass.
Die Rundfahrt über den Norden Menorcas bietet eine wilde Felsküste und dazwischen immer wieder schmale, gut geschützte Buchten, die hinter der ersten Sanddüne überraschend sanfte Waldhügel, Flußauen und Ackerland aufweisen. Ausgiebige Wanderungen lohnen sich da immer wieder.
In Ciutadella an der Westseite Menorcas bleiben wir zwei Tage vorm Hafen am Ankerplatz. Der ganze Ort liegt auf einem ca 10m hohem Felssockel mit steilwandigen befahrbaren Einschnitten, die ca 6-10m tief sind. Wie ein Pool. Obwohl unmittelbar vor der Stadt gelegen ist der Abkerplatz auch zum Baden geeignet. Die Stadt ist hübsch und gepflegt, und sehr stark von Touristen frequentiert.
Danach schauen wir uns noch ein paar kleine Badebuchten auf der Inselsüdseite an. Da sind ein paar traumhaft schöne Badebuchten ohne Bebauung und ohne Zufahrt. Erstaunlicherweise auch ohne Mobilfunkempfang, obwohl dort recht viele Touristen unterwegs sind. Diese kommen tagsüber zu Fuß von den etwa 3km entfernten Orten zum Baden, abends und nachts sind wir dort allein, mit höchstens ein oder zwei anderen Booten. Einzig negativ ist hier der ständige starke Schwell von Süden, der trotz sehr wenig Wind entsteht, und voll in jede Bucht hineisteht. Das bedeutet ständig starkes Geschaukel – Tag und Nacht. Mitte der Woche soll ein wenig Wind kommen, der uns hoffentlich nach Mallorca hinübertreibt.
3.2. Haltet den Dieb!
Die Windvorhersagen werden immer grausiger. Ursprünglich war ein kurzer Sturm nur für Donnerstag Nacht angekündigt, der allerdings erst am Samstag kam, und nach dessen Ende sofort das nächste und nächste und nächste Sturmtief aus dem Golf von Lyon herunterkommt. Immer mit Windstärke 8. Mittlerweile soll der Nordsturm nicht bevor 10 Tagen enden. Täglich kommen zwei neue Sturmwarnungen für dieses Gebiet am Navtex herein. Am Freitag ist an der unweit gelegenen Küste von Formentera ein Boot verunglückt, es gab sogar Todesopfer. Das komplette westliche Mittelmeer ist derzeit langfristig von Stürmen zugesch….. Wir müssen im Hafen bleiben. Trifft sich eh gut, denn gestern hat man uns beide Fahrräder geklaut. Die inzwischen ziemlich verrosteten Billigfahrräder! Herzlichen Glückwunsch dem Dieb! Sie waren hinterm Boot auf der Mole abgesperrt abgestellt gewesen. 8 Monate lang in Italien haben die Dinger niemanden interessiert, nach 3 Tagen in Spanien sind sie weg. Hätt‘ ich nicht gedacht. Viel Hoffnung hat uns die Polizei bei der Meldung aber nicht gemacht, obwohl hier alles mit Videokameras überwacht wird. Einen der Hafentage nutzen wir, um gemeinsam mit unseren britischen Liegeplatznachbarn einen Ausflug nach La Mola zu machen. Das liegt am Buchteingang nach Mahon und ist eine riesige Festungsanlage aus dem 19.Jhd. So gewaltig groß, dass wir darin fast 3 Stunden lang herumwandern können. riesige Hallen, tiefe Gräben, meterdicke Mauern, Gänge, Kanonenstellungen ohne Ende über mehrere Stockwerke, mittendrin Unterkünfte für tausende Soldaten.
In der nächsten Woche findet hier eine Regatta mit Superluxusyachten statt (Wally-Klasse und Maxi 72-Klasse). Einige Teilnehmer sind bereits da und liegen unweit von uns an der Mole. Jede einzelne Yacht ist ungefähr 3 bis 4x so lang wie unser Schiff, und etwa 40x so teuer. Bisher sind schon ein paar Luxusyachten angekommen:
Gesehen und bestaunt, die Wally-Yachten „Magic Carpet 3“ (100ft), „Sensei“ (94ft), „Ryokan“ (80ft), „Galma“ (94ft), „Y3K“ (100ft), „J-One“ (80ft), „Open Season“ (100ft), „Lyra“ (100ft), „inti“ (80ft), „Kenora“ (107ft),
deneben noch „Song of the Sea“ (Swan 112ft), „Nirvana“ (Vitters 186ft)
und ein paar reinrassige Rennschüsseln:
„Momo“, „Jethou“, „Shockwave“ und „Robertissima 3“ (Maxi 72ft),
sowie die australische „Wild Thing“, (100ft), die mit umgelegtem Mast und einem Loch im Heckspiegel einläuft. Keine Ahnung, was die unterwegs getrieben haben.
Die Sturmwarnungen am Navtex lauten seit 7 Tagen immer gleich: Menorca Nordwest oder Nord, 8Bf, Golf von Lyon Nordwest, 8-9Bf, ohne die geringste Spur von Besserung. Heute Freitag, an unserem 9. Hafentag müssen wir und auch unsere Nachbarn raus aus dem Hafen, in die Ankerbucht, weil unsere Liegeplätze für die weiteren Regattaboote vorreserviert sind. Der Sturm soll laut Vorhersage ab heute am Abend schwächer werden, und ab morgen Abend überhaupt aufhören. Vorläufig. Bis nächsten Dienstag. Wir werden sehen.
3.1. Ankunft in Spanien
Ein ruhiges Wetterfenster von 4 Tagen kündigt sich an, wir nutzen es für die Überfahrt nach Menorca. Es ist dann wirklich so ruhig, dass wir die meiste Zeit unter Maschine fahren müssen. Wir treffen unterwegs auf keine anderen Schiffe, dafür werden wir am Morgen nach der ersten Nacht von gut gelaunten, springenden Delfinen umringt, die uns fast eine halbe Stunde lang begleiten. Nach 50 Stunden durchgehendem Motorgebrumme, aber wenigstens ohne Wetterstress laufen wir in Mahon (Mao), der Hauptstadt Menorcas ein. Mahon spricht man „Majo“ und ist der Erfindungsort der Majonaise. Kein Scherz. Die Stadt liegt in einer tiefen, verzweigten Bucht. Leider gibt es keine Ankermöglichkeit nahe der Stadt, daher fahren wir in eine Marina. Wir finden einen halbwegs preisgünstigen Platz. Dort wollen wir abwarten, denn es ist für das Wochenende schon wieder Nordsturm mit Stärke 9 angesagt. So bleibt wenigstens Zeit, die Umgebung ausgiebig zu durchstreifen. Die Stadt ist ganz nett, eher touristisch ausgerichtet, aber nicht außergewöhnlich sehenswert. Ein bisschen Umgewöhnung ist erforderlich: Buenos Dias statt Buon Giorno, Holla statt Salve, Adios statt Arrivederci. Die Siestagebräuche sind gleich wie in Italien, der Strassenverkehr ist viel weniger chaotisch, und es sprechen viele ganz gut Englisch, zumindest einmal hier in Menorca. Täglich erreichen ein bis zwei Kreuzfahrtschiffe den Hafen, und anschließend strömen immer Massen von freigelassenen Kreuzfahrttouristen an unserem Liegeplatz vorbei. Abends ist der Spuk vorbei, und es wird ab 10Uhr ziemlich ruhig in den Strassen. Damit es nicht ganz fad wird, gibt die Fäkaltankpumpe den Geist auf. Die Reparatur, der Aus- und Einbau dauern gut 4 Stunden, kopfüber hängend in einem winzigen Schacht, wo man grade mit einem Arm reinkommt. Fäkalschläuche ab- und anschrauben. Meine Lieblingsstellung. Ich verfluche das Boot, bzw. denjenigen, der diese Pumpe irgendwann nachträglich in der bescheuertsten Position, die zu finden war, eingebaut hat. Natürlich sind alle Kabel und Schlauchanschlüsse nicht 1mm länger als unbedingt notwendig. So macht Basteln richtig Freude. Die erfolgreiche Kloreparatur tröstet ein wenig darüber hinweg, dass der Sturm um 2 Tage zu spät kommt, aber dafür 2 Tage länger als vorhergesagt dauert. Daher müssen wir 5 Tage in der Marina abwarten, weil am Ankerplatz vor der Stadt fönt es mit 45 Knoten drüber, wie uns Briten berichten, die von dort geflüchtet sind, und sich gerade neben uns in den Hafen gelegt haben.
Das westliche Mittelmeer ist wettermäßig im Frühjahr ganz schön garstig. Die Vorhersagen sind dermassen unsicher, was eine Vorausplanung ziemlich schwierig macht.
2.22. Die Italienzeit geht zu Ende
Nach Sturmende laufen wir in Richtung Süden aus. Unterwegs werden wir über längere Zeit von Delfinen begleitet, und wir fahren mehrmals durch riesige Kolonien mit Millionen kleiner Segelquallen. Es ist zwar leichter Südwind angekündigt, aber wir haben beschlossen trotzdem dagegen aufzukreuzen. Bis Arbatax geht das auch ganz gut, dann werden aus dem „Leichtwind“ doch wieder 25 Knoten und eineinhalb Meter Welle. Das macht die extrem schmale und winkelige Hafeneinfahrt von Porto Corallo ziemlich spannend. Der Bug taucht mehrmals so tief in die steile Welle ein, dass Karoline vorne knietief im Wasser steht. Es geht dann aber alles gut, und wir bleiben dort 3 Tage, bis der Südwind aufhört. Nach über 100 Meilen Aufkreuzen haben wir wieder eine Zeit lang genug davon. Von Porto Corallo aus machen wir einen ganztägigen Radausflug ins Landesinnere nach Villaputzu.
Sobald es ruhiger wird legen wir ab in Richtung Cagliari, mit einem Zwischenstopp in einer schönen, flachen, sandigen Ankerbucht. In Cagliari wollen wir dann auf günstige Wetterbedingungen für die dreitägige Überfahrt auf die Balearen warten. Außerdem treffen wir hier Freund Michael auf seinem Segeltörn. Michael wollte uns eigentlich ein paar Kleinteile mitbringen. Leider hat seine Reisetasche einen anderen Flieger genommen und ist bis jetzt noch nicht wieder aufgetaucht.
Der Aufenthalt in Cagliari dauert eine Woche. Wir liegen in einer etwas gammeligen, aber gemütlichen und billigen Marina. Hier sind kaum Tagesgäste, dafür aber viele Langfahrer wie wir. Eine recht eigentümliche Gemeinschaft. Wir verbringen die Zeit mit vielen Besichtigungen – Gott sei Dank haben wir die Räder mit, weil die Stadt ist ziemlich groß. Am Stadtrand gibt es einen riesigen Naturpark in einer Salzmarsch. Dort leben unzählige Flamingos, die in eindrucksvollen Formationen immer wieder über die Stadt fliegen. Ein bisschen Stress bekommen wir auch, weil der Bord-Laptop plötzlich verreckt. Der erste Reparaturversuch scheitert leider: die gebrauchte Austausch-Festplatte gibt nach 2 Tagen ebenfalls den Geist auf. Der zweite Versuch ist (bis jetzt jedenfalls) erfolgreich, dank Luca, dem cagliarischen Computerdoktor, der dafür eine Nacht durcharbeitet. Das ist auch der Grund, warum dieser Blogbeitrag ein bisschen verzögert erscheint.
2.21. stürmische Hafentage
Die 19 Grad waren eine Eintagsfliege, und zum Baden auch viel zu kalt, denn der angesagte Leichtwind hatte dann doch wieder einmal 20 Knoten, und da fühlen sich 19 Grad an wie 13. Also wieder einmal Pullover und Windjacke statt Badehose. Für die folgende Woche ist dann ein unfreundliches Sturmtief mit Windstärken um 10 angesagt. Daher werden wir das schöne Buchten- und Ankergebiet leider verlassen müssen, und in einen sicheren Hafen weiter südlich flüchten. In La Caletta bleiben wir 5 stürmische Tage. Wir machen ausgedehnte Radausflüge nach Siniscola, Posada und ins umliegende flache Salzmarschland. An den heftigsten Sturmtagen ist teilweise so viel Gegenwind, dass man mit dem Rad nicht mehr dagegen anfahren kann. Das Schiff im Hafen bekommt mehrmals extreme Schräglage, sodass die Teller vom Tisch rutschen. Das Hafenwasser brodelt, und die Gischt paniert das ganze Schiff mit einer Salzkruste. Wir hoffen, dass die Festmacherleinen das elende Gezerre aushalten. Meine Windallergie nimmt wieder deutlich zu.
P.S. Im Register „Route“ haben wir die aktuelle Strecke ab Winterlager nachgezeichnet.
2.20. einsame Costa Smeralda
Es ist Wärmer und ruhiger geworden. Wir segeln im Maddalena Archipel kreuz und quer herum, je nach aktueller Windrichtung, und bleiben jede Nacht in einer anderen Bucht. Die ganze Inselgruppe ist eindeutig und mit Abstand das schönste Segelrevier, das wir bisher in Italien gefunden haben. Ein besonders schöner Platz ist die Bucht Porto Palma auf der Insel Caprera, die wir bei einem Radausflug von Maddalena bereits von Land aus entdeckt haben. Caprera ist mit einem Damm mit Maddalena verbunden. Es ist kaum bewohnt, hat aber viele Wander- und Radwege, und traumhaft schöne flache Buchten mit Sandstrand und großen knuffigen, runden Felsen zwischendrin.
Ein Badeversuch meinerseits in einem der wenigen windstillen Momente wird wegen grausamster Wassertemperatur nach einer halben Minute abgebrochen. Wahrscheinlich sind deshalb noch so wenige Touristen da…..
Das relativ stabile Hoch der letzten paar Tage bricht jetzt zusammen. Das bedeutet mehrere Winddreher in alle Richtungen täglich. Auch nachts. Somit ist es schwierig einen sicheren Ankerplatz zu finden, denn bis abends schaut alles schon wieder ganz anders aus. Nach dem ersten nächtlichen Gewitter verlassen wir den La Maddalena Archipel und starten entlang der Ostseite Sardiniens in Richtung Süden. Erst einmal besuchen wir Porto Cervo. Ein Ferienort für Reiche und Prominente. viele sehr schöne Luxusvillen in tollen Gärten zum Vermieten (zwischen 10.000 und 100.000 Euro/Woche). Mittendrin der berühmte Yachtclub Costa Smeralda. Der ist allerdings ein hässlicher moderner Gebäudekasten, und verschandelt eigentlich die ganze Bucht. Im Sommer spielt es sich dort ab, mit JetSet und Superyachten und Designer-Outlets und was man halt so braucht. Jetzt aber ist alles leer. Im Hafen liegen nur ganz wenige Boote, in den Villen bereiten tagsüber Gärtner und Bauarbeiter alles für die Saison vor. Abends wird es still und es ist wie ausgestorben. Alles ist sehr schön hergerichtet, wirkt aber total unecht. Hier wohnt jetzt niemand. Am Abend ist es wie in Disneyland nach Betriebsschluß. Hier an der Costa Smeralda stehen sehr viele Hotels und Ferianappartments am Strand. Die meisten sind hübsch und niedrig mit schönen Parkanlagen rundum, und fügen sich wenig störend in die Landschaft. Es gibt viele Buchten und auch Yachthäfen, aber eben kaum richtige bewohnte Dörfer. Alles ist auf Touristen ausgerichtet, aber zur Zeit leer und nachts dunkel. Keine offenen Restaurants, kaum Supermärkte, alles ist noch zu. Wir können uns vorstellen, dass diese wunderschöne Gegend in der Saison ziemlich unerträglich vollgestopft sein muss. Jetzt teilen wir das alles nur mit 2 oder 3 anderen Segelbooten täglich. Vereinzelt sehen wir Touristen einsam am Strand sitzen – baden wollen die aber kaum. Morgen soll es laut Wettervorhersage sogar einmal 19Grad(!) erreichen.
2.19. kein Frühling, dafür 100% April
Die erste Nacht auf Sardinien ankern wir in einer schmalen Bucht bei Westwind mit gut 30 Knoten. Der Wind heult mächtig, aber das Wasser ist ruhig und wir liegen sicher. Am nächsten Tag kommt Regen und der Starkwind dreht auf Nordost. Ganz schlecht für uns. Wir flüchten daher ins nahe gelegene Städtchen Palau. Ein moderner Touristenort ohne besondere Sehenswürdigkeit. Wir entdecken jedoch einen netten kleinen Park mit einer Art Steingarten, der jetzt im Frühling sehr schön blüht. Appropos Frühling: Der Sturm weht zwei Tage lang mit 25 Knoten aus Nordost, es hat 9 Grad, trotz Sonnenschein ist es schweinekalt. Am nächsten Tag vormittags Starkregen, Sturm, 5Grad. Die frühe Jahreszeit hat den Vorteil, dass niemand unterwegs ist und man in vielen Häfen gratis liegt, weil die Büros noch gar nicht besetzt sind. Nachteil ist, dass es saukalt ist und das Wetter sich alle paar Stunden völlig ändert – nur leider nicht zum Besseren. Jetzt gerade liegen wir im Zentrum eines Hochs. Das hindert den Wind, vorhergesagt mit 15Knoten, jedoch nicht daran, dann doch mit 25Knoten zu blasen. Zusammen mit schlecht haltendem Ankergrund in der Bucht unserer Wahl heißt das wieder einmal: Flucht vor dem Wetter in eine andere Bucht. Wenigstens ist die Auswahl an Ankerbuchten hier im Maddalena-Archipel einigermaßen üppig. Auch hier besteht alles aus Naturschutzgebieten, die nach entsprechender Bezahlung dann keine wirklichen mehr sind. Jetzt in der Vorsaison ist das Befahren jedoch noch gratis. Der nächste Tag ist ruhig, wir verbringen ihn in einer ziemlich einsamen, türkisfarbenen Ankerbucht. Tags darauf müssen wir wieder aus der nächsten Ankerbucht flüchten, weil Starkwind kommt und der Anker wieder rutscht. Das Wochenende verbringen wir dann im Stadthafen von Maddalena. Liegeplätze sind jetzt noch genügend vorhanden, dazu billig. Das Wetter beruhigt sich jetzt ein bisschen, und es sollte auch etwas wärmer werden.
2.18. von Rettungsinseln und Küchenzubehör
Nach 3 Tagen Regen präsentiert sich Elba nun von seiner besseren Seite. Wir spazieren durch die Stadt Portoferraio. Es gibt dort einen sicheren Hafen, 3 Burganlagen und die Villa vom Herrn Napoleon, der dort ein paar Jahre Ferien gemacht hat. Eine Burg können wir besichtigen, die beiden anderen sind noch geschlossen. Es ist halt noch sehr früh in der Saison. Obwohl dort neben einigen überwinternden Bootfahrern offenbar schon ein paar Touristen unterwegs sind. Eigentlich würden wir gerne noch länger bleiben, aber der Wind soll in den nächsten Tagen nach West drehen, und genau dort wollen wir hin. Wir nutzen ein Wetterfenster mit Nordwind um auf Halbwindkurs eine Überfahrt nach Korsika zu starten. Auf halber Strecke zeichnen sich am Horizont 4 schneebedeckte Bergriesen ab. Fein! Der Winter ist noch nicht ganz vorbei. Am Abend machen wir im Ort Bastia im Hafen der Einheimischen fest. Alle sind sehr freundlich, sprechen aber leider nur französisch. Wir nicht. Im Hafeneinfahrtsbereich sehen wir den ersten Badenden der Saison. Ein Verrückter. Wassertemperatur 17 Grad. Wir fahren mit dickem Pullover und Windjacke bekleidet an ihm vorbei. Der nächste Tag führt uns entlang der Ostküste, leider ganz ohne Wind, motoren wir 10 Stunden gemütlich aber fade dahin. Am nächsten Tag ist wieder Wind zum Segeln. In der Einfahrt nach Porto Vecchio wird es ziemlich heftig. Es bläst dort mit 30-45 Knoten aus der Bucht entgegen. Wir fahren mit Maschine, müssen aber dazu ein Segel setzen und aufkreuzen, weil die Maschine alleine keine Fahrt mehr macht. Sehr giftiger Wind und Welle, sehr nass, sehr ungemütlich. Hier am flacheren Südende Korsikas spürt man jetzt den Weststurm mit Stärke 10, der auf der anderen Inselseite bläst. Bis jetzt waren wir durch die hohen Berge abgedeckt. In Porto Vecchio lernen wir Volker und Vera aus Düsseldorf kennen, die gerade ein Boot übernehmen. Ich kann ihnen ein bisschen bei der Inbetriebnahme behilflich sein. Da sie ihre Rettungsinsel zum Service nach Ajaccio bringen müssen, nehmen sie uns am nächsten Tag mit ihrem Auto auf eine ausgiebige Inselrundfahrt mit. Die Insel bietet großartige Landschaften, von flachen Küstenstreifen über hügelige Gebiete, hin zu Almen wie daheim, und hochalpinem Gebieten mit 2800 Metern Seehöhe. Tolle Eindrücke!
Die Adresse der Rettunsinselwartung erweist sich als Küchengeschäft. Die machen keine Rettungsinselwartung. Nach einigen Telefonaten kommt uns der Rettungsinseltechniker abholen, und bringt uns zum neuen Standort seiner Werkstatt.
Nach Ende des Nordwest-Sturmes besuchen wir Bonifacio am Südwestzipfel Korsikas. Die Stadt liegt am Ende eines 2km langen, schmalen Einschnittes mit hohen Sandsteinwänden. Umgeben von einer riesien Festungsmauer ist die Stadt am Berg aber von außen betrachtet eindrucksvoller als von innen. Eigentlich wollen wir dort das ganze Osterwochenende bleiben, aber die Wettervorhersage kündigt für danach sehr ungünstige Winde zum Weiterfahren an. Daher wechseln wir einen Tag früher nach Sardinien über, wo wir das neuerliche Mistwetter – wieder einmal Sturm von West, Regen, dann Starkwind von Nordost – in verschiedenen Buchten aussitzen wollen.
Langsam nervt das dauernde Sch….wetter, es könnte ruhig einmal länger als 2 Tage durchgehend ruhig und schön sein!
Der Inselarchipel im Nordosten Sardiniens ist natürlich „Naturschutzgebiet“, in dem fast alles verboten ist: Fahren, Ankern, Angeln, Tauchen usw. Es sei denn, man bezahlt genügend Bares an die „Naturschutzbehörde“, dann ist das mit dem Naturschutz doch wieder nicht sooo streng. Aha. Wir sind noch vor Mai hier, da sollte der Aufenthalt noch frei sein. Wir werden sehen!
2.18. die neue Saison beginnt
Unsere Nachbarn zur Linken, Evans und Rebecca, sind bereits zwei Wochen vor uns von Gaeta in Richtung Westen aufgebrochen. Die Nachbarn rechts von uns, Lasse und Marianne, werden noch ein bisschen dort bleiben, bevor sie nach Griechenland losfahren. Wir lösen die Leinen am 19.März, genau 5 Monate und 1 Tag nach unserer Ankunft hier. Es ist gar nicht so leicht, hier wegzufahren. Man ist völlig sorgenfrei, der Liegeplatz im Voraus bezahlt, Einkaufsmöglichkeiten bequem erreichbar, Strom und Wasser am Schiff. Und vor allem Sicherheit bei jedem Wetter. Der Winter war doch länger und ungemütlicher als vorerst gedacht. Aber jetzt fahren wir bei Südostwind und sehr nach Regen aussehendem Wetter nach Nordwest mit dem Ziel Elba. Einmal nächtigen wir unterwegs am Anker, werden dort aber um 4 Uhr Früh durch Wind und starken Schwell vertrieben. Während der Fahrt können wir eine partielle Sonnenfinsternis gut beobachten. Unterwegs landen mehrmals kleine Vögel am Schiff und bleiben zum Kräftesammeln einige Minuten sitzen. Die Vorbeifahrt an Ostia, dem Hafen und Badeort Roms, ist ein wenig gruselig. Das klare blaue Wasser färbt sich von einem Moment zu anderen zu schmutzig-trübe-grün-braun, wenn der Tiber ins Meer strömt. Es stinkt nach Waschmaschinenabwasser. In Rom selbst hat der Fluss gar nicht so verschmutzt ausgeschaut. Die Landschaft dort ist auch nicht gerade berauschend, deshalb sind wir froh, in Gaeta überwintert zu haben und nicht in Rom, wo wir ebenfalls Liegeplätze angefragt haben. Nach 2 Tagen Fahrt, fast ausschließlich unter Segel, bei Raumwindkurs und zwischendurch 2 Meter hohen Wellen erreichen wir Giglio. Die Insel hat durch das Schiffsunglück der Costa Concordia 2012 traurige Berühmtheit erlangt. Immer noch stehen vor der Unglücksstelle Bergeplattformen, die die Spuren der Bergungsarbeiten beseitigen. Das Wrack ist ja schon seit letztem Herbst weg. Porto Giglio ist ein sehr putziger kleiner Hafen. Jetzt in der Vorsaison angenehm ruhig und gratis. Nachdem eine Gruppe Regattaboote den Hafen verlassen hat, ist er plötzlich leer, und wir können längsseits am Pier festmachen. Wir bleiben dort drei Nächte, spazieren durch das noch verschlafene Örtchen und machen auch einen Ausflug nach Giglio Castello, ca. 6 km entfernt, hoch am Berg, eine befestigte kleine Stadt. Hinfahrt mit dem Bus, Rückweg zu Fuß auf einem uralten Fluchtweg vom Hafen zum Castello.
Von Frühling keine Spur, 4 Tiefdruckgebiete zugleich über dem Mittelmeer ärgern uns täglich von einer anderen Seite.
Nach einer weiteren Tagesfahrt kommen wir in Elba an, und die Insel begrüßt uns mit einer fetten Regenfront, die 24 Stunden lang auf uns niedergeht. Wir warten besseres Wetter in einer Bucht ab, bevor wir uns der weiteren Inselbesichtigung widmen können. Da der Wind ungünstig dreht, müssen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit den Platz verlassen, und flüchten bei Starkregen, 20 Knoten Gegenwind und 2 Meter Wellen in den nächsten Hafen. 3 Stunden recht abenteuerliche Fahrt. Am nächsten Morgen fahren wir dann bei ruhigem Wetter in den Haupthafen Portoferraio. Da sind wir jetzt. Mehr darüber im nächsten Bericht.
2.17. langsam wird es Frühling – auch in Rom
Nach einer mehrwöchigen Schlechtwetterphase mit Sturm und tagelangem Dauerregen wird es nun langsam ein bisschen frühlingshafter. Wir nutzen die schönen Tage für Außenarbeiten am Schiff, und bauen ein paar neue Sachen ein. Das zweite Solarpaneel wird am Gerätebügel mit dem bereits vorhandenen verschraubt und verkabelt. Der Verstellmechanismus wird auf das neue, jetzt doppelt so große Paneel angepasst. Damit sollte der Energiebedarf ausreichend gedeckt werden können. Das Sonnenverdeck, das durch die Montage des Gerätebügels die Fähigkeit zum Wegklappen verloren hat, wird ein bisschen umgebaut. Jetzt kann man es wieder bei Sturm wegklappen und so die Angriffsfläche reduzieren. Das Vorsegel wird generalüberholt, einige ausgefranste Nähte und der UV-Schutz werden ausgebessert. Das macht Vittorio, italienisches Mitglied des America’s Cup Teams Oracle, der hier zu Hause ist. Einige Leinen des Hauptsegels werden ebenfalls erneuert, die sind schon ziemlich verschlissen. Aus einem angeschwemmten 3m-Stück PVC-Wasserleitungsrohr bastle ich wunderbare Leinenabweiser für die Wanten. Die sollen beim Wenden verhindern, dass die Vorsegelschoten gerne daran hängen bleiben. An der Kühlbox wird die Isolierung verbessert, um den Stromverbrauch zu senken. Im Cockpit werden 4 neue verbesserte Fallenstopper montiert, dazu muß die gesamte Deckenverkleidung im Salon und im Bad abgebaut werden. In der Bilge bauen wir zur Hebung der Sicherheit eine zweite, elektrische Pumpe zusätzlich zur vorhandenen Handpumpe ein. Das dauert mit Verlegung der Schläuche und der Anschlusskabel zwei Tage. Dazu müssen viele Bodenbretter und die halbe Heckkabine abgebaut werden. Aber wir haben ja sonst nix zu tun. Ausser:
Bildungs und Kulturreise nach Rom.
Mit dem Zug sind es knapp eineinhalb Stunden. Wir haben ein Bed&Breakfast Zimmer sehr günstig für vier Nächtigungen gefunden. Es liegt in einer Privatwohnung, ist winzig, kaum größer als das Bett. Bad und Klo ist auch dabei, und sogar eine Kochgelegenheit mit Geschirr und Kühlschrank. Damit kann man sich die unverschämten Restaurantpreise in Rom ersparen. Man kauft im Supermarkt ein und kocht selber.
Zur Stadtbesichtigung kaufen wir einen 3-Tages-Pass. Der beinhaltet einige Eintritte sowie freie Fahrt mit allen Bussen, Bim’s und U-Bahnen. Trotzdem gehen wir ziemlich viel zu Fuß, sodass wir am Abend immer völlig fertig ins Bett fallen. Den ersten halben Tag nutzen wir zum Bummeln durch den Stadtkern, ohne noch irgendwo hineinzugehen. Am zweiten Tag geht es gleich in der Früh zum Kolosseum. Sehr beeindruckend und riesig. Leider ist aussen die halbe Seite wegen Bauarbeiten eingerüstet. Gleich daneben geht es dann auf den Palatin. Der ganze Berg ist mit antiken Gebäuderesten übersät. Man hat von dort oben eine gute Aussicht über die Stadt, muss dafür aber ganz schön weit gehen, um auf allen Seiten hinunterschauen zu können. Auf einer Seite liegt der Circus Maximus, auf der anderen sieht man sehr gut von oben in das Forum Romanum hinein, das wir anschließend auch noch durchwandern. Dann erfolgt noch ein Besuch des Pantheon mit seiner einzigartigen altrömischen Betonkuppel mit 43 Metern Durchmesser und dem 9 Meter „oculum“ ganz oben in der Mitte, einem Loch, wo’s reinregnet.
Der dritte Tag ist für den Petersdom vorgesehen. Um 7 Uhr aufstehen, um früh genug dort zu sein, und sich das lange Anstellen zu ersparen. Tatsächlich warten wir nur 15 Minuten in einer 20 Meter-Schlange vor der Sicherheitskontrolle am Eingang. Zwei Stunden später, wenn wir wieder herauskommen, wird die Schlange 400 Meter lang sein und rund um den ganzen Petersplatz reichen. Der Petersdom ist innen grandios und riesig, fünfschiffig, elendslang, elendshoch, mit 2 mächtigen Querschiffen, und mitten drin die 42 Meter breite doppelwandige Kuppel, darunter ein 30 Meter hoher Baldachin, der unter der Riesenkuppel trotzdem putzig klein wirkt. Ansonsten noch 10 kleinere Kuppeln, 44 Altäre, hunderte Statuen, und Marmor und Fresken, dass die Hälfte genug wär. Extrem beeindruckend. Die große Kuppel kann man über mehr als 500 Stufen besteigen. Der überhängende Innenbalkon am Kuppelansatz in ca. 60 Meter Höhe bietet für Menschen mit Höhenangst einen knieerweichenden Ausblick in den Kirchenraum. Ganz oben gibt es dann einen Rundgang, der einen großartigen Ausblick über den Vatikan und die Stadt bietet.
Vor dem Dom und vor allen Sehenswürdigkeiten, wuseln hunderte extrem aufdringliche Smartphone-Selfie-Teleskopstick-Verkäufer herum. Die sind wirklich lästig, und laufen einem nach, auch wenn man offensichtlich gar kein Smartphone hat, weil normalen Fotoapparat umgehängt. Und obwohl man gerade unmittelbar vorher einen abgewimmelt hat, springt sofort der Nächste daher und hält einem die blöden Dinger vor die Nase. Da könnt‘ ich schon manchmal ein bisschen aggressiv werden.
Nach dem Petersdom schauen wir noch am Vatikanischen Museum vorbei. Dort ist die Warteschlange lang. Die „Skip the line“-Ticketverkäufer, die zum 4-fachen Ticketpreis ein Hineinkommen ohne Wartezeit als Gruppe versprechen, ignorieren wir. Stattdessen wollen wir am nächsten Tag früh genug kommen, wie es sich auch beim Petersdom bewährt hat. Wir schauen uns dafür die Engelsburg am Tiber an, eine Schutzburg für Päpste, mit Verbindungsgang zum Vatikan, und prunkvollen Gemächern im Oberteil. Aber auch massive Burganlagen im unteren Teil. Ein toller Überblick über die Stadt und den Fluß ergibt sich von der Dachterasse aus.
Am dritten Tag in aller Früh, 40 Minuten vor der Öffnung der Vatikanischen Museen sind wir wieder da. Die Schlange ist jetzt überschaubar lang, und nach knapp einer Stunde sind wir drin. Ein riesiges Museum mit unzähligen Schätzen, alten Karten und Statuen. Höhepunkt ist natürlich die Sixtinische Kapelle, von aussen unscheinbar, innen aber mit Fresken Michelangelos, sowie der berühmtesten italienischen Maler rundum bemalt. Der ca. 40×15 Meter große Raum ist so voll mit Menschen, dass man eigentlich drin nicht umfallen kann. Wie in der U-Bahn. Aber das Sehenswerte spielt sich zum Glück oben ab.
Nach dem Vatikan erfolgt der Besuch der Diokletian-Thermen, einem Museum in einer riesigen antiken Römischen Badeanlage und der Kirche Santa Maria degli Angeli mit einer interessanten, 60 Meter langen Skala im Fußboden: Zu Mittag wird durch eine kleine Öffnung in der Decke ein Lichtpunkt erzeugt, der den Sonnenstandswinkel anzeigt.
Am fünften Tag besuchen wir noch das Museum im Palazzo Massimo, in dem schöne Mosaikböden, Wandbemalungen und Teile Römischer Villen ausgestellt sind. Dazu noch ganze Etagen voller Statuen und ein Tresorraum mit wertvollen Münzen.
Unterwegs zu den großen Sehenswürdigkeiten kommen wir zwischendurch noch an unzähligen Kirchen, Palästen und Plätzen vorbei: Santa Maria Maggiore und San Giovanni in Laterano, neben dem Petersdom weitere gewaltige Hauptkirchen Roms, dann Santa Maria in Cosmedin mit dem berühmten Bocca della Verita. Dann am Piazza Navona mit den 3 Brunnen und die Santa Agnese in Agone. Dann ist da noch die Sant Andrea della Valle und eine Reihe weiterer kleiner Kirchen. Ein kurzer, nicht lohnender Vorbeigang am Trevibrunnen, der gerade wasserlos und zwecks Renovierung eingerüstet ist. Piazza del Popolo mit Santa Maria del Popolo. Spanische Treppe mit 1000 Leuten, die drauf herumsitzen. Dort muß man anscheinend gesessen sein. Wir steigen nur darüber hinauf zur Kirche Trinita dei Monti, besichtigen auch noch die Cestius-Pyramide, den Piazza della Republica mit den Diokletian-Thermen, weiters die Santa Maria della Vittoria, sowie die Kirche Il Gesu. Ebenfalls besucht das Capitol mit dem Rathaus und Museen.
Nach 5 Tagen kehren wir zufrieden, aber müde und ausgelatscht zum Schiff zurück.
2.16. Urlaub vom Meer
Jeder braucht einmal Urlaub. Auf so einer anstrengenden Seereise überhaupt. Deswegen packen wir die Zahnbürsten ein und fahren für drei Wochen heim nach Österreich. Mit dem Nachtzug recht günstig, für knapp 50 Euro pro Person ist man dabei. Es dauert allerdings inklusive einem Mal umsteigen etwa dreizehn Stunden. Normalerweise. Die Abfahrt in Rom ist jedoch schon um eine Stunde verspätet, und in Friesach ist dann überhaupt Schluß, weil die Strecke wegen eines Murenabgangs blockiert ist. Von dort fahren wir mit einem Ersatzbus mehr als zwei Stunden nach Bruck, wo wir abgeholt werden. Aber dann sind wir doch daheim. Ein komisches Gefühl, wenn alles in der Wohnung leer und unbenutzt ist. Nix zu Essen daheim, nicht einmal Kaffee oder Salz oder irgendwas. Also erst einmal großes Einkaufen. Neben den Dingen die wir gleich brauchen, kaufen wir auch ein paar feine Sachen zum Mitnehmen, die wir unterwegs nicht kriegen, wie Kernöl oder diverse Würscht und Schoko. Wir haben das Auto abgemeldet, müssen also alles zu Fuß oder per Rad erledigen. Ein paarmal hilft uns die gute Schwester durch Verleih ihres Autos aus. Wir besuchen ein paar Freunde, erzählen viele Geschichten und quälen sie mit der ausführlichen Präsentation unserer noch nicht aussortierten Fotos. Wir besorgen auch ein paar Teile fürs Boot, unter anderem ein zweites Solarpanel mit den Abmaßen 100x50cm, ideal zum Mitnehmen im Zug. Tolle Idee von mir, das wird ein Spass im Trubel des römischen Bahnhofs! Später wird sich herausstellen, dass auch andere so gute Ideen haben. Wir treffen auf eine Reisegruppe, bei der einer einen Flachbildfernseher herumschleppt, die Schachtel deutlich grösser als meine.
Die drei Wochen sind schnell um, und wir fahren wieder genItalien, genau am Tag bevor der große Schneefall kommt. Die Rückreise verläuft problemlos – trotz sperrigem Solarpanel, das die Reise heil übersteht. Hier empfängt uns das fette Genuatief, das zuhause den Schnee gebracht hat, mit Sturm und Dauerregen, unterbrochen von kurzen Hagelschauern und Gewittern. Während ich diese Zeilen schreibe ist es weit nach Mitternacht. An Schlaf ist nicht zu denken, weil im Hafen gehts rund wie auf der Achterbahn. Das Mistwetter hält jetzt schon fünf Tage an und soll auch die nächsten Tage nicht besser werden. Na Bravo! Sonniges, mediterranes Italien!
2.15. Prosit Neujahr 2015
Am 19.Dezember konnten wir noch eine gemütliche Tagesausfahrt mit dem Boot machen, und am 23. war es warm genug, um im kurzen Leiberl draußen im Cockpit zu frühstücken. Am Weihnachtstag sind dann Regen und Kälte über uns herein gebrochen. Das Regenwetter wurde inzwischen von einem Sturm abgelöst – die Kälte ist geblieben. In der Nacht geht es sogar unter Null. Zusammen mit dem starken Nordwind von zeitweise über 30 Knoten gibt das gefühlte -10°C. Das hätt‘ ma zuhause auch gehabt. Ein kleiner Heizlüfter reicht aber aus, um das Boot innen angenehm warm zu halten. Draußen ist es aber trotz der Sonne sehr ungemütlich. Wir hoffen auf baldige Besserung.
Die Silvesterfeiern in Gaeta sind eher gedämpft. Kein Riesenfeuerwerk, sondern viele kleine einzelne Raketenstarts entlang der Küste, dafür ein paar gewaltige Böllerexplosionen, sehr zur Freude des benachbart wohnenden Hundes Bosun. Überhaupt ist das Verschießen von Knallkörpern in Italien sehr beliebt. Die Knallerei zieht sich schon täglich über den gesamten Advent. Tagsüber ziehen ein paar Musikkapellen durch die Stadt, ähnlich unseren Silvestergeigern. Heute findet in der Marina ein kleiner Umtrunk zum Neuen Jahr mit allen überwinternden Bootsfahrern und den Marinaleuten statt.
Wir wünschen allen unseren Freunden ein Gutes Neues Jahr 2015
2.14. Buon Natale!
2.13. Und täglich grüßt…..
nein – nicht das Murmeltier, sondern die amerikanische Nationalhymne, die pünktlich um 0800 aus den Lautsprechern der „Mount Whitney“ plärrt, eines knapp 200 Meter langen Kommandoschiffes der US-Navy, das nahe unserem Liegeplatz am gegenüberliegenden Steg festgemacht hat. Obwohl der ganze Bereich mit Schwimmbarrieren abgeriegelt ist, wird es trotzdem ständig von einem militärischen Navy-Gummi-Wachboot mit eingeschaltetem Blaulicht umkreist. Lautsprecherdurchsagen informieren uns und die ganze Umgebung aktuell über Personen, die an oder von Bord gehen, und kündigen öfters mal eine Brandschutzübung oder sonstige Alarmübungen an. Wie man es aus dem Film halt so kennt. Abends bei Sonnenuntergang dann eine Trompetenfanfare mit feierlichem Flaggeneinholen und um 2200 Durchsage zur Schlafenszeit. Danach kann man die Uhr stellen. Im Gegensatz zur örtlichen Rathaus-Glockenturmuhr. Die ist nämlich völlig unwillig und spielt zu unterschiedlichsten Zeiten – jedoch nie zur vollen Stunde – Teile des Big-Ben Glockenspiels. Aber nur selten ganz fertig, meistens bleibt’s unterwegs irgendwo stecken.
Ansonsten besteht unser Tag darin, kleinere Reparaturen und Verbesserungen am Boot durchzuführen, und dann und wann kleine Ausflüge in die nähere Umgebung mit den Rädern zu unternehmen. Einmal waren wir bisher auch noch mit dem Boot für einen gemütlichen Segeltag draussen.
Im Ort gibt es jeden Mittwoch einen Wochenmarkt mit vielen Ständen mit Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Kleidung, Handtaschen und Schuhen. Erstere nutzen wir regelmäßig, Handtaschen und Schuhe weniger.
Das Radfahren im italienischen Autoverkehr erweist sich als weniger kritisch als angenommen. Radfahrer gelten als Fußgänger, können alle Gehwege und gegen Einbahnstraßen unbehelligt befahren. Auf der Straße muss man möglichst auffällig in der Mitte fahren, dann wird man gesehen und eigentlich sehr rüchsichtsvoll behandelt.
Wirklich gefährlich sind die Parker, die auf jeder Straße in zweiter Spur stehen, teilweise sogar schräg, obwohl 2-3 Autos weiter ein Parkplatz frei wäre, und plötzlich die Türen aufreissen. Warnblinker ein – zusperren – fortgehen. Funktioniert immer und stört keinen. Auch Sperrflächen und vor allem Fußgängerübergänge sind besonders beliebte Parkräume. Die sind fast alle immer besetzt. Verkehrszeichen sind als freundliche Empfehlung zu verstehen. Rote Ampeln gelten erst nach 5 Sekunden wirklich als rot. Und grün ist schon einige Sekunden bevor man es sieht…
Obwohl es früh dunkel wird, und dann sofort frisch, ist es tagsüber bei Sonne angenehm warm. Also kurzes Leiberl, halblange Hose und keine Socken. Das enttarnt uns sofort überall als Ausländer. Die meisten Italiener tragen zur Zeit dicke Daunenjacken, Schals, und Kapuzen oder Hauben. Allerdings hat es in letzer Zeit viel und stark geregnet, und stürmischer Wind hat sogar für eine Überschwemmung in der Marina gesorgt. Ist im Boot relativ egal, die Stege waren aber teilweise unpassierbar und wurden mit Treibgut vollgemistet.
Die überwinternden Bootfahrer sind in ihrer Zahl überschaubar: mit uns sind es vier Schiffe. Die Schweden Lasse und Marianne, die wir schon im September in Süditalien kennengelernt und hier wieder getroffen haben. Lasse ist Pensionist, lebt meist am Boot und ist schon den fünften Winter hier in Gaeta.
Die Amerikaner Evans und Rebecca und Hund Bosun (=Bootsmann), der alle vorbeigehenden Personen wild anbellt. Außer uns, denn wir haben uns öfters mit Streicheleinheiten und Kraulen hinterm Ohr äußerst beliebt gemacht. Erfreutes Schwanzwedeln statt Bellen. Evans ist Berufskapitän auf Großschiffen und verbringt eigentlich die gesamte Freizeit auf dem Privatschiff.
Jayne aus Amerika, die auf ihrem Schiff während der Saison Gäste mitnimmt, und über den Winter in Gaeta eine Art Sonderbetreuung für andere überwinternde Gäste übernimmt.
2.12. Ausflug ins Jahr 79 n.Chr.
Pompeii liegt, wie man weiß, am Fuße des Vesuv. Der hat’s ja schließlich 79 n.Chr. auch kaputt gemacht. Von Gaeta aus sind das ungefähr 80km. Weil die Tage kurz sind, heißt das: vor 6 Uhr früh aufstehen, dann mit dem Bus 20 Minuten nach Formia, von dort mit dem Zug 1 Stunde nach Neapel, und von da mit einem anderen Zug noch einmal 30 Minuten nach Pompeii. Um 9 Uhr 30 sind wir dort, und nach einem kleinen Frühstück in einem Lokal vor dem Eingang geht es in die riesige Ruinenstadt.
Einige Bereiche der Stadt werden immer wieder für neue Ausgrabungen und Restaurierungen abgesperrt. Anfangs waren wir darüber etwas enttäuscht. Wir kommen jedoch bald drauf, dass die verbleibenden zugänglichen Bereiche immer noch so groß sind, dass man in einem Tag eigentlich gar nicht alles anschauen kann. Wenn man die im Raster angelegten Straßen abgeht, kommt man immer wieder an gut erhaltenen oder wiederaufgebauten Villen vorbei, die einen guten Eindruck der damaligen Zeit vermitteln. Teilweise sieht man gut erhaltene Wandmalereien in den Häusern. Alle größeren Villen besitzen ein Atrium mit Brunnen oder Becken in der Mitte. In den Straßen findet man häufig Kantinen mit Essensausgabetheken, und zahlreiche Bäckereien mit großen Backöfen und Getreidemühlen. Die Straßen haben mittig einen Fahrbereich und erhöhte Gehsteige, in denen die Wasserleitungsrohre verlegt sind. Immer wieder gibt es „Fußgängerübergänge“. Beeindruckend auch die öffentlichen Bäder mit Fußboden- und Wandheizung.
Die Rückfahrt nach Gaeta verläuft nicht ganz so reibungslos wie die Anreise. Ein schlafmütziger Fahrkartenverkäufer ist schuld, dass der Zug in Neapel vor unserer Nase die Türen zumacht und abfährt. Warten eineinhalb Stunden auf den nächsten. Auch den Bus von Formia nach Gaeta sehen wir gerade noch wegfahren bevor wir eine Stunde auf den nächsten warten. Ein ziemlich anstrengender Tag. Aber es hat sich gelohnt.
2.11. Warum es jetzt so wenig Neues gibt…
Die wenigen verbliebenen treuen Blogleser mögen bitte nicht über die spärliche Zahl an neuen Berichten enttäuscht sein: es ist Winter, wir liegen die meiste Zeit im Hafen, und es ist nicht soooo wahnsinnig viel los. Die Berichte werden daher bis Ende Februar wahrscheinlich nur ein oder zweimal je Monat aktualisiert. Bitte um Verständnis. Es geht aber auf jeden Fall weiter!
2.10. Winterlager in Gaeta
Nach vielen Anfragen um einen Winterliegeplatz irgendwo von Rom ab südwärts, hat die Marina Base Nautica Flavio Gioia sowohl vom Preis, als auch vom Rundumangebot den besten Eindruck gemacht. Da sind wir jetzt. In diversen Hafenbüchern ist sie als beliebter Überwinterungsort für Yachties beschrieben. Wie viele Bootsfahrer dann wirklich über den Winter da sein werden, wird sich weisen. Ein paar haben wir schon kennengelernt, ein britisches und ein schwedisches Paar. Die Marinaleute sind sehr freundlich und hilfsbereit. Es gibt ein umfangreiches Lager an Schiffszubehör, aus dem wir einige Dinge am Boot erneuern oder verbessern wollen. Die Marina liegt direkt in der Stadt. Nachts ist es dennoch sehr angenehm ruhig. In den ersten Tagen machen wir uns mit den Versorgungs- und Einkaufsmöglichkeiten in und um die Marina vertraut. Alle Dinge des täglichen Bedarfs sind unweit des Liegeplatzes einfach zu beschaffen.
Der erste Ausflug erfolgt auf den Monte Orlando, Hausberg von Gaeta, Erholungsgebiet mit Autoverbot, vielen Wanderwegen, umfangreichen Burganlagen und dem Mausoleum von Lucio Munazio Planco, einem Feldherrn Caesars.
Zur Besichtigung gibt es dort erst einmal die Kapelle Santurario delle Montagna Spaccata, die in einer 15 Meter breiten Felsspalte 50 Meter hoch ziemlich spektakulär über dem Meer hängt.
Ein Netz von Wanderwegen führt zu verfallenen, aber auch teilweise gut erhaltenen Geschützstellungen und Lagern einer riesigen Festungsanlage, die sich über den ganzen Berg zieht. Von da oben hat man einen tollen Rundumblick auf den gesamten Golf von Gaeta und die Inselgruppen von Ischia, Ventotene und Ponza. Wochenends wimmelt es dort von Joggern, unter der Woche ist man jetzt dort aber allein.
Bei schönem Wetter werden wir hie und da hinausfahren und ein bisschen herumsegeln und vielleicht noch baden.
Ansonsten werden wir die Hafenzeit nutzen, um mit dem Zug Ausflüge nach Rom oder Neapel/Pompeji zu machen.
2.9. Pontinische Inseln, Nachsaison
Auf dem Weg von Ischia nach Nordwest kommen wir an den Inseln Ventotene und Santo Stefano vorbei. Diese ist ein Naturschutzgebiet und darf gar nicht angefahren werden. Gleich daneben liegt Ventotene. Leider müssen wir dort in den nicht schönen, aber teuren Hafen einlaufen weil ankern davor nicht geht. Der Ort ist ganz nett, der kleine alte Fischerhafen ist von den Römern aus dem Tuffgestein gehauen und sehenswert. Es ist Mitte Oktober und die Saison ist vorbei. Die meisten Ristoranti und Gelaterias haben bereits zugesperrt. Um 19 Uhr ist es stockfinster und es wird auch in den Straßen bald ruhig. Die Quellen bezahlbaren Bieres versiegen, weil die wenigen Supermärkte mit Kühlvitrinen diese zum Teil nicht mehr in Betrieb halten. Nach einem Tag Aufenthalt fahren wir weiter nach Ponza. Die 20 Meilen dorthin segeln wir meist, jedoch ist das sehr anstrengend, weil Wind und Wellen in Italien nie zusammepassen. Schwacher wind von hinten und 1 Meter hohe, lange Wellen von der Seite schütteln uns ordentlich durch. Durch ein schlecht geschlossenes Seitenfenster dringt einiges an Wasser ein, während das Schiff in der Welle ziemlich stark krängt.
Die Insel Ponza ist landschaftlich sehr erfreulich: hohe Klippen, mit Höhlen und Grotten, viele Ankerbuchten, klein und überschaubar. Man kann dort kurzfristig die Inselseite wechseln, wenn es das Wetter erfordert. Leider ist der Restschwell von irgendeinem Sturmtief im Südwesten so stark, dass die Ankermöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Wir fahren aber die ganze Insel rundum ab, und probieren fast alle Ankerbuchten aus. In einigen Buchten sind die Häuser höhlenartig in den weichen Tuff geschlagen.
Auch in Ponza ist die Saison zu Ende, es ist fast alles zu, nur am Wochenende kommen doch noch einige Boote aus Rom und füllen die Buchten. Sonntag abends sind wir aber wieder fast allein.
Da es keine weiteren erreichbaren Ziele für uns vor dem Winterlager gibt, bleiben wir in der Gegend rund um Ponza und ankern je nach Wetterlage auf der Nord- Ost- oder Westseite. Z.B. die Bucht Cala di Feola, in der es einige Grotten gibt. Eine dient als Einfahrt durch eine eingestürzte Höhle, dahinter ein Becken, das jetzt als kleiner Hafen für Schlauchboote dient. Auf der anderen Seite gibt es einen zweiten Eingang, wieder durch ein Höhle. Allerdings fallen vom darüberliegenden Erdreich öfters mal Steine und Erdbrocken herunter, Durchfahren ist also ein bisschen Glückssache. Eine Sturmfront aus West zwingt uns zum zweitägigen Aufenthalt in der Hauptbucht der Stadt Ponza, zwar keine Badebucht, aber es gibt einiges zum Anschauen. Der römische Tunnel, der mit 180 Meter Länge auf die andere Inselseite führt, ist leider gesperrt. Einige Höhlen mit Bassins zur Muränenzucht, auch aus Römischer Zeit, können wir mit dem Schlauchboot befahren. Innen anzulegen und auch das Gangsystem zu erkunden ist aber leider wegen dem ziemlich unruhigen Meer nicht möglich. Wir verbringen noch zwei Badetage in verschiedenen Buchten mit steilen Felsen an der Ostseite von Ponza. Auch dort gibt es einige Häuser, die in den ausgehöhlten Tuffstein hineingebaut sind. Die Starterbatterie gibt langsam den Geist auf. Daher wollen wir am Wochenende in Richtung Winterlager nach Gaeta aufbrechen.
2.8. Ischia
Am Nordende des Golf von Neapel liegen die kleinen Inseln Procida und Ischia. Eigentlich liegt der Haupthafen von Procida auf der Nordseite. Die Stadt zieht sich aber über die schmale Insel bis in eine schöne Südbucht. Die laufen wir wegen der Ankermöglichkeit an und bemerken, dass die Stadt-Rückseite wesentlich attraktiver ist als die Hauptseite. Unter einem Burgberg liegt die bunte enge Häuserfront in einigen Reihen übereinander über dem kleinen Fischerhafen. Die wenigen steilen Längsstraßen im Ort sind keine 4 Meter breit, trotzdem herrscht außerhalb der Siesta reger Moped- und Autoverkehr. Alle Autos fahren im Stadtbereich mit eingeklappten Außenspiegeln, zumindest die wenigen, die noch einen haben. Querstraßen gibt es fast gar nicht, nur Stufenwege, teilweise innerhalb der Häuser. Procida war Kulisse für den Film „Der talentierte Mr. Ripley“ mit Matt Damon, und ist bestimmt eine der hübschesten Städte, die wir bisher in Italien besucht haben.
Wir bleiben dort zwei Tage und fahren dann auf die Südseite von Ischia weiter. Der Hafen San Angelo, vor dem wir wieder ankern, ist ein kleiner Badeort mit einigen Hotels, die aber ganz nett ausschauen. Baden geht noch, ist aber mittlerweile schon ganz schön kalt. Zumindest wenn die Sonne grade hinter einer Wolke steckt und leichter Wind geht. Die Wassertemperatur beträgt noch 23-24 Grad.
Die Ankündigung eines Starkwindes aus Nord läßt uns weiter auf der Südseite bleiben. Dort kann man windgeschützt ankern, wenn auch das Meer immer unruhig ist. Die Stadt Ischia muss noch warten. Der angekündigte Starkwind ist allerdings mehr ein Schwach- bis Keinwind. Mit jedem Tag, den wir abwarten, verschiebt sich die gleiche Wettervorhersage um einen Tag nach hinten.
Montags fahren wir endlich nach Ischia, der Hafen ist voll, kein Ankerplatz zu finden. Daher legen wir im Nachbarort Casamicciola an und fahren mit dem Rädern nach Ischia. Die Anfahrt erfolgt auf einer kleinen Inselstraße mit einem Verkehrsaufkommen, zu dem die Südosttangente in der Früh vergleichsweise ein Lärcherlsch… ist. In Ischia befindet sich auf einer vorgelagerten Halbinsel eine beeindruckende Festungsanlage der Aragoner. In der Stadt gibt es zahlreiche Thermalbäder mit Vulkanheizung, von den wir aber keines besuchen. Für den Besuch der leicht radioaktiven Quellbäder benötigt man ein ärztliches Attest, welches man vor Ort käuflich erwerben kann.
2.7. Amalfiküste bis Neapel
Salerno ist gar nicht so schlimm, wie es nach dem ersten Eindruck scheint. Die Häuserfront am Hafen entlang schaut dann doch ganz gepflegt aus. Aber es ist halt ein großer Containerhafen mit Riesenschiffen. Wir müssen dort einen Tag länger bleiben als geplant, denn der angekündigte 15 Knoten Nordwind hat in Echt dann 25 Knoten mit Böen zu 35. Also lieber abwarten. Am nächsten Tag geht es dann doch weiter Richtung Amalfi. Die Küstenlandschaft ist sehr beeindruckend mit steilen Felsen, dazwischen kleinen Strandabschnitten. Hoch auf den Felsen stehen Ortschaften oder einzelne Gebäude. Die Häuser sind sehr gepflegt und von terrassenartigen Gärten umgeben, einige mit steilen Stufenabgängen zum Meer. Die angepeilte Ankerbucht am Ende der Küste entpuppt sich als „Naturschutzgebiet“, in dem natürlich Ankerverbot herrscht, überwacht von ein paar kanufahrenden Ökostudenten, die dort ihre Kanutouren verkaufen. Daher fahren wir gleich die paar Meilen nach Capri weiter. Dort brausen im Minutentakt Schnellfähren ein und aus, sodass eine Kreuzsee von gut 1 Meter Höhe entsteht. Man wird dort als kleines Boot unkontrollierbar herumgeschmissen. Ankermöglichkeiten gibt es nicht, und außerdem ist die Ansicht des Hafens und des Ortes derart unspektakulär, dass wir gleich umdrehen und ans Festland zurückfahren. Im Vergleich zu den Orten an der Amalfiküste hat der Ort gar nix zu bieten. Capri ist keine Reise wert.
Wir ankern vor der Stadt Sorrento – ziemlich unruhig, da sich der Wind wieder einmal nicht an die Vorhersage hält. Überhaupt ändert sich das Wetter und die Windrichtung mehrmals täglich. Die Überquerung des Golf von Neapel bietet bei angenehmem leichten Segelwind einen schönen Ausblich auf Neapel und den Vesuv. Neapel hat nur einen Handelshafen, jedoch keinen Yachthafen und ist daher für uns nicht anlaufbar. Der Anblick der Stadt unter einer dicken Smogwolke beim Vorbeifahren reicht. Der anschließende Golf von Pozzuoli bietet leider kaum Ankermöglichkeiten in Nähe der Ortschaften. Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel sind daher nicht gegeben. Dafür wollen sie für einen Hafenliegeplatz ohne WC und Duschen zwischen 80 und 100 Euro je Nacht kassieren. Bei der schlechten Ausstattung der italienischen Marinas absolut lächerlich. Nach kroatischen Standards wäre so ein Liegeplatz höchstens 20 Euro wert, eigentlich würden sie sich so was gar nicht anzubieten trauen.
2.6. Golfo di Salerno
Das Wetter ist komisch. Der angesagte Wind findet nicht statt, und wenn, dann aus anderen Richtungen mit völlig anderer Stärke. Über die Berge ziehen tief hängende Wolken, es ist schwül und dunstig, keine gute Sicht. 28 Grad, aber kein direkter Sonnenschein, rel. Luftfeuchtigkeit 75%. Wenn es zu Hause so ausschaut dann kracht es nach längstens zwei Stunden gewaltig. Hier aber ist nur bedrohliche Stille. Seit 4 Tagen.
Dafür ist die Landschaft mit den Bergen viel sehenswerter als im Süden. Erstaunlicherweise gibt es, obwohl die Berge bis nah ans Meer stehen und dazwischen tiefe Täler und Schluchten sind, keine Buchten. Die Täler sind zum Meer hin mit Sand aufgefüllt und die Küstenlinie daher wieder sandig, völlig gerade und buchtenlos. Zum Ankern wohl geeignet, zum Schutz finden leider nicht.
Einzige Ausnahme ist Palinuro, wo man in einer großen Bucht, die von 50 Meter hohen Steilwänden umgeben ist, geschützt ankern kann. Direkt vor den Felswänden liegen schmale Sandstrandabschnitte, teils mit kleinen Grotten, in denen Badegäste im Schatten liegen.
Wir klappern den Golf von Salerno ab auf der Suche nach sehenswerten Plätzen für einen Landgang. Bei Windstärke 6 und 2m Wellen flüchten wir in den Hafen von Agropoli. Hübsche Altstadt mit Kastell direkt am hohen Felsen über dem Hafen. 10km entfernt und per Rad gemütlich erreichbar, besuchen wir die archäologische Stätte Paestum, Reste der griechischen Stadt Poseidonia von 500 v.Chr, mit 3 zum großen Teil noch stehenden Tempeln, und viele Grundmauern, Häuserreste und Straßen. Während der Besichtigung werden wir von Gewitter und Starkregen erwischt. Zahlreiche Touristen laufen lustig kreuz & quer durchs Gelände zu ihren Bussen. Wir sind gut ausgerüstet und sitzen die halbe Stunde Regen unter einem dichten Nadelbaum fast trocken aus.
Salerno, die Hauptstadt des Golfs, ist groß und dreckig. Vor der Hafeneinfahrt treibt ein mehrere hundert Meter langer und 30 Meter breiter Gürtel aus Holz, Flaschen, Plastik, Seegras und jede Menge sonstiger Müll. Sehr schön. Eigentlich fahren wir ja nur zum Tanken in den Hafen und wollen dann draußen ankern. Die Tankstelle hat aber trotz normaler Betriebszeit zu. Wir legen trotzdem an und bleiben die Nacht dort, im abgesperrten Bereich ohne Zugang für Fremde – und gratis. Hoffentlich taucht der Tankwart morgen früh wieder auf. Danach wollen wir nach Amalfi weiterfahren.
P.S: Endlich blieb etwas Zeit übrig um die bis jetzt zurückgelegte Route auf einer Karte festzuhalten. Die neuesten Karten findet ihr unter „Routen“.
2.5. Tyrrhenisches Meer
Die Entscheidung ist gefallen: durch die Straße von Messina ins Tyrrhenische Meer. Der Winteraufenthalt an der italienischen Westküste verspricht mehr Gelegenheit zur Betätigung und Landausflügen als das kleine Malta.
Die Wettervorhersage kündigt Nordwind an, was ganz günstig für die letzte Etappe im Süden wäre. In Wirklichkeit weht aber Ost- bis Südostwind, der uns noch bequemer die eher fade Küste entlang schiebt. Man kann ja auch einmal Glück haben. Ab der Einfahrt in die Straße von Messina weht es dann aber doch von Nord, voll von vorne und ziemlich stark. Toroa kämpft unter Maschine mit 1-2 Knoten Fahrt dagegen an, während wir von unzähligen Windsurfern und Kitesurfern umzingelt werden.
Nach einer Nacht im grauslichen Hafen von Reggio und einem Tankstopp für 1,79 Euro je Liter Diesel geht es am nächsten Morgen die letzten 10 Meilen der Straße weiter. Jetzt geht fast kein Wind, und eine Strömung von 4 Knoten rülpst uns mit insgesamt 9 Knoten Fahrt aus dem engen Kanal hinaus ins Tyrrhenische Meer. In der Ausfahrt gibt es jede Menge Wasserstrudel, denen der Autopilot nicht gewachsen ist. Daher ist Handsteuerung angesagt. Nach dem Kanal wird das Meer aber bald ruhig und friedlich, sodass wir einige der Aeolischen Inseln nördlich von Sizilien ansteuern können.
Vulcano: aktiver Feuerspucker, letzter Ausbruch 1890, konnte aber zum Glück wieder eingefangen werden. Aus dem Krater und den Flanken treten Rauchschwaden aus, überall sind gelbe Schwefelfelder. Aus dem Meer, sogar unter dem Schiffsankerplatz blubbern Gasbläschen herauf und stinken nach faulen Eiern. Es gibt auch heiße Quellen, die aus dem Meeresboden sprudeln. Spock haben wir noch nicht gesehen, auch keine spitzen Ohren, aber die in hellgrauen, heißen Schlamm panierten Badenden sehen außerirdisch genug aus. Der Steinboden um das Schlammbad ist stellenweise zu heiß zum Barfußgehen. Die Besteigung des 400 Meter hohen Berges zum Kraterrand ist uns zu anstrengend. Es wäre ein 2 stündiger Aufstieg auf einem sehr steilen Weg ohne jeden Schatten – also nur ganz früh am Morgen möglich, aber da schlafen wir normalerweise. Weil es hier so schön ist, mit ruhigen sicheren Ankerplätzen, bleiben wir zwei Tage.
Lipari: Nachbarinsel, wird bei unserer Abfahrt von Vulcano nachts passiert, da sehen wir kaum was.
Panarea: kleine Insel mit bizarren vorgelagerten Felsen entlang unserer Route zum Stromboli.
Stromboli: ist wieder ein echter Vulkan, über 900 Meter hoch, mit dicker Rauchwolke. Bei der Vorbeifahrt sehen wir ganz oben ein Lavafeld, von dem immer wieder große glühende Brocken über die ganze Flanke herunterrollen, manche bis ins Meer.
Die Vulkaninseln waren ein besonderes Erlebnis.
Anschließend gibt es eine fast achtstündige Überfahrt unter Segel zurück ans Festland. Dort ist, wie gewohnt, wieder kein Hafen weit und breit. Und wenn doch, dann versandet und unbefahrbar. Daher ankern wir einfach vor der Küste. Windstille in der Nacht lässt das Boot quer zu den langen Wellen stehen. Das bedeutet extremes Hin- und Hergeschaukel, was den Schlaf nicht gerade fördert. Morgen noch ein langer Schlag nach Norden, dann beginnt der Golf von Neapel. Dort wird die Segellandschaft hoffentlich interessanter.
2.4. kein Seglerrevier
Die südliche Küste von Süditalien, also quasi die Sohle vom Stiefel, ist definitiv kein Revier für Segler. Die Küstenlinie ist völlig fade gerade, es gibt keine Buchten, und die wenigen segelbootgeeigneten Häfen liegen immer mindestens 5-7 Fahrstunden auseinander. Wenn man einen davon anläuft, wird man sehr erstaunt betrachtet. Wir haben seit einigen Tagen gerade einmal ein, zwei andere Segler gesehen. Die Siedlungen hoch oben am Berg schauen von Weitem ganz nett aus, sind aber für uns unerreichbar. Einzig der Hafen von Le Castella war für uns befahrbar und die alte Festungsanlage ist beeindruckend. Ganz in der Nähe liegt auch noch Legohausen, dort wachsen anscheinend die Steinchen in großen Mengen und werden zum Hausbau verwendet. Ein paar weitere Häfen, die im Küstenhanbuch beschrieben sind, existieren nicht mehr und sind völlig versandet.
Der weitere Plan ist: möglichst schnell die Strasse von Messina zu erreichen, und dort entscheiden, ob die Reise für das Winterlager nördlich an die westitalienische Küste weitergeht oder südlich nach Malta.
2.3. Das Ende der Adria
Das Städtchen Otranto liegt an der gleichnamigen Straße, wo die Adria im Süden endet und das Ionische Meer beginnt. Gleich gegenüber liegt Korfu. An sich nix Besonderes, würden wir nicht dort in der weiten Hafenbucht ankern, bei starkem Schwell, wildem Geschaukel und ans Boot donnernden Wellen. In dieser ungemütlichen Umgebung sammeln sich nachmittags plötzlich weit über 100 Boote um uns und nehmen an einer Bootsprozession mit Madonnenstatue durchs Hafenbecken teil. Volles Gedränge und Gehupe. Und wir mitten drin. Abends dann noch ein Freiluft-Klassik-Opernarienabend am 200 Meter entfernten Platz mit etwas mehr als Zimmerlautstärke. Und wir fast mitten drin. Um Mitternacht folgt noch ein Feuerwerk von der Hauptmole aus. Ein Kreuzfahrschiff hat dafür extra ablegen und vor dem Hafen ankern müssen. Nicht ein paar Raketlein wie vom Kindergeburtstag, sondern richtig fette Dinger mit ordentlich Bums. Und wir wieder mitten drin. Wellengang, Madonnenumzug, Opernarien und Feuerwerk. Kein Schlaf. Aber ein würdiger Abschied von der Adria. Ich glaube eigentlich, die haben’s extra für uns organisiert.
Am nächsten Morgen starten wir unausgeschlafen die letzte Etappe nach San Maria de Leuca, der wirklich letzte Zipfel am Stiefelabsatz. Bei gutem Wetter wollen wir von hier aus die 70 Meilen quer über den Golf von Taranto in einem Stück über Nacht packen. Eine ruhige Nachtfahrt bringt und nach Crotone, einer Kleinstadt ohne Sehenswürdigkeiten, aber zum Aufholen des entgangenen Schlafs geeignet.
2.2 Monopoli – ganz genau, Brindisi – nur kurz
Es ist Donnerstag. Aus geplanten zwei Tagen in Monopoli sind jetzt schon fünf geworden. Es hocken eine Menge fetter Tiefs über allen Teilen des gesamten Mittelmeeres, und in dem über Süditalien sitzen wir genau mitten drin. Wind mit 25 Knoten im Hafen, mehrere Gewitterschauer und Regengüsse täglich lassen ein Weiterfahren zur Zeit nicht zu. Neben uns am Pier liegt der Italiener Max mit seinem Boot, und wartet wie wir besseres Wetter ab. Er ist allein unterwegs, will baldigst nach Rom, und wird bei Wetterbesserung gemeinsam mit uns auslaufen, um jemanden in der Nähe zu haben. Mittlerweile kennen wir uns in der Kleinstadt Monopoli (48000EW) ziemlich gut aus. Wir kennen inzwischen jeden Markt, jeden Imbissstand, jeden Gemüsehändler der Altstadt und finden auf Anhieb überall hin. Alle Kirchen und Festungsteile haben wir inzwischen abgeklappert. Mit den Rädern lässt sich der Stadtkern um den Hafen relativ schnell in jeder Richtung durchqueren. An den Verkehr muss man sich erst gewöhnen: Fußgängerübergänge sind hier kein Thema. Halteverbotszonen werden vollkommen ignoriert. 80% der Autofahrer telefonieren am Steuer (NICHT: Einparken um zu telefonieren, SONDERN: telefonieren beim Einparken). Ansonsten fahren die italienischen Autofahrer jedoch überraschend rücksichtsvoll. Am Freitag wird es voraussichtlich in Richtung Brindisi weitergehen, der Wind sollte schwächer werden, lediglich die Regenschauer werden wohl anhalten.
Die 7stündige Fahrt nach Brindisi, davon 4 Stunden in strömenden Regen, bietet schönen Segelwind aber dafür hohe Wellen von schräg hinten. Zeitweise sehr unangenehm. Die Bitte von Max, mit ihm gemeinsam zu fahren erweist sich als sinnvoll: auf halber Strecke funkt er uns an, dass wir ihn in den Hafen von Brindisi schleppen sollen, weil seine Motorkühlung nicht funktioniert. Das machen wir dann auch – ziemlich abenteuerlich bei 17 Knoten Wind und ein- und auslaufenden Fähren im Großhafen. Geht aber gut und Maxens Kühlung kann kurz nach dem Anlegen repariert werden. Wir liegen an der Stadtmole, entlang der heute gerade eine Art Kirtag stattfindet, mit tausend Gerüchen von den vielen Ständen, und einem scheppernden Stromgenerator an jedem Stand. Was für ein Glück!
2.1. Do Videnja Hrvatska – Buon Giorno Italia
Für die Ausreise-Zollformalitäten (wir sind innerhalb der EU und bleiben auch in selbiger!) muss man an einem eigenen Steg anlegen, zum sehr freundlichen Hafenkapitän und dann zur Polizei. Anschließend erklärt uns der Polizist freundlich aber bestimmt, dass wir das Land jetzt unverzüglich zu verlassen hätten.
Die Götter sind uns gnädig und schenken uns zwei ruhige Tage. Kaum Wellengang und zeitweise leichter Wind aus günstiger Richtung ermöglichen eine stressfreie Überfahrt, teils mit Motor, zwischendurch auch lange Strecken segelnd. Die ganze Fahrt dauert 21 Stunden. Bis kurz vor Italien sehen wir kein einziges Schiff. Dafür begleiten uns zwischendurch ein paar Delfine. Keine Ahnung, ob kroatische oder italienische.
Die Ankunft in Bari nach Sonnenaufgang ist ein bisschen enttäuschend. Eine ziemlich große dunstige Stadt in fader Landschaft, dazu treibt uns der Luftzug seltsame Düfte entgegen, erst riecht es leicht modrig, etwas später verbrannt, dann nach Chemiefabrik. Großstadt halt. Wir legen nicht in Bari an sondern schwenken nach Süden ab, die Küste entlang. Wir suchen eine Badebucht zum Ankern und ausschlafen. Die finden wir auch nach ein paar Meilen und Ankern dort. Kurz darauf, beim Salatessen, kommt schon die Küstenwache längsseits und erklärt uns, dass man in Italien beim Ankern mindestens 100m Abstand zur Küste einhalten muss. Wusste ich bisher nicht. Wir verlassen sofort den Sperrbereich und jausnen weiter. Abends fahren wir wegen schlechter Wetteraussichten in die benachbarte Stadt Monopoli (dort kann man leider nicht mit Spielgeld bezahlen) in den Stadthafen und liegen längs an der kostenlosen(!) Gemeindemole. Also Räder auspacken und die Stadt mit 15 Kirchen im Altstadtbereich erkunden. Es ist ein nettes Städtchen mit freundlichen hilfsbereiten Bewohnern. Die ersten Eindrücke von Italien sind also sehr positiv. Weniger erfreulich ist der absolute Mangel an bezahlbarem Bier in Lokalen, ein kleines um 2 bis 3 Euro, große gibt’s kaum. Wie kann man hier bloß leben? Werde schon eine Lösung finden. Supermarkt oder so. Das Wetter spielt wieder einmal verrückt, mit Starkwind und Gewitter, daher werden wir wohl zwei Tage hier bleiben.
1.14. der letzte Zipfel
Nun investieren wir doch die 81 Euro für eine Nacht in der Marina Dubrovnik, um Einkäufe zu machen, die Wassertanks aufzufüllen und die Duschen und den Pool zu nutzen. Eigentlich ein Schnäppchen, weil es ist Donnerstag – ab Freitag kostet’s dann schon 105 Euro. Die zweite Nacht werden wir dann kostenfrei vor der Marina am Anker liegend verbringen.
Da wir beide schon in Dubrovnik waren, können wir die üblichen Rundgänge durch die Prachtstrassen und über die Stadtmauer auslassen, und widmen uns mehr den kleinen Seitengassen, wo es keine Restaurants oder Geschäfte gibt. Man findet so kleine verwachsene Gassen, die man sonst auf den normalen Touristenpfaden nicht sieht. Der Rest der Stadt ist natürlich mit Touristen vollgestopft, wahrscheinlich mehr Japaner als in Japan. Die Preise in den Lokalen sind entsprechend hoch. Ein Bierchen trinkt man besser, auf irgendwelchen geschichtsträchtigen Kathedralenstufen sitzend, um 11 Kuna aus einem Supermarkt als im Lokal zwanzig Meter daneben um 65 Kuna.
Tags darauf fahren wir nach Cavtat, einem Badeort, und zugleich der südlichste kroatische Zollhafen zum Ausklarieren. Hier treffen sämtliche fetten Megayachten aus den Steuerparadiesen dieser Welt aufeinander. Wir ankern in der Nachbarbucht, wollen nicht zwischen Booten liegen, die drei mal so hoch sind wie unseres lang ist, und auf denen die Bordsklaven den ganzen Tag die Fenster und die Reeling polieren müssen. Den wirklich letzen Ort, Molat, noch 5 Meilen weiter, ersparen wir uns. Von Cavtat aus wollen wir in den nächsten Tagen bei hoffentlich ruhigem Wetter die ungefähr 100 Meilen nach Italien übersetzen.
1.13. Elaphiten
Die stark bewaldete Inselkette entlang der Küste nördlich von Dubrovnik besteht aus Jakljan, dann Sipan. Dort bleiben wir in der Stadtbucht Sipanska Luka vor Anker. Der Ort ist sehr hübsch und gepflegt, mit einer ca. 3km langen Promenade um die ganze Bucht. Ein kleiner Park mit riesigen Palmen liegt inmitten des Ortes. Dort sind mitten in der Wiese Tische einer kleinen Pizzeria aufgestellt, man sitzt dort wie in einem privaten Garten im Schatten der Palmen. Bier gibt’s auch. Tagsüber kommen viele Bootsausflügler aus dem Raum Dubrovnik zum Baden oder Entspannen.
Die nächste Insel, Lopud, eine Fahrtstunde entfernt, hat vom Ortsbild nicht so viel zu bieten, außer einem sensationellen Park auf 13000qm, der gepflegte und verwilderte Bereiche aufweist, jedoch alles auf schattigen Wegen begehbar. Eine klotzige Hotelanlage verschandelt die andere Hälfte der Bucht.
Die südlichste Insel, Kolocep, hat keine besonderen Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es gibt eine geschützte Ankerbucht. Wenn nicht wieder einmal nachts ein Gewitter drüberzieht. Da bin ich ein bisschen allergisch und schlafe schlecht, wenns rundum kracht. Aber nix passiert und am nächsten Tag fahren wir noch einmal nach Lopud, diesmal an die Südseite, wo es einen tollen Sandstrand gibt. Natürlich ist dort tagsüber entsprechend viel los. Abends wird es dann ruhig.
Landschaftlich sind die vier Inseln aufgrund des dichten Waldes, der vielen Gärten mit Mandarinenbäumen und zahlreicher Olivenhaine sehr reizvoll.
Anschließend legen wir uns in die Bucht von Veli Zaton, um von dort aus mit dem Bus die paar Kilometer nach Dubrovnik zu fahren. Die Marina von Dubrovnik wäre zwar näher, ist aber unverschämt teuer, und auch von dort müsste man den Bus nehmen.
1.12. die südlichen Inseln
Von Starigrad im Westen geht es mit angenehmem Wind die Nordseite von Hvar entlang. Übernachtung in einer engen Bucht, die auf zwei Seiten von hohen Felsen gesäumt ist. Der Nachteil: Die Sonne geht schon um 5 Uhr unter. Am nächsten Tag geht es leider ohne Wind mit Maschine um Hvar östlich rundum und hinaus nach Korcula. Dort ankern wir etwas außerhalb des Stadtbereichs und fahren mit den Rädern 5km nach Korcula Stadt. Angeblich die Geburtsstadt von Marco Polo (folgend kurz: MP). Daher gibt es mindestens ein MP-Geburtshaus, das MP-Museum, einige MP-Wirtshäuser, teilweise mit angeschlossenem MP-Museum, Souveniershops mit MP-Sackerln, sowie eine MP-Bäckerei. Abgesehen davon eine hübsche Altstadt, jedoch leider touristisch überstrapaziert.
Tags darauf geht es abermals ohne Wind weiter entlang der Insel Mljet, wo wir in einer geschützten Bucht an einer Wirtshausboje nächtigen. Der Wind bleibt wohl wegen eines Hochs aus. Seit 8 Wochen das erste Hoch, das laut Wettervorhersage stationär über der Adria hockt! Am Ende beginnt hier endlich langsam der Sommer?
Nein.
Am dritten Tag verkommt das Hoch zu einem Gebiet mittleren Druckes, und von Nordwest kommt ein Frontsystem. Also alles wie gewohnt. Wir verstecken uns vor dem angekündigten Starkwind aus Südost in einer unbewohnten Bucht der Insel Jakljan, in der nur eine aufgelassene Kinder-Ferienanlage vor sich hingammelt. Gut erhaltene Gebäude, teilweise schon verwachsen, in den Räumen noch Bilder und Bastelzeugs von den Kindern. Wirkt ein bisschen gespenstisch. Ansonsten aber eine schöne Badebucht, sogar teilweise mit Sandstrand.
Am Vormittag kommt ein freundlicher Niederländer vom Nachbarboot vorbeigeschwommen, klopft ans Boot und fragt, welches Klo wir denn an Bord hätten ?!? Der Grund ist, er hat von seinem alten Boot einen Satz Toilettendichtungen, den er jetzt nicht mehr braucht, und den er uns einfach schenkt. Vielen Dank!
Das Wetter bleibt stürmisch und wechselhaft. Neuer Unterschlupf vor dem stürmischen Wind ist der Hafen von Sipan.
1.11. Schon wieder der 13.
Bin ja eigentlich nicht abergläubisch, aber der Blitz hat uns am 13.Juli getroffen, und jetzt am 13.August bricht während einer an sich schönen Überfahrt von Brac nach Hvar die Schlaufe im Masttopp am Vorsegel, welches daraufhin bei relativ starkem Wind gemütlich herunterrutscht. Segeltag beendet, und leise Zweifel kommen, ob das was wir hier machen wirklich auf Dauer Spass macht. Alle zwei, drei Tage ein neuer schwerer Defekt! Das Reisebudget stöhnt leise vor sich hin. Also Planänderung: Einlaufen in Stari Grad und hoffen, dass es dort einen Segelmacher gibt. Den gibt es und das Segel kann repariert werden. Zu diesem Zwecke darf Karoline wieder einmal auf den Mast, was dieses Mal mit einem Foto dokumentiert wurde. Solche Einsätze werden langsam zur Routine, da bleibt auch Zeit zum Fotografieren. Beim nächsten Mal machen wir auch Fotos von oben.
Stari Grad ist ein netter, gepflegter Ort mit unglaublichen Touristenmassen auf der Hafenpromenade mit den Ramschläden, und kaum Menschen in den hübschen Gassen der zweiten und dritten Reihe. Seltsam. Die Liegeplätze sind randvoll und die Festmacherbojen werden mit zwei bis drei Schiffen belegt.
Am Vortag in einer einsamen Bucht haben wir, d.h. Karoline, unsere ersten Fische dieser Reise geangelt. Es waren zwei Brassen, eigentlich eher Brässchen, die zusammen gemütlich in der kleinem Pfanne Platz gefunden haben. Aber geschmackvoll und immerhin ein Anfang.
1.10. Immer wieder neue Überraschungen
Der Süden muss noch ein bisschen warten. Das Boot hat einen pipifeinen neuen Autopiloten mit allem Drum und Dran verpasst bekommen und dankt es uns zwei Tage später mit einem Bruch des Gaszuges am östlichen Ende von Brac. Also kein Antrieb mehr, und natürlich auch keine Bremse. Zum Glück passiert es bei einem Ankermanöver mit rundum genug Platz zum Reagieren. Nicht auszudenken, wenn das beim Anlegen in einem engen Hafen passiert. Da es natürlich gerade Freitag Nachmittag ist, erfahren wir, dass ein neues Gasseil erst am Montag darauf zu erhalten sein wird. Und das in Milna auf Brac-Westseite. Also die ganze Strecke entlang der Insel mit einem aus Leinen und Umlenkrollen improvisierten Gasseil zurück nach Milna, dort das Wochenende in einer Bucht vertreiben und am Montag den neuen Gaszug einbauen. Die Bucht, in der wir warten, scheint anfangs mit einem zweiten bereits ankernden Boot ziemlich eng. Die Nacht bleiben wir mit zwei Booten dort auch ziemlich allein und in Ruhe. Am Sonntag füllt sich die Bucht dann tagsüber jedoch mit 13 Booten und mit der Ruhe ist es vorbei. Die meisten fahren aber abends wieder weg, und über Nacht wird es wieder ruhig.
Erstmals seit Beginn der Reise gibt es auch ein halbwegs stabiles Hochdruckgebiet, das sogar einige Tage anhält – ruhiges angenehmes Badewetter. Hoffentlich bleibt es noch eine Zeit lang so.
1.9. Das lange Warten hat ein Ende
Mein guter Geist zuhause, Segelfreund Werner, setzt sich mittwochs früh ins Auto und fährt einmal kurz 600km nach Split, um uns drei Kartons mit dem neuen Autopiloten zu bringen. Unsere Freude bei seiner Ankunft ist entsprechend gross. Das zweite Erfolgserlebnis an dem Tag stellt sich ein, als nach 3 Stunden Einbau, Verkabelung und Inbetriebnahme das ganze Zeugs auf Anhieb tadellos arbeitet. Also der elektronische Steuerungsautomat funktioniert wieder! Das zweite Fehlteil, das Steuerelemnt fürs Bugstrahlruder ist noch immer nicht lieferbar und wurde storniert. Ich werde wohl mit ein paar Umverdrahtungen das Ding umgehen und manuell schalten. Wofür ist man schließlich gelernter Elektrotechniker. Leider hat der Werner nicht Zeit länger zu bleiben und muß am nächsten Tag in der Früh wieder zurückfahren. Ich hätte ihm gerne ein paar Urlaubstage am Boot angeboten, aber es wird schon einmal passen. Vor Werners Ankunft gab es noch eine kleine Reparatur am unterschiff, nur zwei gelöste Schrauben, die an sich nur 10 Minuten dauert. Aber leider muß das Schiff dafür mit dem Kran aus dem Wasser gehoben werden, und dafür nimmt man in Kroatien schon gerne einmal 330 Euro. Jetzt ist das Boot nach mehr als dreiwöchiger Zwangspause endlich wieder voll einsatzbereit, und die Reise in den Süden kann weitergehen. Wir hoffen dort auch dem flachen Tief, das seit 2 Monaten über der Adria herumeiert zu entgehen, und endlich einmal einen richtigen Sommer zu finden. Wir sind schon gespannt, was uns in der südlichen Adria erwartet.
Leider gibt es von der Einbauaktion keine Fotos – vor lauter Freude haben wir vergessen welche zu machen.









































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































