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ich bin hier

unerreichbares Ziel

Das Ziel, Sardinien direkt anzufahren, geben wir bald auf. Die Wettervorhersage über mehr als 2 Tage ist völlig unzuverlässig, und der Motor erst recht. Wir beschließen, vorerst nach Norden um Cabo Palos herumzufahren, und dann auf kürzerer Strecke die Balearen anzusteueren. Nach einer unruhigen Nacht am Anker in Cabo Roig starten wir den Versuch Richtung Ibiza. Wir kreuzen gegen den Nordostwind, der hier offensichtlich nie aufhört. Nach 2 Stunden werden wir ziemlich plötzlich von 3 Gewitterzellen eingeschlossen. Etwas überraschend, weil Gewitter sind für diesen Tag in keinem Wetterdienst auch nur möglicherweise vorgesehen.Es sind 30 Knoten Nordostwind. Es blitzt und kracht rundherum, wir kreuzen mittendrin hin und her und können so dem Gröbsten ausweichen. 3 Stunden irren wir dort herum, bis die Gewitter nachlassen. Inzwischen hat auch der Motor wieder aufghört zu arbeiten, was nicht unbedingt zu meiner Entspanntheit beiträgt. Unter Segel können wir uns ins große Hafenbecken von Torrevieja retten, dort kann man auch geschützt Ankern. Im Dieseltank haben die Bakterien einige Gallertpatzen wuchern lassen, die die Dieselleitungen sofort verstopfen. Die VolvoPenta Werkstätte im Ort ist leider nicht daran interressiert uns den Diesel abzupumpen und zu filtern, weil sie ohnehin genug Aufträge hätten, sagen sie. So saugen wir mit einem Handpumperl mühsam die Bakterienpatzen durch eine 5 cm große Öffnung aus dem halbvollen Tank. Wir kriegen den Großteil der Pampe heraus und hoffen, das die Maschine jetzt länger am Stück läuft. Am nächsten Tag fahren wir noch ein Stück nach Norden, von wo aus die Überfahrt nach Ibiza am kürzesten ist. Es sind nach wie vor keine Gewitter angekündigt, aber wir sind sehr mißtrauisch und angespannt, weil wir jetzt schon zwei Mal böse überrascht worden sind.
Die Fahrt nach Ibiza in der Nacht beginnt mit leichtem Rückenwind, der gerade zum Segeln reicht. Morgens hört der Wind völlig auf und wir motoren 7 Stunden lang. Unmittelbar vor der Einfahrt nach Ibiza bläst es dann plötzlich wieder mit 20 Knoten beim Ankern. In Ibiza ist wie immer die Hölle los. Weil das Wetter paßt wollen wir gleich weiter nach Mallorca. Kurze Rast von ein paar Stunden, dann geht es weiter. Die Nachtfahrt erfolgt unter Maschine bei kaum Wind und ist ruhig. Es ist eine reine Motorfahrt gegen leichten Ostwind, aber problemlos. Die Maschine funktioniert momentan wieder ohne Zicken. In Mallorca rufen wir neue Wetterdaten ab, und beschließen daraufhin gleich nach Sardinien weiter zu fahren. Kurz nach Palma kollidieren wir mit einem treibenden Holzpfosten, dabei wird das Loggegeberrad beschädigt. Ein Tauchgang zeigt glücklicherweise keine weiteren erkennbaren Schäden. Der Loggegeber ist schnell repariert, es war nur die Achse durch den Schlag leicht verbogen.
Etwa 60 Meilen östlich von Mallorca bleibt der Motor wieder einmal stehen, kein großes Problem, wir wissen schon, wie man den Fehler schnell zumindest eine Zeit lang beseitigt. Allerdings zeigt sich beim Öffnen des Motorraums, dass die Seewasserkühlpumpe stark leckt. Wir drehen nach Norden ab, und segeln 30 Meilen nach Menorca. In Mahon waren wir ja schon, und es hat uns gut gefallen. Allerdings in der Vorsaison. Jetzt sind alle Marinas voll, die ganz wenigen Plätze kosten 120 Euro pro Nacht, am einzigen kleinen Ankerplatz ist neuerdings nur 3 Tage ankern frei. Aber wir müssen sowieso in die Marina um die Kühlwasserpumpe zu reparieren. Keiner der 4 Mechaniker, die wir kontaktieren hat in den nächsten Tagen Zeit, sich das Problem auch nur anzusehen, und wegfahren aus der sauteuren Marina ohne Maschine können wir auch nicht. Nach viel Herumtelefonieren finden wir ein Geschäft für VolvoPenta Ersatzeile, 5 km vom Hafen weg, ein gutes Stück am Berg droben! Aber egal, wir können dort neue Dichtungsringe für die Pumpe kaufen und selbst montieren, mit Hilfe eines Mechanikers, der dann doch kurz Zeit für uns hat. Am nächsten Tag können wir aus der teuren Marina weg auf den Ankerplatz, wo wir eben erfahren, dass wir da nur 3 Tage bleiben dürften. Der Wetterdienst verspricht ein Fenster von 3-4 Tagen mit günstigem nördlichen Wind, daher starten wir nach einem Ankertag den 4. Versuch, von Spanien weg nach Sardinien zu kommen.
Die zweitägige Überfahrt geht recht gut, westlich von Sardinien beginnt dann heftiger Nordwind mit bis zu 30 Knoten und 5m hohen Wellen. Ärger als im Atlantik! Im Funk gibt es Sturmwarnung. Wir schaffen es, vor Beginn des Sturms in einer südlichen Bucht Sardiniens unterzuschlüpfen. Einfahrt in die Bucht bei Nacht, ein toller Megascheinwerfer von der Strandbar macht mich völlig blind, Starkwind, und Ankern unter Segel, weil die Kühlpumpe wieder ausfällt. Spannend, aber gut gegangen. Das Pumpenproblem kann am nächsten Morgen rasch beseitigt werden.
Nach einem Ankertag können wir problemlos die letzten 30 Meilen bis nach Cagliari in die Marina fahren. Endlich!
Nächstes Problem: die Wettervorhersage sieht ganz so aus als kämen wir hier die nächsten 10 Tage nicht weg. Südwind bis Ostwind. Kurs Südost. Also auf jeden Fall wieder voll dagegen.
Weil Fotos von Gegenwind oder einem nicht laufenden Motor oder ausgebauten Kühlwasserpumpen nur wenig ergiebig sind, und die Orte an denen wir waren schon bei der Hinfahrt dokumentiert wurden, gibt es an dieser Stelle keine Bilder.

 

 

 

Cartagena

In Gibraltar bleiben wir nur eine Nacht am Anker, die Stadt kennen wir ja schon. Am nächsten Tag geht es 130 Meilen weiter in eine günstige Marina in Almerimar. Wir bleiben wir ein paar Tage zum Einkauf und wollen dann direkt mit dem Westwind  auf die Balearen weiterfahren.  Unterwegs reisst uns das Vorsegel ein und wir müssen in Cartagena einen Zwischenstopp einlegen. Die Segelreparatur dauert 4 Tage. So lang können wir uns Cartagena anschauen. Cartagena ist eine ganz nette Stadt, mit schönem Altstadtkern, Fußgängerzonen mit Marmorpflasterung, es gibt mehrere technische Universitäten, entsprechend viele junge Leute wuseln abends durch die ungezählten Lokale der Stadt. Der Altersschnitt erhöht sich kurzfristig dramatisch, wenn wieder ein Monster-Kreuzfahrtschiff anlegt. Rund um die Altstadt gibt es noch eine Menge Ausgrabungsstätten aus Karthagischer und Römischer Zeit zu besichtigen. Sehenswert ist auch das Museo Naval mit jeder Menge nautischen Objekten.
Nach 4 Tagen ist das Segel fertig, der für uns günstige Westwind hat natürlich aufgehört, Ostwind gegenan hat angefangen. Als wir losfahren ist der Gegenwind statt 15 Knoten bis zu 28 Knoten stark, ein Mordsgewitter mit Regenfronten überholt uns. Dann setzt auch noch der Motor aus, weil wieder irgend ein Dreckwuzel im Diesel die Zufuhr stoppt. Wir segeln 15 Meilen nach Cartagena zurück, bis direkt in den Hafen, weil der Motor nicht verläßlich arbeitet. Zum Anlegen reicht es gerade, und wir reinigen wieder einmal alle Dieselleitungen durch. Der Wind bleibt auf Ost und wird immer stärker. Die nächsten 5 Tage besteht keine Chance, von hier weg zu kommen. Die Wettervorhersage schaut jeden Tag völlig anders aus. Im Moment läßt sich gar nichts länger als einen Tag vorausplanen. Bis zum Ziel Sardinien sind es aber 4-5 Tage Fahrzeit.

Portugal Algarve, und Cadiz bis Gibraltar

Die Fahrt von Lissabon nach Süden zur Algarveküste erweist sich als komplizierter als gedacht. Wir hatten mit angesagtem Nordwind von 15 bis 25 Knoten gerechnet, mit dem wir die 100 Meilen rasch mit Vorwindkurs abgefahren wären. Stattdessen beginnt der Tag mit Null Wind und Motor. Etwas später durchqueren wir zwei Stunden lang eine dichte Nebelbank mit kaum 100m Sicht. Es ist kalt und überall bilden sich Wassertröpfchen. Nach der Ausfahrt aus der Bank ist es wieder wolkenlos und warm. Der „Nordwind“ beginnt dann als Südwind mit 10Knoten, wir kreuzen eine Zeit lang dagegen. Dann dreht er nach West, bleibt aber zu schwach zum Segeln. Erst am späten Nachmittag wird dann endlich ein Nordwind daraus, aber viel zu schwach. Bei maximal 12 Knoten platt vor dem Wind und dazu 1,5m Wellen, wie halt am Atlantik üblich, bleibt kein Segel stehen. Nach ein paar Stunden wird es uns zu blöd und wir motoren die Nacht durch. Recht viel Schiffsverkehr ist hier entlang von Portugal, da gibt es kein Schlafen.
Der Morgen empfängt uns statt mit einem Sonnenaufgang wieder mit dichtem Nebel, aus dem es herausregnet. Wir sind ganz nah am Cabo Vicente ohne es im Nebel zu sehen, hören bloß die Brandung. Erst als wir vorbei sind reißt es auf und es wird langsam sonnig. Der Wind legt, wie bei jedem Kap, deutlich zu, die Welle auch, dann sind wir ums Eck, die Wellen verschwinden fast augenblicklich, und wir können 2 Stunden gemütlich bei Leichtwind segeln, bis der Wind ganz aufhört. Die Algarveküste ist landschaftlich schön, mit Steilküsten und Strandabschnitten, die Orte sind wenig beeindruckend, viele Hotels halt für den Massentourismus. Manche sind ganz nett in die Landschaft eingefügt, andere wiederum sind nur hässliche Glas-Betonklötze. Wir steuern Albufeira an um dort am Anker zu übernachten und wollen am nächsten Tag in die Lagune von Faro weiterfahren.
Die Fahrt dorthin, teils mit Motor, teils am Wind segelnd (ohne Welle! Segeln beginnt langsam wieder Spaß zu machen) dauert bloß 4 Stunden, dann ankern wir in der Lagune, ruhiges Wasser, fast Windstille und heiß. Auch Baden macht wieder Spaß im ruhigen Wasser. Der Ort auf der Sandinsel Culatra ist sehr seltsam. Ein Fischerdorf mit kleinen, aber gepflegten Häuschen, saubere Gässchen mit Straßenlaternen, Mülltonnen, Straßenschildern, Hundegackerlsackerlständern und allem was zu einem Ort halt so gehört – aber keine Straße. Es gibt nur Sandbahnen mit den Spuren von den 3 oder 4 Gemeindetraktoren, die dort den Müll entsorgen. Es gibt dort kein Auto, kein Moped und auch sonst nichts Motorisiertes, außer den paar Traktoren eben, und natürlich die Fischerboote draußen. Im Ort bieten zahlreiche Fischlokale und kleine Beisln Speis und Trank zu halbwegs günstigen Preisen an.


Die Fahrt von Faro nach Cadiz ist als Motorfahrt geplant, da kein Wind vorhergesagt ist. Kein Wind stimmt auch, überraschend sind aber die bis zu 2m Wellen gegenan, die das Fortkommen sehr bremsen. Sie stammen vom Fast-Sturm, der zur Zeit durch die Straße von Gibratar herausbläst. Kurz vor Cadiz kommt auch plötzlich Gegenwind von 18-25 Knoten auf, wir brauchen für die letzten 10 Meilen bis in den Hafen 4 Stunden. Es ist finstere Nacht bei der Ankunft, die grellen Stadtlichter blenden und überdecken alle Navigationshilfen. Eine Nachteinfahrt in einen fremden Hafen bei Starkwind – das mag ich schon gar nicht! Es geht aber gut und wir liegen dann ruhig und sicher in der Marina Puerto America. Es sind nur 5 Minuten mit den Rädern in die Stadt. Cadiz hat eine sehr nette Altstadt auf einer Halbinsel mit sehr engen Gassen. Die Innenstadt ist voller Lokale. Hier treffen wir nach den Kanaren auch wieder auf „100 Montaditos“, die spanische Antwort auf  McDonalds, aber viel besser und viel billiger. Es gibt tausend schmale Gassen mit schönen Fassaden, und alle schauen gleich aus. Man verirrt sich hier leicht, aber die Halbinsel mißt nur 1.2km im Quadrat, und so kommt man in jeder Richtung bald ans Meer hinaus, wo man sich wieder orientieren kann. Die Gassen sind zwar zum großen Teil offen für den Verkehr, es fährt aber außer ein paar Zulieferern niemand herum, nicht einmal Mopeds, es ist gar kein Platz für Autos. Geparkt wird offenbar in irgendwelchen Tiefgaragen oder auswärtigen Plätzen, jedenfalls haben wir nur ganz wenige Autos in der Innenstadt gesehen. Die wirkt wie eine riesige Fußgängerzone. Wir genießen allabendlich das rege Leben in den Gassen und Plätzen, es ist ja noch bis 22 Uhr hell. Wir kochen gar nicht am Schiff, gehen immer auswärts essen, man muß die angenehme Stimmung am Abend in der Stadt einfach genießen.
Nach 2 schönen Tagen in Cadiz nutzen wir ein Wetterfenster, der starke Ostwind hört auf, und wir können durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer zurückfahren. Eine starke Strömung von 3 Knoten schiebt fleißig mit an. Um 14 Uhr kreuzen wir die Fahrtlinie unserer Ausfahrt auf die Kanaren vor 2 Jahren. Der Kreis der Atlantikrunde schließt sich. Abends in Gibraltar wird mit einem Fläschchen Sekt auf die Rückkehr ins Mittelmeer angestoßen. Der Atlantik mit seinen Riesenwellen, dem vielen Regen und nie aufhörenden Winden wird definitiv NICHT in meine Liste meiner bevorzugten Segelreviere aufgenommen.

Portugal, Lissabon

Die portugiesische Hauptstadt ist es schon wert, dass man sich ein paar Tage zur Besichtigung Zeit nimmt. Wir liegen in der Marina Doca de Alcantara im Fluß Téjo. Die ist zwar nicht besonders schön, liegt aber verkehrstechnisch günstig für Stadtbesuche. Südlich von uns liegt der Containerhafen, wenig hübsch und tagsüber laut. Westlich von uns quert die Ponte 25 de Abril den Fluß. Die Brücke ist ähnlich wie die Golden Gate Bridge, und auch nur unwesentlich kleiner als diese. Darüber führt eine sechsspurige Autobahn und eine Etage tiefer die zweigleisige Schnellbahnstrecke. Das Ganze macht Tag und Nacht einen Höllenlärm, zum Glück haben wir genügend Abstand davon. Über uns führt die Einflugschneise zum Flughafen mit Anflügen etwa alle zwei Minuten, aber nur tagsüber. Nördlich schneiden uns eine mehrspurige Strasse, die Schnellbahn und die Tramwaytrasse von der Stadt ab. Wenn man jedoch die Übergänge oder Unterführungen einmal gefunden hat, ist man schnell mitten in der Stadt, mit unglaublich viel Verkehr, Menschen auf den Straßen, vielen Plätzen zum Verweilen, beeindruckenden Bauten und unzähligen Lokalen.
Wir haben die Räder reaktiviert und fahren damit den etwa 10km langen Radweg am Flußufer abwärts. Wir entdecken dabei inmitten der Touristenmassen den Turm von Belem, fahren am Elektromuseum vorbei, besichtigen das Kloster Mosterio do Jerónimos, wandern durch den Botanischen Tropischen Garten, der allerdings etwas enttäuschend ziemlich verwildert und heruntergekommen ist. Weiter flußaufwärts spzieren wir durch den Stadtteil Alfama mit engen und verwinkelten Gassen, Stiegen und Plätzen. Ein Ausflug führt in die Oberstadt, die aber tagsüber nicht gar so beeindruckt. Abends sind hier aber die Lokale offen, und die liegen hier Tür an Tür, da spielt sich’s ab.
Etwa 10km Radfahrt flußaufwärts, größtenteils auf Radwegen, bringen uns zum Oceanário de Lisboa. Das riesige Meeresaquarium im Zentrum mit einer toll gestalteten Unterwasserlandschaft und vielen sehenswerten Bewohnern ist von einer Unzahl kleinerer Aquarien umgeben, die zwar voneinander abgetrennt sind, aber scheinbar doch zusammenhängen, weil man immer wieder Durchsicht aufs Hauptbecken hat. Man hat immer das Gefühl mitten in der Unterwasserwelt und den Felshöhlen herumzuspazieren. Haie, Rochen, riesige Sonnenfische, aber auch kleine bunte Riffbewohner schwimmen wenige Zentimeter vor der Nase vorbei. Außen herum gibt es auch noch gekühlte Abteilungen mit lustigen Pinguinen, aber auch tropischen Regenwald. Die Anlage ist auf jeden Fall absolut sehenswert.
Rund um die Sehenswürdigkeiten gibt es natürlich Touristen-Sonderhöchstpreise, aber etwas abseits der Touristenströme sind die unzähligen Lokale durchwegs preiswert, teilweise sogar echt billig. Auch Einkäufe im Supermarkt machen wieder Spaß, tolles Angebot an Obst und Gemüse, Fleischereien mit Niedrigstpreisen und Bäckereien mit sensationellem Brot.
Nach genau einer Woche Aufenthalt in Lissabon starten wir in Richtung Süden, wollen entlang der Algarveküste, durch die Gibraltarstraße ins Mittelmeer.

P.S.: Mit unserem letzten Tag in Lissabon beenden wir das 3. Jahr unserer Reise.

Atlantiküberfahrt Azoren-Festland

Tag 1: Wir legen am 31.05.2017 um 0730 in Angra do Heroismo auf Terceira ab. Ziel ist Lissabon. Das Wetter soll regnerisch werden, alle Berge sind schon in dichte Wolken gehüllt. Wir fahren unter Maschine los, noch weht sehr schwacher Wind. Der Schwell vor der Hafenausfahrt ist schon 1m, weniger gibt es im Atlantik sowieso nicht. Nach 2 Stunden Motorfahrt ist endlich genug Wind zum Segeln: SüdWest, 12-15 Knoten. Bis zum Nachmittag steigert sich der Wind auf bis 20 Knoten, Welle 2m. Es scheint, dass wir dem Regen von Terceira entgangen sind. Trotzdem ist es rundum grau und unfreundlich. Es ist sehr kühl. Später in der Nacht regnet es dann doch.
Tag 2:  In der Früh dann plötzliche Winddrehung auf NordOst, voll dagegen mit 20 Knoten und massivem Regen. Ganz toll. Es bleibt den ganzen Tag und die folgende Nacht so. Wenigstens der Regen hört am Abend auf, die Nacht bleibt trocken. Unter Segel machen wir kaum Fahrt, weil das Boot sich in jede einzelne entgegenkommende, steile Welle verbeißt. Wir fahren mit Maschine und lassen das Hauptsegel stehen. Höchst beschissener Tag.
Tag 3: Der Wind hat etwas nach Nord gedreht und ist schwächer geworden. Bei Sonnenaufgang werden die Segel gesetzt. Die Sonne zeigt sich nicht, weiterhin starke Bewölkung und es ist saukalt. Am späten Vormittag dann lösen sich die Wolken innerhalb einer halben Stunde völlig auf, die Sonne ist warm, der Wind leicht und aus guter Richtung. Eine Wohltat nach gestern. Der Wind hält die ganze Nacht über an, sehr schwach, aber wir können ganz gut segeln, weil keine Welle mehr bremst.
Tag 4: Morgens hört der Wind völlig auf und wir müssen die Maschine bemühen. Das Azorenhoch (offenbar gibt es so was wirklich, bisher hatten wir dort nur Tiefs erlebt) hat uns voll eingeholt. Zuerst ist es noch bedeckt, ein weisser Schleier, die Sonne ist nur zu erahnen. Und es ist windstill und glatt.  Am Nachmittag klart es wieder plötzlich auf und es wird doch noch sonnig. Abends kommt dann ähnlicher Wind auf wie gestern, wir versuchen zu segeln. Die Nacht über geht es auch so halbwegs, langsam, mit vielen Schlenkern, aber ruhig.
Tag 5: Der Wind wird vorerst nicht stärker, dreht aber nach Achtern, was ihn noch unbrauchbarer macht. Außerdem werden die Wellen wieder höher, von irgendeinem Wind irgendwo auf der Welt. Es ist wieder Motorfahrt angesagt. Am frühen Abend versuchen wir es wieder mit Segeln, Vorwind, leider schwach, wenig Fahrt, aber kein Motorlärm in der Nacht. Über Nacht wird der Wind stärker, die Welle höher. Zeitweilig fahren wir mit Butterfly, später nur noch mit dem Großsegel vor dem Wind.
Tag 6: empfängt uns statt mit einem Sonnenaufgang mit 2 Kaltfronten und ordentlich Regen. Tagsüber zeigt sich ein wenig Sonne durch den grauweissen Schleier, der den ganzen Horizont bedeckt.Der Wind ist unverändert 15 Kt aus West mit 2m Welle. Es sind noch 300 Meilen bis Lissabon, und es geht recht zäh dahin. Abends regnet es noch ein paar Mal. Über Nacht dreht der Wind auf Nord 20 Kt, wir fahren Halbwindkurs, 2m Welle. Wir sind jetzt schnell, aber es ist alle andere als gemütlich.
Tag 7: Wind aus Nord bis Nordost mit 18 Kt. Die kurze Welle, inzwischen 3m hoch, kracht immer wieder gegen das Schiff. Es ist fast wolkenlos, in der Sonne warm, der Wind ist kalt. Vor Beginn der ersten Nachtwache um 20Uhr sind es noch knapp unter 100 Meilen bis Lissabon.  In der Nacht werden Wind und Welle stärker, es beutelt uns grob durch, Wasser kommt auf Halbwindkurs ständig über. Es ist die grauslichste Nachtfahrt bisher.
Tag 8: am Morgen sehen wir Land, wir segeln noch bis etwa 5 Meilen vor der Tejo-Mündung, dann hört der Wind ziemlich plötzlich ganz auf, die 2-3m Wellen von der Nacht reduzieren sich in Landnähe innerhalb einer knappen Stunde auf 0. Es ist sonnig und friedlich als gäb’s nichts anderes. Wir motoren den Fluß Tejo 12 Meilen bis nach Lissabon hinauf.