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ich bin hier

Gäste an Bord

Die letzten 20 Meilen von Les Saintes nach Guadeloupe erweisen sich wieder einmal als Traum karibischen Segelns: Die Vorhersage meldet 13 Knoten wind aus Ost. Ost passt, aber die 13 Knoten sind in Echt 22-25, und die kurze steile Welle ist 2m hoch. Es scheppert und tuscht immerfort und jede 5. Welle steigt mit 10 Litern Salzwasser ins Cockpit ein. Der Bug ist bei jeder Welle unter Wasser. Toll. Mag ich aber nicht so.
Hier in Guadeloupe wollen wir Mitte Februar meine Tochter Anna und ihren Freund Christoph aufnehmen, die uns zwei Wochen lang bis zurück nach Martinique begleiten werden.
Wir ankern vorerst im Schutz der Ile du Gosier an der Südküste. Wir wollen noch nicht ins gammelige Wasser von Point a Pitre reinfahren. Der Wind pfeift hier zwar nach wie vor ständig mit über 20 Knoten am Ankerplatz, aber die Wellen werden von der Insel und dem anschließenden Riff ganz gut abgeblockt, man liegt einigermaßen ruhig.
Der Dauersturm mit über 20 Knoten Wind hält mehr als eine ganze Woche an. Baden: unmöglich. Mit dem Beiboot irgendwohin fahren: unmöglich. Wieder einmal eine richtig typische karibische Traumwoche. Nach einer Woche Ausharren im Sturm segeln wir angenehm(!) bei 22 Knoten Rückenwind in die Stadtbucht von Pointe a Pitre hinein. Dort ist bekanntermaßen beschissener Ankergrund, bei 8 Ankerversuchen flutscht der Anker über den Schlammgrund hinweg, mit absolut Null Halt, die Kette spannt sich nicht einmal leicht an. Beim 9. Versuch glauben wir, dass er ein bisschen halten könnte, wir ziehen einfach beim Einfahren nicht so fest an, und schmeißen alles was geht an Kette raus.
Als unsere Gäste eintreffen ist schlagartig schönstes Wetter mit Leichtwind. Die halten natürlich alles für maßlos übertrieben, wenn ich von den vergangenen Wochen mit Dauerstarkwind erzähle. Die Beiden bringen natürlich jede Menge Dinge für uns von zuhause mit. Aber auch nützliche Urlaubsutensilien für sich selbst, wie etwa ein riesiges aufblasbares Einhorn mit goldenem Horn und Regenbogenschwanz, das in unserer Ankernachbarschaft dann doch einiges Aufsehen erregt.
Am ersten Tag fahren wir mit ihnen nach Gosier zur kleinen Badeinsel hinterm Riff und bleiben dort einmal über Nacht. Dann folgt ein angenehmer Segelschlag nach Les Saintes bei 12 Knoten Halbwind und nur wenig Welle. In Les Saintes bleiben wir 2 Tage an einer Boje in der Stadt, um uns dort alles anzuschauen, inklusive dem Fort mit toller Aussicht und einer Inselrundwanderung. Leider liegt man dort recht schwellig und wir wechseln in unsere Lieblingsbucht Anse sous Vent auf der unbewohnten Insel Cabrit. Anna und Christoph sind begeistert von der Umgebung, Palmen, Stränden, Iguanas und den Schnorchelmöglichkeiten. Nach 3 Tagen segeln wir, wiederum bei besten Bedingungen, nach Dominica, wollen für 5 Tage bleiben. Einen Tag sind wir mit einem Mietauto unterwegs, umrunden die Nordhälfte der Insel, finden Wasserfälle zum Baden, Palmenstrand und Urwald. Leider findet uns auch der Regen mehrmals an diesem Tag. Zurück in der Prince Rupert Bay stellen wir fest, dass es den ganzen Tag heftig aus West geblasen hat. Am Strand mit dem Dinghisteg brechen eineinhalb Meter hohe Wellen. Die Beiboote sind alle an den Strand geborgen worden, am Steg hätte es wohl einige zerstört. Nur zögerlich wagen wenige die Rückfahrt zu ihren ankernden Booten. Das Einsteigen und Losfahren bei solcher Brandung ist aber auch wirklich schon gefährlich. Wir warten mehrere Stunden bis zur Dunkelheit. Es wird aber nicht besser und so wagen wir die Beibootfahrt – ziemlich abenteuerlich und nicht ganz trocken. Die Yachten rollen wie wild in der normalerweise ruhigen Bucht. Schlafen werden wir in dieser Nacht nur sehr wenig. Wenigstens ein kleiner Vorgeschmack für die Gäste, dass es nicht immer so gemütlich abgehen muss, wie in den letzten Tagen. Habe wieder ein bisschen von meiner Glaubwürdigkeit zurückgewonnen.
Die Überfahrt nach Martinique muss bei sehr wenig Wind großteils mit Maschine erfolgen. Da wir dort auch ein paar Tage verplant haben, können wir nicht auf günstigeres Segelwetter warten. Wenigstens ist es völlig ruhig – bis aufs Gebrumme vom Motor. Dort liegen wir vor St.Pierre wieder mit Westwind und unangenehmem Schwell. Einige Tage zuvor ist dort eine kleinere Segelyacht gestrandet und liegt halb unter Wasser. Die Hebeaktion mit riesigen Luftkissen dauert fast einen ganzen Tag, ist aber letztendlich erfolgreich. In St.Pierre besuchen wir die Rumbrennerei Depaz und den Zoo. Der Canal de Beauregard kann leider nicht bewandert werden. Er ist beim letzten Hurrikandurchzug wohl beschädigt worden und noch nicht wieder eröffnet. Drei Tage verbringen wir dann in der Badebucht Anse Noire und schnorcheln mit bunten Fischen und Schildkröten. Hier sind wir weit genug entfernt vom Faschingswahnsinn der Hauptstadt, den wir im Vorjahr zur Genüge genießen durften. Es gibt nur den üblichen Ankerspaß der Tagesausflügler-Motorboote. Zwei der Highlights: Ein hochmotorisierter Schlauchbootpilot möchte unbedingt an unserer Ankerboje festmachen und reagiert mit völliger Verständnislosigkeit, als ich ihn mit meiner freundlichen Art bitte, dies zu unterlassen. Und ein anderer hat längsseits an einem zweiten Boot angelegt und den Heckanker geworfen. Beim Losfahren vergisst er auf seinen Anker, schleppt ihn einfach hinten nach und merkt es gar nicht. Motorpower besiegt Ankerhaltekraft. Beeindruckend.
Dann beginnt wieder der übliche karibische Starkwind mit mindestens 10x Regen pro Tag, am letzten Tag für unsere Besucher in Fort de France bläst es mit 28 Knoten, Spitzen mit 35. So lernen sie auch das normale Wetter hier kennen und sind froh, ein paar angenehme Badetage erwischt zu haben.

von Martinique bis Guadeloupe

In der Bucht von Le Marin wird ein großer Bereich des Ufers zum Ankern gesperrt. Etwa 50 Boote müssen den Platz verlassen und fahren raus nach Ste.Anne. Wir sind davon nicht betroffen, fahren aber trotzdem auch hinaus. Zum Einen treffen wir uns dort mit der „Seven Seas“, zum Anderen wird unsere Ankerumgebung immer seltsamer: hinter uns liegt ein Katamaran, dessen Generator morgens und abends je zwei Stunden lang läuft, fast täglich wird dort Wäsche gewaschen. Das braucht eine Menge Energie. Und vor uns hat sich ein patziger Motorkatamaran hingepflanzt, dessen Maschinen überhaupt gleich den ganzen Tag laufen. Seltsame Menschen. Außerdem ist das Wetter ruhiger geworden, und der riesige Ankerplatz vor Ste.Anne ist dann zum Baden schöner. Am zweiten Tag draußen gibt es eine Einladung zum Abendessen auf „Seven Seas“, zwei Tage danach schlagen wir mit einem Grillabend zurück. Zuvor machen wir eine gemeinsame Wanderung rund um den Bezirk Ste.Anne, gut 15km Gehstrecke. Es wechseln Regenwald, palmenbesetzte Sandstrände, trockene vulkanische Geröllebenen, Mangrovenwald, Salinen und Agrargebiete einander ab. Letztere sind besonders schwierig zu begehen, da die „Wege“ von pflügenden Traktoren völlig verwüstet sind. Die nächsten 2 Tage verbringen wir eher ruhig mit dem Auskurieren des Muskelkaters.
Es ist wieder ziemlich windig geworden, schon mehrere Tage ständig 20 – 25 Knoten. Wir gehen daher an den fast leeren Strand zum Baden, dort ist es ruhiger. Zu Karolines Geburtstag laden wir Veronika und Robert von  „Seven Seas“ zum gemeinsamen Abendessen ein. Da Robert am nächsten Tag auch Geburtstag hat, gibt es eine feine Doppelfeier. „Seven Seas“ fahren am nächsten Tag weiter nach Norden, wir werden noch einen Tag zuwarten, denn der Wind soll angeblich schwächer werden. Am ersten Tag fahren wir mit angenehmem Wind bis St.Pierre, ankern dort einen Tag zum Ausklarieren, und setzen dann nach Dominica über, wo wir ohne einzuklarieren übernachten. Um elf Uhr nachts werden wir dann von extrem lauten Schnarrgeräuschen, 0,5 bis 1 Sekunden langen Tönen in wechselnder Lautstärke geweckt. Erste Ursachensuche in der Elektrik, es klingt nämlich wie ein flatterndes Relais. Nach totaler Stromabschaltung schnarrt es aber fröhlich weiter, kommt von unten aus dem Wasser. Man hört es nur unter Deck, draußen ist es völlig ruhig. Wir beschließen, daß das wohl eine Gruppe irgendwelcher Meeressäuger mit ihren Ortungssignalen sein muß. Nach etwa einer Stunde ist der Spuk vorbei.
Tags darauf folgt die 20- Meilen-Fahrt nach Les Saintes. Die Segelbedingungen in den zwei Tagen sind ungewohnt angenehm, 12-15 Knoten Wind und fast keine Welle, meist unter 1 Meter. Das sind fast adriamäßige Verhältnisse. Die Windrichtung allerdings auch: Nordnordost, also wieder einmal hart am Wind. Wenigstens ist das bei dem relativ schwachen Wind nicht schlimm. Die Les Saintes sind eher felsig, spärlicher bewachsen und wirken eher kroatisch als karibisch. Hier ankern wir in der relativ kleinen Bucht Anse Fideling, einer der wenigen Plätze hier ohne Bojen zum frei Ankern bei ruhigem Wetter.
Die Fahrt nach Guadeloupe, Westküste, nach Pigeon Island ist auch recht angenehm, bei 10-15 Knoten Rückenwind und wenig Welle geht sogar Butterfly-Segeln. Pigeon Island soll laut Segelführer ein tolles Schnorchel- und Tauchgebiet mit gutem Ankerplatz sein. Dort angekommen ist der sehr kleine Ankerbereich vollgestopft mit Privat-Bojen, und es ist ein halber Meter Schwell bei Windstille. Alle Boote pempern hin und her wie verrückt. Am Strand geht gleich die Straße entlang, riesen Busparkplatz, Touristen-Ausflugsboote alle paar Minuten. Eigentlich wollten wir hier etwa eine Woche bleiben. Wir beschließen aber gleich morgen in aller Früh hier wieder wegzufahren, zurück nach Les Saintes. Hier jedenfalls muß man nicht gewesen sein.

Die Baumstütze, die schon längere Zeit angerostet war, hat den Vorwindkurs nicht überstanden und ist abgebrochen. 500Euro kostet so ein Trumm, 3 Alu-Röhrln und eine Stahlfeder, und rostet einfach ab. Wie alles Schiffsmaterial sauteuer und nur von miesester Qualität. Dass man Alu und Stahl bei Salzwasser nicht so ohne Weiteres zusammenbringen soll, haben die sicher nicht gewusst…. Die Reparatur nimmt den ganzen Nachmittag in Anspruch, wir schneiden etwa 5cm Alu-Rohr heraus.
Die Fahrt zurück sollte laut Windvorhersage unter Maschine bei Windstille erfolgen. Die „Windstille“ bewegt sich dann zwischen 12 und 23(!) Knoten von Ost, also genau dagegen. Die meiste Zeit aber bläst es mit unter 15, was zum aufkreuzen dann gar nicht so schlecht ist. Auf den Les Saints zurück nehmen wir uns eine Boje für eine Woche. Im Wald vor unserem Bojenplatz campiert eine Schulklasse, ein Schulprojekt mit Aussetzung einer Solarboje zur Unterstützung des Korallenwachstums. Alle haben blaue T-Shirts an, wir wähnen uns in Schlumpfhausen. Trotz der erschreckenden Anzahl von ca. 25 pubertierenden Halbwüchsigen hält sich die Lärmbelästigung abends überraschend sehr in Grenzen.
Wir wandern am Sonntag die gesamte Insel Terre de Haut ab, das sind etwa 2km Straße in jeder Richtung. Man kann hier allerdings auch Elektro-Autos, Golfcars, für 70Euro(!) am Tag mieten, und die sind trotzdem immer ziemlich ausgebucht. Wir kommen auch in die östlichen Buchten der Insel, die sind zum Befahren mit Yachten sowieso gesperrt, da kommen wir nur von Land aus hin. In der Stadtbucht der Insel liegen heute die beiden Kreuzfahrtschiffe „Sea Cloud“ und „Sea Cloud II“ aus Malta vor Anker. Es sind 4, bzw. 3-mastige Rahsegler, die dann trotzdem natürlich mit Maschine fahren und gewaltig schwarzen Dieselruß ausblasen.

Weihnachten bis Neujahr

Wegen des starken Windes ist es draußen am Ankerplatz vor Ste.Anne doch ein wenig ungemütlich geworden. Von vorne gibt es giftige Windwellen, und hinten rauschen die Wasserskiboote vom Club Med vorbei und erzeugen Gegenwellen. Zum Baden ziemlich ungeeignet. Wir verlegen uns zurück hinein in einen äußeren Teil der Bucht von Le Marin. Hier ist trotz des Mangrovenwaldes das Wasser einigermaßen klar zum Baden, aber vor Allem ruhig!
Wir ankern neben Wolfgang und Christiane von der „Libertina“ zwischen zwei Riffen. Sonst noch einige weitere deutsche Boote rundum, die meisten kennen wir schon. Hier fährt kaum jemand herein oder raus. Die Einfahrt ist ein bisschen knifflig und vom Ankerplatz ist es dann doch recht weit zum Supermarkt und zu den Lokalen. Dafür ist es sehr ruhig. Ein französisches 50-Fuß-Stahlboot gesellt sich vor Weihnachten dazu, man läßt den Anker fallen und verläßt das Schiff für drei Tage. Dieses macht sich dann langsam selbständig auf die Reise durchs Ankerfeld und rutscht in den drei Tagen um mindestens 6 Bootslängen zurück, ohne jedoch jemanden zu gefährden, auf eine Sandbank zu. Bei ihrer Rückkehr scheint die Besatzung nicht sonderlich beeindruckt oder gar beunruhigt zu sein. Die hängt einfach ein paar Fender raus und verschwindet wieder. Bis zur Sandbank sind es ja nochmals 6 Bootslängen…. Ziemlich cool. Oder doch verrückt?
Wir haben für Silvester eingekauft, Grillzeugs und Sekt zum Anstoßen. Eigentlich wollen wir den Abend am Schiff verbringen, obwohl in den umliegenden Lokalen überall Silvestermenus angeboten werden. Aber das ist uns fast zuviel Rummel, und außerdem steht noch gar nicht fest, ob wir überhaupt bis Mitternacht aufbleiben werden, im Vorjahr haben wir es nicht geschafft. Dann Planänderung am Vortag zu Silvester: wir werden zusammen mit der „Libertina“ auf dem daneben ankernden Katamaran „Fradolin“ von Frank und Dorothea zum Fondue eingeladen. Unser Silvestermenue vom Grill wird daher um einen Tag vorgezogen. Da sind wir doch flexibel!
Am gleichen Tag abends kommt noch ein dicker Brummer hereingefahren und ankert unweit von uns. „Ecstasea“ steht drauf, und Wikipedia weiß: das Ding ist 86m lang, 12m breit, und wurde vom Herrn Roman Abramovich (wem sonst?) für 200 Mio. Dollar in Auftrag gegeben. Es war eines der kleineren(!) Schiffchen in dessen Flotte. Dafür aber das schnellste: zusätzlich zu den 13.000 Diesel-PS kann man da eine kleine 30.000-PS-Gasturbine anwerfen. 43.000 PS für 36 Knoten Topspeed. Das würde so mancher Sportbootfahrer gerne können wollen. Jetzt gehört die Kiste irgend einem pakistanischen Multimilliardär, der seine Kohle sicher auch auf ganz ehrliche Weise mit harter Arbeit verdient. Foto gibt’s davon keines, weil am nächsten Tag morgens ist Ecstasea wieder verschwunden.
Für das Silversteressen wurde so reichlich eingekauft, dass für den Neujahrstag sich noch ein kleines gemeinsames Abend-Restlessen ausgeht. Am Neujahrstag schüttet es fast durchgehend, daher wird der geplante Spaziergang nach Ste.Anne zum Eisessen um einen Tag verschoben.
Inzwischen sind auch unsere Freunde Veronika und Robert von „Seven Seas “ aus dem Süden kommend hier eingetroffen und berichten von sehr windigen Überfahrten mit hohen Wellen und beschädigter Genua. Da haben wir wohl in der Zwischenzeit draußen nix versäumt.

…leider nicht mehr unterwegs nach Norden

Startermotor defekt! Wir spendieren der Sch…Maschine einen pipifeinen Ölwechsel, und die dankt es uns mit einem zerbröselten Starter-Ritzel. Etwa 15 einzelne Zähne fallen hinten in den Motor rein, und sollen dort nicht unbedingt liegenbleiben! Also Maschine vom Saildrive abflanschen, nach vorne ziehen, Schwungrad ausbauen, Zähne nachfeilen, zusammenbauen, Maschine zurückschieben, neuen Startermotor einbauen. 2 Tage Arbeit mit einem professionellen Mechaniker im Motorraum mit Null Platz rundum macht einmal locker 980 Euro, dabei haben wir nicht einmal Original-Ersatzteile verwendet, sondern günstigere Nachbauteile. Zusammen mit der 200-Euro-Ersatzbatterie kratzen wir diesen Monat an der Grenze zum nicht-mehr-lustig sein. Alle Bootfahrer müssen Millionäre sein. Alle anderen zumindest.
Da die blöden Christmas-Starkwinde angekündigt sind, und auch tatsächlich kommen, so mit dauernd über 25 Knoten, fährt hier zur Zeit niemand raus. Der Hafen ist bummvoll, der Ankerplatz vorm Hafen auch. Wir ankern trotzdem draussen, weil das Wasser dort ein bisschen klarer ist als die widerliche Hafenbrühe, um die nächste stürmische Woche dort auszusitzen. Nebenbei tolles karibisches Wetter mit Regenschauern etwa zu jeder vollen Stunde. Der viele Regen findet seinen Weg durch ein paar neue Montagebohrungen, die der Segelmacher für das neue Verdeck gebohrt, aber leider nicht abgedichtet hat. Im Salon bildet sich aus dem Bezug der Deckenverkleidung ein hübscher, tropfender Wassersack. Genau über dem Computertisch. Bootfahren ist einfach Spaß ohne Ende.
Eigentlich aus Langeweile und ohne Aussicht auf Erfolg, weil hier noch nie was gefangen, hänge ich nachmittags die Angelleine raus und vergesse sie. Als es dann stockfinster ist und das Beiboot hinten schon hochgehievt, beißt ein Hornhecht an. Beim Einholen des Fangs gibt es dann doch ein bisschen Chaos im Finsteren und mit der verhedderten Angelleine im Beiboot, aber letztlich landet das Fischlein doch gepuzt und zerlegt im Kühlschrank fürs morgige Essen.
Inzwischen ist klar, dass wie hier tatsächlich noch länger bleiben müssen – wetterbedingt. Man hört von einigen Schiffen, die draussen in gröbere Bedrängnis gekommen sind. Deshalb fährt hier aus dem geschützten Le Marin auf Martinique kaum jemand weg, der nicht unbedingt muss. Im Gegenteil, es kommen immer mehr uns bekannte Schiffe hier an, inzwischen ist schon wieder eine beträchtliche Runde aus befreundeten Seglern hier. Alle verbringen hier Weihnachten und werden wohl auch bis nach Sylvester bleiben. So wird’s wenigstens nicht fad beim Warten. Heute ist Weihnachten, und wir werden den Tag mit gemütlichem Grillen am Schiff verbringen.