Korinth

Trizonia ist eine kleine Insel im Golf von Korinth. Es gibt dort keine Autos oder Mopeds. Ein paar Gemeindefahrzeuge für die Müllentsorgung sind da und ein paar verrostete Pickups ohne Anmeldung für wichtige Transporte. Die fahren aber nur, wenn’s wirklich notwendig ist. Hier fahren keine Verrückten nur so zum Spaß zig Mal die Promenade auf und ab. Es herrscht angenehme Ruhe. Das Inselchen ist etwa 3km lang und 1km breit mit einer Bucht in der Mitte. Hier sind ein paar Tavernen und eine Kirche. Nicht einmal ein Markt ist da. In der Bucht liegt ein bestens geschützter Hafen, eine Marina, die nie fertig wurde. Somit auch kostenfrei zu benutzen. Die Steganlagen bestehen, Wasser gibt es an ein paar Hähnen, kein Strom. Etwa 80 Yachten hätten hier wohl Platz, es sind aber nur rund 50 da, es ist trozdem voll, weil viele bequemlichkeitshalber längsseits liegen. Hier liegen einige Dauerlieger, die wohl schon jahrelang nicht mehr betreten wurden und auch nie mehr losfahren werden, in Anbetracht des Zustandes der Schiffe. Viele schwimmende Leichen hängen da herum, sogar drei völlig abgesoffene Yachten gibt es mitten im Hafen. Das stört hier keinen, es gibt eine eingeschworene Gemeinschaft von bereits-jahrelang-hier-wohnenden, darunter drei Österreicher, jeder kennt jeden, man wird als Neuankömmling jedoch recht freundlich aufgenommen. Hinter uns liegt die „Andrea Helena“ aus Südafrika am Steg, die kennen wir auch schon aus der Karibik.
Wir wandern die Insel ab, es gibt rundum wenige „Straßen“, besser Schotterwege, schlecht befahrbar aber gut bewanderbar, wären da nicht Tausende von Spinnennetzen, die sich von den Büschen quer über den Weg spannen. Natürlich in Kopfhöhe. Oder tiefer. Alle 2,3 Meter muß man so ein Netz beiseite schieben, um weiter zu kommen. Für ein Wegstück von 1,3km brauchen wir sogar mehr als eine Stunde bis wir den fetten Spinnen lebend entkommen sind. Wir sind beide nicht gerade Spinnenliebhaber. Abgesehen von den Krabbelviechern ist die Landschaft jetzt herrlich. Es ist alles absolut untypisch grün. Man geht durch hüfthohes Gras, fette Wiesen mit einem Blütenmeer. Im Sommer ist das dann alles braun und dürr. Noch ist hier nichts los, in der Saison dürften aber doch zahlreiche Tagesgäste mit dem Taxiboot hier vorbeikommen, die Tavernen sind jedenfalls für viele Leute gerüstet. Die Ruhe hier, das Fehlen von Autos und die räumliche Begrenztheit bieten eine gute Umgebung für unsere Katze. Die läuft die meiste Zeit allein und frei herum, kommt aber immer wieder zum Boot zurück. Leider findet sie auch immer wieder „Leckerlis“ rund um Mülltonnen, was sich eigentlich für eine ordentliche Bordkatze nicht geziemt. Aber was soll’s, sie genießt den Auslauf, auch wenn sie öfter klein beigeben muß, wenn die einheimischen Katzenmonster ihr Mülltonnenrevier verteidigen.
Nächster Halt ist im Stadthafen von Galaxidi. Das ist ein nettes kleines Städtchen, nichts Besonderes, aber ein halbwegs gut geschützter Liegeplatz. Von dort aus soll es gute Busverbindungen ins nahe gelegene Delphi geben. Dort fahren wir natürlich hin .Die Fahrzeiten sind dann doch nicht so toll, die Heimfahrt muß mit dem Taxi erfolgen, der einzige Bus abends geht erst um 9 Uhr zurück. Die Fahrt führt über die Stadt Itea, dort gibt jede Menge Olivenbäume, den größten zusammenhängenden Olivenhain Griechenlands, wie uns die Reiseführer berichten. Die Ruinen der Tempel in Delphi sind beeindruckend, aber noch beeindruckender ist die Landschaft. Hoch auf einem steilen Abhang gelegen, unter senkrechten Felswänden führt ein steiler Weg duch die Tempelreste. Die Aussicht in die schmale Schlucht, und die angenzende Ebene bis zum Meer ist grandios.
Tags darauf wird unser ruhiger Liegeplatz von 3 Charterbooten gestört. Das Anlegemanöver gestaltet sich, wie bei Charterfahrern üblich, sehr spannend, viel Geschrei, vor und zurück, Anker rutscht, an allen Nachbarbooten Gezerre und Geschiebe, damit es keine Kollisionen gibt. Der Wirbel auf den Booten geht dann die halbe Nacht lang, um halb sechs in der Früh (!) sind die ersten wieder auf um schnell eine zu rauchen, natürlich unter lautstarker Diskussion, und fast alle sind Raucher. Wir hoffen schon, dass die jetzt ablegen. Tun sie aber nicht, sondern trödeln noch bis elf herum, bis sie endlich ablegen. Nicht ohne vorher die Maschine mindestens eine halbe Stunde warmlaufen zu lassen. Muß man. Dann ist der Spuk vorbei, die erste Begegnung mit nervigen Charterboot-Flotten ist überstanden. Es werden leider noch viele folgen.
Nächster Ort is Kiato, ein paar Kilometer vor Korinth. Hier wollen wir beim Lidl einkaufen, und das Katzi soll eine weitere Impfung kriegen. Leider hat sie eine leichte Milchdrüsenentzündung, die Impfung muß daher 4 Tage warten. Der Ort bietet zwar nichts Besonderes, trotzdem werden wir hier solang abwarten, es gibt im Umfeld keine nahe liegenden Ziele, die sich lohnen würden, und das Wetter ist auch eher sauschlecht. Erst stümisch, dann ein kompletter Regentag. Als Zeitvertreib helfen wir deutschen Seglern, deren Boot sich beim Anlegen in den wirr herumhängenden Bojen und alten Muringleinen verfangen hat. Dann geht Sonntag nachmitags am gegenüber liegenden Steg ein PKW in Flammen auf und ist bis zum Eintreffen der Feuerwehr völlig ausgebrannt. Tolle Sicht über den Hafen auf 50m Entfernung. Wir so fasziniert, dass wir sogar aufs Fotografieren vergessen. Beim nächsten Tierarztbesuch ist Mutzi wieder fit und kann ihre Impfung bekommen. Am folgenden Tag geht es endlich weiter nach Korinth. Es ist Dienstag, und da ist der Kanal immer geschlossen, daher bleiben wir eine Nacht im Stadthafen, bevor es an die Kanaldurchfahrt geht.
Die Durchfahrt ist teuer, kostet 175 Euro für uns, aber das Erlebnis lohnt sich. Wir sind beeindruckt, Katze verschläft alles. Von „drinnen“ ist der Kanal viel toller als von den Brücken aus gesehen. Den Anblick kenn ich schon. Vor Allem in der Mitte, wo die etwa 80 Meter hohen flanken fast senkrecht stehen, wirkt er unten sehr schmal. Mit einem großen Schiff bleibt da seitlich nicht viel Platz. Jetzt sind wir im Saronischen Golf, in dem auch Athen liegt. Dort wollen wir aber nicht hin.

Die Reise beginnt endlich

Endlich ist alles bereit, am griechisch-orthodoxen Osterwochenende verlassen wir Preveza endgültig. Erstes Ziel ist Lefkada. Segeln ist vorläufig nicht, fast kein Wind, aber das ist uns eh lieber. Sobald ein bisschen Wind geht ist es gleich saukalt. Der Stadthafen von Lefkada bietet zur Zeit noch gratis Liegeplätze, wie auch in Preveza. Es sind nur ganz wenige Bootfahrer unterwegs, meist Briten. Die Charterflotten sind noch nicht gebucht, die Boote werden gerade in den Häfen klar gemacht. Bei so wenig Kundschaft lohnt sich der Aufwand für das Kassieren der Liegegebühr wohl noch nicht. Ein paar Liegeplätze neben uns versinkt über Nacht ein unbewohntes Charterboot direkt an der Mole im etwa 4m tiefen Wasser. Nur Mast und Solarpanel schauen in der Früh noch heraus. Das gibt eine Menge Aufregung bei den Leuten der Charterfirma und der Hafenpolizei. Den Grund für das Volllaufen des Segelbootes können wir nicht eruieren.
Nächste Station ist ein Ankerplatz in Sivota, da waren wir auch im Herbst schon. Damals war es ziemlich voll, so etwa 200 Schiffe jetzt ist hier praktisch gar nichts los. Die Ruhe ist höchst angenehm und wird nur manchmal von einer Gruppe von Mopedfahrern gestört, die hier ihre kleinen Rennen fahren. Nicht gar schnell, aber mit viel Krach, weil auf jeden Fall ohne Auspuff.
Danach fahren wir wieder für ein paar Tage in die ruhige Ankerbucht auf Ithaki, in der wir schon voriges Jahr länger waren. Nach zwei Tagen in Vathy setzen wir aufs Festland über, an die Einfahrt zum Golf von Patras. Segeln ist nicht möglich, es geht fast kein Wind und es ist so dunstig, dass man kaum ein paar hundert Meter Sicht hat. Nur wenn man auf einen Ankerplatz kommt oder an einer Hafenmole anlegt fängt plötzlich Wind mit wenigstens 12 Knoten an zu blasen und hält bis in die Nacht hinein an. Und alle griechischen Häfen sind so idiotisch angelegt, dass auch bei geringstem Wind sich sofort Schwell und Kreuzseen bilden, und ein ruhiges Liegen unmöglich machen. Daher ankern wir wieder einmal in einem Hafen, diesmal Mesolongi. Dort wollen wir uns auch eine Marina ansehen, die eventuell für einen Winterliegeplatz in Frage kommt. Preis und Ausstattung sind angemessen, aufgrund einiger fehlenden Genehmigungen ist die Marina jedoch noch nicht sicher verfügbar. Wenn das erledigt ist, schaut der Ort für uns ganz gut aus für eine Überwinterung.
Die weitere Fahrt führt uns durch den Golf von Patras zur Rion-Brücke, die Festland und Peloponnes bei Patras verbindet. Die Durchfahrt gestaltet sich aufregend: Obwohl gerade kein weiteres Schiff außer uns unterwegs ist, und zwischen den Pylonen 3 Mal etwa 550m breite Durchfahrten bestehen, muß man 5 Meilen vor Erreichen der Brücke eine Kontrollbehörde anfunken. Da erhält man nach Angabe von Schiffsnamen, Fahrgeschwindigkeit und Masthöhe einen der 3 Durchfahrtskanäle zugewiesen. Eine Meile vor der Durchfahrt wird per Funk nochmals bestätigt, und nach Durchfahrt wird man abermals kontaktiert und mit kalo taxidi freundlich verabschiedet. Jetzt sind wir im Golf von Korinth.
Die anschließende Nächtigung im Hafen von Navpaktos ist wegen des starken Schwells äußerst unangenehm. Der Hafen ist klein, gerade einmal 3 Segelboote mit uns, und liegt idyllisch innerhalb einer venezianischen Stadtmauer. Deren Schutz gegen Wellen ist jedoch trügerisch, weil wegen der geringen Größe ist allein die Einfahrtsöffnung schon ein Drittel der Hafenbreite. Also praktisch offen. Die Besichtigung der venezianischen Festung ist ein recht anstrengender Marsch, Die Burg liegt hoch oben am Berg.
Nach einer Winddrehung auf West können wir uns zügig mit Vorwindkurs weiter in den Golf von Korinth treiben lassen. Ziel ist die Insel Trizonia mit ihrem geschützten Hafen, einer unvollendeten Marina. Mehr darüber im nächsten Bericht.

Start in die neue Saison

Der Februar in Österreich war extra kalt und schneereich. Jetzt, Mitte März, wo es daheim ein bisschen Frühling wird, fahren wir wieder nach Griechenland los. Die Anreise ist mühsam: Bus von Graz nach Schwechat 2,5 Stunden. Flug von Wien nach Athen auch 2,5 Stunden. Dann mit dem Athener Stadtbus vom Flughafen zum Busbahnhof über 1 Stunde. Und dann noch 5 Stunden mit dem Fernbus nach Preveza. Wenigstens fallen die Abfahrzeiten gerade so günstig, dass wir zwischenzeitlich kaum einmal mehr als eine Stunde warten müssen. Bei der Heimfahrt mussten wir sogar 8 Stunden auf den Flug warten. Bei der Ankunft am Schiff um Mitternacht bläst ein kalter Wind und es regnet. Die beiden riesigen Wachhunde der Werft begrüßen uns aufgeregt bellend, aber freudig mit den Schwänzen wedelnd, als ob sie uns wiedererkennen würden. Ich glaube aber eher, dass die sich sowieso über jeden Besucher freuen. Die beiden Katzenbabys haben den Winter auch gut überstanden, sind inzwischen gleich groß wie die übrigen fünf, aber jetzt auch ebenso scheu. Bis auf ein schwarz-braun-weisses Kätzchen, das immer schon zutraulicher war und jetzt nicht mehr von unserer Seite weicht. Nach ein paar Tagen ist die Mietze so gut wie bei uns eingezogen, und wir überlegen ensthaft die Möglichkeit, das süße Viecherl in den Rang einer dauerhaften, offiziellen Bordkatze zu befördern.
Das Boot ist in Ordnung, kein Wasser vom winterlichen Dauerregen ist eingedrungen, auch Schimmel hat sich nicht gebildet. Die Werftleute haben ein paar Arbeiten vorab bestens erledigt, uns bleibt jetzt noch das Streichen des Antifoulings. Vorläufig muss das aber warten. Ein Tief über Süditalien bringt absolutes Mistwetter, kalt, feucht, windig. Zuhause wär’s jetzt wahrscheinlich freundlicher. Es ist Sturm mit 35 Knoten, sodass das ganze Boot beängstigend auf dem Stellbock vibriert, und zwischendurch schüttet, blitzt und kracht es fast täglich.  Das Tief über Italien zieht weiter, und wird unverzüglich durch mehrere neue ersetzt, für ganz Griechenland gibt es täglich neue Sturmwarnungen. Tolles Frühlingswetter, mittlerweile bis Ostern bestätigt. Wie wir hören soll es aber auch daheim noch klemmen mit dem Frühlingsbeginn.
Es gibt noch hundert Sachen zu erledigen, Einkäufe, kleinere Reparaturen und Instandsetzungen. An der Propellerachse finden sich die Reste von einem Fischernetz. Die werden im Zuge des Austauschs der Zinkanode entfernt, und der ganze Saildrive wird neu gestrichen. Eine neue Ankerkette wird eingezogen. Und es gibt eine Menge zu putzen. In den 2 Wochen Werftzeit finden sich gerade einmal 3 halbwegs sonnige, trockene Tage an denen wir die Außenstreicharbeiten erledigen können.
Am 30. März ist das Zuwasserlassen geplant. Das Wetter ist seit 2 Tagen schön mit wenig Wind. Zuerst kommt der Brite Carl mit seinem Katamaran dran. Dazu zwängt sich der dicke Autokran bis auf wenige Zentimeter neben unser aufgebocktes Schiff. Irgendwie geht sich das aber alles aus, die Burschen haben doch ein wenig Routine mit diesen Dingen. Eine Stunde später schaukelt auch Toroa im Wasser. Nach kurzem Widerwillen springt sogar der Motor wieder an, und wir verlegen in den Stadthafen von Preveza. Dort ist am nächsten Tag natürlich wieder Sturm von der offenen Seite, und es schmeisst uns an der Mole herum, wie wir das von den meisten griechischen Häfen bereits kennen.
Die Maschine kriegt einen Ölwechsel mit der neuen Ölabsaugpumpe, denn die alte ist letztes Mal beim Pumpen auseinander gefallen und hat eine riesen Schweinerei verursacht. Das passiert uns nicht noch einmal! Dafür ist der Kanister mit dem abgsaugten Altöl am Boden undicht, und die Sauerei ist die Gleiche.
Unsere neue Mitbewohnerin war inzwischen beim Tierarzt zur Entflohung, Entwurmung, Sterilisation und einen Chip hat sie auch bekommen, hat jetzt quasi eine IP-Adresse. Einen richtigen Namen hat sie eigentlich nicht, der wäre ihr aber auch egal, wir rufen sie meist „Mutzi“ , und sie reagiert eigentlich mehr auf den Tonfall, als auf das was man sagt. Im Schiff fühlt sie sich sehr wohl, benimmt sich brav, und hat das Katzenklo auf Anhieb akzeptiert. Während der Fahrt geht sie auch an Deck, nur an der Stadtmole ist sie von den vielen Menschen und Geräuschen rundum noch ein bisschen verschreckt und geht lieber schnell wieder unter Deck mit uns. Wir sind aber eh froh, dass sie keine Lust verspürt, irgenwo hin abzuhauen. Sie wird aber von Tag zu Tag cooler und geht mittlerweile auch schon kurz mal alleine an Deck. Ihre Lieblingsbeschäftigung bleibt aber weiterhin das Kuscheln mit uns.
Ein paar Tage müssen wir noch hier in Preveza bleiben, das Kätzchen kriegt noch eine Impfung, und dann starten wir los in die neue Saison. Noch ist offen, ob wir durch den Kanal von Korinth fahren können. Der ist nach einem Felsrutsch im Winter noch unpassierbar, soll aber demnächst wieder offen sein.
Bevor es los geht wollen wir noch das Vorsegel aufziehen, es bleibt aber kurz vor dem Masttopp stecken. Ein Abschnitt des Vorstagprofiles hat sich gelöst und verschoben, das Drehlager geht dort nicht mehr drüber. Wir natürlich, keine Ahnung von nichts, denken, dass uns da nur ein professioneller Riggservice-Dienst wird helfen können. Wir fahren dafür nach Lefkada, wo uns ein solcher erklärt, der Reparaturdienst sei voll ausgebucht und er gibt uns einen Begutachtungstermin in etwa 4 Wochen! So lang werden wir sicher nicht warten, Karoline wird am nächsten Tag wieder einmal in den Mast gehievt und kann den Fehler beheben. Es war zum Glück nichts wirklich kaputt, nur eine Verriegelung zwischen den Profilstücke war aufgegangen. Erfreulich. Selbstgemacht – kost‘ nix.

Preveza, Ambrakischer Golf, Winterlager

Lefkas-Stadt ist ein Touristenort, von einer Lagune umgeben, flach, und daher mit den Rädern gut befahrbar. Wir machen einige Ausflüge in die Umgebung, den am offenen Meer liegenden Sandstrand für Kiter und Windsurfer, und wir besuchen drei mehr oder weniger erhaltene Festungen rund um die Stadt. Es gibt massenhaft Restaurants und gute Einkaufsmöglichkeiten. Die Touristenmassen sind schon etwas ausgedünnt, kaum noch Badegäste, aber die Charterbootfahrer sind noch zahlreich. Nach vier Tagen wechseln wir aufs Festland nach Preveza am Eingang des Ambrakischen Golfs. Der liegt wie ein großer See, ruhig und  gut geschützt nach allen Seiten. Hier werden wir noch etwa zwei Wochen in Ruhe herumbuchteln, bis wir zurück nach Preveza fahren werden, um dort den Winterlagerplatz aufzusuchen.
Ein paar Tage sind wir im Hafen Preveza, liegen gratis. Zwischendurch fahren wir einmal zum Boatyard, wo wir das Schiff im Winter lassen werden, und klären ein paar Details ab. Dann geht es weiter in eine einsame Bucht nahe Vonitsa. Wir sind dort die meiste Zeit allein. Es sind hier kaum noch Charterboote unterwegs. Die nächsten paar Tage sind wir dann in Vonitsa, erst an der Mole, dann später am Ankerplatz hinter einer kleinen Halbinsel. Hier gibt es eine Festung zu besichtigen, und riesige, EU-geförderte Park/Strandanlagen, die aber mittlerweile leider schon wieder vergammeln und verfallen. Es ist sehr ruhig, nur mehr ganz wenige Boote mit Leuten, die hier überwintern, oder wie wir, bis November abwarten, um dann das Boot an Land abzustellen. Das Liegen hier ist kostenlos, zumindest jetzt außerhalb der Saison. Das Wetter ist sehr ruhig, nachts meist windstill, tagsüber leichter, drehender Wind, aber recht kühl. Die Sonnenstunden werden weniger. Zwischen den Bergen in den Buchten geht die Sonne oft erst nach 9 Uhr auf, aber schon um 4 oder 5 Uhr wieder unter. Solarstrom wird manchmal ein bisschen knapp. Und es wird sehr feucht in der Nacht, morgens ist das Deck völlig nass. Tagsüber ist es ohne Wind sehr warm, mit ein wenig Überwindung kann man noch baden. Die Einheimischen tragen auch tagsüber bereits dicke Daunenjacken. Wir mit unseren kurzen Hosen und T-Shirts werden überall sofort als Touristen entlarvt. Aber auch alle anderen nicht griechischen Bootfahrer erkennt man sofort an der nach wie vor sommerlichen Kleidung. Zum griechischen Nationalfeiertag am 28. Oktober regnet es in Strömen, die erwarteten Paraden und Umzüge fallen eher gemäßigt aus.
Wir wollen uns dann auch noch die östliche Ecke des Golfs anschauen und fahren nach Menidion, eine angenehme Segelpassage bei Leichtwind. Der dortige Ankerplatz ist jedoch völlig ungeschützt und auch bei Leichtwind schwellig. Der kleine Hafen ist komplett voll mit Fischerbooten und einer Ausflugsboot-Leiche. Der Ort ist eher unattraktiv. Wir fahren daher am nächsten Tag zurück in die Bucht bei Vonitsa, kein schönes Segelwetter mehr, sondern Starkregen und Gewittersturm mit 30 Knoten. Den Ausflug hätten wir uns sparen können.
Tags darauf verlegen wir in den Hafen, weil stärkerer Nordost angekündigt ist. Auf der Mole neben unserem Schiff stehen 2 italienische Wohnmobile. Die Italiener angeln den ganzen Tag, und manchmal auch nachts zwischen den festgemachten Booten. Mehrere Male bitten sie uns, über unser Boot aufs Nachbarboot steigen zu dürfen, weil sich ihre Angeln dort verheddert haben. Zum Dank dafür kriegen wir am nächsten Morgen eine Flasche sizilianischen Weins und sieben Stück Frischfisch, Goldbrassen und Blaubarsche. Das gibt ein feines Fischmenu am Abend, das hat sich ausgezahlt, selber fangen wir eh nie was.
Ende Oktober fahren wir nach Preveza in den Hafen zurück. Diesmal müssen wir dort bezahlen, aber es sind nur 6,70 Euro pro Tag, das geht. Auch dort sind wieder viele streunende Katzen und Hunde vorm Boot, allesamt sehr zutraulich und friedlich. Eine mutige Katze, wir nennen sie Felix, kommt ganz vorsichtig über die Gangway herein, lässt sich streicheln, frisst ein paar Häppchen, inspiziert alles ganz genau, und geht dann wieder von Bord.
Noch ein paar Vorbereitungen, wie Segel abnehmen und Klo putzen, dann fahren wir zum Margarona Boatyard, und werden mittels Autokran auf recht abenteuerliche Weise herausgehoben. Es ist eine kleine, familiäre Werft, der Besitzer Dimitris und sein Gehilfe Aris sind dort zugange und erledigen alles. Der Liegeplatzpreis ist sehr günstig im Vergleich zu den großen Boatyards hier, die Leute äußerst freundlich, bemüht und hilfsbereit. Außerdem gibt es mindestens 3 Hunde, 5 Katzen und 2 Katzenbabys am Gelände. Somit genug Unterhaltung. Hier werden wir noch ein paar Tage bleiben und das Boot für den Winter vorbereiten, dann wollen wir für ein paar Monate nach Hause fliegen.
Der Reiseblog wird geschlossen und dann ab Ende März wieder weitergeführt. Bis dahin danke fürs Dabeisein.

 

Kefallinia, Ithaki und Lefkas oder Spaß mit Ankern

Nach einer dreistündigen Motorüberfahrt legen wir in Poros auf Kefallinia an. Zuerst liegen da gerade 5 Boote mit uns, am Abend wird es dann aber voll mit etwa 20 Charterbooten. Die Art, wie viele der Neuankömmlinge ihre Anker werfen und die Ketten kreuz und quer im Hafen verlegen, lassen für den nächsten Tag einiges an Spaß vermuten. Und tatsächlich heben wenigstens drei abfahrende Boote Tags darauf die Ketten der Nachbarboote mit auf, einer holt sogar einen fremden Anker herauf. Zum Glück müssen die Charterfahrer unter Zeitdruck immer vor uns hinaus, so bleibt unsere Ankerkette unberührt zu unterst liegen.
Einen Tag später macht unser Nachbar seine Heckleinen auf, fährt aber nicht vorwärts und treibt seitwärts über unsere Kette, wo er mit dem Ruder hängen bleibt. Immer viel Spaß mit Charterbootfahrern!
Regen ist angekündigt, daher bleiben wir etwas länger hier und machen einen Radausflug zu beiden Seiten der Stadt. Allzu weit kommen wir aber nicht, denn Kefallinia ist sehr hoch und steil, und nach einigen Kilometern steigt die Straße dann unfreundlich steil an und führt ins Gebirge. Die Stadt Poros und Umgebung ist recht grün, es wirkt stellenweise fast ein bisschen karibisch, überall blüht es im September, und Weintrauben, Orangen, Zitronen und Granatäpfel wachsen. Meist unerreichbar hinter Zäunen, aber ein paar riesige Granatäpfel erwischen wir, weil sie unvorsichtig über den Zaun hängen. Ein streunender Hund, den wir „Bello“ nennen, weil er uns vor dem Restaurant „Hello Bello“ erstmalig begegnet ist, bleibt als treue Wache vor unserem Schiff sitzen, nachdem wir ihn mit Koteletteknochen vom Abendessen bestochen haben.
Nach drei Tagen fahren wir weiter nach Ithaki. Es geht kein Wind, trotzdem haben wir fast ein Meter Welle innerhalb eines eigentlich sehr kleinen Seeraumes. Wir haben keine Erklärung wo die herkommt. Die Stadt Vathi ist in einer sehr tiefen geschützten Bucht gelegen, sehr touristisch, aber trotzdem ganz nett. Zwei Tage bleiben wir dort vor Anker, dann fahren wir in eine der Nachbarbuchten. Wir finden eine kleine Bucht, gerade Platz für unser Boot. Rundum wächst dichter Wald bis ans Wasser. Die Abhänge sind steil, das Wasser gleich recht tief und klar. Zudem ist das Wetter gerade sehr ruhig, man liegt hier wie in einem Gebirgssee. Es gefällt uns so gut, dass wir drei Tage in der einsamen Bucht bleiben. Wir bewandern ausgiebig die umliegenden Berge. Ithaki mit der tiefen Bucht von Vathi ist zweifellos die landschaftlich reizvollste Insel bisher im Ionischen Meer.
Die Tage sind jetzt schon winterlich kurz, Sonnenaufgang kurz vor Acht, und abends um Acht ist es schon wieder stockfinster. Auch die Temperaturen sind schon recht frisch, nur leichter Wind wirkt schon sehr kühl. Zum Glück ist es häufig  beinah windstill. Abends, sobald die Sonne weg ist, muss man aber schon was Wärmeres anziehen.
Als sich eine Störung mit Starkwind aus Nord ankündigt, fahren wir nach Lefkas in die südliche Bucht von Syvota weiter. Wir nehmen an, dass dort übers Wochenende wegen des Charterwechsels in Lefkas wohl nichts los sein würde. Was wir nicht wissen: in Syvota ist auch eine Charterbasis mit mindestens 50 Booten, die sich alle in die Bucht drängen. Die meist britischen Charterskipper kriegen in dieser Basis so eine Art Kurzausbildung und fahren dann in der Flottille. So was wie „betreutes Segeln für Ahnungslose“. Viele sorgen daher auch bei Leichtwind im vollen Hafen für einige Unterhaltung beim Anlegen. Syvota ist voll touristisch, für uns eigentlich enttäuschend, aber für das Abwarten des Starkwindes ist die Bucht bestens geschützt. Wir ankern eine Nacht, finden dann aber einen halbwegs sicheren, kostenlosen Liegeplatz mit Muring, Wasser und Strom vom Wirt. Dafür geht man dann auch einmal zum Abendessen in die Taverna.
Besonderes Charterbooterlebnis in Syvota, so skurril, dass es absolut einen eigenen Absatz im Blog verdient:
In der Bucht liegt ein deutsches Segelboot vor Anker. Bald taucht ein Charterkatamaran auf, der etwa 30m vor dem Deutschen, also dort wo dessen Anker etwa liegt, stehen bleibt und nach Ankermöglichkeiten sucht. (Wenn das einer vor meinem Boot tun würde, wäre ich schon in höchster Alarmbereitschaft, der Deutsche ignoriert es eher gelassen). Dann lässt der Charteridiot seinen Anker fallen bis er merkt, dass er natürlich viel zu nahe am deutschen Segelboot liegt. Also Anker wieder hoch, und dabei gleich die Kette des Deutschen mit aufgehoben. Die Pfeifen am Kat merken das natürlich nicht, aber auch  am deutschen Segler noch keine Reaktion. Dann fährt der Kat zügig los, quer durch die Bucht, zu einem besseren Ankerplatz. Der deutsche Segler folgt ihm natürlich prompt im Schlepp, weil seine Kette immer noch am Kat hängt. Wenn der jetzt in den nächsten Hafen gefahren wär, der hätte den Andern glatt mitgenommen. Nach etwa 50m stoppt der Kat um neu zu ankern. Das deutsche Boot treibt weiter auf den Kat zu, jetzt erst merken die Deutschen, dass was nicht stimmt und laufen zum Bug vor. Die Kollision kann nur verhindert werden, weil von beiden Booten Fender dazwischen gehalten werden. Bei der Entwirrung der Ankerketten treiben die beiden Boote dann auch noch auf ein drittes zu, das wiederum nur durch ein Ausweichmanöver dem ganzen Spaß entkommt. Zur Nationalität der Charterfahrer will ich mich nicht äußern, fest steht, dass sie sich mit ihrem abgeschleppten Gegner bestens verständigen konnten…….
Nur so aus Langeweile (oder vielleicht in Erwartung weiterer spaßiger Ereignisse) hab ich mir dann noch das Anlegemanöver des Charterkats aus der Nähe angeschaut. Hat auch mehrere Versuche gebraucht, zweimaliger Abbruch. Der zweite Abbruch sogar nachdem er am Heck schon fest war. Aber das wäre eine eigene Geschichte wert, kann aber die vorangegangene Abschleppaktion nicht mehr toppen. Die war vom Feinsten. Sowas können nur Charter-Profis. Es ist erstaunlich, was für Vollkoffer ein Boot kriegen.
Nächster Aufenthalt ist in der Bucht Vlycho bei Nydri. Die Bucht ist sehr tief eingeschnitten und bestens geschützt. Das wissen alle, und dementsprechend viele Dauerlieger gibt es dort, folglich auch jede Menge abgesoffene Schiffsleichen. Schaut fast ein bisschen aus wie in den gammeligen Mangrovenbuchten von Martinique. Auch das Wasser ist ähnlich trüb und nährstoffreich, mit jeder Menge Quallen. Kein Ort zum Geniessen, daher fahren wir am nächsten Tag weiter nach Meganisi. Wir passieren dabei Scorpio, die Privatinsel des Onassis-Clans. Die ist ganz hübsch, man darf aber nicht anlanden, an allen möglichen Stellen stehen Security-Leute zur Bewachung herum. Meganisi ist eine sehr zerklüftete Insel mit vielen engen, tiefen Buchten, fast wie Fiorde. Wir finden eine Bucht, die nicht von Charterbooten überlaufen ist und bleiben dort zwei Tage. An Land kann man nicht viel anfangen, es sind die meisten Uferbereiche von Privat-Appartments besetzt und mit Zäunen versehen. Und es werden ständig neue Appartments gebaut, bis die Insel völlig verschandelt ist. Schade.
Das nächste Ziel ist Lefkas-Stadt. Die lange, schmale Einfahrt in die Lagune ist gut betonnt und einfach. Man passiert eine riesige Mülldeponie vor der Stadt. Kein erfreulicher Anfang. Wie die Stadt ist, und was wir dort unternehmen folgt im nächsten Bericht.