Peloponnes im August

Westlich des Peloponnes bläst es aus der Adria herunter bis Kreta. Östlich pfeift’s aus dem Schwarzen Meer hinunter über die Kykladen. Abwechselnd, meist aber gleichzeitig. Der Süden des Peloponnes bleibt von Beidem eher verschont. Wir kriegen hier nur die Verwirbelungen am Rand der Strömungen mit. Die sind nicht besonders stark, aber es dreht der Wind mehrmals am Tag komplett herum. Bei einem Segelbergemanöver will ich das Boot in den Wind drehen und muß mehr als einen Vollkreis fahren, weil der Wind innerhalb einer Minute komplett rundum dreht. Die Auswahl eines guten Ankerplatzes ist unter diesen Bedingungen ein wenig kompliziert. Nachts ist es zum Glück fast immer ruhig. Es ist heiß, aber wir haben den großen Pool zum Abkühlen ja direkt vor der Wohnung.
Der Ort Archangellos, den ich vor 25 Jahren das letzte Mal besucht habe, ist etwas gewachsen, aber hat sich im Prinzip nicht sehr verändert. Ein bisschen mehr Touristen sind da, mehrheitlich griechische, ein paar Italiener. Ich treffe auch nach langer Zeit doch wieder auf einige alte Bekannte aus den Urlauben von vor 25 Jahren. Die Touristen wohnen fast alle in Appartements, ein paar kommen mit Wohnmobilen. Segler sind außer uns keine da.  Es gibt wieder Kaktusfrüchte, die in Massen wild am Straßenrand wachsen, und Freunde versorgen uns immer wieder mit süßen, reifen Feigen. Und die griechischen Wassermelonen sind wie immer hervorragend, wir haben immer eine im Kühlschrank und mindestens eine weitere in Reserve.
Nach der Abreise unserer Freunde fahren wir in den Golf hinein bis Gytheon auf Mani. Das ist eine hübsche kleine Stadt auf einem Hügel, davor eine Halbinsel mit gutem Ankerplatz. Leider ist es sehr touristisch, entlang der Promenade stehen lauter Restaurants, wo man überall angesprochen wird, hereinzukommen. Sowas mag ich nicht. Entlang der Promenade ist die vielbefahrene Hauptstrasse, bis spät in die Nacht fahren eine Menge Motorräder mit Höllenlärm vorbei. Die Stadt ist optisch nett, aber zum Bleiben nicht sehr einladend.
Die beiden nächsten Tage bleiben wir in einer Badebucht nahe Skoutari. Dort sind  tagsüber Badegäste, nachts sind wir völlig allein, keine weiteren Schiffe. Auch die umliegenden Häuser sind meist unbewohnt. Es ist sehr ruhig und auch windstill. Wir schlafen an Deck unterm Sternenhimmel in angenehmer Kühle.
Nächster Aufenthalt ist im Südosten Manis, die Bucht Porto Kagio. Eine rundum geschützte Bucht zwischen steilen Bergen, mit den typischen Mani-Wohntürmen. Das Mini-Örtchen dort besteht aus 3 Tavernen und ein paar Appartements.
Der schmale Strand ist zugleich Stellplatz für die Tavernentische und auch Hauptstrasse des Ortes. Bis zum Abend sammeln sich dort etwa 10 Schiffe zum Ankern, da wird es ein bisschen eng, und der Skipper des benachbarten österreichisch-holländischen Bootes erklärt mir, wie das Ankern funktioniert. Er war schließlich schon 10x da! Danke für die guten Tipps eines erfahrenen Urlaubsseglers.
Wir runden Mani im Süden und bleiben in Pyrgos Diroy. Dort sind Tropfsteinhöhlen zu besichtigen, wir gehen aber nicht hinein, es sind viele Besucher da und das Anstellen ist uns zu blöd. Tagsüber liegen viele Leute am Strand, der zur Befestigung mit groben Kieseln bestreut ist. Nachts sind wir fast allein, bis auf ein paar Camper. Zum Strandliegen ist es hier wegen der Kieselsteine gar nicht einmal gut, aber im Wasser ist ein riesiges Areal mit  feinstem, gut haltendem Sandgrund, nicht das kleinste Steinchen, kein Seegras, 5 Meter tief, ein Pool. Ein toller Ankerplatz, außer wenn von West der Schwell hereinsteht, was er fast immer tut. Dann wird es ein bisschen rollig, mit dem Heckanker stabilisiert geht es aber halbwegs.
Nach zwei Tagen wechseln wir nach Petalidi auf Messinia, wo wir meine Schwester Helga und Nachbarin Sissi treffen, die in der Nähe campieren. Der Hafen ist zu seicht für uns aber der Ankerplatz davor ist gut geschützt. Der Ort bietet viele Lokale, Bäcker, Fleischer, Fischmarkt, Supermarkt und freitags einen Obstmarkt. Besonderheit ist eine öffentliche Quelle am Strand, wo kaltes, köstliches Trinkwasser von Mani unter dem Meer durchgedrückt wird. Auf einem Radausflug in der Umgebung sammeln wir genügend Weintrauben, Feigen, Kaktusfrüchte und Granatäpfel für die Obstversorgung über die nächsten Tage.
Die folgenden 3 Tage verbringen wir in Koroni. Es gibt eine venezianische Festung mit einem Kloster, der Ort ist nett mit vielen verwinkelten Gassen. Der Hafen ist aber völlig unbrauchbar. Viel zu seicht zum Anlegen an der Kaimauer, stinkendes Hafenwasser und am Ankerplatz davor auch ohne Wind ein Schwell wie wir ihn selten zuvor hatten. Von der Kaimauer reflektierte Wellen lassen das Wasser rundum brodeln wie kochende Suppe. Ein Anlegen mit dem Dingi ist nur in wenigen Momenten am Tag möglich. Nette Stadt, aber der Ankerplatz ist völlig unzumutbar. Keine ruhige Minute hier. Für 2 weitere Tage wechseln wir um die Landzunge herum auf die Südseite der Stadt. Dort ist ein gegen Nord geschützter Ankerplatz vor einem schönen Strand mit guten Schnorchelplätzen.
Anschließend fahren wir um die Südecke Messiniens herum. Wir kreuzen den ganzen Tag bei angenehmen Bedingungen, Wind nicht zu stark, wenig Welle, da macht auch Kreuzen Spaß. Schließlich ankern wir vor Methoni, ganz im „Hafenbecken“, gut geschützt gegen Schwell. Das Hafenbecken ist eigentlich ein Sandstrand mit einem Welenbrecher davor. Anlegen geht nicht, aber Ankern ist gut. Die Burganlage ist schon sehr verfallen, aber riesig und sehenswert. Ansonsten ist Methoni ein reiner Touristenort ohne Besonderheiten, außer einem schönen Strand entlang der Festungsanlage. Wir bleiben ein paar Tage hier, um den derzeit stärkeren Nordwestwind auszusitzen, und wollen dann die Westküste entlang nach Norden, Richtung Zakynthos weiter.

von Sardinien nach Griechenland

erste Etappe: von Sardinien nach Sizilien
In der Marina in Cagliari, wo wir wetterbedingt für eine gute Woche festsitzen, haben wir sehr nette Nachbarn. Jadranka aus Serbien, segelt meist allein mit ihrem 36-Fuß-Boot „Aspis“ in der Welt herum und will diese auch durchaus umrunden, und Michael aus Deutschland mit seinem Katamaran „Agate“. Beide warten wie wir auf bessere Windbedingungen, um weiterzufahren. Wir trinken abends gemeinsam ab und zu ein paar Bierchen oder gehen zusammen Pizza essen. Ich kann Jadranka bei der Behebung einiger Probleme mit ihrer Bordelektrik behilflich sein.
Es ist gerade Pfirsichzeit, man kriegt sie billig in den Märkten, ein guter Anlaß, um die Marmeladenvorräte wieder aufzufüllen.
Als die Wettervorhersage stärkeren Nordwind verpricht fahren wir los. Anfangs gutes Vorankommen mit 20 Knoten Rückenwind, allerdings nimmt mit der Entfernung von Sardinien auch die Wellenhöhe deutlich zu. Die Schaukelei ist ungemütlich, aber wir kommen gut voran. In der Nacht legt der Wind noch einmal kräftig zu, teilweise über 30 Knoten, Wellen bis 5m. An Schlaf ist nicht zu denken. Wir beschließen, Sizilien schon an der Nordwestecke anzulaufen. Eine zweite Nachtfahrt dieser Art scheint uns nur wenig verlockend. Es gibt Sturmwarnungen für alle Meeresregionen im westlichen Mittelmeer. Der Wind wäre ja auf unserer Route gut, aber die Wellen sind schon gefährlich und kommen teilweise über. Wir erreichen den netten Ort Castellammare und ankern eine Nacht im Vorhafen, bevor wir am nächsten Morgen in die Marina wechseln. Wir liegen dort neben dem Wiener Katamaran „Cagou“, den wir in Cagliari schon gesehen hatten. Die Stadt Castellammare ist ganz nett, touristisch, aber nicht übertrieben. Abends herrscht gute Stimmung auf den Plätzen und Straßen mit vielen Lokalen. Die Umgebung der Stadt ist aber von den vielen Waldbränden der letzten Wochen ziemlich angeschwärzt. Immer wieder sehen wir Löschflugzeuge beim Wassertanken.
Am nächsten Tag fahren wir weiter in Richtung Palermo. Im Vorort Mondello ankern wir dann in einer Badebucht. Es ist ein ganz passabler Segeltag mit Leichtwind aus Nordwest. Der Ankerplatz ist vom Restschwell des Tages noch recht unruhig. Auch „Cagou“ ist wieder da, und wir sind zum gemütlichen Sundowner am Katamaran eingeladen, der natürlich deutlich weniger wackelt als unser Schiff.
Morgens darauf fahren wir bei wenig Wind mit Maschine entlang der sizilianischen Nordküste in Richtung Messina weiter. Bei der Vorbeifahrt an den Liparischen Inseln sehen wir in der Ferne den Stromboli rauchen. Angekündigt sind 5-10 Knoten Wind aus variabler Richtung, tatsächlich sind es immer 10 Knoten exakt von vorne, auch wenn man um ein Kap herum den Kurs ändert, bleibt der Wind aufs Grad genau auf der Nase. Das kostet leider bei unserem 28-PS Motor immer mindestens einen Knoten Geschwindigkeit. Wir ankern über Nacht an der Nordeinfahrt zur Strasse von Messina vor dem hübschen Städtchen Scilla.

zweite Etappe: von Sizilien nach Griechenland
Nach Durchfahren der Straße von Messina geht es noch ein Stück die italienische Stiefelsohle entlang, bevor die nach Nordost abknickt,  und wir weiter nach Osten auf Griechenland zuhalten. Links von uns rauchen die verkohlten Reste der vergangenen Waldbrände, hinter uns raucht der Ätna. Ein Tag mit Maschinenfahrt, es geht leider kein Wind. Abends beginnt leichter Rückenwind, der nicht angekündigt war, der aber die ganze Nacht für 3 Knoten ruhiges Dahinsegeln reicht. Der komplette nächste Tag ist absolut windstill – Motorfahrt. Ich verbringe den ganzen Tag damit, einen neuen Loggegeber einzubauen und 15m zugehöriges Kabel vom Bug bis zum Steuerstand neu zu verlegen, um dann festzustellen, dass die neue Logge nach 5min den Betrieb wieder einstellt und nur mehr sporadisch was anzeigt. Das hätte der alte Loggegeber auch gekonnt. Der Fehler ist nicht lokalisierbar. Ein Tag Arbeit für’n A….! Bootfahren macht im Moment wieder sehr wenig Spaß.Nachts kommt wieder ein wenig Wind, gerade genug zum Segeln, nicht schnell, aber lautlos. Tagsüber müssen wir leider wieder motoren. Jetzt verbrauchen wir unseren Dieselvorrat aus den Kanistern, der eigentlich für die Kalmenzone am Atlantik gedacht war. Die Zone war bei unserer Überfahrt jedoch gerade nicht vorhanden, daher der Dieselüberschuß, den wir jetzt gut gebrauchen können.
Endlich sind wir angekommen! Und es fängt schon recht erfreulich an. Die Marina, 1km neben dem Ort gelegen, ist seit 20 Jahren unfertig, unbewirtschaftet und daher gratis. Im Ort sind viele Touristen, meist Griechen, die Lebensmittelpreise sind angenehm, und man kriegt für relativ wenig Geld gute Qualität in vernünftigen Mengen. Auch die Tavernen sind zahlreich, gemütlich, und nicht überteuert. Die Leute sind allesamt freundlich und hilfsbereit. Griechenland halt.
Wir wollen beim Hafenamt eine griechische Fahrgenehmigung (D.E.K.P.A) erwerben. Allein die Erwähnung dieses Wortes erzeugt bei allen anwesenden Abscheu, Ekel und Angst. Offenbar ist der Verwaltungsaufwand dafür mühsam, und der Hafenkapitän scheint mit Formularen, Computern, Englisch und dem ganzen Zeugs hoffnungslos überfordert zu sein. Zum Glück kümmert sich die engagierte Katharina von der CoastGuard für uns darum, was eigentlich nicht ihre Aufgabe wäre, aber sie ist wohl die Einzige dort, die kapiert hat wie es funktioniert. Nach 3 Tagen erhalten wir das ersehnte Dokument mit allen Stempeln drauf.
Inzwischen genießen wir die Stadt mit ihrer griechischen Gemütlichkeit, besichtigen die Festung und werden dort über die große Seeschlacht in der Bucht von Navarino über den Griechischen Unabhängigkeitskampf im 19. Jahrhundert informiert.
Nach 3 Tagen in Pylos wechseln wir über zum östlichen Finger des Peloponnes, Lakonia, und Ankern dort in Arhangelos. Dort habe ich vor 35 Jahren meinen ersten Griechenlandurlaub verbracht. Unsere Freunde Erich und Sigrun sind dem Ort treu geblieben und urlauben immer noch dort. Wir treffen sie und bleiben ein paar Tage in der ruhigen Bucht.

unerreichbares Ziel

Das Ziel, Sardinien direkt anzufahren, geben wir bald auf. Die Wettervorhersage über mehr als 2 Tage ist völlig unzuverlässig, und der Motor erst recht. Wir beschließen, vorerst nach Norden um Cabo Palos herumzufahren, und dann auf kürzerer Strecke die Balearen anzusteueren. Nach einer unruhigen Nacht am Anker in Cabo Roig starten wir den Versuch Richtung Ibiza. Wir kreuzen gegen den Nordostwind, der hier offensichtlich nie aufhört. Nach 2 Stunden werden wir ziemlich plötzlich von 3 Gewitterzellen eingeschlossen. Etwas überraschend, weil Gewitter sind für diesen Tag in keinem Wetterdienst auch nur möglicherweise vorgesehen.Es sind 30 Knoten Nordostwind. Es blitzt und kracht rundherum, wir kreuzen mittendrin hin und her und können so dem Gröbsten ausweichen. 3 Stunden irren wir dort herum, bis die Gewitter nachlassen. Inzwischen hat auch der Motor wieder aufghört zu arbeiten, was nicht unbedingt zu meiner Entspanntheit beiträgt. Unter Segel können wir uns ins große Hafenbecken von Torrevieja retten, dort kann man auch geschützt Ankern. Im Dieseltank haben die Bakterien einige Gallertpatzen wuchern lassen, die die Dieselleitungen sofort verstopfen. Die VolvoPenta Werkstätte im Ort ist leider nicht daran interressiert uns den Diesel abzupumpen und zu filtern, weil sie ohnehin genug Aufträge hätten, sagen sie. So saugen wir mit einem Handpumperl mühsam die Bakterienpatzen durch eine 5 cm große Öffnung aus dem halbvollen Tank. Wir kriegen den Großteil der Pampe heraus und hoffen, sodass die Maschine jetzt länger am Stück läuft. Am nächsten Tag fahren wir noch ein Stück nach Norden, von wo aus die Überfahrt nach Ibiza am kürzesten ist. Es sind nach wie vor keine Gewitter angekündigt, aber wir sind sehr mißtrauisch und angespannt, weil wir jetzt schon zwei Mal böse überrascht worden sind.
Die Fahrt nach Ibiza in der Nacht beginnt mit leichtem Rückenwind, der gerade zum Segeln reicht. Morgens hört der Wind völlig auf und wir motoren 7 Stunden lang. Unmittelbar vor der Einfahrt nach Ibiza bläst es dann plötzlich wieder mit 20 Knoten beim Ankern. In Ibiza ist wie immer die Hölle los. Weil das Wetter paßt wollen wir gleich weiter nach Mallorca. Kurze Rast von ein paar Stunden, dann geht es weiter. Die Nachtfahrt erfolgt unter Maschine bei kaum Wind und ist ruhig. Es ist eine reine Motorfahrt gegen leichten Ostwind, aber problemlos. Die Maschine funktioniert momentan wieder ohne Zicken. In Mallorca rufen wir neue Wetterdaten ab, und beschließen daraufhin gleich nach Sardinien weiter zu fahren. Kurz nach Palma kollidieren wir mit einem treibenden Holzpfosten, dabei wird das Loggegeberrad beschädigt. Ein Tauchgang zeigt glücklicherweise keine weiteren erkennbaren Schäden. Der Loggegeber ist schnell repariert, es war nur die Achse durch den Schlag leicht verbogen.
Etwa 60 Meilen östlich von Mallorca bleibt der Motor wieder einmal stehen, kein großes Problem, wir wissen schon, wie man den Fehler schnell zumindest eine Zeit lang beseitigt. Allerdings zeigt sich beim Öffnen des Motorraums, dass die Seewasserkühlpumpe stark leckt. Wir drehen nach Norden ab, und segeln 30 Meilen nach Menorca. In Mahon waren wir ja schon, und es hat uns gut gefallen. Allerdings in der Vorsaison. Jetzt sind alle Marinas voll, die ganz wenigen Plätze kosten 120 Euro pro Nacht, am einzigen kleinen Ankerplatz ist neuerdings nur 3 Tage ankern frei. Aber wir müssen sowieso in die Marina um die Kühlwasserpumpe zu reparieren. Keiner der 4 Mechaniker, die wir kontaktieren hat in den nächsten Tagen Zeit, sich das Problem auch nur anzusehen, und wegfahren aus der sauteuren Marina ohne Maschine können wir auch nicht. Nach viel Herumtelefonieren finden wir ein Geschäft für VolvoPenta Ersatzeile, 5 km vom Hafen weg, ein gutes Stück am Berg droben! Aber egal, wir können dort neue Dichtungsringe für die Pumpe kaufen und selbst montieren, mit Hilfe eines Mechanikers, der dann doch kurz Zeit für uns hat. Am nächsten Tag können wir aus der teuren Marina weg auf den Ankerplatz, wo wir eben erfahren, dass wir da nur 3 Tage bleiben dürften. Der Wetterdienst verspricht ein Fenster von 3-4 Tagen mit günstigem nördlichen Wind, daher starten wir nach einem Ankertag den 4. Versuch, von Spanien weg nach Sardinien zu kommen.
Die zweitägige Überfahrt geht recht gut, westlich von Sardinien beginnt dann heftiger Nordwind mit bis zu 30 Knoten und 5m hohen Wellen. Ärger als im Atlantik! Im Funk gibt es Sturmwarnung. Wir schaffen es, vor Beginn des Sturms in einer südlichen Bucht Sardiniens unterzuschlüpfen. Einfahrt in die Bucht bei Nacht, ein toller Megascheinwerfer von der Strandbar macht mich völlig blind, Starkwind, und Ankern unter Segel, weil die Kühlpumpe wieder ausfällt. Spannend, aber gut gegangen. Das Pumpenproblem kann am nächsten Morgen rasch beseitigt werden.
Nach einem Ankertag können wir problemlos die letzten 30 Meilen bis nach Cagliari in die Marina fahren. Endlich!
Nächstes Problem: die Wettervorhersage sieht ganz so aus als kämen wir hier die nächsten 10 Tage nicht weg. Südwind bis Ostwind. Kurs Südost. Also auf jeden Fall wieder voll dagegen.
Weil Fotos von Gegenwind oder einem nicht laufenden Motor oder ausgebauten Kühlwasserpumpen nur wenig ergiebig sind, und die Orte an denen wir waren schon bei der Hinfahrt dokumentiert wurden, gibt es an dieser Stelle keine Bilder.

 

 

 

Cartagena

In Gibraltar bleiben wir nur eine Nacht am Anker, die Stadt kennen wir ja schon. Am nächsten Tag geht es 130 Meilen weiter in eine günstige Marina in Almerimar. Wir bleiben wir ein paar Tage zum Einkauf und wollen dann direkt mit dem Westwind  auf die Balearen weiterfahren.  Unterwegs reisst uns das Vorsegel ein und wir müssen in Cartagena einen Zwischenstopp einlegen. Die Segelreparatur dauert 4 Tage. So lang können wir uns Cartagena anschauen. Cartagena ist eine ganz nette Stadt, mit schönem Altstadtkern, Fußgängerzonen mit Marmorpflasterung, es gibt mehrere technische Universitäten, entsprechend viele junge Leute wuseln abends durch die ungezählten Lokale der Stadt. Der Altersschnitt erhöht sich kurzfristig dramatisch, wenn wieder ein Monster-Kreuzfahrtschiff anlegt. Rund um die Altstadt gibt es noch eine Menge Ausgrabungsstätten aus Karthagischer und Römischer Zeit zu besichtigen. Sehenswert ist auch das Museo Naval mit jeder Menge nautischen Objekten.
Nach 4 Tagen ist das Segel fertig, der für uns günstige Westwind hat natürlich aufgehört, Ostwind gegenan hat angefangen. Als wir losfahren ist der Gegenwind statt 15 Knoten bis zu 28 Knoten stark, ein Mordsgewitter mit Regenfronten überholt uns. Dann setzt auch noch der Motor aus, weil wieder irgend ein Dreckwuzel im Diesel die Zufuhr stoppt. Wir segeln 15 Meilen nach Cartagena zurück, bis direkt in den Hafen, weil der Motor nicht verläßlich arbeitet. Zum Anlegen reicht es gerade, und wir reinigen wieder einmal alle Dieselleitungen durch. Der Wind bleibt auf Ost und wird immer stärker. Die nächsten 5 Tage besteht keine Chance, von hier weg zu kommen. Die Wettervorhersage schaut jeden Tag völlig anders aus. Im Moment läßt sich gar nichts länger als einen Tag vorausplanen. Bis zum Ziel Sardinien sind es aber 4-5 Tage Fahrzeit.

Portugal Algarve, und Cadiz bis Gibraltar

Die Fahrt von Lissabon nach Süden zur Algarveküste erweist sich als komplizierter als gedacht. Wir hatten mit angesagtem Nordwind von 15 bis 25 Knoten gerechnet, mit dem wir die 100 Meilen rasch mit Vorwindkurs abgefahren wären. Stattdessen beginnt der Tag mit Null Wind und Motor. Etwas später durchqueren wir zwei Stunden lang eine dichte Nebelbank mit kaum 100m Sicht. Es ist kalt und überall bilden sich Wassertröpfchen. Nach der Ausfahrt aus der Bank ist es wieder wolkenlos und warm. Der „Nordwind“ beginnt dann als Südwind mit 10Knoten, wir kreuzen eine Zeit lang dagegen. Dann dreht er nach West, bleibt aber zu schwach zum Segeln. Erst am späten Nachmittag wird dann endlich ein Nordwind daraus, aber viel zu schwach. Bei maximal 12 Knoten platt vor dem Wind und dazu 1,5m Wellen, wie halt am Atlantik üblich, bleibt kein Segel stehen. Nach ein paar Stunden wird es uns zu blöd und wir motoren die Nacht durch. Recht viel Schiffsverkehr ist hier entlang von Portugal, da gibt es kein Schlafen.
Der Morgen empfängt uns statt mit einem Sonnenaufgang wieder mit dichtem Nebel, aus dem es herausregnet. Wir sind ganz nah am Cabo Vicente ohne es im Nebel zu sehen, hören bloß die Brandung. Erst als wir vorbei sind reißt es auf und es wird langsam sonnig. Der Wind legt, wie bei jedem Kap, deutlich zu, die Welle auch, dann sind wir ums Eck, die Wellen verschwinden fast augenblicklich, und wir können 2 Stunden gemütlich bei Leichtwind segeln, bis der Wind ganz aufhört. Die Algarveküste ist landschaftlich schön, mit Steilküsten und Strandabschnitten, die Orte sind wenig beeindruckend, viele Hotels halt für den Massentourismus. Manche sind ganz nett in die Landschaft eingefügt, andere wiederum sind nur hässliche Glas-Betonklötze. Wir steuern Albufeira an um dort am Anker zu übernachten und wollen am nächsten Tag in die Lagune von Faro weiterfahren.
Die Fahrt dorthin, teils mit Motor, teils am Wind segelnd (ohne Welle! Segeln beginnt langsam wieder Spaß zu machen) dauert bloß 4 Stunden, dann ankern wir in der Lagune, ruhiges Wasser, fast Windstille und heiß. Auch Baden macht wieder Spaß im ruhigen Wasser. Der Ort auf der Sandinsel Culatra ist sehr seltsam. Ein Fischerdorf mit kleinen, aber gepflegten Häuschen, saubere Gässchen mit Straßenlaternen, Mülltonnen, Straßenschildern, Hundegackerlsackerlständern und allem was zu einem Ort halt so gehört – aber keine Straße. Es gibt nur Sandbahnen mit den Spuren von den 3 oder 4 Gemeindetraktoren, die dort den Müll entsorgen. Es gibt dort kein Auto, kein Moped und auch sonst nichts Motorisiertes, außer den paar Traktoren eben, und natürlich die Fischerboote draußen. Im Ort bieten zahlreiche Fischlokale und kleine Beisln Speis und Trank zu halbwegs günstigen Preisen an.


Die Fahrt von Faro nach Cadiz ist als Motorfahrt geplant, da kein Wind vorhergesagt ist. Kein Wind stimmt auch, überraschend sind aber die bis zu 2m Wellen gegenan, die das Fortkommen sehr bremsen. Sie stammen vom Fast-Sturm, der zur Zeit durch die Straße von Gibratar herausbläst. Kurz vor Cadiz kommt auch plötzlich Gegenwind von 18-25 Knoten auf, wir brauchen für die letzten 10 Meilen bis in den Hafen 4 Stunden. Es ist finstere Nacht bei der Ankunft, die grellen Stadtlichter blenden und überdecken alle Navigationshilfen. Eine Nachteinfahrt in einen fremden Hafen bei Starkwind – das mag ich schon gar nicht! Es geht aber gut und wir liegen dann ruhig und sicher in der Marina Puerto America. Es sind nur 5 Minuten mit den Rädern in die Stadt. Cadiz hat eine sehr nette Altstadt auf einer Halbinsel mit sehr engen Gassen. Die Innenstadt ist voller Lokale. Hier treffen wir nach den Kanaren auch wieder auf „100 Montaditos“, die spanische Antwort auf  McDonalds, aber viel besser und viel billiger. Es gibt tausend schmale Gassen mit schönen Fassaden, und alle schauen gleich aus. Man verirrt sich hier leicht, aber die Halbinsel mißt nur 1.2km im Quadrat, und so kommt man in jeder Richtung bald ans Meer hinaus, wo man sich wieder orientieren kann. Die Gassen sind zwar zum großen Teil offen für den Verkehr, es fährt aber außer ein paar Zulieferern niemand herum, nicht einmal Mopeds, es ist gar kein Platz für Autos. Geparkt wird offenbar in irgendwelchen Tiefgaragen oder auswärtigen Plätzen, jedenfalls haben wir nur ganz wenige Autos in der Innenstadt gesehen. Die wirkt wie eine riesige Fußgängerzone. Wir genießen allabendlich das rege Leben in den Gassen und Plätzen, es ist ja noch bis 22 Uhr hell. Wir kochen gar nicht am Schiff, gehen immer auswärts essen, man muß die angenehme Stimmung am Abend in der Stadt einfach genießen.
Nach 2 schönen Tagen in Cadiz nutzen wir ein Wetterfenster, der starke Ostwind hört auf, und wir können durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer zurückfahren. Eine starke Strömung von 3 Knoten schiebt fleißig mit an. Um 14 Uhr kreuzen wir die Fahrtlinie unserer Ausfahrt auf die Kanaren vor 2 Jahren. Der Kreis der Atlantikrunde schließt sich. Abends in Gibraltar wird mit einem Fläschchen Sekt auf die Rückkehr ins Mittelmeer angestoßen. Der Atlantik mit seinen Riesenwellen, dem vielen Regen und nie aufhörenden Winden wird definitiv NICHT in meine Liste meiner bevorzugten Segelreviere aufgenommen.