La Gomera & Abschied von Europa

Die Insel La Gomera südlich von Teneriffa ist unser letztes Ziel in den Kanaren. Die Marina in San Sebastian ist jener in Santa Cruz sehr ähnlich: gleicher Preis, gleiche Brummfähren mit Schwell, Baustelle, kleine Stadt mit steilen Straßen. Trotzdem ist sie bummvoll, während Santa Cruz nur zur Hälfte gefüllt war. Keine Ahnung warum. Hier liegen viele Karibikfahrer und warten auf den günstigen Absprung, so wie wir. Alle treffen letzte Vorbereitungen an den Booten. Wir haben bei einem ungeschickten Manöver den Mastschlitten vom Spinnakerbaum verbogen. Ein widerspenstiges, fieses kleines Edelstahldings. Zum Glück finden wir Andi, den Bootsmechaniker aus Bayern, der es in seiner kleinen Werkstatt wieder halbwegs geradebiegen kann. Die Optik hat zwar ein bisschen drunter gelitten, aber es funktioniert wieder.
Wir machen eine Inselrundfahrt mit dem Bus. Sehr ähnlich wie La Palma: Die Straßen keine 20m geradeaus oder gar eben, durch 1000 Gräben, an 100 Schluchtwänden entlang, immer am Abgrund. Von Busfahren auf Vulkaninseln hab ich jetzt einmal eine Zeit lang genug. Der Bewuchs ist etwas spärlicher als auf La Palma. Valle Gran Rey im Südwesten der Insel befindet sich fest in deutscher Hand – Auswanderer und Touristen. Man hört hier weit mehr Deutsch als Spanisch…
Jetzt bleiben uns noch 2 Tage hier, wir werden Lebensmittel einkaufen, frische Sachen, Obst, Gemüse. Mit haltbaren Dingen haben wir uns bereits ausreichend eingedeckt. Schon Kolumbus hat hier seine Wasservorräte aufgefüllt, werden wir auch tun, und eventuell noch ein oder zwei Bier einkaufen. Am Donnerstag, den 19.Oktober werden wir zur etwa dreiwöchigen Überquerung nach Barbados starten. Wir sind zwar so gut wie möglich vorbereitet, aber ein bisschen aufgeregt sind wir doch. Wir nehmen noch Kontakt mit einigen Bootsbekanntschaften auf, die jetzt auch bald losfahren werden. Hoffentlich treffen wir den Einen oder Anderen in der Karibik wieder.

WEGEN UMZUGS GESCHLOSSEN – nächster Blogeintrag erst wieder vor Weihnachten…

La Palma, Teil 2

Endlich einmal ein durchgehend schöner Tag, sofort nützen wir ihn für einen Wandertag durch die Schlucht Cubo de La Galga. Vier Stunden Fußmarsch durch eine Urwaldschlucht mit Lorbeerbäumen, riesigen Kastanien, Farnen und bemoosten Felsen. Es ist eine beeindruckende Wanderung unter einem dunkelgrünen Laubdach zwischen senkrechten Felswänden. Die Schlucht ist an einigen Stellen höchstens 20 Meter breit. Der Wanderweg ist, oder besser war, eigentlich eine befahrbare Forststrasse. Dort wo sich Strasse und Bachlauf kreuzen, ist der Bach nach den vergangenen starken Regenfällen auf die bequemere Strasse abgebogen und hat diese auf mehrere hundert Meter vollständig abmontiert. Strasse und Bachlauf schauen jetzt gleich aus, und sind an den Kreuzungsstellen nicht immer eindeutig zu unterscheiden. Der als leicht beschriebene Weg ist jetzt zeitweise eine mühsame Kletterpartie über meterhohes Geröll. Das letzte Stück führt über einen schmalen Pfad an der Felswand entlang steil nach oben. Gleich daneben geht es genau so steil nach unten, und zwar ziemlich tief. Der Rückweg führt oberhalb der Schlucht durch landwirtschaftliches Gebiet. Die Beute des Tages: einige Kilo Kastanien, Kaktusfeigen, Avocados, Chayote (Christophene oder Gemüsebirne), Tamarillo (Baumtomate) und Cherimoya (Cremeapfel). Ein weiterer Wandertag folgt ein paar Tage später. Ein sanft ansteigender Weg führt zu einem großen Wasserspeicher, der nur halb voll ist und eher unspektakulär wirkt, auf der anderen Seite geht es über eine ca. 5km lange „Strasse“, eher eine Hauszufahrt, am kürzest möglichen Weg wieder ins Tal. Steil, schnurstracks, ohne Kehren. Ich schätze 35% Gefälle. Sowas gibt’s zuhause nirgends. Kaum zu glauben, dass die da fahren! Wir tun uns schon beim Gehen schwer. Das letzte Stück Fußweg verläuft nicht mehr gerade, sondern in Kehren am Steilhang entlang. Viel bequemer zu gehen, wenn da nicht der Bach wäre, der den gleichen bequemen Weg nimmt, statt gerade hinunter zu fließen. Daher waten wir durchs 10 cm tiefe Wasser, und kommen unten mit schlammgefüllten nassen Schuhen an. Trotzdem, oder vielleicht auch deswegen ist La Palma die für uns landschaftlich reizvollste Insel der Kanaren. Der dritte Wandertag führt uns in den Süden der Insel zu einem Vulkan, der 1971 zum letzten Mal ausgebrochen ist. Die Landschaft ist vollkommen anders, Lavageröll, schwarzer Vulkansand, kaum Bewuchs, trocken. Das einzig Vertraute und Gewohnte sind die Wege, die wie auch im Norden immer gerade auf die Berge führen, und auf der anderen Seite wieder gerade runter, egal wie steil es auch ist. Wir nutzen die Tage hier auch, um unsere Vorräte an Lebensmitteln für die Überfahrt aufzufüllen. Am Boot werden noch ein paar kleine Reparaturen und Wartungen durchgeführt. Das Beiboot, das schon seit Längerem Auflösungserscheinungen zeigt, gibt nun endgültig den Geist auf: der Gummiboden löst sich grossflächig von der Schwimmkammer ab, es entsteht ein fast 1m langer Riss. Schwimmt zwar noch, ist aber nach wenigen Minuten voller Wasser. Ein Reparaturversuch vom Fachmann hier wird wegen Undurchführbarkeit abgebrochen. Wir müssen ein neues Beiboot kaufen. Die Auswahl hier auf La Palma ist sehr gering. Wir finden aber ein sehr kleines, dafür halbwegs billiges Böötchen.

La Palma, Teil 1

Die kleine Stadtmarina von La Palma ist erstaunlicherweise fast leer. Hier werden wir die nächsten 4 Wochen bleiben. Die Hauptstadt der Insel ist Santa Cruz. Die putzige kleine Stadt liegt in einem halben Vulkankrater, extrem eng und steil. Hier sind viele alte, aber gepflegte Häuser, kaum etwas verfallen oder gammelig. Alle paar Tage legt ein Kreuzfahrtschiff an und täglich eine Fähre. Der blöde Kahn hat die halbe Nacht den Generator laufen, und der macht Krach wie ein Hubschrauber. Auch hier gibt es eine Baustelle vor dem Hafen, aber insgesamt ist es hier bedeutend ruhiger als auf Teneriffa. Allerdings gibt es hier im Hafen häufig Schwell, und da wird man manchmal ganz schön durchgeschüttelt. Das Internet hier ist mehr als bescheiden, funktioniert nur selten, und dann langsam.
Nach 2 Tagen treffen auch Veronika und Robert von der Seven Seas hier ein. Die beiden haben wir schon in Gibraltar getroffen. Auch Bernd und Birgit, die deutschen Bekannten aus Teneriffa kommen nach ein paar Tagen hier an. Der Besuch von Tochter Anna fällt wettermäßig in eine ungünstige Zeit: ein fettes Sturmtief über Madeira schickt uns Starkwind, kurzzeitig sogar mit 50 Knoten, und in den Pausen Starkregen, mehrmals täglich abwechselnd. Da ist weder Segeln noch Wandern extra lustig. Zwischendurch ist es dann wieder für einige Stunden sonnig und heiß. Wir machen ein paar Busrundfahrten durch die Insel. Die Strasse ist teilweise so schmal und steil, dass für einen Abschnitt vom großen in einen kleineren Bus umgestiegen werden muß, und selbst der muss bei manchen Kurven zurücksetzen, damit er herumkommt. Sie führt durch duzende tiefe Gräben und Schluchten mit senkrechten Wänden. Die enge und kurvige Strasse hoch über dem Abgrund ist für meine Liebe zur Höhe manchmal eine kleine Herausfoderung. Überall ist dichter Bewuchs, entweder Wald oder Bananenplantagen auf aufwendigen Terassen. Es wirkt alles sehr tropisch, dazu immer wieder Regen, jedoch recht warm. Jeden Tag mindestens ein schöner Regenbogen. Ein Halbtag kann sogar für einen Strandausflug genutzt werden. Der Stadtstrand ist künstlich angeschüttet mit schwarzem Vulkansand. Das Meer ist auch Mitte Oktober noch zum Baden warm genug. Gleich nach dem Baden kommen aber wieder die nächsten Regengüsse. Einer davon so stark, dass das Wasser in mehreren Kaskaden von den steilen Vulkanflanken herunterschiesst, auch über die Strassen im Steilhang hinweg. Es reisst eine Menge Erde mit sich. Das sonst sehr klare Hafenwasser färbt sich rotbraun. Man liegt hier jetzt wie im Amazonas zur Regenzeit.
Am Ende der zweiten Woche wird es wieder ruhig.  Anna fliegt wieder ins kalte Österreich zurück, und Veronika und Robert fahren weiter nach Teneriffa. Hoffentlich treffen wir die beiden wieder irgendwo, wenn sich unsere Wege wieder kreuzen.

Teneriffa

Von den vier Tagen im Süden Gran Canarias, wo fast immer die Sonne scheint, wie uns die Tourismusprospekte erklären, sind drei dicht bewölkt, aber wenigstens warm, auch zum Baden. Die Überfahrt nach Teneriffa gestaltet sich dann ein bisschen ruppig. Halbwind mit 20 Knoten und eineinhalb Meter Wellen beglücken uns in regelmäßigen Abständen mit Salzwasserduschen am Steuerstand. Das ist nicht gerade gemütliches Segeln, aber dafür gibt es fast immer 7 bis 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit als Entschädigung. Nach Ankunft in Santa Cruz haben wir reichlich Wasser in der Vorschiffsbilge. Die undichte Stelle, vermutlich am Wassertankeinfüllstutzen am Bug wird in den nächsten Tagen abzudichten sein.
Die Stadtmarina von Santa Cruz wird in den Reiseführern als zu teuer beschrieben. Nach Preisanfragen per Email ist sie aber die günstigste im Umkreis, daher fahren wir dorthin. Der Hafen ist nur halb voll, rund ums Hafengelände befindet sich eine Großbaustelle. Der gesamte Uferbereich wird gerade umgebaut. Das stört uns wenig, durch die Baustellenabzäunungen kommen wenigstens keine Spaziergänger herein und es ist erfreulich ruhig. Zumindest am Wochenende. Montags fangen die Bagger und Presslufthämmer wieder an zu arbeiten, da muss man sich erst dran gewöhnen. Aber wir haben schon weit schlimmere Häfen gesehen. Neben uns am Ufer steht irgendein Amtsgebäude mit Glockenturm. Darin befindet sich das schaurigste Glockenspiel, das wir je gehört haben. Klingt, wie wenn man mit einem Eisenrohr auf ein Metallgeländer schlägt.
Die Stadt ist eher klein und wenig auf Touristmus ausgerichtet. Allerdings kommt etwa jeden zweiten Tag ein Kreuzfahtschiff herein, dessen bleiche und wohlgenährte Gästeschaft dann für ein paar Stunden in die Stadt quillt. Im Altstadtbereich sehen wir viele schöne Häuser. Auf allen größeren Strassen sind die Gehsteige breit, und unter grossen, schattenspendenden Baumreihen versteckt. Auch sehr viele Plätze in der Stadt sind dicht mit riesigen Bäumen bewachsen, und überall sind Cafes und schattige Lokale darunter zu finden. Eine gemütliche Wohnstadt. Da kann man es eine Zeit lang aushalten. Nur das Leitungswasser ist so stark chloriert, dass man damit nicht einmal kochen kann.
Am Obstmarkt kaufen wir günstig Mangos ein und verarbeiten sie zu Marmelade. Schmeckt hervorragend. Eine testweise gekaufte Drachenfrucht schaut zwar toll aus, ist aber sauteuer und schmeckt eher nach gar nix.
Ein Ausflug mit der Straßenbahn führt uns in den Nachbarort La Laguna. Dort gibt es eine Universität, und entsprechend belebt sind die Fußgängerzonen und Lokale im Ausgehviertel mit jungen Leuten.
Einen gemütlichen Abend bei ein paar Bierchen verbringen wir mit den deutschen Seglern Bernd und Birgit. Die liegen drei Plätze neben uns und sind seit fünf Jahren unterwegs. Endlich eimal wieder deutschsprachige Unterhaltung statt englisch.
Wir nehmen ein billiges Leihauto und kriegen ersatzweise ein feines Cabrio zum Preis der Billigkiste, weil die am Übergabezeitpunkt nicht verfügbar ist. Damit fahren wir auf den Teide, einen 3700m hohen Vulkan. Da kann man bis auf 2700m mit dem Auto hin, und man fährt dabei durch tolle Landschaften. Dann geht es per Seilbahn bis auf 3500m hinauf. Das Letzte Stück zum Gipfel darf man nur Sondergenehmigung und Führung. Die Seilbahn hätten wir uns ersparen sollen: 27Euro/Person(!) und 2 Stunden Anstellen. Die Aussicht von oben ist dann allerdings gar nicht wesentlich besser als von unten. Der Anblick des Berges von der Zufahrtsstrasse aus über einen schmalen Grat war beeindruckender. Schad ums Geld und die Zeit.
Der Aufbruch von Teneriffa erfolgt kurz entschlossen einen Tag früher als urschprünglich geplant. Der Wind soll in den nächsten Tagen aufhören. Wir wollen den letzten Windtag zur Überfahrt nutzen und haben Glück. Nach ein paar Stunden Aufkreuzen können wir mit Halbwind eine ganze Nacht ohne Segeländerung durchsegeln und erreichen bei Sonnenaufgang La Palma.

Gran Canaria

Nächstes Ziel ist Gran Canaria. Fuerteventura wär zwar näher, dort scheint es aber für uns kaum geeignete Plätze und nur wenig Sehenswertes zu geben, außer Stränden. Das werden wir auslassen. Auf der recht schwachwindigen Fahrt von Arrecife zum Südende von Lanzarote können wir ganz gut den neuen Spinakerbaum einsetzen und die passenden Segeleinstellungen dafür ausprobieren. Die Überfahrt verzögert sich dann  ein paar Tage. Der Wind, der bis jetzt seit 3 Wochen ohne Pause sehr stark geblasen hat, hört plötzlich ganz auf. Im Süden der Insel bleiben wir noch zwei Tage an einem geschützten Strandabschnitt. Dort sehen wir eine große Wasserschildkröte am Boot vorbeischwimmen. Anschließend einen Tag in der Marina Rubicon, die als Werbeangebot eine Nacht gratis anlegen läßt. Sehr nette Marina mit Pool, das darf man nicht auslassen, wenns zudem nix kostet.Am Sonntag starten wir dann die Überfahrt bei Leichtwind. Kann länger dauern als erhofft, aber wir haben ja Zeit. Unterwegs gesichtet: mindestens 1 Wal und mehrmals Delfine, einmal nachts, wo sie beim Vorbeischwimmen in der Dunkelheit eine grünlich schimmernde Spur von angeregten Leuchtalgen hinterlassen. In der Früh liegt ein Kalmar auf dem Vordeck. Mit fliegenden Fischen ist mir das schon passiert, aber wie ein Tintenfisch da heraufkommt ist mit rätselhaft. Zum Abschluss kommt uns beim Einlaufen in das riesige Handelshafenbecken von Las Palmas eine Gruppe von Delfinen entgegengeschwommen.
In der Stadtmarina kriegen wir keinen Liegeplatz für eine ganze Woche, immer nur ein, zwei Tage Verlängerung. Viele Plätze sind für die ARC (Atlantic Race of Cruisers) reserviert und müssen bei Bedarf kurzfristig verfügbar sein. Überhaupt sind hier alle irgendwie am Bootherrichten und Aufrüsten für die Überfahrt, und das zwei Monate bevor das überhaupt möglich ist. Aber der Hafen verlockt mit einem Preis von unter 10 Euro am Tag auch zum länger bleiben.
Die Stadt ist ziemlich gross, modern und hektisch. Es gibt aber einen netten Altstadtkern, mit Geschäften, Lokalen und einer riesigen Fußgängerzone. Der Rest der Stadt ist aber sehr autofreundlich, mit vielspurigen Straßen und riesigen Kreuzungen und für Radfahrer eher gefährlich. Man muß fast immer auf Gehsteige ausweichen und das ist mühsam wegen der Bordsteinkanten. Ein Ausflug per Bus geht in den nahen Botanischen Garten, den grössten Spaniens. Sehr beeindruckend in einer Schlucht gelegen, bietet er schöne Möglichkeiten zur Wanderung auf schattigen Wegen.
Für einen Tag gönnen wir uns wieder ein Mietauto und fahren wir die nördliche Hälfte der Insel ab. Sehr beeindruckend ist der höchste Berg im Zentrum mit 1950m. Von da aus überblickt man die gesamte Insel.
Ein Viertel der Insel im Norden ist oft mit Wolken bedeckt, die sich dort an den hohen Bergen stauen. Man schaut wie vom Flieger aus darauf hinunter. Der Norden ist üppig bewachsen. Wir fahren durch zig Schluchten und Gräben in der vulkanischen Landschaft. Die ist dort im Gegensatz zu Lanzarote feucht und grün. Wir sehen Kiefernwald mit lustigen Flechten dran, Schilf und riesige Kastanienbäume.
Nach 8 Tagen in Las Palmas kriegen wir keine Verlängerung mehr, der Liegeplatz ist reserviert. Wir brechen in den Süden der Insel auf, wo wir Ankerplätze suchen wollen.