Winterlager, Teil 2

Als der Südsturm dann kommt, ist es im Hafen gar nicht so unruhig wie befürchtet, es war schon einmal schlimmer. Aber die etwa 2 Meter hohen Wellen knallen draußen auf die Steinschüttung der Mole, Fontänen steigen etwa 6-7 Meter hoch auf, und werden vom Sturm dann über die Hafenmauer drübergeblasen. alle paar Minuten kommt eine gewaltige Ladung Salzwasser über. Wenn man das Boot verlassen will muß man schnell sein und zwischen 2 Riesenwellen den Steg verlassen haben. Die Mutzi erwischt es einmal ordentlich, woraufhin sie das Boot an diesem Tag nicht mehr verlässt. Ich kriege auch eine Ladung Salzwasser ab, als ich wohl ein wenig zu cool und entspannt den Steg verlassen will. Aber wenigstens ist es an dem Tag schön warm, nicht so schlimm, wenn man nassgespritzt wird. Der Spuk dauert genau einen Tag und die halbe Nacht, dann wird es wieder ruhig.
Wenn es schwellig wird im Hafen, dann zerren die Boote stark an ihren Leinen, die dann gerne einmal durchscheuern und reissen. Drei neben uns liegende, unbewohnte Boote musste ich schon neu befestigen, weil Leinen gerissen oder stark beschädigt waren. Die „Security“ der Marina macht zwar täglich zwei Kontrollfahrten mit dem Moped. Die dauern maximal 5 Minuten, und dabei hat der Typ noch keine einzige kaputte Leine gesehen. Der merkt höchstens, wenn ein neues Schiff angekommen wäre. Außerdem hat er die Kapuze wegen der klirrenden Kälte tief ins Gesicht gezogen, schließlich ist Winter, und sieht deshalb sowieso kaum was raus. Also, die Kontrollen sind absolut für nix. Besser selber machen.
Vor Weihnachten wird es wieder schön und warm. Man kann gemütlich im Cockpit in der Morgensonne frühstücken. Wir machen einen größeren Radausflug nach Messini, das ist etwas mehr als eine Stunde Fahrt. Die warmen Tage werden auch endlich wieder für Sinnvolles genutzt, am Vorweihnachtstag wird mit etwa 25 Leuten gegrillt, zu Mittag des Christtages gibt es einen Drink im Marinalokal. Fast alle Überwinterer sind anwesend.
Die Nacht von 26. auf 27.Dezember ist eher ungemütlich, wir haben beide Durchfall und kotzen uns die Seele aus dem Leib. Erst nehmen wir an, dass irgendein Lebensmittel schlecht war – wir hatten nur Selbstgekochtes gegessen – dann stellt sich heraus, dass auch andere den gleichen Spaß hatten, also wahrscheinlich ist irgendein Darmvirus unterwegs. Tags darauf geht es uns wieder gut.
Am 28. Dezember abends gibt es ein Konzert der „Dimotiki Philarmoniki Kalamatas“, also der örtlichen Blasmusik, zusammen mit der Band „Planet Caravan“, man spielt das gesamte Pink Floyd Album „The Wall“. Klingt zumindest interessant, und kann für 2 Euro(!) Eintritt nix verhaut sein. Wir gehen zusammen mit Claudio & Conny von der „Sasikala“ sowie Gunnar & Annika von der „Forgiveness“ hin. Im Sportzelt gibt es dann vor etwa 1000 Zuhörern ein wirklich sehr gut gemachtes, detailgetreues Konzert, mit bestem Sound und hervorragenden Musikern – wir sind äußerst positiv überrascht.
Zum Silvestermenü treffen wir uns mit den anderen Überwinterern in einem Lokal in der Nähe. Das Essen ist hervorragend, reichlichst und nicht teuer. Leider müssen ein paar Rücksichtslose im Lokal rauchen – trotz Rauchverbot. Den ursprünglichen Plan, zum Jahreswechsel nach dem Essen ins Stadtzentrum zum Feuerwerk zu spazieren, lassen wir lieber sein, denn es regnet in Strömen. Am Neujahrstag scheint wieder die Sonne, aber es bläst ziemlich kalter Nordost-Sturm, und der Gebirgszug um den Profitis Illias ist mit Schnee bedeckt. Der ist aber auch 2400m hoch. Im Windschutz des Bootsverdecks geht sich trotzdem ein gemütliches Neujahrsfrüstück im Freien aus. Die weiteren Tage im neuen Jahr werden dann immer kälter, nachts hat es oft nur mehr 3 Grad, tagsüber nicht über 10. Die Schneefallgrenze sinkt schon bedrohlich nahe zur Stadt herunter, liegen bleibt er aber natürlich nur weiter oben.
Langweilig wird es nie an Bord, es gibt immer was zum Rumbasteln, und wenn gerade nicht, dann kommen die Nachbarn mit ihren Elektroproblemen. Günther kriegt endlich sein AIS mit dem Kartenplotter vernetzt, Ian bekommt eine komplette Neueinstellung seiner Lade- und Überwachungsgeräte der Batterien, Pit klagt über eine nicht funktionierende Einstiegstreppe am Wohnmobil, und Uschi’s Wohnmobil-Steuereinheit reagiert auf nichts mehr und muß initialisiert und neu eingerichtet werden. Es spricht sich langsam herum, dass man hier Elektronik-Hilfe bekommt. Aber es freut mich, wenn ich helfen kann.