Nach vielen Anfragen um einen Winterliegeplatz irgendwo von Rom ab südwärts, hat die Marina Base Nautica Flavio Gioia sowohl vom Preis, als auch vom Rundumangebot den besten Eindruck gemacht. Da sind wir jetzt. In diversen Hafenbüchern ist sie als beliebter Überwinterungsort für Yachties beschrieben. Wie viele Bootsfahrer dann wirklich über den Winter da sein werden, wird sich weisen. Ein paar haben wir schon kennengelernt, ein britisches und ein schwedisches Paar. Die Marinaleute sind sehr freundlich und hilfsbereit. Es gibt ein umfangreiches Lager an Schiffszubehör, aus dem wir einige Dinge am Boot erneuern oder verbessern wollen. Die Marina liegt direkt in der Stadt. Nachts ist es dennoch sehr angenehm ruhig. In den ersten Tagen machen wir uns mit den Versorgungs- und Einkaufsmöglichkeiten in und um die Marina vertraut. Alle Dinge des täglichen Bedarfs sind unweit des Liegeplatzes einfach zu beschaffen.
Der erste Ausflug erfolgt auf den Monte Orlando, Hausberg von Gaeta, Erholungsgebiet mit Autoverbot, vielen Wanderwegen, umfangreichen Burganlagen und dem Mausoleum von Lucio Munazio Planco, einem Feldherrn Caesars.
Zur Besichtigung gibt es dort erst einmal die Kapelle Santurario delle Montagna Spaccata, die in einer 15 Meter breiten Felsspalte 50 Meter hoch ziemlich spektakulär über dem Meer hängt.
Ein Netz von Wanderwegen führt zu verfallenen, aber auch teilweise gut erhaltenen Geschützstellungen und Lagern einer riesigen Festungsanlage, die sich über den ganzen Berg zieht. Von da oben hat man einen tollen Rundumblick auf den gesamten Golf von Gaeta und die Inselgruppen von Ischia, Ventotene und Ponza. Wochenends wimmelt es dort von Joggern, unter der Woche ist man jetzt dort aber allein.
Bei schönem Wetter werden wir hie und da hinausfahren und ein bisschen herumsegeln und vielleicht noch baden.
Ansonsten werden wir die Hafenzeit nutzen, um mit dem Zug Ausflüge nach Rom oder Neapel/Pompeji zu machen.
Archiv des Monats: Oktober 2014
2.9. Pontinische Inseln, Nachsaison
Auf dem Weg von Ischia nach Nordwest kommen wir an den Inseln Ventotene und Santo Stefano vorbei. Diese ist ein Naturschutzgebiet und darf gar nicht angefahren werden. Gleich daneben liegt Ventotene. Leider müssen wir dort in den nicht schönen, aber teuren Hafen einlaufen weil ankern davor nicht geht. Der Ort ist ganz nett, der kleine alte Fischerhafen ist von den Römern aus dem Tuffgestein gehauen und sehenswert. Es ist Mitte Oktober und die Saison ist vorbei. Die meisten Ristoranti und Gelaterias haben bereits zugesperrt. Um 19 Uhr ist es stockfinster und es wird auch in den Straßen bald ruhig. Die Quellen bezahlbaren Bieres versiegen, weil die wenigen Supermärkte mit Kühlvitrinen diese zum Teil nicht mehr in Betrieb halten. Nach einem Tag Aufenthalt fahren wir weiter nach Ponza. Die 20 Meilen dorthin segeln wir meist, jedoch ist das sehr anstrengend, weil Wind und Wellen in Italien nie zusammepassen. Schwacher wind von hinten und 1 Meter hohe, lange Wellen von der Seite schütteln uns ordentlich durch. Durch ein schlecht geschlossenes Seitenfenster dringt einiges an Wasser ein, während das Schiff in der Welle ziemlich stark krängt.
Die Insel Ponza ist landschaftlich sehr erfreulich: hohe Klippen, mit Höhlen und Grotten, viele Ankerbuchten, klein und überschaubar. Man kann dort kurzfristig die Inselseite wechseln, wenn es das Wetter erfordert. Leider ist der Restschwell von irgendeinem Sturmtief im Südwesten so stark, dass die Ankermöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Wir fahren aber die ganze Insel rundum ab, und probieren fast alle Ankerbuchten aus. In einigen Buchten sind die Häuser höhlenartig in den weichen Tuff geschlagen.
Auch in Ponza ist die Saison zu Ende, es ist fast alles zu, nur am Wochenende kommen doch noch einige Boote aus Rom und füllen die Buchten. Sonntag abends sind wir aber wieder fast allein.
Da es keine weiteren erreichbaren Ziele für uns vor dem Winterlager gibt, bleiben wir in der Gegend rund um Ponza und ankern je nach Wetterlage auf der Nord- Ost- oder Westseite. Z.B. die Bucht Cala di Feola, in der es einige Grotten gibt. Eine dient als Einfahrt durch eine eingestürzte Höhle, dahinter ein Becken, das jetzt als kleiner Hafen für Schlauchboote dient. Auf der anderen Seite gibt es einen zweiten Eingang, wieder durch ein Höhle. Allerdings fallen vom darüberliegenden Erdreich öfters mal Steine und Erdbrocken herunter, Durchfahren ist also ein bisschen Glückssache. Eine Sturmfront aus West zwingt uns zum zweitägigen Aufenthalt in der Hauptbucht der Stadt Ponza, zwar keine Badebucht, aber es gibt einiges zum Anschauen. Der römische Tunnel, der mit 180 Meter Länge auf die andere Inselseite führt, ist leider gesperrt. Einige Höhlen mit Bassins zur Muränenzucht, auch aus Römischer Zeit, können wir mit dem Schlauchboot befahren. Innen anzulegen und auch das Gangsystem zu erkunden ist aber leider wegen dem ziemlich unruhigen Meer nicht möglich. Wir verbringen noch zwei Badetage in verschiedenen Buchten mit steilen Felsen an der Ostseite von Ponza. Auch dort gibt es einige Häuser, die in den ausgehöhlten Tuffstein hineingebaut sind. Die Starterbatterie gibt langsam den Geist auf. Daher wollen wir am Wochenende in Richtung Winterlager nach Gaeta aufbrechen.
2.8. Ischia
Am Nordende des Golf von Neapel liegen die kleinen Inseln Procida und Ischia. Eigentlich liegt der Haupthafen von Procida auf der Nordseite. Die Stadt zieht sich aber über die schmale Insel bis in eine schöne Südbucht. Die laufen wir wegen der Ankermöglichkeit an und bemerken, dass die Stadt-Rückseite wesentlich attraktiver ist als die Hauptseite. Unter einem Burgberg liegt die bunte enge Häuserfront in einigen Reihen übereinander über dem kleinen Fischerhafen. Die wenigen steilen Längsstraßen im Ort sind keine 4 Meter breit, trotzdem herrscht außerhalb der Siesta reger Moped- und Autoverkehr. Alle Autos fahren im Stadtbereich mit eingeklappten Außenspiegeln, zumindest die wenigen, die noch einen haben. Querstraßen gibt es fast gar nicht, nur Stufenwege, teilweise innerhalb der Häuser. Procida war Kulisse für den Film „Der talentierte Mr. Ripley“ mit Matt Damon, und ist bestimmt eine der hübschesten Städte, die wir bisher in Italien besucht haben.
Wir bleiben dort zwei Tage und fahren dann auf die Südseite von Ischia weiter. Der Hafen San Angelo, vor dem wir wieder ankern, ist ein kleiner Badeort mit einigen Hotels, die aber ganz nett ausschauen. Baden geht noch, ist aber mittlerweile schon ganz schön kalt. Zumindest wenn die Sonne grade hinter einer Wolke steckt und leichter Wind geht. Die Wassertemperatur beträgt noch 23-24 Grad.
Die Ankündigung eines Starkwindes aus Nord läßt uns weiter auf der Südseite bleiben. Dort kann man windgeschützt ankern, wenn auch das Meer immer unruhig ist. Die Stadt Ischia muss noch warten. Der angekündigte Starkwind ist allerdings mehr ein Schwach- bis Keinwind. Mit jedem Tag, den wir abwarten, verschiebt sich die gleiche Wettervorhersage um einen Tag nach hinten.
Montags fahren wir endlich nach Ischia, der Hafen ist voll, kein Ankerplatz zu finden. Daher legen wir im Nachbarort Casamicciola an und fahren mit dem Rädern nach Ischia. Die Anfahrt erfolgt auf einer kleinen Inselstraße mit einem Verkehrsaufkommen, zu dem die Südosttangente in der Früh vergleichsweise ein Lärcherlsch… ist. In Ischia befindet sich auf einer vorgelagerten Halbinsel eine beeindruckende Festungsanlage der Aragoner. In der Stadt gibt es zahlreiche Thermalbäder mit Vulkanheizung, von den wir aber keines besuchen. Für den Besuch der leicht radioaktiven Quellbäder benötigt man ein ärztliches Attest, welches man vor Ort käuflich erwerben kann.



































