Ibiza erwartet uns. Zwar nicht gerade ungeduldig, weil für die knapp 50 Meilen Überfahrt brauchen wir 28 Stunden. Das deshalb, weil ich beschlossen hatte, ohne Motor, nur unter Segel zu fahren. Und 16 Stunden lang war dann halt gar kein Wind, dafür elendigliches Wellengeschaukel. Kleine Geduldsprobe. Aber wir haben ja schliesslich keine Eile, und sind letztendlich doch noch angekommen. Und gleich vorweg: es geht noch tiefer, viel tiefer!
Ibiza! Die Partyinsel! Clubs ohne Ende und immerfort die Superüberdrübermuke zum Abtanzen. Hier sind die angesagtesten Dietscheis am Schrauben und setzen neueste sogenannte Musiktrends, bzw. entwickeln nervige Klingeltongeräusche, wie ich es nennen würde. Das ist genau mein Fall, dafür bin ich hergefahren, da muss man doch dabeisein. Aber im Ernst: eigentlich liegt Ibiza halt gerade auf unserem Weg herum, und die Partykacke spielt sich sehr konzentriert in den grösseren Bade/Hotelbuchten ab. Abseits davon gibt es wenige vom Land aus schwer zugängliche Buchten. Dort kann man auch Ibiza kurz aushalten. Die Buchten sind leider allesamt nach Süden bis Osten offen. Zum Glück ist gerade ungewöhnlich ruhiges Wetter, zwar immer Südostwind, aber sehr schwach, sodass wir auch in ungeschützten Buchten übernachten können. So schön wie Mallorca oder gar Menorca ist die Küste hier aber bei Weitem nicht.
Ibiza Stadt. Das Zentrum der gruseligen Club- und Partywelt. Wenn da nicht die Altstadt wär, die UNESCO-Weltkulturerbe ist, hätten wir einen großen Bogen herum gemacht. Die wollen wir uns aber anschauen. Die Altstadt ist ganz nett, aber der ablolute Weltkulturwahnsinn isses dann auch nicht. Der Rest der Stadt: dreckig, drei sauteure Marinas im Hafen, Ankerverbot im Vorhafen, Ankern geht nur in einer Nachbarbucht mit Motorboot-im-Kreis-Fahrern, Jetski-im-Kreis-Fahrern und allem Weiteren, was Lärm macht und nach Benzin stinkt. Wassersport für Sportliche halt. Von da aus sind es 5km zu Altstadt, man geht durch eine eigene Hotel-Stadt. Dazwischen vierspurige Strassen. Kein Strand, kein Supermarkt, nicht einmal Souvenier- oder Fetzenläden – nur Hotels für zigtausende Gäste. Trotzdem sind die wenigen Strandabschnitte hier recht leer, die Hotelpools, die man einsehen kann ebenso. Wo sind die Massen, die mit den Fliegern im 2-Minutentakt über uns hereindonnern? Die fahren alle, und zwar tausende täglich, mit den Schnellfähren nach Formentura, die Sandstrandinsel südlich von Ibiza. Wir wollen uns das anschauen, drehen aber ein paar Meilen vorher ab, denn der Fährverkehr hier ist unerträglich. Wir sind umzingelt von 30-40 rasenden Motorbooten. Das hier ist der schlimmste Ort, den wir bisher besucht haben. Mir ist völlig unverständlich, dass da jemand freiwillig herkommt, um Urlaub zu machen. Gegen das hier war Mallorca erfreulichst angenehm, viel besser als ursprünglich erwartet. Wir verschwinden hier wieder nach bereits 4 Tagen in Richtung Festland. Auf der windlosen Überfahrt begleiten uns 5 Delfine eine Zeit lang.
Archiv des Monats: Juli 2015
3.5. zwei Wochen Badewetter
Während der Wartezeit hatten wir eigentlich geplant, alle Buchten auf der Südostseite abzufahren. Wir finden dann aber bald die Cala Mitjana und bleiben dort 5 Tage hängen. Die schmale Bucht ist tief in die Felsen eingeschnitten, rundum geschützt, mit Sandgrund, gleichmäßig 6m tief bis zum Rand, und hat am Ende einen kleinen Sandstrand. Es gibt kein Hotel, keine Siedlung in der Nähe. Die wenigen Badegäste müssen zu Fuß etwa 1 Stunde gehen um hier her zu kommen. Daher ist relativ wenig los, nur am Wochenende kommen tagsüber sehr viele Badegäste mit kleinen Motorbooten. Die meisten davon Leihboote, deren Fahrer völlig unbelastet von jeglichem bootsfahrerischem Verständnis wirr herumkurven und ihre Ankerleinen irgendwie nach einem undurchschaubaren höheren Plan in der Bucht verteilen. So ein kleines Motorboot hat ein Lenkrad wie ein Auto, verhält sich aber in jeder Hinsicht komplett anders, steuert hinten, und das erst unter Fahrt, und bleibt nicht einfach stehen, sondern dreht sich und wird von Wind und Strömung abgetrieben. Das haben die Wochenend-Kapitäne allesamt nicht kapiert. Trotzdem fahren die Verrückten hier mit 150 PS und mehr herum. Ganz bestimmt alles stolze Bootsführerschenbesitzer mit fundierter Ausbildung! Kleinere Kollisionen, ratlose Gesichter, sehr unterhaltsam für die anderen. Wir nennen es „Ankerfernsehen“ – zehn Mal besser als jedes Reality-TV. Der Wahnsinn hier ist echt.
Außen wird die gesamte Bucht von einem einzigen, mindestens 1 Quadratkilometer großen Privatanwesen umschlossen. Es ist ein großes Haus mit Pool und eine riesige, gepflegte Parkanlage. Ständig sprühen hunderte Rasensprenkler, 4 Gärtner kehren, jäten und schneiden ständig den Park, mindestens 10 weitere Hausangestellte wuseln im Gelände herum. Wer der Besitzer ist, konnten wir nicht herausfinden. Jedenfalls ist das mit Abstand die feinste und ruhigste Anker- und Badebucht, die wir bisher gefunden haben. Und das mitten in einem paradiesischen Garten.
Der sehnlich erwartete Wassermacher-Ersatzteil wird wie geplant pünktlich an die Gelateria Cucurucho am Hafen angeliefert und wird von uns abgeholt. Der Einbau ist unkompliziert und verläuft problemlos, das Ding funktioniert auf Anhieb. Endlich haben wir wieder jederzeit Trinkwasser in fast unbegrenzer Menge, ohne Flaschenschleppen vom Supermarkt.
Die weitere Route wählen wir entlang der Nordküste. Dort erhoffen wir uns mehr Ruhe als im extrem touristischen Süden. Die Wettervorhersage verspricht umlaufenden Schwachwind, Stärke 1 bis 2. Nach der Ausfahrt aus der Bucht bläst es böig mit 5 bis 6 Windstärken daher. Wir raufen ein wenig mit der Segeleinstellung herum. Bis alles passt und wir fein segeln könnten, ist der Spuk aber auch schon wieder vorbei, und wir motoren nach Sóller, dem einzigen Hafen an der Nordseite Mallorcas. Wir bleiben ein paar Tage und machen mit der historischen Bummelbahn von dort aus einen Tagesausflug ins 30km entfernte Palma. Die einstündige Fahrt geht durchs Gebirge, in Tunnels und über Brücken und zeigt uns ein bisschen vom Inneren Mallorcas. Der dreistündige Aufenthalt in Palma reicht aus, um den schönen Altstadtkern zu durchwandern. Die Hafen- und Strandbereiche der Stadt sind dagegen völlig uninteressant.
Bevor wir in Richtung Ibiza weiterfahren, wollen wir günstigen Wind abwarten, im Moment ist gar keiner. Wir Ankern in der Bucht vor Santa Ponsa auf der Westseite Mallorcas. Auf der Suche nach einem Supermarkt finden wir hier das „Cafe Katzenberger“ und das „Jürgen Drews Kultbistro“. Ein Traum! Wir sind endlich im Mittelpunkt des internationalen Jet-Set mit allen seinen Superpromis. Tiefer geht’s nicht mehr. Oder doch?




























