5.8. Grenada & Carriacou

Langsam nähern wir uns dem Ziel für die heurige Saison, Grenada. Zuvor erreichen wir aber Carriacou, etwas nördlich davon. Nach 10 Meilen recht angenehmer Überfahrt bei 20 Knoten Halbwind ankern wir in der Tyrrel Bay. Hier ist es ziemlich voll. Der Officer beim Zoll nuschelt so unverständlich, dass er wahrscheinlich selbst nicht versteht was er sagt, und die offensichtlich nicht ganz ausgelastete Sekretärin hat Mühe, nicht einzuschlafen und vom Stuhl zu fallen. Die putzige Marina dort hat 3 Wasserliegeplätze am Steg, und etwa 20 Landliegeplätze. Wir hatten dort um einen Liegeplatz über den Sommer angefragt, erhielten aber eine Absage, weil die Marina ausgebucht ist. Der Ankerplatz vor der Marina ist halbwegs ruhig, ohne Schwell. Der ungewöhnlich starke Dauerwind jedoch ist sehr unangenehm. Es hat fast immer um die 20 Knoten. Zum Baden, Beibootfahren, oder auch nur an Deck zu sitzen und zu essen ist höchst ungemütlich. So ein konstanter und starker Passatwind hätte uns bei der Atlantiküberfahrt gepasst, anstelle von dem tagelangen, müden Herumgefurze. Jetzt, wo die Saison eigentlich vorbei ist, bläst es aus allen Rohren als gäb’s kein Morgen. Hoffentlich wird das bald einmal besser. Wir steigen in Carriacou ein bisschen auf den Bergen rund um die Tyrrel Bay herum. Von oben gibt es eine gute Aussicht auf beide Inselseiten. Außer Herumwandern bietet die Insel keine besonderen Sehenswürdigkeiten, und das Wandern ist auch mühsam. Es ist Frühling, hier das Ende der Trockenzeit (haha!, es regnet, wie in der gesamten Karibik bisher auch, ein paar Mal täglich), und der niedrige Buschwald ist zur Zeit fast blattlos. Also Wandern in schattigen Regenwäldern ist hier nicht. Eine Busfahrt nach Hillsborough durchs Landesinnere zeigt ein bisschen mehr grün als an der Küste. Sogar ein paar Anbauflächen haben wir gesehen, derzeit wächst aber noch nichts. Das Städchen ist gammelig und dreckig, wie alle Städte hier. Es gibt viele aufdringliche Straßenverkäufer, und auch einfach nur Schnorrer. Obst und Gemüse sind unverschämt teuer, Fleisch in den Supermärkten nur gefroren und wahrscheinlich schon öfters angetaut, teures Bier gibt es nur in lächerlichen 1/4l Fläschchen. Der Wind wird deutlich stärker, immer um die 25 Knoten, sodass nicht einmal mehr Baden vom Schiff aus lustig ist. Es regnet jede Nacht mindestens einmal, und auch tagsüber immer wieder kurz. Langsam habe ich die Nase voll von den südlichen Windward-Islands. Da ist kein cooles Karibik-Feeling mehr. Nur ununterbrochener Sturm. Seit fast zwei Wochen Starkwind. Tag und Nacht, keine Sekunde Ruhe. Es heult und scheppert immerzu. Der etwas lautere Windgenerator am Nachbarboot klingt wie ein startendes Flugzeug. Ich will hier weg. Schnell. Die Ankermöglichkeiten sind Kacke und das Wetter erst recht.

Wir warten ein Nachlassen des starken Windes ab, und als es laut Vorhersage soweit ist, lässt der Wind gleich so stark nach, dass es zum Segeln schon wieder fast zu wenig ist. Es geht sich aber gerade noch aus, und wir segeln die 30 Meilen nach Grenada in etwas mehr als sieben Stunden. Grenada ist wieder deutlich grüner als die zuletzt besuchten Inseln. Hier wächst wieder dichter Wald auf den steilen Berghängen. Wir sehen wieder Bananenstauden, Mangobäume, und grüne Grasflächen. Wie z.B. der Fußballplatz von Grand Mal Bay: Grünfläche, im Abstand von 10m Schafe angebunden, die den Rasen kurz halten, abends für’s Fußballtraining werden die Viecher vorübergehend am Rand abgestellt, und die Platzbeleuchtung eingeschaltet. Der Rest vom Ort ist wenig interessant, er wird von einem Gas/Öllager dominiert, das zwar wenig schön aussieht, aber wenigstens keinen Lärm macht. Erfreulicherweise gibt es hier keine aufdringlichen, Bootsverkäufer mehr, die morgens um halbsieben ans Boot klopfen und wieder irgendwas verkaufen wollen, das wir schon die Tage davor mehrmals abgelehnt haben.
Die Stadt St. George schaut recht nett aus, an steilen Hängen rund um eine Lagune gebaut, und ist nicht so karibisch wie die bisher gesehenen, wirkt eher ein bisschen britisch. Wir ankern gegenüber der Stadt vor einem schönen und völlig ruhigen Strandabschnitt mit einem tollen Park dahinter am Berg. Das hätte einmal ein riesiger Hotel & Luxuswohnungskomplex werden sollen, zum Glück ist aber das Geld vorher ausgegangen. In der Stadt ist es auch eher unkaribisch hektisch. Mindestens jedes dritte Auto ist ein Kleinbus, längstens alle 10 Sekunden fährt einer vorbei, und bei einem derartigen Überangebot an Bussen müssen die Fahrer um die Kunden kämpfen. Jeder Bus hupt jede Person auf der Straße an, es könnte ja jemand mitfahren wollen. Aus jedem Bus brüllen die Keiler auf uns ein, und wollen uns klarmachen, dass wir jetzt dringend genau diesen Bus brauchen. Auch wenn wir eigentlich zu Fuß in der Gegenrichtung unterwegs sind. Egal wohin man geht, die Busfahrer wissen besser, wo wir gerade hin wollen sollen.  Die sind hier aufdringlicher als anderswo Straßen- oder Bootsverkäufer. Ebenso die Taxis, das sind eigentlich die gleichen Fahrzeuge, fahren aber halt nicht auf Linie und sind dafür viel teurer. Die Taxifahrer bieten dazu noch alle möglichen Sightseeing und Wandertouren an, natürlich professionell geführt, Alleskönner halt.
Zur Zeit gibt es Mangos halbwegs erschwinglich, daher ist die Obstlose Zeit zu Ende, und wir genehmigen uns jetzt täglich einen Obstsalat aus Mango, Bananen, Rosinen und einem Schlückchen Rum zur Verfeinerung. Zum Frühstück gibt es meist eine Maracuja, hier halbwegs preiswert und wohlschmeckend. Anderes Obst ist unbezahlbar, Äpfel oder Birnen z.B. bekommt man um ca. 1€ je Stück! Papayafrüchte wären auch noch leistbar, sind aber leider  ziemlich ohne Geschmack.

Die Regenzeit setzt ein. Es regnet jetzt täglich 10 Mal und mehr, auch oft ausgiebig und lang. Leider kann man nachts keine Fenster öffnen, weil es sicher ein paar Mal regnet. In den Regenpausen ist es extrem schwül. Es trocknet nichts mehr auf. Die Sonne scheint kaum noch, die Batterien sind leer, keine Solarladung mehr. Auch Ausflüge wollen bei dem Sauwetter gut überlegt sein. Wir machen einen per Bus ins Land zu einem Kratersee. Während die Busse in der Stadt sich gegenseitig im Weg herumstehen und im 15-Sekunden-Takt fahren, ist die Buslinie von St.George nach Grenville eher dürftig versorgt. Der Bus fährt erst los, wenn er randvoll ist, etwa jede halbe Stunde fährt einer ab. Unterwegs steigt fast kaum jemand aus, weil da ist nur Gegend und Regenwald. Wir steigen aus, weil der Kratersee genau dort auf halber Strecke liegt. Das Zurückfahren wird dann spannend, weil alle Busse aus zuvor beschriebenem Grund voll sind. Erst der vierte hat Plätze frei. Die Regenwaldwanderung um den Kratersee ist nett, aber nichts Neues mehr. Der Regenwald ist überall gleich. Neu ist ein riesiger schwarzer Schmetterling, der uns eine Zeit lang begleitet, und Kolibris, die neugierig auf 1/2 Meter heranschwirren, sodass man ihren Luftzug spüren kann. Die Berge rundum verschwinden alle im Nebel, es ist nass, aber angenehm kühl in 500 Meter Seehöhe. Es gibt Moskitos hier, aber trotz der hohen Feuchtigkeit im Regenwald eigentlich überraschend wenige.
Nach einer Woche bessert sich das Wetter trotz mieser Vorhersage, und wir wagen einen zweiten Ausflug zu den Annandale Falls. Der Wasserfall ist von den vielen auf Grenada für uns am leichtesten zu erreichen. Es sind bloß 10 Minuten zu Fuß von der Bushaltestelle. Bis man jedoch dort ist braucht es einen wahren Spießrutenlauf durch widerliche Aufdringlichkeit: erst an einer leeren Bar vorbei. Man wird trotz demonstrativem Desinteresse vollgelabert, doch reinzukommen. 10m später ein Getränkestand, wo man natürlich denkt, dass wir unbedingt was trinken wollen müssen, nachdem wir grade die Bar links liegen gelassen haben. Nächstes Hindernis ist ein Mann, der einen Affen präsentiert, der sich für Fotos auf Touristenschultern setzt. Für Geld natürlich. Beeindruckend. Wir machen ein Foto vom Affen, ohne Schultersitzen und ohne Geld. Wieder keinen neuen Freund gewonnen. Dann ein Schmuck- und Souvenierladen mit tollen Gewürzketten für Küche und Bad(?!?), wie uns die Verkäuferin unaufgefordert erklärt. Auf den letzten Metern zum Wasserfall begleitet uns dann auch noch ein Gitarrenspieler, der aber außer blödem Gelaber keinen Ton von sich gibt, wenn er kein Geld sieht. Macht nix, wir brauchen für einen Waldspaziergang eh keine Musikbegleitung. Direkt am Wasserfall dann noch 2 Burschen von der „Grenada Jump Association“, die würden für Bares vom 10 Meter hohen Felsen ins Wasser springen. Wahnsinnig interessant! Kein Tourist in den folgenden 3 Stunden will dafür bezahlen. Das Geschäft brummt wohl doch nicht so. Nach Überwindung der 6 Herausforderungen gelangt man in Level 7: der eigentliche Wasserfall.
Für knapp 2 Euro Eintritt kann man dann dort unterm Wasserfall baden und einen Rundgang durch einen netten Schaugarten machen. Dort wachsen Mangobäume (ein ganzer Rucksack voll Beute), Barbados-Kirschen (kirschenähnlich),  Ananas (leider noch zu klein), Kaffeepflanzen (noch komplett unreif) und Kakaobäume (reif, aber in den kleinen mitnehmbaren Mengen nicht praktisch), und verschiedenste Kräuter. Das ausgiebige, erfrischende Bad im kühlen Süßwasserpool unter dem Wasserfall ist den Eintritt dann aber auf jeden Fall wert. Die 6 Schwierigkeitsgrade zuvor sind Zugabe. Bei einigen hat man dann sogar beim Rausgehen noch einmal Gratisspaß….

Die letzte Strecke für diese Saison von St.George in die Clarkes Court Bay ist 12 Meilen lang. Weil wir segeln, und wie üblich gegen den Wind aufkreuzen müssen,  werden es letztendlich 20 Meilen. Zu 18 Knoten Gegenwind kommen noch gut 2 Knoten Gegenstrom, der Wendewinkel von 155 Grad ist jämmerlich, während den Wenden fahren wir im Strom auch öfters mal 15m rückwärts über Grund. Fünf weitere Boote, die in die gleiche Richtung fahren, laufen alle unter Maschine. Warmduscher! Wir haben den ganzen Tag Zeit, die Wellen sind nicht hoch, daher macht es trotz Gegenwind und Strom sogar Spass. In der Bucht vor dem Landliegeplatz treffen wir Birgit und Bernd von der „Rebell“ wieder, und lernen neue österreichische Segler kennen, den Steirer Hans Peter von der „Selivra“ und die Tiroler Franz und Anna mit Tochter Milena von der „Scorpio“. Weil hier viele Segler „übersommern“ gibt es eine richtige Seglergemeinschaft mit morgendlicher Funkrunde, Ausflügen und Grillabenden. Wir ankern vor der Clarkes Court Marina und bereiten das Boot zum Kranen vor. Wir werden dort 4 Monate draußen liegen, inzwischen nach Hause fliegen und im Oktober wiederkommen.Das Gelände mit unserem Landliegeplatz ist gerade mitten im Umbau, die volle Baustelle, noch ohne Wasser und Strom. Wir hoffen, dass diese Dinge bis Oktober fertig und in Betrieb sind. Dann werden wir Antifouling streichen und kleinere Instandsetzungen machen.
Das Herausheben des Bootes ist abenteuerlich. Der erste Versuch mit einem großen Slipwagen am Traktor scheitert weil das Boot sich im unruhigen Wasser nicht genau genug positionieren läßt. Der zweite Versuch mit dem 242 Tonnen Riesenkran ist auch schwierig, weil der fast zu groß ist für unser Boot. Es gelingt aber, und wir liegen an einem guten Platz an Land. Die Bootsunterseite wird von einem dicken Pelz von Bewuchs mittels Hochdruckreiniger befreit, und wir reinigen alles Mögliche vom Seewasser, spülen den Seewasserkreislauf der Maschine und auch den Beibootmotor mit Süßwasser durch und verstauen alles was an Deck so herumsteht, inklusive Abbau aller Verdecke und Segel. Vier Tage wohnen wir noch an Land am Boot, dann gehen unsere Flüge über London nach Österreich. Während wir in den letzten Tagen drauf achten, unsere verderblichen Lebensmittel aufzukochen, haben die Gelsen hier jede Nacht ein Festessen. Die sind hier am Land in der Mangrovenbucht-Marina in der Überzahl und unerträglich. Hunderte schwirren abends und nachts um unsere Köpfe, unser Autan ist denen vollkommen wurscht, und ein hiesiges wirksames Giftzeugs konnten wir noch nicht besorgen. Wir freuen uns auf Zuhause.

5.7. St.Vincent & Grenadinen

St.Vincent – Bequia – Canouan – Tobago Cays – Mayreau – Union Island

Erstes Ziel ist nicht die Hauptinsel St.Vincent. Dort gab es vor Kurzem einige Überfälle auf Schiffstouristen, daher wird die Insel zur Zeit von diesen eher gemieden. Wir fahren über Nacht daran vorbei, gleich weiter nach Bequia. Die Abschnitte zwischen den Inseln gehen ganz gut, es ist etwas mehr Wind als angekündigt, die Welle ist aber nicht ungut. Wir kommen gut voran und können „Seven Seas“ ein paar Meilen abhängen. Hinter St. Vincent allerdings fallen wir in ein komplettes Windloch und stehen dort für 2 Stunden bewegungslos herum. „Seven Seas“, die ein paar hundert Meter weiter außen fährt, hat weiterhin leichten Wind und holt uns wieder ein. Zuletzt kommen wir dann auch zugleich mitten in der Nacht in Bequia an. Der Plan, den Fast-Vollmond für die Ankunft zu nutzen, geht voll in die Hose, weil kurz vor dem Ziel eine superfette Wolke aufzieht und das Ankermanöver daher im Stockdunkel mit Nieselregen stattfindet. Ich liebe das karibische Wetter.

Bequia:
nördlichste Insel der Grenadinen, mit großer Korallensandbucht zum Ankern. Hier ist verboten: Camouflage-Kleidung (sonderbar) und Fahren mit Jetskies (großartig!) Die Insel ist sehr touristisch, mit vielen Ressorts, aber die sind eher unaufdringlich. Es ist hier viel trockener als auf allen bisher besuchten Inseln, auch wenn es bei unserer Ankunft geregnet hat. Es gibt hier keinen Regenwald, eher ziemlich trockenes Buschwerk, das hohe Gras ist braun und vertrocknet. Überall laufen Ziegen frei herum. Wir fahren gemeinsam mit Veronika, Robert und Julian von „Seven Seas“ mit offenen Taxis (Pickups mit Sitzbänken auf der Ladefläche) an irgend ein Inselende, besuchen dort Badebuchten und Schnorchelplätze, und gehen dann zu Fuß ein bis zwei Stunden zurück. So groß ist die Insel nicht. Es gibt eine Wasserschildkrötenstation (Reparatur und Aufzucht) auf einem Ende, und ein Walfangmuseum am anderen. Hier wurden früher Wale mit kleinen Ruderbooten gejagt und harpuniert. Noch heute dürfen jährlich 4 Wale mit dieser traditionellen Technik gejagt werden. Die besuchten Schnorchelplätze in den Riffen sind weniger bunt und spektakulär als die auf Martinique. Beim zweiten Ausflug findet Veronika tolle „Abkürzungen“ über steile Bergflanken und durch dichten Buschwald ohne Wege, und sorgt so für den Abenteuer-Expeditions-Effekt. Wir kommen trotzdem wieder irgendwann abends zum Schiff zurück. Hungrig, durstig, zerkratzt, verstaubt aber lebend!
Leider muß „Seven Seas“ wegen eines Trauerfalles in der Familie frühzeitig weiterfahren, um ihre Heimflüge zu organisieren. Eigentlich wollten wir den Rest der heurigen Tour gemeinsam machen. Schade. Wir bleiben noch ein paar Tage in Bequia. Das Wetter ist gerade wieder einmal recht öde, voll bedeckt, grau, kein Sonnenstrahl, häufig kurze Regenschauer. Wenn es etwas besser wird, werden wir weiter südlich nach Canouan weiterfahren.

Die dazwischen liegende Privatinsel Mustique lassen wir links liegen. Viel gibt es dort wohl nicht zu sehen, da eben privat, von Superreichen und Prominenten bewohnt, und größtenteils nicht betretbar. Wohl aber täten sie 70Euro für 3 Tage davor Ankern kassieren wollen. Das ist es uns nicht wert. Die reichen Spinner werden auf unseren Besuch verzichten müssen. Das haben sie jetzt davon!

Canouan:
Die 20 Meilen Überfahrt ist, wie könnte es anders sein, wieder einmal nur hart am Wind möglich. Aber wenigstens ist er nicht zu stark, und es hat wenig Welle. Dafür nieselt es fast ununterbrochen leicht daher. Das karibische Wetter ist, obwohl eigentlich noch Hochsaison, absolut Dauerschei….
Die Ankerbucht von Canouan ist etwa gleich groß wie die von Bequia. Während dort etwa 50 Yachten vor Anker lagen, sind es hier bloß 4. Wo da der Haken ist, müssen wir noch herausfinden. Hier gibt es nur eine kleine Strandbar mit schrecklicher „Musik“, eine Hotelbar beim sauteuren Luxuxressort (mit 2 Gästen, haben wir am Strand und an der Bar gesehen, mehr nicht!), die erst ab 4 Uhr nachmitags aufmacht, und einen Mini-Markt, der gar nicht so klare Öffnungszeiten und auch wenig Artikel hat. Deshalb. Und weil die Tobago Cays nur eine Stunde Fahrzeit weg liegen, fahren die meisten gleich dort hin. Wir bleiben trotzdem 3 Tage hier, weil es so schön ruhig ist und finden rund um den White Rock auch ein tolles kleines Schorchelrevier. White Rock heisst er wegen seiner weissen Felsenoberseite – voller Mövenkacke. Aber gut zum Schnorcheln. Eine kleine Wanderung auf die andere Inselseite bietet uns Ausblick auf ein schönes, vorgelagertes Riff. Der Bereich ist aber leider für uns unerreichbar, da bräuchte man ein starkes Motorboot, um hinzukommen. Am Wochenende auch hier am Strand, wie überall, Gedröhne aus allen verfügbaren Monsterboxen. Jedoch kaum Leute da, die es interessiert.  Am Sonntag sollte der Wind ein bisschen schwächer werden, da wollen wir zu den Tobago Cays.

Tobago Cays:

Eine Inselgruppe, zum Atlantik hin durch einen großen Riffbogen geschützt. Ein Naturschutzgebiet, keine Bewohner, keine Geschäfte. 6 Seemeilen von Canouan entfernt, zwei Stunden gemütliches Segeln am Wind. Dann die Durchfahrt durchs Riff, links und rechts Unterwasserfelsen, und dann wird das Wasser deutlich ruhiger. Die Atlantikwellen brechen draußen am Riff, dumpfes Rauschen der Brandung, doch innen gibt es nur noch kleinere Windwellen. Die aber immer, weil der Atlantikwind natürlich ungehindert hereinbläst. Wir liegen ein bisschen geschützt hinter einer der kleinen Inseln im türkisfarbenen, 4m tiefen Wasser. Bester Ankergrund und schöner Badeplatz. Von hier aus werden wir mit dem Dinghi raus ans Riff zum Schnorcheln fahren. Ein erster Ausflug geht aber auf die Schildkröteninsel, wir sehen auch ein paar davon rundherum schwimmen, aber die sind hier sowieso überall. Auf allen Inselchen treffen wir auf Iguana-Echsen. Die hübschen Drachen sind etwa einen Meter lang. Karoline verfolgt beim ersten Schnorchelgang einen Rochen. Später sehen wir noch mehrmals welche. Draussen am Riff ist das Wasser gerade mal 2 Meter tief mit weissem reinsten Sand, und warm wie in einem Pool, und dort stehen die Korallenköpfe herum. Leider sind viele Korallen von irgend einem Hurrikan ziemlich ramponiert worden und gar nicht mehr so schön und bunt wie erhofft. Es tummeln sich aber viele grosse, prächtige Fische dort. Die wenigsten kennen wir vom Namen, aber das ist uns egal, wir genießen es, sie zu beobachten. Viele kommen auch bis auf wenige Zentimenter heran und lassen sich kaum stören. Angeln und Harpunieren ist hier verboten. Das Wasser ist vom starken Wind ziemlich ruppig, und es gibt zwischen den Korallenköpfen sehr starke Strömungen. Das Schnorcheln ist anstrengend und nicht ganz ungefährlich. Der Archipel ist von oben mit all den Inselchen, dem grünen Wasser und dem Riff ein toller Anblick und ein toller Ort zum Ankern. Das Korallenriff selbst ist ein bisschen enttäuschend. Die kleinen Korallenbereiche direkt neben den Inseln sind da wesentlich ergiebiger, mehr bunte Korallen, mehr Pflanzen, mehr grosse und kleine Fische. Am Strand schwimmt im 30cm tiefen Wasser sogar mehrmals ein kleiner Hai an uns vorbei. Mit 60 cm Länge eher herzig als bedrohlich, aber ein richtiger Hai, alles wie ein Großer, nur in Klein halt.

Mayreau:
kleine Insel 3sm westlich der Tobago Cays, noch zum Naturschutzgebiet gehörend, aber bewohnt, mit einem Dorf und ein paar Ferienanlagen. Die sind jetzt schon alle leer, die Saison ist hier vorbei, nur noch ein paar Bootstouristen sind da. Die Hotelstrandbereiche sind schön und werden geplegt und sauber gehalten, gleich dahinter beginnt die große Müllhalde. Der ganze kleine Ort ist voller PET-Flaschen, Plastiksackerln, Styroporteilen und sonstigem Zeug. Die Bewohner mittendrin, selbst in umzäunten Grundstücken liegt Müll herum, es stört anscheinend keinen. Die einzige Straße über die Insel ist etwa 5km lang und zu beiden Seiten mit Abfall gesäumt. Die Insel und die Strände sind sonst aber recht hübsch, zum großen Teil unbewohnt und mit Buschwald bedeckt. Wir wandern einen Rundweg um die Insel ab, an der unbewohnten Ostküste ist ein langer, leerer Sandstrand. An einigen stellen finden wir dort Berge von Schneckenhäusern und Seeigelschalen. Offenbar werden die dort in großen Mengen aufgefressen. Hier ist nichts los, selbst Boote kommen nur wenige. Zum Einkaufen gibt es in den zwei kleinen Märkten kaum was, die Fähre kommt nur 2 Mal in der Woche. Die Bucht ist sehr ruhig, kein Schwell, keine Stranddisco, an den Rändern schöne Schnorchelplätze. Wir nutzen die Ruhe und bleiben mehrere Tage hier. Das ist der absolut ruhigste Ankerplatz, den wir bisher in der Karibik gefunden haben, kein Lärm, wenige Boote, kein Schwell, windgeschützt durch einen Palmenwald. Leider auch kaum Versorgungsmöglichkeiten, weshalb unsere Zeit hier auch begrenzt ist.

Union Island:
Wieder eine kurze Überfahrt von 4sm und wir sind in Clifton Harbour auf Union Island. Es ist eigentlich keine Bucht, sondern der Ostzipfel der Insel, durch ein Riff und die Weiter draußen liegende Hotelinsel Palm Island  geschützt gegen den Atlantikschwell , aber völlig offen für den Dauerwind von 20 Knoten, also 37kmh. Das ist wie Mopedfahren, Tag und Nacht, keine Sekunde Ruhe. Es heult und rüttelt immerfort. Die Windallergie kommt wieder. Der Ankerplatz ist sehr unruhig, wenig Platz im Riff, viele Ankerbojen und dazu aufdringlichste Bojen-und-auch-sonst-alles-Verkäufer. Einer verfolgt uns von ganz draußen bis noch nach dem Ankern 20 Minuten lang und labert uns voll, was er uns alles verkaufen könnte: eine Boje, Wasser, Diesel, Boje, Taxidienst, Eis, Boje, und obwohl wir bereits ankern, eine Boje. Erst als wir nicht mehr antworten und ihn völlig ignorieren, zieht er ab und nervt das nächste Boot. Ein norwegisches Boot, das vor einigen Tagen aus Mayreau neben uns liegend in Richtung Union Island ausgelaufen war, kam nach einigen Stunden zurück nach Mayreau. Jetzt wissen wir, warum. Hier werden wir auch nur fürs Einkaufen und Ausklarieren bleiben, und dann auf die Westseite der Insel wechseln. In Clifton Harbour ist es jedenfalls zu ungemütlich zum Bleiben. Wir probieren es auf der Leeseite der Insel in der Chatham Bay. Dort ist nichts mehr los, von 5 Lokalen haben noch zwei offen, sonst gibt es dort nichts. Es liegen noch 3 weitere Boote in der riesigen Bucht. Das Meer ist hier ruhig zum Ankern und Baden, aber von den Bergen kommen öfters sehr starke, kurze Böen, dass es alles rüttelt und schüttelt und das Schiff Schräglage bekommt. Überhaupt bläst der Wind seit 10 Tagen ununterbrochen, und stärker als es für die Jahreszeit sein sollte. Nach 2 Tagen fahren wir deshalb weiter südlich nach Carriacou.