Zakynthos

Nächstes Ziel ist Pylos, wo wir bei unserer Ankunft in Griechenland schon einmal waren. Ein paar Tage im Hafen, bis laut Vorhersage der starke Nordost nachlassen sollte. Bei der Ausfahrt aus der Bucht hat es dann doch wieder 20 Knoten gegen an und eineinhalb Meter steile Welle. Wir tauchen bei jeder Welle komplett mit dem Bug unter, und kehren nach 10 Minuten um. Wir ankern noch einen Tag lang in der Navarino Bucht, nahe der alten Festungsanlage, die wir natürlich besichtigen. Die ist ziemlich verfallen und ungesichert. Man kann dort auf bröckeligen Mauerresten direkt neben dem Abgrund herumkraxeln (auf eigene Gefahr, wie uns ein Schild eingangs mitteilt). So was ist nix für mich, von diesen Stellen halte ich mich eher fern, aber  von oben hat man eine tolle Aussicht über Bucht und Lagune, und auch zur halbkreisförmigen Voidokoilia-Bucht (Ochsenbauchbucht). Die schaut fast künstlich angelegt aus, ist aber tatsächlich echt. Die Bucht hatten wir zum Baden schon vorher einmal mit den Rädern besucht. Sie wirkt aber nur von oben spektakulär, von unten ist sie ein ganz normaler Sandstrand.
Wir fragen jetzt ständig in Marinas und Shipyards um Winterliegeplätze an. Die meisten sind schon ausgebucht, die wenigen freien Plätze sind unverschämt teuer. Viele antworten gar nicht. Ein paar bleiben aber zur näheren Wahl übrig. Mal sehen…..
Mit einem Tag Verspätung hört der Starkwind auf, und wir segeln gemütlich mit wenig Welle nach Kyparissia im Nordosten. Nach 35 Meilen Aufkreuzen legen wir im Hafen an, wie oft in Griechenland gratis, weil es keinen kümmert und niemand kassiert. Wir liegen längsseits am Kai, neben dem Schiff hängt eine Muring lose nach unten. Am Abend ist diese dann plötzlich unter dem Schiff zwischen Ruder und Propeller nach aussen gespannt, keine Ahnung wie das möglich ist. Ich kann die Muring nur landseitig losbinden und im Wasser versinken lassen, um das Schiff zu befreien. Die kleine Stadt bietet nichts Besonderes, das Zentrum mit großem Platz relativ weit weg vom Hafen, steil den Berg hinauf. Wir kaufen ein und fahren nach 2 Tagen unter Maschine 30 Meilen nach Katakolon. Dort bleiben wir nur eine Nacht am Anker. Rundum steigen Blubberblasen vom Grund auf, angeblich Schwefel, aber wir riechen nichts davon. Am Morgen liegen im Hafen 2 Kreuzfahrtschiffe, ein drittes ist gerade in Anfahrt. Von diesem Ort ausgehend gibt es Bus und  Zugverbindungen zum antiken Olympia, deshalb legen die Kreuzfahrer dort an.
Wir wechseln über nach Zakynthos, im Süden liegt in einer großen Bucht der Ankerplatz vor Keri, gut geschützt vor Nord- und Westwinden. Ein großer Teil der Bucht ist Naturschutzgebiet für die Unechte Karettschildkröte. Eine Große taucht auch neben dem Boot auf, leider zu kurz für ein Foto. In den folgenden Tagen umkreisen uns noch öfter Schildkröten. Die Tiere sind hier wesentlich scheuer als in der Karibik, wo man rund ums Boot mit ihnen schnorcheln konnte, ohne dass sie sich gestört fühlten.
Eine plötzliche Winddrehung am Nachmittag sorgt für Nervenkitzel: neben uns ankert das holländische Boot „Bolbliksem“ von Frans und Janneke. Der drehende Wind schiebt das Boot über die eigene Ankerboje, die im Propeller hängen bleibt und den Anker an der Drippleine aushebt. Das Boot treibt daraufhin ziemlich zügig hinaus aus der Bucht auf die vorgelagerte Schildkröteninsel zu. Wir beobachten das vorbeifahrende Boot, glauben erst, dass die halt jetzt losfahren. Wir bemerken dann erst, dass kein Motor läuft und gar niemand an Bord ist. Wir verfolgen den Ausreisser mit unserem Dinghi etwa 300m weit hinaus, steigen um, und können die Feeling 446 zurück auf den Ankerplatz fahren und neu ankern. Zum Glück waren Hauptschalter für Motor und Anker eingeschaltet. Die beiden Holländer sind nach ihrer Rückkehr am Abend überglücklich, dass nichts Gröberes passiert ist. Hätte auch böse enden können.
Wir bleiben ein paar Tage in dem Urlaubsort, bis der starke Nordwestwind schwächer wird. Wir baden ein bisschen, machen ab und zu Spaziergänge rund um den Ort. Wir kommen dabei auch an der Pechquelle des Herodot vorbei. Dort sprudelt erstaunlicherweise glasklares Wasser heraus, nur der Grund des gemauerten Beckens ist weich und teerig. Unsere holländischen Bekannten wollen den Nordwind zur Überfahrt nach Malta nutzen, kommen aber nach einigen Stunden wieder zurück, draußen ist der Wind zu stark, gegen an, und es sind sehr hohe Wellen.
Die nächsten zwei Tage sind wir in Zakynthos-Stadt. Im Hafen wollen sie 15Euro fürs liegen, Wasser und Strom extra. Das Hafenwasser ist trübe und stinkt stark nach Diesel, die Duschen sind grauslich, dreckig mit Kaltwasser, auf der Mole fahren etwa 100 Fahrzeuge je Stunde hin und her. Erst nach draussen und dann zurück, weil am Ende ist eigentlich nichts. Es gibt sogar Staus. Dafür sind 15 Euro entschieden zu viel. Wir bezahlen für eine Nacht, bleiben jedoch zwei, am Sonntag kommt eh niemand zum Kassieren. Wir nutzen den Sonntag für ausgiebige Radrundfahrten um die Stadt und auch auf den Berg mit Castell. Es stehen zwar fast nur mehr die Aussenmauern, aber es ist eine recht schöne Wanderung im Wald.
Im nächsten Hafen Agios Nikolaos wollen wir die beiden kommenden Regentage abwarten, es ist kein Wind angekündigt. In Wahrheit bläst es den ganzen Tag von Südost, die offenen Seite des Hafens. Entsprechend kräftig ist der Schwell, in der Nacht so extrem, dass drei Boote fluchtartig den Platz verlassen. Zumindest bei einem hat der Anker nicht gehalten. Unserer hält aber gut, und wir überstehen die unruhige Nacht unbeschadet. Tags darauf ist es ruhig, aber spannende Momente gibt es dennoch, als ein Charterkatamaran mit wohl semiprofessionellen deutschen Seefahrern beim Anlegen erst uns leicht touchiert, dann beim zweiten Versuch sich über unsere Kette dreht und nur mit viel Glück nicht hängen bleibt, um dann anschließend mit dem Heck die Mole zu rammen, weil er zu spät bremst, und niemand die Heckfender hinaushängt. Sowas ist doch was für Warmduscher. Nach dem Anprall an der Mauer dann das Kommando: „Ankerkette dichtnehmen!“ Sehr gut. So muss es sein. So ein Katamaran mit seinen zwei Maschinen ist halt bei Windstille ein beinahe unsteuerbares Gerät. Das kann ich verstehen. Abschließender Kommentar des Kapitäns: „Ist ja nix passiert!“
Die blauen Grotten, die da in der Nähe liegen, lassen wir aus. Erstens habe ich die schon einmal besucht, und sie sind wie alle Höhlen. Zweitens fahren dord etwa 20 Ausflusboote mit Touristen im Minutentakt hin und her. Zu viel Wirbel für zu wenig Erlebnis.