…leider nicht mehr unterwegs nach Norden

Startermotor defekt! Wir spendieren der Sch…Maschine einen pipifeinen Ölwechsel, und die dankt es uns mit einem zerbröselten Starter-Ritzel. Etwa 15 einzelne Zähne fallen hinten in den Motor rein, und sollen dort nicht unbedingt liegenbleiben! Also Maschine vom Saildrive abflanschen, nach vorne ziehen, Schwungrad ausbauen, Zähne nachfeilen, zusammenbauen, Maschine zurückschieben, neuen Startermotor einbauen. 2 Tage Arbeit mit einem professionellen Mechaniker im Motorraum mit Null Platz rundum macht einmal locker 980 Euro, dabei haben wir nicht einmal Original-Ersatzteile verwendet, sondern günstigere Nachbauteile. Zusammen mit der 200-Euro-Ersatzbatterie kratzen wir diesen Monat an der Grenze zum nicht-mehr-lustig sein. Alle Bootfahrer müssen Millionäre sein. Alle anderen zumindest.
Da die blöden Christmas-Starkwinde angekündigt sind, und auch tatsächlich kommen, so mit dauernd über 25 Knoten, fährt hier zur Zeit niemand raus. Der Hafen ist bummvoll, der Ankerplatz vorm Hafen auch. Wir ankern trotzdem draussen, weil das Wasser dort ein bisschen klarer ist als die widerliche Hafenbrühe, um die nächste stürmische Woche dort auszusitzen. Nebenbei tolles karibisches Wetter mit Regenschauern etwa zu jeder vollen Stunde. Der viele Regen findet seinen Weg durch ein paar neue Montagebohrungen, die der Segelmacher für das neue Verdeck gebohrt, aber leider nicht abgedichtet hat. Im Salon bildet sich aus dem Bezug der Deckenverkleidung ein hübscher, tropfender Wassersack. Genau über dem Computertisch. Bootfahren ist einfach Spaß ohne Ende.
Eigentlich aus Langeweile und ohne Aussicht auf Erfolg, weil hier noch nie was gefangen, hänge ich nachmittags die Angelleine raus und vergesse sie. Als es dann stockfinster ist und das Beiboot hinten schon hochgehievt, beißt ein Hornhecht an. Beim Einholen des Fangs gibt es dann doch ein bisschen Chaos im Finsteren und mit der verhedderten Angelleine im Beiboot, aber letztlich landet das Fischlein doch gepuzt und zerlegt im Kühlschrank fürs morgige Essen.
Inzwischen ist klar, dass wie hier tatsächlich noch länger bleiben müssen – wetterbedingt. Man hört von einigen Schiffen, die draussen in gröbere Bedrängnis gekommen sind. Deshalb fährt hier aus dem geschützten Le Marin auf Martinique kaum jemand weg, der nicht unbedingt muss. Im Gegenteil, es kommen immer mehr uns bekannte Schiffe hier an, inzwischen ist schon wieder eine beträchtliche Runde aus befreundeten Seglern hier. Alle verbringen hier Weihnachten und werden wohl auch bis nach Sylvester bleiben. So wird’s wenigstens nicht fad beim Warten. Heute ist Weihnachten, und wir werden den Tag mit gemütlichem Grillen am Schiff verbringen.