Weihnachten bis Neujahr

Wegen des starken Windes ist es draußen am Ankerplatz vor Ste.Anne doch ein wenig ungemütlich geworden. Von vorne gibt es giftige Windwellen, und hinten rauschen die Wasserskiboote vom Club Med vorbei und erzeugen Gegenwellen. Zum Baden ziemlich ungeeignet. Wir verlegen uns zurück hinein in einen äußeren Teil der Bucht von Le Marin. Hier ist trotz des Mangrovenwaldes das Wasser einigermaßen klar zum Baden, aber vor Allem ruhig!
Wir ankern neben Wolfgang und Christiane von der „Libertina“ zwischen zwei Riffen. Sonst noch einige weitere deutsche Boote rundum, die meisten kennen wir schon. Hier fährt kaum jemand herein oder raus. Die Einfahrt ist ein bisschen knifflig und vom Ankerplatz ist es dann doch recht weit zum Supermarkt und zu den Lokalen. Dafür ist es sehr ruhig. Ein französisches 50-Fuß-Stahlboot gesellt sich vor Weihnachten dazu, man läßt den Anker fallen und verläßt das Schiff für drei Tage. Dieses macht sich dann langsam selbständig auf die Reise durchs Ankerfeld und rutscht in den drei Tagen um mindestens 6 Bootslängen zurück, ohne jedoch jemanden zu gefährden, auf eine Sandbank zu. Bei ihrer Rückkehr scheint die Besatzung nicht sonderlich beeindruckt oder gar beunruhigt zu sein. Die hängt einfach ein paar Fender raus und verschwindet wieder. Bis zur Sandbank sind es ja nochmals 6 Bootslängen…. Ziemlich cool. Oder doch verrückt?
Wir haben für Silvester eingekauft, Grillzeugs und Sekt zum Anstoßen. Eigentlich wollen wir den Abend am Schiff verbringen, obwohl in den umliegenden Lokalen überall Silvestermenus angeboten werden. Aber das ist uns fast zuviel Rummel, und außerdem steht noch gar nicht fest, ob wir überhaupt bis Mitternacht aufbleiben werden, im Vorjahr haben wir es nicht geschafft. Dann Planänderung am Vortag zu Silvester: wir werden zusammen mit der „Libertina“ auf dem daneben ankernden Katamaran „Fradolin“ von Frank und Dorothea zum Fondue eingeladen. Unser Silvestermenue vom Grill wird daher um einen Tag vorgezogen. Da sind wir doch flexibel!
Am gleichen Tag abends kommt noch ein dicker Brummer hereingefahren und ankert unweit von uns. „Ecstasea“ steht drauf, und Wikipedia weiß: das Ding ist 86m lang, 12m breit, und wurde vom Herrn Roman Abramovich (wem sonst?) für 200 Mio. Dollar in Auftrag gegeben. Es war eines der kleineren(!) Schiffchen in dessen Flotte. Dafür aber das schnellste: zusätzlich zu den 13.000 Diesel-PS kann man da eine kleine 30.000-PS-Gasturbine anwerfen. 43.000 PS für 36 Knoten Topspeed. Das würde so mancher Sportbootfahrer gerne können wollen. Jetzt gehört die Kiste irgend einem pakistanischen Multimilliardär, der seine Kohle sicher auch auf ganz ehrliche Weise mit harter Arbeit verdient. Foto gibt’s davon keines, weil am nächsten Tag morgens ist Ecstasea wieder verschwunden.
Für das Silversteressen wurde so reichlich eingekauft, dass für den Neujahrstag sich noch ein kleines gemeinsames Abend-Restlessen ausgeht. Am Neujahrstag schüttet es fast durchgehend, daher wird der geplante Spaziergang nach Ste.Anne zum Eisessen um einen Tag verschoben.
Inzwischen sind auch unsere Freunde Veronika und Robert von „Seven Seas “ aus dem Süden kommend hier eingetroffen und berichten von sehr windigen Überfahrten mit hohen Wellen und beschädigter Genua. Da haben wir wohl in der Zwischenzeit draußen nix versäumt.