der letzte Zipfel

Nun investieren wir doch die 81 Euro für eine Nacht in der Marina Dubrovnik, um Einkäufe zu machen, die Wassertanks aufzufüllen und die Duschen und den Pool zu nutzen. Eigentlich ein Schnäppchen, weil es ist Donnerstag – ab Freitag kostet’s dann schon 105 Euro. Die zweite Nacht werden wir dann kostenfrei vor der Marina am Anker liegend verbringen.
Da wir beide schon in Dubrovnik waren, können wir die üblichen Rundgänge durch die Prachtstrassen und über die Stadtmauer auslassen, und widmen uns mehr den kleinen Seitengassen, wo es keine Restaurants oder Geschäfte gibt. Man findet so kleine verwachsene Gassen, die man sonst auf den normalen Touristenpfaden nicht sieht. Der Rest der Stadt ist natürlich mit Touristen vollgestopft, wahrscheinlich mehr Japaner als in Japan. Die Preise in den Lokalen sind entsprechend hoch. Ein Bierchen trinkt man besser, auf irgendwelchen geschichtsträchtigen Kathedralenstufen sitzend, um 11 Kuna aus einem Supermarkt als im Lokal zwanzig Meter daneben um 65 Kuna.
Tags darauf fahren wir nach Cavtat, einem Badeort, und zugleich der südlichste kroatische Zollhafen zum Ausklarieren. Hier treffen sämtliche fetten Megayachten aus den Steuerparadiesen dieser Welt aufeinander. Wir ankern in der Nachbarbucht, wollen nicht zwischen Booten liegen, die drei mal so hoch sind wie unseres lang ist, und auf denen die Bordsklaven den ganzen Tag die Fenster und die Reeling polieren müssen. Den wirklich letzen Ort, Molat, noch 5 Meilen weiter, ersparen wir uns. Von Cavtat aus wollen wir in den nächsten Tagen bei hoffentlich ruhigem Wetter die ungefähr 100 Meilen nach Italien übersetzen.

Elaphiten

Die stark bewaldete Inselkette entlang der Küste nördlich von Dubrovnik besteht aus Jakljan, dann Sipan. Dort bleiben wir in der Stadtbucht Sipanska Luka vor Anker. Der Ort ist sehr hübsch und gepflegt, mit einer ca. 3km langen Promenade um die ganze Bucht. Ein kleiner Park mit riesigen Palmen liegt inmitten des Ortes. Dort sind mitten in der Wiese Tische einer kleinen Pizzeria aufgestellt, man sitzt dort wie in einem privaten Garten im Schatten der Palmen. Bier gibt’s auch. Tagsüber kommen viele Bootsausflügler aus dem Raum Dubrovnik zum Baden oder Entspannen.
Die nächste Insel, Lopud, eine Fahrtstunde entfernt, hat vom Ortsbild nicht so viel zu bieten, außer einem sensationellen Park auf 13000qm, der gepflegte und verwilderte Bereiche aufweist, jedoch alles auf schattigen Wegen begehbar. Eine klotzige Hotelanlage verschandelt die andere Hälfte der Bucht.
Die südlichste Insel, Kolocep, hat keine besonderen Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es gibt eine geschützte Ankerbucht. Wenn nicht wieder einmal nachts ein Gewitter drüberzieht. Da bin ich ein bisschen allergisch und schlafe schlecht, wenns rundum kracht. Aber nix passiert und am nächsten Tag fahren wir noch einmal nach Lopud, diesmal an die Südseite, wo es einen tollen Sandstrand gibt. Natürlich ist dort tagsüber entsprechend viel los. Abends wird es dann ruhig.
Landschaftlich sind die vier Inseln aufgrund des dichten Waldes, der vielen Gärten mit Mandarinenbäumen und zahlreicher Olivenhaine sehr reizvoll.
Anschließend legen wir uns in die Bucht von Veli Zaton, um von dort aus mit dem Bus die paar Kilometer nach Dubrovnik zu fahren. Die Marina von Dubrovnik wäre zwar näher, ist aber unverschämt teuer, und auch von dort müsste man den Bus nehmen.

die südlichen Inseln

Von Starigrad im Westen geht es mit angenehmem Wind die Nordseite von Hvar entlang. Übernachtung in einer engen Bucht, die auf zwei Seiten von hohen Felsen gesäumt ist. Der Nachteil: Die Sonne geht schon um 5 Uhr unter. Am nächsten Tag geht es leider ohne Wind mit Maschine um Hvar östlich rundum und hinaus nach Korcula. Dort ankern wir etwas außerhalb des Stadtbereichs und fahren mit den Rädern 5km nach Korcula Stadt. Angeblich die Geburtsstadt von Marco Polo (folgend kurz: MP). Daher gibt es mindestens ein MP-Geburtshaus, das MP-Museum, einige MP-Wirtshäuser, teilweise mit angeschlossenem MP-Museum, Souveniershops mit MP-Sackerln, sowie eine MP-Bäckerei. Abgesehen davon eine hübsche Altstadt, jedoch leider touristisch überstrapaziert.
Tags darauf geht es abermals ohne Wind weiter entlang der Insel Mljet, wo wir in einer geschützten Bucht an einer Wirtshausboje nächtigen. Der Wind bleibt wohl wegen eines Hochs aus. Seit 8 Wochen das erste Hoch, das laut Wettervorhersage stationär über der Adria hockt! Am Ende beginnt hier endlich langsam der Sommer?
Nein.
Am dritten Tag verkommt das Hoch zu einem Gebiet mittleren Druckes, und von Nordwest kommt ein Frontsystem. Also alles wie gewohnt. Wir verstecken uns vor dem angekündigten Starkwind aus Südost in einer unbewohnten Bucht der Insel Jakljan, in der nur eine aufgelassene Kinder-Ferienanlage vor sich hingammelt. Gut erhaltene Gebäude, teilweise schon verwachsen, in den Räumen noch Bilder und Bastelzeugs von den Kindern. Wirkt ein bisschen gespenstisch. Ansonsten aber eine schöne Badebucht, sogar teilweise mit Sandstrand.
Am Vormittag kommt ein freundlicher Niederländer vom Nachbarboot vorbeigeschwommen, klopft ans Boot und fragt, welches Klo wir denn an Bord hätten ?!?  Der Grund ist, er hat von seinem alten Boot einen Satz Toilettendichtungen, den er jetzt nicht mehr braucht, und den er uns einfach schenkt. Vielen Dank!
Das Wetter bleibt stürmisch und wechselhaft. Neuer Unterschlupf vor dem stürmischen Wind ist der Hafen von Sipan.

Schon wieder der 13.

Bin ja eigentlich nicht abergläubisch, aber der Blitz hat uns am 13.Juli getroffen, und jetzt am 13.August bricht während einer an sich schönen Überfahrt von Brac nach Hvar die Schlaufe im Masttopp am Vorsegel, welches daraufhin bei relativ starkem Wind gemütlich herunterrutscht. Segeltag beendet, und leise Zweifel kommen, ob das was wir hier machen wirklich auf Dauer Spass macht. Alle zwei, drei Tage ein neuer schwerer Defekt! Das Reisebudget stöhnt leise vor sich hin. Also Planänderung: Einlaufen in Stari Grad und hoffen, dass es dort einen Segelmacher gibt. Den gibt es und das Segel kann repariert werden. Zu diesem Zwecke darf Karoline wieder einmal auf den Mast, was dieses Mal mit einem Foto dokumentiert wurde. Solche Einsätze werden langsam zur Routine, da bleibt auch Zeit zum Fotografieren. Beim nächsten Mal machen wir auch Fotos von oben.
Stari Grad ist ein netter, gepflegter Ort mit unglaublichen Touristenmassen auf der Hafenpromenade mit den Ramschläden, und kaum Menschen in den hübschen Gassen der zweiten und dritten Reihe. Seltsam. Die Liegeplätze sind randvoll und die Festmacherbojen werden mit zwei bis drei Schiffen belegt.
Am Vortag in einer einsamen Bucht haben wir, d.h. Karoline, unsere ersten Fische dieser Reise geangelt. Es waren zwei Brassen, eigentlich eher Brässchen, die zusammen gemütlich in der kleinem Pfanne Platz gefunden haben. Aber geschmackvoll und immerhin ein Anfang.

Immer wieder neue Überraschungen

Der Süden muss noch ein bisschen warten. Das Boot hat einen pipifeinen neuen Autopiloten mit allem Drum und Dran verpasst bekommen und dankt es uns zwei Tage später mit einem Bruch des Gaszuges am östlichen Ende von Brac. Also kein Antrieb mehr, und natürlich auch keine Bremse. Zum Glück passiert es bei einem Ankermanöver mit rundum genug Platz zum Reagieren. Nicht auszudenken, wenn das beim Anlegen in einem engen Hafen passiert. Da es natürlich gerade Freitag Nachmittag ist, erfahren wir, dass ein neues Gasseil erst am Montag darauf zu erhalten sein wird. Und das in Milna auf Brac-Westseite. Also die ganze Strecke entlang der Insel mit einem aus Leinen und Umlenkrollen improvisierten Gasseil zurück nach Milna, dort das Wochenende in einer Bucht vertreiben und am Montag den neuen Gaszug einbauen. Die Bucht, in der wir warten, scheint anfangs mit einem zweiten bereits ankernden Boot ziemlich eng. Die Nacht bleiben wir mit zwei Booten dort auch ziemlich allein und in Ruhe. Am Sonntag füllt sich die Bucht dann tagsüber jedoch mit  13 Booten und mit der Ruhe ist es vorbei. Die meisten fahren aber abends wieder weg, und über Nacht wird es wieder ruhig.

Erstmals seit Beginn der Reise gibt es auch ein halbwegs stabiles Hochdruckgebiet, das sogar einige Tage anhält – ruhiges angenehmes Badewetter. Hoffentlich bleibt es noch eine Zeit lang so.

Schöne Ankerbucht auf Brac