von Sardinien nach Griechenland

erste Etappe: von Sardinien nach Sizilien
In der Marina in Cagliari, wo wir wetterbedingt für eine gute Woche festsitzen, haben wir sehr nette Nachbarn. Jadranka aus Serbien, segelt meist allein mit ihrem 36-Fuß-Boot „Aspis“ in der Welt herum und will diese auch durchaus umrunden, und Michael aus Deutschland mit seinem Katamaran „Agate“. Beide warten wie wir auf bessere Windbedingungen, um weiterzufahren. Wir trinken abends gemeinsam ab und zu ein paar Bierchen oder gehen zusammen Pizza essen. Ich kann Jadranka bei der Behebung einiger Probleme mit ihrer Bordelektrik behilflich sein.
Es ist gerade Pfirsichzeit, man kriegt sie billig in den Märkten, ein guter Anlaß, um die Marmeladenvorräte wieder aufzufüllen.
Als die Wettervorhersage stärkeren Nordwind verpricht fahren wir los. Anfangs gutes Vorankommen mit 20 Knoten Rückenwind, allerdings nimmt mit der Entfernung von Sardinien auch die Wellenhöhe deutlich zu. Die Schaukelei ist ungemütlich, aber wir kommen gut voran. In der Nacht legt der Wind noch einmal kräftig zu, teilweise über 30 Knoten, Wellen bis 5m. An Schlaf ist nicht zu denken. Wir beschließen, Sizilien schon an der Nordwestecke anzulaufen. Eine zweite Nachtfahrt dieser Art scheint uns nur wenig verlockend. Es gibt Sturmwarnungen für alle Meeresregionen im westlichen Mittelmeer. Der Wind wäre ja auf unserer Route gut, aber die Wellen sind schon gefährlich und kommen teilweise über. Wir erreichen den netten Ort Castellammare und ankern eine Nacht im Vorhafen, bevor wir am nächsten Morgen in die Marina wechseln. Wir liegen dort neben dem Wiener Katamaran „Cagou“, den wir in Cagliari schon gesehen hatten. Die Stadt Castellammare ist ganz nett, touristisch, aber nicht übertrieben. Abends herrscht gute Stimmung auf den Plätzen und Straßen mit vielen Lokalen. Die Umgebung der Stadt ist aber von den vielen Waldbränden der letzten Wochen ziemlich angeschwärzt. Immer wieder sehen wir Löschflugzeuge beim Wassertanken.
Am nächsten Tag fahren wir weiter in Richtung Palermo. Im Vorort Mondello ankern wir dann in einer Badebucht. Es ist ein ganz passabler Segeltag mit Leichtwind aus Nordwest. Der Ankerplatz ist vom Restschwell des Tages noch recht unruhig. Auch „Cagou“ ist wieder da, und wir sind zum gemütlichen Sundowner am Katamaran eingeladen, der natürlich deutlich weniger wackelt als unser Schiff.
Morgens darauf fahren wir bei wenig Wind mit Maschine entlang der sizilianischen Nordküste in Richtung Messina weiter. Bei der Vorbeifahrt an den Liparischen Inseln sehen wir in der Ferne den Stromboli rauchen. Angekündigt sind 5-10 Knoten Wind aus variabler Richtung, tatsächlich sind es immer 10 Knoten exakt von vorne, auch wenn man um ein Kap herum den Kurs ändert, bleibt der Wind aufs Grad genau auf der Nase. Das kostet leider bei unserem 28-PS Motor immer mindestens einen Knoten Geschwindigkeit. Wir ankern über Nacht an der Nordeinfahrt zur Strasse von Messina vor dem hübschen Städtchen Scilla.

zweite Etappe: von Sizilien nach Griechenland
Nach Durchfahren der Straße von Messina geht es noch ein Stück die italienische Stiefelsohle entlang, bevor die nach Nordost abknickt,  und wir weiter nach Osten auf Griechenland zuhalten. Links von uns rauchen die verkohlten Reste der vergangenen Waldbrände, hinter uns raucht der Ätna. Ein Tag mit Maschinenfahrt, es geht leider kein Wind. Abends beginnt leichter Rückenwind, der nicht angekündigt war, der aber die ganze Nacht für 3 Knoten ruhiges Dahinsegeln reicht. Der komplette nächste Tag ist absolut windstill – Motorfahrt. Ich verbringe den ganzen Tag damit, einen neuen Loggegeber einzubauen und 15m zugehöriges Kabel vom Bug bis zum Steuerstand neu zu verlegen, um dann festzustellen, dass die neue Logge nach 5min den Betrieb wieder einstellt und nur mehr sporadisch was anzeigt. Das hätte der alte Loggegeber auch gekonnt. Der Fehler ist nicht lokalisierbar. Ein Tag Arbeit für’n A….! Bootfahren macht im Moment wieder sehr wenig Spaß.Nachts kommt wieder ein wenig Wind, gerade genug zum Segeln, nicht schnell, aber lautlos. Tagsüber müssen wir leider wieder motoren. Jetzt verbrauchen wir unseren Dieselvorrat aus den Kanistern, der eigentlich für die Kalmenzone am Atlantik gedacht war. Die Zone war bei unserer Überfahrt jedoch gerade nicht vorhanden, daher der Dieselüberschuß, den wir jetzt gut gebrauchen können.
Endlich sind wir angekommen! Und es fängt schon recht erfreulich an. Die Marina, 1km neben dem Ort gelegen, ist seit 20 Jahren unfertig, unbewirtschaftet und daher gratis. Im Ort sind viele Touristen, meist Griechen, die Lebensmittelpreise sind angenehm, und man kriegt für relativ wenig Geld gute Qualität in vernünftigen Mengen. Auch die Tavernen sind zahlreich, gemütlich, und nicht überteuert. Die Leute sind allesamt freundlich und hilfsbereit. Griechenland halt.
Wir wollen beim Hafenamt eine griechische Fahrgenehmigung (D.E.K.P.A) erwerben. Allein die Erwähnung dieses Wortes erzeugt bei allen anwesenden Abscheu, Ekel und Angst. Offenbar ist der Verwaltungsaufwand dafür mühsam, und der Hafenkapitän scheint mit Formularen, Computern, Englisch und dem ganzen Zeugs hoffnungslos überfordert zu sein. Zum Glück kümmert sich die engagierte Katharina von der CoastGuard für uns darum, was eigentlich nicht ihre Aufgabe wäre, aber sie ist wohl die Einzige dort, die kapiert hat wie es funktioniert. Nach 3 Tagen erhalten wir das ersehnte Dokument mit allen Stempeln drauf.
Inzwischen genießen wir die Stadt mit ihrer griechischen Gemütlichkeit, besichtigen die Festung und werden dort über die große Seeschlacht in der Bucht von Navarino über den Griechischen Unabhängigkeitskampf im 19. Jahrhundert informiert.
Nach 3 Tagen in Pylos wechseln wir über zum östlichen Finger des Peloponnes, Lakonia, und Ankern dort in Arhangelos. Dort habe ich vor 35 Jahren meinen ersten Griechenlandurlaub verbracht. Unsere Freunde Erich und Sigrun sind dem Ort treu geblieben und urlauben immer noch dort. Wir treffen sie und bleiben ein paar Tage in der ruhigen Bucht.

Die Italienzeit geht zu Ende

Nach Sturmende laufen wir in Richtung Süden aus. Unterwegs werden wir über längere Zeit von Delfinen begleitet, und wir fahren mehrmals durch riesige Kolonien mit Millionen kleiner Segelquallen. Es ist zwar leichter Südwind angekündigt, aber wir haben beschlossen trotzdem dagegen aufzukreuzen. Bis Arbatax geht das auch ganz gut, dann werden aus dem „Leichtwind“ doch wieder 25 Knoten und eineinhalb Meter Welle. Das macht die extrem schmale und winkelige Hafeneinfahrt von Porto Corallo ziemlich spannend. Der Bug taucht mehrmals so tief in die steile Welle ein, dass Karoline vorne knietief im Wasser steht. Es geht dann aber alles gut, und wir bleiben dort 3 Tage, bis der Südwind aufhört. Nach über 100 Meilen Aufkreuzen haben wir wieder eine Zeit lang genug davon. Von Porto Corallo aus machen wir einen ganztägigen Radausflug ins Landesinnere nach Villaputzu.
Sobald es ruhiger wird legen wir ab in Richtung Cagliari, mit einem Zwischenstopp in einer schönen, flachen, sandigen Ankerbucht. In Cagliari wollen wir dann auf günstige Wetterbedingungen für die dreitägige Überfahrt auf die Balearen warten. Außerdem treffen wir hier Freund Michael auf seinem Segeltörn. Michael wollte uns eigentlich ein paar Kleinteile mitbringen. Leider hat seine Reisetasche einen anderen Flieger genommen und ist bis jetzt noch nicht wieder aufgetaucht.
Der Aufenthalt in Cagliari dauert eine Woche. Wir liegen in einer etwas gammeligen, aber gemütlichen und billigen Marina. Hier sind kaum Tagesgäste, dafür aber viele Langfahrer wie wir. Eine recht eigentümliche Gemeinschaft. Wir verbringen die Zeit mit vielen Besichtigungen – Gott sei Dank haben wir die Räder mit, weil die Stadt ist ziemlich groß. Am Stadtrand gibt es einen riesigen Naturpark in einer Salzmarsch. Dort leben unzählige Flamingos, die in eindrucksvollen Formationen immer wieder über die Stadt fliegen. Ein bisschen Stress bekommen wir auch, weil der Bord-Laptop plötzlich verreckt. Der erste Reparaturversuch scheitert leider: die gebrauchte Austausch-Festplatte gibt nach 2 Tagen ebenfalls den Geist auf. Der zweite Versuch ist (bis jetzt jedenfalls) erfolgreich, dank Luca, dem cagliarischen Computerdoktor, der dafür eine Nacht durcharbeitet. Das ist auch der Grund, warum dieser Blogbeitrag ein bisschen verzögert erscheint.

stürmische Hafentage

Die 19 Grad waren eine Eintagsfliege, und zum Baden auch viel zu kalt, denn der angesagte Leichtwind hatte dann doch wieder einmal 20 Knoten, und da fühlen sich 19 Grad an wie 13. Also wieder einmal Pullover und Windjacke statt Badehose. Für die folgende Woche ist dann ein unfreundliches Sturmtief mit Windstärken um 10 angesagt. Daher werden wir das schöne Buchten- und Ankergebiet leider verlassen müssen, und in einen sicheren Hafen weiter südlich flüchten. In La Caletta bleiben wir 5 stürmische Tage. Wir machen ausgedehnte Radausflüge nach Siniscola, Posada und ins umliegende flache Salzmarschland. An den heftigsten Sturmtagen ist teilweise so viel Gegenwind, dass man mit dem Rad nicht mehr dagegen anfahren kann. Das Schiff im Hafen bekommt mehrmals extreme Schräglage, sodass die Teller vom Tisch rutschen. Das Hafenwasser brodelt, und die Gischt paniert das ganze Schiff mit einer Salzkruste. Wir hoffen, dass die Festmacherleinen das elende Gezerre aushalten. Meine Windallergie nimmt wieder deutlich zu.

P.S. Im Register „Route“ haben wir die aktuelle Strecke ab Winterlager nachgezeichnet.

einsame Costa Smeralda

Es ist  Wärmer und ruhiger geworden. Wir segeln im Maddalena Archipel kreuz und quer herum, je nach aktueller Windrichtung, und bleiben jede Nacht in einer anderen Bucht. Die ganze Inselgruppe ist eindeutig und mit Abstand das schönste Segelrevier, das wir bisher in Italien gefunden haben. Ein besonders schöner Platz ist die Bucht Porto Palma auf der Insel Caprera, die wir bei einem Radausflug von Maddalena bereits von Land aus entdeckt haben. Caprera ist mit einem Damm mit Maddalena verbunden. Es ist kaum bewohnt, hat aber viele Wander- und Radwege, und traumhaft schöne flache Buchten mit Sandstrand und großen knuffigen, runden Felsen zwischendrin.
Ein Badeversuch meinerseits in einem der wenigen windstillen Momente wird wegen grausamster Wassertemperatur nach einer halben Minute abgebrochen. Wahrscheinlich sind deshalb noch so wenige Touristen da…..
Das relativ stabile Hoch der letzten paar Tage bricht jetzt zusammen. Das bedeutet mehrere Winddreher in alle Richtungen täglich. Auch nachts. Somit ist es schwierig einen sicheren Ankerplatz zu finden, denn bis abends schaut alles schon wieder ganz anders aus. Nach dem ersten nächtlichen Gewitter verlassen wir den La Maddalena Archipel und starten entlang der Ostseite Sardiniens in Richtung Süden. Erst einmal besuchen wir Porto Cervo. Ein Ferienort für Reiche und Prominente. viele sehr schöne Luxusvillen in tollen Gärten zum Vermieten (zwischen 10.000 und 100.000 Euro/Woche). Mittendrin der berühmte Yachtclub Costa Smeralda. Der ist allerdings ein hässlicher moderner Gebäudekasten, und verschandelt eigentlich die ganze Bucht. Im Sommer spielt es sich dort ab, mit JetSet und Superyachten und Designer-Outlets und was man halt so braucht. Jetzt aber ist alles leer. Im Hafen liegen nur ganz wenige Boote, in den Villen bereiten tagsüber Gärtner und Bauarbeiter alles für die Saison vor. Abends wird es still und es ist wie ausgestorben. Alles ist sehr schön hergerichtet, wirkt aber total unecht. Hier wohnt jetzt niemand. Am Abend ist es wie in Disneyland nach Betriebsschluß. Hier an der Costa Smeralda stehen sehr viele Hotels und Ferianappartments am Strand. Die meisten sind hübsch und niedrig mit schönen Parkanlagen rundum, und fügen sich wenig störend in die Landschaft. Es gibt viele Buchten und auch Yachthäfen, aber eben kaum richtige bewohnte Dörfer. Alles ist auf Touristen ausgerichtet, aber zur Zeit leer und nachts dunkel. Keine offenen Restaurants, kaum Supermärkte, alles ist noch zu. Wir können uns vorstellen, dass diese wunderschöne Gegend in der Saison ziemlich unerträglich vollgestopft sein muss. Jetzt teilen wir das alles nur mit 2 oder 3 anderen Segelbooten täglich. Vereinzelt sehen wir Touristen einsam am Strand sitzen – baden wollen die aber kaum. Morgen soll es laut Wettervorhersage sogar einmal 19Grad(!) erreichen.

 

kein Frühling, dafür 100% April

Die erste Nacht auf Sardinien ankern wir in einer schmalen Bucht bei Westwind mit gut 30 Knoten. Der Wind heult mächtig, aber das Wasser ist ruhig und wir liegen sicher. Am nächsten Tag kommt Regen und der Starkwind dreht auf Nordost. Ganz schlecht für uns. Wir flüchten daher ins nahe gelegene Städtchen Palau. Ein moderner Touristenort ohne besondere Sehenswürdigkeit. Wir entdecken jedoch einen netten kleinen Park mit einer Art Steingarten, der jetzt im Frühling sehr schön blüht. Appropos Frühling: Der Sturm weht zwei Tage lang mit 25 Knoten aus Nordost, es hat 9 Grad, trotz Sonnenschein ist es schweinekalt. Am nächsten Tag vormittags Starkregen, Sturm, 5Grad. Die frühe Jahreszeit hat den Vorteil, dass niemand unterwegs ist und man in vielen Häfen gratis liegt, weil die Büros noch gar nicht besetzt sind. Nachteil ist, dass es saukalt ist und das Wetter sich alle paar Stunden völlig ändert – nur leider nicht zum Besseren. Jetzt gerade liegen wir im Zentrum eines Hochs. Das hindert den Wind, vorhergesagt mit 15Knoten, jedoch nicht daran, dann doch mit 25Knoten zu blasen. Zusammen mit schlecht haltendem Ankergrund in der Bucht unserer Wahl heißt das wieder einmal: Flucht vor dem Wetter in eine andere Bucht. Wenigstens ist die Auswahl an Ankerbuchten hier im Maddalena-Archipel einigermaßen üppig. Auch hier besteht alles aus Naturschutzgebieten, die nach entsprechender Bezahlung dann keine wirklichen mehr sind. Jetzt in der Vorsaison ist das Befahren jedoch noch gratis. Der nächste Tag ist ruhig, wir verbringen ihn in einer ziemlich einsamen, türkisfarbenen Ankerbucht. Tags darauf müssen wir wieder aus der nächsten Ankerbucht flüchten, weil Starkwind kommt und der Anker wieder rutscht. Das Wochenende verbringen wir dann im Stadthafen von Maddalena. Liegeplätze sind jetzt noch genügend vorhanden, dazu billig. Das Wetter beruhigt sich jetzt ein bisschen, und es sollte auch etwas wärmer werden.