Die Italienzeit geht zu Ende

Nach Sturmende laufen wir in Richtung Süden aus. Unterwegs werden wir über längere Zeit von Delfinen begleitet, und wir fahren mehrmals durch riesige Kolonien mit Millionen kleiner Segelquallen. Es ist zwar leichter Südwind angekündigt, aber wir haben beschlossen trotzdem dagegen aufzukreuzen. Bis Arbatax geht das auch ganz gut, dann werden aus dem „Leichtwind“ doch wieder 25 Knoten und eineinhalb Meter Welle. Das macht die extrem schmale und winkelige Hafeneinfahrt von Porto Corallo ziemlich spannend. Der Bug taucht mehrmals so tief in die steile Welle ein, dass Karoline vorne knietief im Wasser steht. Es geht dann aber alles gut, und wir bleiben dort 3 Tage, bis der Südwind aufhört. Nach über 100 Meilen Aufkreuzen haben wir wieder eine Zeit lang genug davon. Von Porto Corallo aus machen wir einen ganztägigen Radausflug ins Landesinnere nach Villaputzu.
Sobald es ruhiger wird legen wir ab in Richtung Cagliari, mit einem Zwischenstopp in einer schönen, flachen, sandigen Ankerbucht. In Cagliari wollen wir dann auf günstige Wetterbedingungen für die dreitägige Überfahrt auf die Balearen warten. Außerdem treffen wir hier Freund Michael auf seinem Segeltörn. Michael wollte uns eigentlich ein paar Kleinteile mitbringen. Leider hat seine Reisetasche einen anderen Flieger genommen und ist bis jetzt noch nicht wieder aufgetaucht.
Der Aufenthalt in Cagliari dauert eine Woche. Wir liegen in einer etwas gammeligen, aber gemütlichen und billigen Marina. Hier sind kaum Tagesgäste, dafür aber viele Langfahrer wie wir. Eine recht eigentümliche Gemeinschaft. Wir verbringen die Zeit mit vielen Besichtigungen – Gott sei Dank haben wir die Räder mit, weil die Stadt ist ziemlich groß. Am Stadtrand gibt es einen riesigen Naturpark in einer Salzmarsch. Dort leben unzählige Flamingos, die in eindrucksvollen Formationen immer wieder über die Stadt fliegen. Ein bisschen Stress bekommen wir auch, weil der Bord-Laptop plötzlich verreckt. Der erste Reparaturversuch scheitert leider: die gebrauchte Austausch-Festplatte gibt nach 2 Tagen ebenfalls den Geist auf. Der zweite Versuch ist (bis jetzt jedenfalls) erfolgreich, dank Luca, dem cagliarischen Computerdoktor, der dafür eine Nacht durcharbeitet. Das ist auch der Grund, warum dieser Blogbeitrag ein bisschen verzögert erscheint.

stürmische Hafentage

Die 19 Grad waren eine Eintagsfliege, und zum Baden auch viel zu kalt, denn der angesagte Leichtwind hatte dann doch wieder einmal 20 Knoten, und da fühlen sich 19 Grad an wie 13. Also wieder einmal Pullover und Windjacke statt Badehose. Für die folgende Woche ist dann ein unfreundliches Sturmtief mit Windstärken um 10 angesagt. Daher werden wir das schöne Buchten- und Ankergebiet leider verlassen müssen, und in einen sicheren Hafen weiter südlich flüchten. In La Caletta bleiben wir 5 stürmische Tage. Wir machen ausgedehnte Radausflüge nach Siniscola, Posada und ins umliegende flache Salzmarschland. An den heftigsten Sturmtagen ist teilweise so viel Gegenwind, dass man mit dem Rad nicht mehr dagegen anfahren kann. Das Schiff im Hafen bekommt mehrmals extreme Schräglage, sodass die Teller vom Tisch rutschen. Das Hafenwasser brodelt, und die Gischt paniert das ganze Schiff mit einer Salzkruste. Wir hoffen, dass die Festmacherleinen das elende Gezerre aushalten. Meine Windallergie nimmt wieder deutlich zu.

P.S. Im Register „Route“ haben wir die aktuelle Strecke ab Winterlager nachgezeichnet.

einsame Costa Smeralda

Es ist  Wärmer und ruhiger geworden. Wir segeln im Maddalena Archipel kreuz und quer herum, je nach aktueller Windrichtung, und bleiben jede Nacht in einer anderen Bucht. Die ganze Inselgruppe ist eindeutig und mit Abstand das schönste Segelrevier, das wir bisher in Italien gefunden haben. Ein besonders schöner Platz ist die Bucht Porto Palma auf der Insel Caprera, die wir bei einem Radausflug von Maddalena bereits von Land aus entdeckt haben. Caprera ist mit einem Damm mit Maddalena verbunden. Es ist kaum bewohnt, hat aber viele Wander- und Radwege, und traumhaft schöne flache Buchten mit Sandstrand und großen knuffigen, runden Felsen zwischendrin.
Ein Badeversuch meinerseits in einem der wenigen windstillen Momente wird wegen grausamster Wassertemperatur nach einer halben Minute abgebrochen. Wahrscheinlich sind deshalb noch so wenige Touristen da…..
Das relativ stabile Hoch der letzten paar Tage bricht jetzt zusammen. Das bedeutet mehrere Winddreher in alle Richtungen täglich. Auch nachts. Somit ist es schwierig einen sicheren Ankerplatz zu finden, denn bis abends schaut alles schon wieder ganz anders aus. Nach dem ersten nächtlichen Gewitter verlassen wir den La Maddalena Archipel und starten entlang der Ostseite Sardiniens in Richtung Süden. Erst einmal besuchen wir Porto Cervo. Ein Ferienort für Reiche und Prominente. viele sehr schöne Luxusvillen in tollen Gärten zum Vermieten (zwischen 10.000 und 100.000 Euro/Woche). Mittendrin der berühmte Yachtclub Costa Smeralda. Der ist allerdings ein hässlicher moderner Gebäudekasten, und verschandelt eigentlich die ganze Bucht. Im Sommer spielt es sich dort ab, mit JetSet und Superyachten und Designer-Outlets und was man halt so braucht. Jetzt aber ist alles leer. Im Hafen liegen nur ganz wenige Boote, in den Villen bereiten tagsüber Gärtner und Bauarbeiter alles für die Saison vor. Abends wird es still und es ist wie ausgestorben. Alles ist sehr schön hergerichtet, wirkt aber total unecht. Hier wohnt jetzt niemand. Am Abend ist es wie in Disneyland nach Betriebsschluß. Hier an der Costa Smeralda stehen sehr viele Hotels und Ferianappartments am Strand. Die meisten sind hübsch und niedrig mit schönen Parkanlagen rundum, und fügen sich wenig störend in die Landschaft. Es gibt viele Buchten und auch Yachthäfen, aber eben kaum richtige bewohnte Dörfer. Alles ist auf Touristen ausgerichtet, aber zur Zeit leer und nachts dunkel. Keine offenen Restaurants, kaum Supermärkte, alles ist noch zu. Wir können uns vorstellen, dass diese wunderschöne Gegend in der Saison ziemlich unerträglich vollgestopft sein muss. Jetzt teilen wir das alles nur mit 2 oder 3 anderen Segelbooten täglich. Vereinzelt sehen wir Touristen einsam am Strand sitzen – baden wollen die aber kaum. Morgen soll es laut Wettervorhersage sogar einmal 19Grad(!) erreichen.

 

kein Frühling, dafür 100% April

Die erste Nacht auf Sardinien ankern wir in einer schmalen Bucht bei Westwind mit gut 30 Knoten. Der Wind heult mächtig, aber das Wasser ist ruhig und wir liegen sicher. Am nächsten Tag kommt Regen und der Starkwind dreht auf Nordost. Ganz schlecht für uns. Wir flüchten daher ins nahe gelegene Städtchen Palau. Ein moderner Touristenort ohne besondere Sehenswürdigkeit. Wir entdecken jedoch einen netten kleinen Park mit einer Art Steingarten, der jetzt im Frühling sehr schön blüht. Appropos Frühling: Der Sturm weht zwei Tage lang mit 25 Knoten aus Nordost, es hat 9 Grad, trotz Sonnenschein ist es schweinekalt. Am nächsten Tag vormittags Starkregen, Sturm, 5Grad. Die frühe Jahreszeit hat den Vorteil, dass niemand unterwegs ist und man in vielen Häfen gratis liegt, weil die Büros noch gar nicht besetzt sind. Nachteil ist, dass es saukalt ist und das Wetter sich alle paar Stunden völlig ändert – nur leider nicht zum Besseren. Jetzt gerade liegen wir im Zentrum eines Hochs. Das hindert den Wind, vorhergesagt mit 15Knoten, jedoch nicht daran, dann doch mit 25Knoten zu blasen. Zusammen mit schlecht haltendem Ankergrund in der Bucht unserer Wahl heißt das wieder einmal: Flucht vor dem Wetter in eine andere Bucht. Wenigstens ist die Auswahl an Ankerbuchten hier im Maddalena-Archipel einigermaßen üppig. Auch hier besteht alles aus Naturschutzgebieten, die nach entsprechender Bezahlung dann keine wirklichen mehr sind. Jetzt in der Vorsaison ist das Befahren jedoch noch gratis. Der nächste Tag ist ruhig, wir verbringen ihn in einer ziemlich einsamen, türkisfarbenen Ankerbucht. Tags darauf müssen wir wieder aus der nächsten Ankerbucht flüchten, weil Starkwind kommt und der Anker wieder rutscht. Das Wochenende verbringen wir dann im Stadthafen von Maddalena. Liegeplätze sind jetzt noch genügend vorhanden, dazu billig. Das Wetter beruhigt sich jetzt ein bisschen, und es sollte auch etwas wärmer werden.

von Rettungsinseln und Küchenzubehör

Nach 3 Tagen Regen präsentiert sich Elba nun von seiner besseren Seite. Wir spazieren durch die Stadt Portoferraio. Es gibt dort einen sicheren Hafen, 3 Burganlagen und die Villa vom Herrn Napoleon, der dort ein paar Jahre Ferien gemacht hat. Eine Burg können wir besichtigen, die beiden anderen sind noch geschlossen. Es ist halt noch sehr früh in der Saison. Obwohl dort neben einigen überwinternden Bootfahrern offenbar schon ein paar Touristen unterwegs sind. Eigentlich würden wir gerne noch länger bleiben, aber der Wind soll in den nächsten Tagen nach West drehen, und genau dort wollen wir hin. Wir nutzen ein Wetterfenster mit Nordwind um auf Halbwindkurs eine Überfahrt nach Korsika zu starten. Auf halber Strecke zeichnen sich am Horizont 4 schneebedeckte Bergriesen ab. Fein! Der Winter ist noch nicht ganz vorbei. Am Abend machen wir im Ort Bastia im Hafen der Einheimischen fest. Alle sind sehr freundlich, sprechen aber leider nur französisch. Wir nicht. Im Hafeneinfahrtsbereich sehen wir den ersten Badenden der Saison. Ein Verrückter. Wassertemperatur 17 Grad. Wir fahren mit dickem Pullover und Windjacke bekleidet an ihm vorbei. Der nächste Tag führt uns entlang der Ostküste, leider ganz ohne Wind, motoren wir 10 Stunden gemütlich aber fade dahin. Am nächsten Tag ist wieder Wind zum Segeln. In der Einfahrt nach Porto Vecchio wird es ziemlich heftig. Es bläst dort mit 30-45 Knoten aus der Bucht entgegen. Wir fahren mit Maschine, müssen aber dazu ein Segel setzen und aufkreuzen, weil die Maschine alleine keine Fahrt mehr macht. Sehr giftiger Wind und Welle, sehr nass, sehr ungemütlich. Hier am flacheren Südende Korsikas spürt man jetzt den Weststurm mit Stärke 10, der auf der anderen Inselseite bläst. Bis jetzt waren wir durch die hohen Berge abgedeckt. In Porto Vecchio lernen wir Volker und Vera aus Düsseldorf kennen, die gerade ein Boot übernehmen. Ich kann ihnen ein bisschen bei der Inbetriebnahme behilflich sein. Da sie ihre Rettungsinsel zum Service nach Ajaccio bringen müssen,  nehmen sie uns am nächsten Tag mit ihrem Auto auf eine ausgiebige Inselrundfahrt mit. Die Insel bietet großartige Landschaften, von flachen Küstenstreifen über hügelige Gebiete, hin zu Almen wie daheim, und hochalpinem Gebieten mit 2800 Metern Seehöhe. Tolle Eindrücke!
Die Adresse der Rettunsinselwartung erweist sich als Küchengeschäft. Die machen keine Rettungsinselwartung. Nach einigen Telefonaten kommt uns der Rettungsinseltechniker abholen, und bringt uns zum neuen Standort seiner Werkstatt.
Nach Ende des Nordwest-Sturmes besuchen wir Bonifacio am Südwestzipfel Korsikas. Die Stadt liegt am Ende eines 2km langen, schmalen Einschnittes mit hohen Sandsteinwänden. Umgeben von einer riesien Festungsmauer ist die Stadt am Berg aber von außen betrachtet eindrucksvoller als von innen. Eigentlich wollen wir dort das ganze Osterwochenende bleiben, aber die Wettervorhersage kündigt für danach sehr ungünstige Winde zum Weiterfahren an. Daher wechseln wir einen Tag früher nach Sardinien über, wo wir das neuerliche Mistwetter – wieder einmal Sturm von West, Regen, dann Starkwind von Nordost – in verschiedenen Buchten aussitzen wollen.
Langsam nervt das dauernde Sch….wetter, es könnte ruhig einmal länger als 2 Tage durchgehend ruhig und schön sein!
Der Inselarchipel im Nordosten Sardiniens ist natürlich „Naturschutzgebiet“, in dem fast alles verboten ist: Fahren, Ankern, Angeln, Tauchen usw. Es sei denn, man bezahlt genügend Bares an die „Naturschutzbehörde“, dann ist das mit dem Naturschutz doch wieder nicht sooo streng. Aha. Wir sind noch vor Mai hier, da sollte der Aufenthalt noch frei sein. Wir werden sehen!