Peloponnes im August

Westlich des Peloponnes bläst es aus der Adria herunter bis Kreta. Östlich pfeift’s aus dem Schwarzen Meer hinunter über die Kykladen. Abwechselnd, meist aber gleichzeitig. Der Süden des Peloponnes bleibt von Beidem eher verschont. Wir kriegen hier nur die Verwirbelungen am Rand der Strömungen mit. Die sind nicht besonders stark, aber es dreht der Wind mehrmals am Tag komplett herum. Bei einem Segelbergemanöver will ich das Boot in den Wind drehen und muß mehr als einen Vollkreis fahren, weil der Wind innerhalb einer Minute komplett rundum dreht. Die Auswahl eines guten Ankerplatzes ist unter diesen Bedingungen ein wenig kompliziert. Nachts ist es zum Glück fast immer ruhig. Es ist heiß, aber wir haben den großen Pool zum Abkühlen ja direkt vor der Wohnung.
Der Ort Archangellos, den ich vor 25 Jahren das letzte Mal besucht habe, ist etwas gewachsen, aber hat sich im Prinzip nicht sehr verändert. Ein bisschen mehr Touristen sind da, mehrheitlich griechische, ein paar Italiener. Ich treffe auch nach langer Zeit doch wieder auf einige alte Bekannte aus den Urlauben von vor 25 Jahren. Die Touristen wohnen fast alle in Appartements, ein paar kommen mit Wohnmobilen. Segler sind außer uns keine da.  Es gibt wieder Kaktusfrüchte, die in Massen wild am Straßenrand wachsen, und Freunde versorgen uns immer wieder mit süßen, reifen Feigen. Und die griechischen Wassermelonen sind wie immer hervorragend, wir haben immer eine im Kühlschrank und mindestens eine weitere in Reserve.
Nach der Abreise unserer Freunde fahren wir in den Golf hinein bis Gytheon auf Mani. Das ist eine hübsche kleine Stadt auf einem Hügel, davor eine Halbinsel mit gutem Ankerplatz. Leider ist es sehr touristisch, entlang der Promenade stehen lauter Restaurants, wo man überall angesprochen wird, hereinzukommen. Sowas mag ich nicht. Entlang der Promenade ist die vielbefahrene Hauptstrasse, bis spät in die Nacht fahren eine Menge Motorräder mit Höllenlärm vorbei. Die Stadt ist optisch nett, aber zum Bleiben nicht sehr einladend.
Die beiden nächsten Tage bleiben wir in einer Badebucht nahe Skoutari. Dort sind  tagsüber Badegäste, nachts sind wir völlig allein, keine weiteren Schiffe. Auch die umliegenden Häuser sind meist unbewohnt. Es ist sehr ruhig und auch windstill. Wir schlafen an Deck unterm Sternenhimmel in angenehmer Kühle.
Nächster Aufenthalt ist im Südosten Manis, die Bucht Porto Kagio. Eine rundum geschützte Bucht zwischen steilen Bergen, mit den typischen Mani-Wohntürmen. Das Mini-Örtchen dort besteht aus 3 Tavernen und ein paar Appartements.
Der schmale Strand ist zugleich Stellplatz für die Tavernentische und auch Hauptstrasse des Ortes. Bis zum Abend sammeln sich dort etwa 10 Schiffe zum Ankern, da wird es ein bisschen eng, und der Skipper des benachbarten österreichisch-holländischen Bootes erklärt mir, wie das Ankern funktioniert. Er war schließlich schon 10x da! Danke für die guten Tipps eines erfahrenen Urlaubsseglers.
Wir runden Mani im Süden und bleiben in Pyrgos Diroy. Dort sind Tropfsteinhöhlen zu besichtigen, wir gehen aber nicht hinein, es sind viele Besucher da und das Anstellen ist uns zu blöd. Tagsüber liegen viele Leute am Strand, der zur Befestigung mit groben Kieseln bestreut ist. Nachts sind wir fast allein, bis auf ein paar Camper. Zum Strandliegen ist es hier wegen der Kieselsteine gar nicht einmal gut, aber im Wasser ist ein riesiges Areal mit  feinstem, gut haltendem Sandgrund, nicht das kleinste Steinchen, kein Seegras, 5 Meter tief, ein Pool. Ein toller Ankerplatz, außer wenn von West der Schwell hereinsteht, was er fast immer tut. Dann wird es ein bisschen rollig, mit dem Heckanker stabilisiert geht es aber halbwegs.
Nach zwei Tagen wechseln wir nach Petalidi auf Messinia, wo wir meine Schwester Helga und Nachbarin Sissi treffen, die in der Nähe campieren. Der Hafen ist zu seicht für uns aber der Ankerplatz davor ist gut geschützt. Der Ort bietet viele Lokale, Bäcker, Fleischer, Fischmarkt, Supermarkt und freitags einen Obstmarkt. Besonderheit ist eine öffentliche Quelle am Strand, wo kaltes, köstliches Trinkwasser von Mani unter dem Meer durchgedrückt wird. Auf einem Radausflug in der Umgebung sammeln wir genügend Weintrauben, Feigen, Kaktusfrüchte und Granatäpfel für die Obstversorgung über die nächsten Tage.
Die folgenden 3 Tage verbringen wir in Koroni. Es gibt eine venezianische Festung mit einem Kloster, der Ort ist nett mit vielen verwinkelten Gassen. Der Hafen ist aber völlig unbrauchbar. Viel zu seicht zum Anlegen an der Kaimauer, stinkendes Hafenwasser und am Ankerplatz davor auch ohne Wind ein Schwell wie wir ihn selten zuvor hatten. Von der Kaimauer reflektierte Wellen lassen das Wasser rundum brodeln wie kochende Suppe. Ein Anlegen mit dem Dingi ist nur in wenigen Momenten am Tag möglich. Nette Stadt, aber der Ankerplatz ist völlig unzumutbar. Keine ruhige Minute hier. Für 2 weitere Tage wechseln wir um die Landzunge herum auf die Südseite der Stadt. Dort ist ein gegen Nord geschützter Ankerplatz vor einem schönen Strand mit guten Schnorchelplätzen.
Anschließend fahren wir um die Südecke Messiniens herum. Wir kreuzen den ganzen Tag bei angenehmen Bedingungen, Wind nicht zu stark, wenig Welle, da macht auch Kreuzen Spaß. Schließlich ankern wir vor Methoni, ganz im „Hafenbecken“, gut geschützt gegen Schwell. Das Hafenbecken ist eigentlich ein Sandstrand mit einem Welenbrecher davor. Anlegen geht nicht, aber Ankern ist gut. Die Burganlage ist schon sehr verfallen, aber riesig und sehenswert. Ansonsten ist Methoni ein reiner Touristenort ohne Besonderheiten, außer einem schönen Strand entlang der Festungsanlage. Wir bleiben ein paar Tage hier, um den derzeit stärkeren Nordwestwind auszusitzen, und wollen dann die Westküste entlang nach Norden, Richtung Zakynthos weiter.